[1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Seresa » Sa 10. Nov 2018, 19:55

Seresa nickte auf den enigmatischen Satz des Lasombra hin. Dann schloss sie für einen Moment länger die braunen Augen, bevor sie sie erneut öffnete. Sie blickte in die Schwärze seiner Augen und sie zögerte nur für den Bruchteil eines Moments, bevor sie an Ilario gewandt sprach.

„Das Bischofskastell fiel seinerzeit im Krieg selbst in der zweiten Nacht des Angriffs durch die Sarazenen nicht. Es gab jedoch ein Feuer, welches im Laufe der darauffolgenden Tagesstunden oder frühen Abendstunden ausgebrochen sein musste. An jenem Tag, als Ihr in der abendlichen Dunkelheit vor ihrer Majestät Aurore an der Porta Soprana knietet und sie mit den Kämpfern in die Stadt einzog, um die Sarazenen ins Meer zurückzudrängen. Mir ist die Ursache dieses Feuers nicht bekannt und doch weiß ich, dass sich viele Sterbliche in den Mauern hätten befinden müssen, welche Schutz suchten vor den Schwarzen. Jedoch hörte ich von keinen Gerüchten über Tote oder Verletzte. Ob Maximinianus zu diesem Zeitpunkt zugegen war ist mir nicht bekannt. Euer Bruder im Blute Fabrizio befand sich jedoch wohl zumindest in den frühen Morgenstunden vor dem Aufgang der Sonne im Bischofskastell und soweit ich es beurteilen konnte, war dieses wie ich bereits sagte, zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen. Ich hätte wahrlich gerne mit ihm über die Geschehnisse innerhalb der Mauern gesprochen, doch es war mir nicht mehr vergönnt mit ihm zu sprechen, bevor…“

Für einen Moment wirkte die Brujah verärgert, bevor sie den Kopf schüttelte und das Thema sein ließ. Sie wusste nicht, warum der Schatten getötet oder was auch immer wurde und es stand ihr nicht zu Kritik an der Entscheidung ihrer Majestät Aurore zu äußern.

„Ihr hattet Ihre Majestät Aurore gebeten, das Verschwinden Fabrizios untersuchen zu dürfen. Ich nehme an, dies ist eines der Themen, über welches ihr Stillschweigen wahren müsst und dies respektiere ich. Was ich Euch einzig nahelegen möchte wäre, dass Ihr in Eure Überlegungen die Frage miteinbezieht, ob der Ketzer durch Fabrizios Positionierung im Krieg - womöglich sogar nicht nur auf Seiten Genuas, sondern auch auf Seiten Maximinianus - etwas mit seinem Verschwinden bei Hofe zu tun gehabt haben könnte.“

Die Gelehrte pausierte für einen kurzen Moment und gab Ilario die Zeit dies aufzunehmen, bevor sie fortfuhr.

„Was Maximinianus angeht, so war mir nicht bekannt, dass er auf der Via Tyrannus wie mein Bruder im Blute schreitet. Die Wandler auf der Via Regalis und ihren Pfaden mussten im Krieg wahrlich viele Verluste hinnehmen und ich kann nur zu gut verstehen, wie Jeder dieser Verluste ein Geschwister im Glauben schmerzen muss. Ich bewunderte bereits bei Hofe die Entscheidung des ehemaligen Seneschalls zum Wohle Genuas sein Amt abzutreten, doch unter dem Gesichtspunkt seines Weges verdient er aufrichtigen Respekt und Hochachtung. Was ihre Majestät Aurore angeht, so war es mir eine Ehre mich ihr bei Hofe vorstellen zu dürfen. Sie war ohne jedweden Zweifel die weise, glanzvolle und gnädige Herrscherin, welche ihr nachgesagt wird zu sein. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich in ihrer Domäne verweilen darf, Duldung erfahre und sie Schweigen über mein verdorbenes Blut vor ihrem eigenen Vasallen - ihrer Majestät Blandus von Nizza - verordnete. Ich weiß nicht, wie ich dies ihrer Majestät Aurore jemals wieder zurückgeben kann, stehe ich durch ihre gewährte Güte mir gegenüber, unsagbar tief in ihrer Schuld.“

Die Worte der Brujah wirkten nicht, als würde sie bedauern, dass sie diese Schuld an Aurore besaß. Vielmehr wirkte es, als bedauere sie, dass sie nicht wusste wie sie sich jemals dieser Güte würdig erweisen und sie zurückzahlen konnte. Dann verfinsterte sich ihr Gesichtsausdruck etwas, während sie weitersprach.

„Ich möchte anmerken, dass die von Euch genannte Zahl Jener, welche man hinrichten lassen könnte, wahrlich hoch wäre.“

Ihre braunen Augen ruhten auf dem Lasombra und ihre gesamte Körpersprache spiegelte wieder, dass sie zwar keinen Vasallenschwur an Aurore leisten konnte, dass der Lasombra jedoch die Entschlossenheit Seresas für das Wohl der Domäne Genua und im Interesse ihrer Majestät Aurore zu handeln besser nicht mit seiner Aussage infrage gestellt haben mochte.

„ Mir ist nicht bekannt, wie viele unserer Art derzeit innerhalb der Domäne gemeldet und anerkannt sind. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich alle bereits kennengelernt oder zumindest ihre Namen in Erfahrung gebracht habe, doch so wir von einer Zahl von zwischen 30 und 40 ausgehen, so würden unter den Hinzurichtenden auch Vasallen ihrer Majestät Aurore sein und dies, wohlwerter Ilario, ist alles andere als eine beruhigend Tatsache und weder hinnehmbar, noch vertretbar wie ich finde.“

Seresa pausierte für einen kurzen Moment. Sie vermutete, dass Einige den Vasallenschwur einzig aus Eigeninteresse geleistet haben mochten, doch hielt sie offensichtlich nichts davon und stand anders zu diesem Thema.

„Was die Vasallen ihrer Majestät Totila angeht, so war mein Bruder im Blute Ramon ein unsäglicher Dummkopf. Ich kenne nicht die Wahrheit bezüglich der Vorkommnisse zwischen ihm und Eurem Bruder im Blute Adelchis. Es war mir nie vergönnt ihn kennenzulernen und ich hatte nie die Gelegenheit mit Ramon darüber zu sprechen. Ob seine Strafe nun milde ist, mag ich nicht beurteilen, sie ist ihm jedoch hoffentlich eine Lektion. Ich weiß nicht, als wie wertvoll ihrer Majestät Totila seinen Vasallen Ramon ansehen mag. Ich weiß auch nicht, was Ramon dachte was bei Hofe passieren würde. Als Vasall ihrer Majestät Totila hätte er sich wahrlich besser vertrauensvoll an seinen Lehnsherren wenden sollen, bevor er ihn mit seinem Verhalten bei Hofe derart beschämte und in eine wahrlich unangenehme Situation gebracht hatte.“

Seresa wirkte sichtlich verärgert über das Verhalten ihres Bruders im Blute, doch war dort wenig Mitleid für ihn zu erahnen, obwohl ihr Blut den selben Ursprung hatte.

„Was das Gefecht außerhalb der Stadt gegen Mailand angeht, so erzählte Amalia einst, sie wären am Abend nach der Schlacht vom Feind überrascht worden. Gaius, sie und die Martinsritter wären hinter die feindlichen Linien gelangt und wären vom Lager abgeschnitten gewesen. Es wäre wohl ein langer und harter Kampf entbrannt gegen eine Bestie der Hölle, bestehend aus Fleisch und Knochen. Sie wäre totbringend und Wahnsinn und Verzweiflung nährend gewesen, doch sie hätten die Bestie und Mailand zurückschlagen können. Die Bestie selbst sei ein riesiges Wesen mit Schalenpanzer und Knochenplatten gewesen, welcher mit Haut überzogen gewesen wäre und eine Reihe von spinnenartigen Beinen gehabt hätte. Ihre Ausmaße wären gigantisch gewesen. Zwei Schritt hoch, drei bis vier Schritt breit, sechs bis sieben Schritt lang. Manchmal hätte es sich wie eine Art Walze gerollt und hätte Zähne besessen so lange wie meine Unterarme.“

Für einen Moment zuckte Seresa mit den Schultern.

„Ich mag nicht beurteilen, ob es ihr Verstand war, welcher ihnen einen Streich spielte oder ob solch ein Ding schaffbar wäre, doch ich denke Toma kann Euch hierzu mehr erzählen. Er war dabei, als Amalia davon berichtete und wenn ich seine Leidenschaftlichkeit - mit welcher er damals nach meinen Unterarmen gepackt hatte, um sich dieses Wesen vorstellen zu können - nicht gänzlich falsch einschätze, hat er sich höchst wahrscheinlich weiter damit beschäftigt.“

Seresa selbst machte eine abwinkende Bewegung, als wollte sie damit sagen, dass sie selbst diesen Dingen nicht weiter nachgegangen wäre.

„Nach jenem Kampf hätte Euer Bruder im Geiste Gaius zu Verbündeten und Feinden, welche aus allen Richtungen ins Lager gekommen waren, gleichermaßen eine Rede gehalten, um zusammen gegen Sizilien zu ziehen. Amalia erzählte, es wäre eine vollkommene Finsternis wie aus dem nichts erschienen, so dick und schwarz, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten…“

Der Blick der Brujah lag noch immer ruhig und ohne zu blinzeln in den ungewöhnlichen, schwarzen Augen des Lasombra und ihre Worte ließen keinen Zweifel daran, als Werk wessen Clans sie diese Dunkelheit vermutete.

„Alle ihre Kämpfer wären von der Dunkelheit erstickt worden und einzig Gaius und Amalia wären gestanden, als sie verschwunden war. Euer Bruder im Geiste soll Amalia gesagt haben, sie solle fliehen. Entkommen, um den anderen Bescheid zu geben. Das Letzte was sie von ihm gesehen haben wollte wäre gewesen, wie der Pflock sein Herz durchstieß. Sie wäre dann zum Lager gerannt, um meinen Brüdern im Blute zu sagen, was passiert war. Ob dies alles in dieser Form der Wahrheit entspricht vermag ich nicht zu beurteilen.“

Die Brujah zuckte leicht mit ihren Schultern, doch das Misstrauen an den Ausführungen der Salubri ließen sich darin nicht gänzlich verheimlichen. Es gab zu viele Ungereimtheiten und offene Fragen für den Geschmack der Gelehrten.

„Laut Ihr führte mein Bruder im Blute Ajax letzten Endes die Verhandlungen über die Kapitulation mit Mailand allein, nachdem Amalia und Ramon gepflöckt worden waren. Die Salubri meinte, Ramon wäre gepflöckt worden, weil er die Soldaten eingeschüchtert hatte, während sie gepflöckt wurde, weil sie scheinbar auf die Sterblichen bedrohlich wirkte. Die Worte, welche Ajax für ihr damals gezeigtes Verhalten nutzte waren jedoch geringfügig andere.“

Der Schatten konnte deutlich sehen, wie wenig Mitleid sie für Amalia und Ramon in diesem Moment empfand und die Betonung machte nur allzu deutlich, dass sie der Meinung war, wer nicht wusste, wie man sich zu benehmen hatte, nun einmal mit den Folgen leben musste.

„Als sie entpflockt worden waren, wurden sie dazu aufgefordert den Vasallenschwur an ihre Majestät Totila abzulegen.“

Für einen Moment schien es, als würde ein Oder im Raum schweben, doch Seresa sprach nicht weiter. Sowohl Ilario, wie auch ihr war wohl nur allzu klar, dass es hier keine wirkliche Wahl gegeben hätte. Erst nachdem sie selbst einiges Preis gegeben hatte, worüber sie bisher geschwiegen oder bestenfalls mit Ajax gesprochen hatte, stellte sie selbst eine indirekte Frage an Ilario. Sie ließ ihm somit frei, was er offenbaren konnte, durfte oder auch wollte.

„Ihr sagtet gerade, auch ihr wurdet im Krieg getäuscht. Ich befürchte, ich weiß nicht mit Bestimmtheit, wer dieses wir ist, noch wo Ihr Euch selbst im Krieg befandet.“

Ihre Hand beschrieb eine sich öffnende Geste.

„Mit Ausnahme der zuvor genannten Nacht, wobei dies mehr dem Zufall geschuldet war und ich zu diesem Zeitpunkt weder von Euch noch ihrer Majestät Aurore wusste. Dies wurde mir erst weitaus später klar, als ich Euch das erste Mal im Jahre 1003 anno Domini traf, sowie ihre Majestät Aurore bei Hofe 1004 anno Domini.“
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Ilario » Di 13. Nov 2018, 22:47

„Meiner begründeten Vermutung nach befand sich der verehrte Maximinianus nicht mehr im Bischofskastell als das Feuer ausbrach oder entkam sehr zeitnah. Vermutlich entkamen auch seine wichtigsten Gefolgsleute mit ihm.“ Etwas das Ilario damals recht bedauerlich gefunden hatte, doch heute hatte er einen anderen Blickwinkel auf diese Sache. Gut, dass der Ventrue noch am Unleben war. Dann gefror seine Miene als die Sprache auf Fabrizio kam. Es war nicht Fabrizio Begado. Dieses Wesen welches sein Gesicht trug und dort war. Warum es dort war, was es tat und wie… ist ein Geheimnis welches ich ergründen werden. Der Ketzer jedoch dürfte an seinem Verschwinden keinen Anteil gehabt haben, die Möglichkeit besteht zwar natürlich immer, aber auch einem so alten Kainiten traue ich nicht genügend Expertise auf diesem Feld zu.“ Und falls doch würde er es auf die Todesliste des gesamten Clans Lasombra geschafft haben.

Manche nehmen ihre Eide ernster als andere. Sicher, auch unter den Vasallen Genuas müsste der Schnitter reiche Ernte halten. Je nachdem welche Maßstäbe man ansetzt natürlich. Es gibt auch solche die Suchen so lange nach Schuld, bis sie auch bei einem Unschuldigen etwas finden. Das rechte Maß ist entscheidend. Nachsicht muss nicht immer Schwäche sein. Härte nicht immer Stärke.“ Nachdenklich blickten die schwarzen Augen hinaus auf die See. Manchmal erwischte Ilario sich bei dem Gedanken, dass Unwissenheit ein Segen wäre. Manchmal wünschte er die leise nagenden Zweifel an diesem oder jenem würden verstummen.

„Ramon und Adelchis, wie die Kinder stritten sie wer angefangen hätte. Dabei war das eigentlich problematische in meinen Augen das Binden nach dem brutalen Niederstrecken. Eine Barbarei in meinen Augen, sollte ein solches Band unter Kainiten doch feierlich begangen werden. Letzten Endes war dieser Streit aber bedeutungslos. Es sei denn natürlich Adelchis wäre irgendwie mit der Linie des höchstverehrten Prinzen von Mailand verwandt. Seine wahre Verfehlung war eine andere: Er gab Informationen unerlaubt weiter, brach ein Abkommen und gefährdete die Beteiligten.“ Kopfschüttelnd blickte Ilario zu Boden, vielleicht hatte Ramon in gutem Glauben gehandelt.

Ganz leise löste sich eine unwilliges Knurren als Seresa von dieser Höllenbestie sprach. Schon früher hatte er davon gehört und konnte sich lebhaft vorstellen wer diese Kampfmaschiene erschaffen hatte… und auch diesen Thron von dem Brimir damals gesprochen hatte…dasselbe Wesen welches der Bär gewesen war. Er ahnte welcher Kainit dies war. Dazu äußerte der Lasombra sich jedoch nicht, sondern runzelte verärgert die Stirn ob Seresas weiterer Worte
. „Nennt den werten Gaius Marcellus nicht meinen Bruder im Geiste. Dazu waren unsere Wege und wie wir sie lebten zu verschieden, ich betrachte auch den hochverehrten Godeoc nicht als meinen Bruder im Geiste.“ Er lächelte nachsichtig. „Nun, sagen wir es sind entfernte Vettern… Apropos Vettern, dass die Dunkelheit auf Gaius Mannen herabkam und sie erstickte ist wenig verwunderlich. Ich selbst warnte ihn vor Kriegsbeginn seine Soldaten besser in nicht zu dichter Formation aufzustellen. Mailand ist nun einmal eine Lasombradomäne, da verwundert es nicht wenn im Heerzug Mailands Angehörige meines Blutes waren. Und die Finsternis gegen die Truppen Genuas einsetzten.“ Einen Moment zögerte Ilario, dennoch stellte er seine Frage: Ihr misstraut Amalias Schilderung?“

Die Erwähnung des erzwungenen Vasallenschwurs zauberte einen Hauch Wehmut auf sein Gesicht. Ilario seufzte. „Unschön, diese Sache. Vor allem für euren werten Bruder Ajax. Ebenso für den werten Liktor Gaius. Ich frage mich ob man ihn ebenfalls vor die Wahl stellte? Ich klammere mich an die Illusion er wäre getreu seinem Schwur aufrecht geblieben und befände sich deshalb in Gefangenschaft.“ Eigentlich wusste Ilario es besser, wenn der Salubri Opfer einer Intrige geworden war, hatte man ihm wohl kaum eine Wahl gelassen. „Doch genug davon, ihr fragtet danach mit wem und wo ich den Krieg verbrachte. Nun, die meiste Zeit verbrachten wir draußen in der Wildnis, führten diplomatische Gespräche und taten was nötig war. Dieses Wir umfasst neben meiner Person noch die verehrte Acacia della Velanera, den verehrten Brimir Böggvisson und die werte Sousanna. Wo ich bei der Rückeroberung der Stadt war scheint ihr ja zu wissen. Habt mich gesehen an der Porta Soprana zusammen mit ihrer höchstverehrten Majestät. Wie kam das zustande? Ihr wart nicht unter den Truppen soweit ich mich erinnere...“
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Seresa » Mi 14. Nov 2018, 03:27

„Nein.“

Seresa schüttelte leicht den Kopf.

„Nein, ich war nicht bei den Truppen. Dies hätte auch wahrlich keinen Sinn ergeben. Ich war zu jenem Zeitpunkt einzig ein angemeldeter - und entsprechend geduldeter - Gast der Domäne Genua. Entsprechend gab es für mich keinen Grund in die Kampfhandlungen einzugreifen, war ich einzig in die Domäne gekommen, um nach Informationen über meine Abstammung zu suchen.“

Ihre Hände beschrieben eine sich öffnende Geste.

„Sicherlich hätte ich Seite an Seite mit meinen Brüdern im Blute kämpfen können und mir so einen Bonus bei ihrer Majestät Aurore erarbeiten können, um die Bestrafung auf Grund des Kontrollverlustes gegenüber Sousanna abzumildern. Doch wusste ich nicht, wo diese Kämpfe stattfinden würden und ich hatte Gaius mein Wort gegeben, dass ich nicht versuchen werde zu fliehen, sowie die Domäne zu verlassen, sondern mich dem Urteil ihrer Majestät Aurore unterwerfen werde. Auf der anderen Seite war da jedoch ebenso der Verlobte Sousannas Ramon, der um meinen Kontrollverlust wusste und wir Brujah sind nicht dafür bekannt, dass wir einfach vergeben und vergessen. Es hätte wohl zu weitaus größeren, clansinternen Konflikten und Zerwürfnissen geführt und dazu, dass wohl Einer von uns Beiden sich danach in Starre befunden hätte oder gar schlimmer, so ich mich den Truppen angeschlossen hätte. Die Alternative wäre wohl gewesen, dass ich mich den Truppen der Etrusker unter Maximinianus anschließe, was jedoch für einen Brujah, welcher zuvor seinen ausgerufenen Burgfrieden gebrochen hatte und von Gaius eindeutig darauf hingewiesen wurde, dass Maximinianus das Urteil gegen mich mit voller Härte durchziehen würde - was laut ihm vermutlich Vernichtung oder eine Verurteilung zu hundert Jahren in Starre in Volterra oder einer anderen Hochburg des Etruskerbundes bedeutet hätte - schlicht undenkbar machte. Zudem verweilte ich kaum vier Monate zu diesem Zeitpunkt in Genua, wusste bei meiner Einreise nichts von dem drohenden Krieg und als ich davon erfuhr - da ein Jeder mich danach fragte - war der Kriegsverlauf für mich vollkommen undurchschaubar.“

Ihre Hände versuchten etwas zu greifen was nicht da war.

„Das ist er noch immer, war Politik nie etwas, womit ich mich beschäftigt hatte. Zudem kannte ich den Willen ihrer Majestät Aurore nicht.“

Seresa schüttelte leicht den Kopf.

„Ich hätte meine Lage nur verschlimmern können, so ich mir angemaßt hätte eine Entscheidung zu treffen, ohne darüber im Bilde zu sein, was sie wünschen würde. Entsprechend verweilte ich in der Stadt, nichtsahnend von der Flut der Schwarzen, welche über Genua vom Meer her hereinschwappen würde.“

Die Brujah schwieg für einen Moment, während sie seit langem dem Blick senkte und selbst aufs Meer zurückblickte.

„In den späten Stunden der Nacht oder frühen Stunden des neuen Tages - je nachdem wie Ihr es bezeichnen wollt - welche ich vorher erwähnte, sah ich aus dem Bischofskastell kommend und später vor den Mauern dessen stehend die goldene Maske dessen, welcher sich mir 1002 anno Domini als Fabrizio Aurelio Sizilianus vorgestellt hatte.“

Ihr Blick wanderte zurück zu Ilario und sie blickte ihn ernst an.

„Entsprechend nein, wohlwerter Ilario. Was auch immer ich antraf im Krieg war entweder Fabrizio Aurelio Sizilianus ehemals Fabrizio Begado oder jener Mann, welchen ich einst am Brunnen traf war ebenso wenig Euer Bruder im Blute, denn ich bin mir vollkommen sicher beide Männer waren ein und dieselbe Person. Außer dieses Wesen von welchem Ihr sprecht, wüsste über Dinge Bescheid, worüber nur er und ich bei unserem ersten Treffen gesprochen hatten.“

Fragend blickte sie den Lasombra an. Es war offensichtlich, dass sie keine Ahnung davon hatte.

„Er - oder was auch immer ich für Fabrizio halte und hielt - gab mir die Erlaubnis das Haus des Botschafters zu nutzen, um dort so viele Menschen wie möglich unterzubringen, welche vor den Sarazenen flohen. Er schickte mich zu Melissa, um Ihr diese - seine Worte zu sagen - und ihr seine besten Grüße auszurichten. Es war bereits kurz vor Morgengrauen, als sich unsere Wege trennten.“

Die Gelehrte schwieg für einen kurzen Moment, als ihr eine bittere Überlegung in den Sinn kam und sie dabei fast angewidert das Gesicht verzog, bevor sie in einer ruckartigen Bewegung den Kopf schüttelte. Es war, als wäre in ihren Augen gerade ein wundervolles Bild zersprungen und ihre Stimme klang von einem Moment auf den anderen kalt und distanziert, als wäre ihr erst in diesem Moment nach langer Zeit etwas klar geworden.

„So ich mich in ihm täuschte und er mich gegen die Domäne Genua benutzen wollte, so kam es nicht dazu, denn als ich in der nächsten Nacht Melissa in Broglio aufsuchen wollte, sah ich stattdessen die Truppen, welche die Stadt betraten, sowie Euch und Ihre Majestät Aurore.“

Seresa legte ihre Hände auf ihren Schoss zurück, wandte jedoch den Blick dem Meer zu.

„Was Eure Frage nach Amalia angeht.“

Die Brujah schwieg für einen Moment.

„Mein Bruder im Blute Ajax sah sie als seine Waffenschwester an, weshalb ich seinem Urteil vertraute. Dennoch ist das was sie erzählte für mich nicht gänzlich schlüssig. Womöglich liegt es am Krieg selbst und dem Versuch ihres Verstandes manches zu verdrängen. Zumindest hörte ich, dass dies wohl mit dem Verstand mancher Sterblicher geschehen könne.“

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich misstraue Ihr nicht grundsätzlich, ich denke nur, sie verschweigt manche Dinge. Sie warf Gaius einst vor, er hätte sich zu schnell aufgeschwungen, hätte nach Macht gegriffen, wollte Ältester des Clans sein. Nun da er weg ist geschah Selbiges mit ihr. Ein Zufall?!“

Fragend blickte sie den Schatten einige Momente schweigend an, bevor sie mit den Schultern zuckte und wieder aufs Meer blickte.

„Womöglich. Ich für meinen Teil verstehe jedoch nicht, weshalb Jemand, der mit einer Suche nach was auch immer nach Genua kam in einen Krieg zieht, welcher nicht der Ihrige ist. Niemand sollte derart versessen auf das Kämpfen, Blutvergießen und Töten sein, um sich freiwillig für einen Krieg zu melden. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass die versprochene Belohnung ein durchaus interessanter Grund gewesen sein könnte.“

Die Brujah zuckte leicht mit den Schultern. Offensichtlich hatte sie Amalia nie gefragt, was sie für ihre Dienste im Krieg erhalten hatte.

„Dennoch nichts, wofür ich mich auf der Via Humanitatis hätte entscheiden können.“

Die Hand der Gelehrten beschrieb eine darreichende Geste.

„Ein weiterer Grund im Übrigen, weshalb ich nicht bei den Truppen im Krieg war oder gar gegen die Sarazenen kämpfte, obwohl ich in der Stadt in jenen Nächten verweilte. Ich hätte schlicht Niemanden töten können, ohne mich selbst dabei zu verlieren.“

Dann legte sie ihre Hand wieder auf ihre andere Hand in ihrem Schoß.

„Dennoch tatet Ihr gut daran Gaius vor den Angehörigen Eures Blutes und ihrer Macht zu warnen. Es ist überaus bedauerlich für die Unzähligen, welche sinnlos starben, dass er sich Euren Rat nicht besser zu Herzen genommen hatte.“

Seresa senkte ihren Blick, bevor sie ihr Haupt zurück zu dem Schatten wandte.

„Und bitte verzeiht, dass ich Gaius Euren Bruder im Geiste nannte, ich wollte Euch wahrlich nicht damit beleidigen.“

Ihr Haupt senkte sich tief vor dem Lasombra. Verweilte viele Augenblicke dort demütig gesenkt, bevor sie es langsam wieder erhob und ihn anblickte.

„Euren Worten entnehme ich Godeoc folgt ebenso nicht Eurer Via, sondern der meines Bruders im Blute oder der Eures einstigen Bruders im Blute?“

Ihre Frage war vorsichtig - gar zögerlich - gestellt. Offensichtlich darauf bedacht künftig nicht erneut unbeabsichtigt einen derartig groben Fehler zu begehen.

„Was Ramon und das Blutsband angeht, so ist mir nicht bekannt, weshalb er Euren Bruder im Blute niederstreckte und ihn band.“

Seresa schwieg für einen Moment.

„Womöglich geschah es in Notwehr und es war erforderlich ihm Blut zu geben, stand womöglich kein anderes zur Verfügung.“

Die Brujah hob beschwichtigend die Hand.

„Versteht mich nicht falsch, wohlwerter Ilario. Ich will Ramon in keiner Weise schützen oder gar sein Verhalten rechtfertigen. Ich verurteile was er tat, denn Niemand sollte gegen seinen oder ihren Willen gebunden sein oder gebunden werden. Es gibt jedoch Situationen, in welchen sich dies nicht verhindern lässt und derartiges nun einmal geschieht oder geschehen kann. Was jedoch Ramons wahre Verfehlung angeht.“

Ihr Blick aus toten, braunen Augen wandte sich ab, während sie stumm auf das Meer blickte. Dann schüttelte sie den Kopf. Ihr war geboten worden zu Schweigen und sie wusste, sie würde Ilario nicht mehr erklären müssen, dürfte der Lasombra nur zu gut erahnen können, was ihr Schweigen bedeutete und wer es ihr auferlegt haben mochte. Dann wanderte ihr Blick doch wieder zu Ilario zurück und sie formulierte einen unverfänglicheren Satz.

„Er war ein leidenschaftlicher, blinder Narr.“

Seresa schwieg erneut. Sie kniff ihre Augen zusammen und zögerte längere Zeit, bevor sie Ilario eine Frage stellte, die nicht mehr war als das Wiederholen seiner eigenen Worte. Eine Frage, welche ihm genügend Spielraum ließ, sie einzig mit einem kurzen Nicken zu beantworten oder mehr davon zu erzählen. Ganz so wie es ihm beliebte.

„Ihr sagtet Ihr führtet diplomatische Gespräche und tatet was nötig war? Eine ehrenvolle Aufgabe.“

Die Brujah nickte Ilario zu.
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Ilario » Mo 26. Nov 2018, 22:24

Tief sog Ilario die kalte Seeluft ein und atmete dann langsam aus. Schließlich nickte er unmerklich und sah Seresa an. „Ihr wart also nicht unter den Truppen, sich unter sie zu mischen hätte natürlich nicht zwangsläufig heißen müssen mit ihnen zu kämpfen… Doch wo wart ihr dann, dass ihr dies alles gesehen habt?“ Ilario wusste, dass er unterschiedlichste Arten gab zu spähen oder gar zu sehen. Wer mochte schon sagen welcher Kniffe sich die Brujah bedient hatte. Ungerührt für er fort: „ Dass ihr nicht auf Seiten der Ethrusker kämpftet ist verständlich, deren Herren dürften vermutlich nicht besonders wohlwollend auf eure Linie blicken. Was nun des werten Gaius Marcellus Einschätzung eines Urteils durch den verehrten Maximinianus gegen euch betrifft… mag des Salubris Urteil getrübt gewesen sein oder übertrieben, da auch er gegen den ehemaligen Seneschall agierte.“ Er winkte ab, Gaius war traurige Geschichte. Es sei denn jemand grübe ihn aus oder zahlte den geforderten Preis. So sehr die Prinzessin sich auch dafür einsetzte, Ilario bezweifelte dass von dem loyalen Vasallen Genuas noch viel übrig wäre wenn Mailand ihn herausgäbe.
Etwas anderes jedoch beschäftigte ihn, etwas an der Wortwahl der jungen Gelehrten
. „Worte haben Macht, dessen ist sich eine Schreiberin sicher bewusst, warum also sprecht ihr von einer Flut der Schwarzen wenn ihr die sizilianischen Angreifer meint?“

Ilario wartete ihre Antwort ab und tat dann seine Gedanken zu Fabrizio kund. „Die Wesenheit die in Fabrizios Gestalt gegen die Sizilianer kämpfte mag sich davon irgendetwas versprochen haben. Seine Gründe gehen weit über schlichte Politik hinaus und ich vermute, dass die Kreatur dem Clan der Schatten nicht gerade wohlgesonnen sein mag.“ Ein kurzes Zögern, dann jedoch fügte Ilario seine Interpretation bestimmter Zusammenhänge an.Vermutlich konnte die Wesenheit durchaus auf Fabrizios Erinnerungen zurückgreifen, vielleicht war zu jenem Zeitpunkt auch die Grenze zwischen ihr und dem Selbst meines Clansbruders verwaschen.“ Sein schwarzer Blick wanderte gedankenverloren hinaus auf die Wogen. Stille kehrte ein.

 

Amalia…“ Wurde die Stille leise zerrissen. „Sie steckt voller Widersprüche. Sie hatte vielleicht Recht damit ihrem Blutsbruder seine Ambitionen vorzuwerfen. Andererseits ist nichts Verwerfliches am Streben nach Macht. Mit Gaius im Exil und dem plötzlichen Verschwinden der beiden anderen Salubri kann sie sich meinethalben Älteste nennen. Ich werde sie nicht so bezeichnen. Älteste von Nichts… ein Titel muss Bedeutung haben. Zudem ist Gaius Gedenken noch nicht völlig vergessen, manche seiner alten Verbündeten werden dies also nicht gerade schätzen… von den anderen Ältesten ganz zu schweigen. Amalia wird sich beweisen müssen sobald wieder andere ihres Blutes in Genua sind, dann werden wir sehen. Was nun ihre Motivation betrifft, vielleicht auch die im Krieg, hängt diese eventuell mit den Zielen dieser Sekte der sie wohl angehört zusammen.

Soweit mir bekannt wandelt der hochverehrte Älteste der Nosferatu auf der gleichen Via wie euer Bruder im Blute. Auf seine Weise tut er dies auch überaus gut erkennbar. Weswegen im Umgang mit ihm sicherlich auch stets größte Umsicht anzuraten ist.“


Zu Seresas Ausführungen bezüglich Ramon nickte Ilario nur und beredtes Schweigen machte sich breit. Die dahinterstehende Aussage würde ihr sicher nicht entgehen.

Was wir im Krieg taten, Diplomatie und auch anderes, war nötig. Es lag aber nicht immer Ehre darin, Krieg ist nie so edel und ruhmreich wie in den Balladen und Geschichten der Sänger.“ Irgendetwas gefährlich Kaltes, Unheilverheißendes war da unter der Oberfläche. Irgendetwas war im Krieg geschehen das Ilario nicht vergeben konnte. Doch er war noch jung, es würde Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern ehe er Vergeltung üben würde.
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 27. Nov 2018, 23:35

Nachdenklich blickte Seresa auf das Meer.

„Balladen und Geschichten müssen ruhmreich erzählt und als edel angesehen werden, denn Niemand würde freiwillig kämpfen, so sie von dem wahren Schrecken berichten würden, welche der Krieg mit sich bringt. Die Glorifizierung selbst legt ein blütenreines, weißes Tuch des Schweigens über all das Abscheuliche was einst geschah. Doch verbirgt sich damit auch die Wahrheit vor unserem Blick.“

Für einen Moment überlegte sie, ob sie ihre Gedanken bezüglich der Wesenheit in Fabrizios Gestalt teilen sollte, dann jedoch senkten sich ihre Augen.

„Doch Ihr fragtet wo ich war, dass ich dies alles gesehen hatte, so ich nicht bei den Truppen war.“

Ihr Blick wanderte zurück zu Ilario neben sich.

„Ich war in dieser Nacht auf dem Weg nach Broglio, um Melissa aufzusuchen so wie es die Wesenheit in Fabrizios Gestalt - wie Ihr sie nanntet - empfohlen hatte. Ob dies letzten Endes ein guter Rat gewesen wäre oder nicht vermag ich nicht zu beurteilen, denn ich wusste nicht, wo sich Melissas Sitz oder auch das Haus des Botschafters in Broglio befanden und entsprechend irrte ich durch das Sestieri, ohne die Gebäude oder Melissa selbst zu finden. Als ich bei meiner Suche den Lärm aus Richtung der Porta Soprana hörte, wollte ich nachsehen was dort vor sich ging, denn ich wollte nicht blindlings in mögliche Gefechte hineinlaufen oder von ihnen überrascht werden. Entsprechend bin ich auf eines der höheren Häuser in der Umgebung geklettert.“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern.

„Kein sonderlich schwieriges Unterfangen und meines Erachtens weitaus einfacher, vernünftiger und sicherer als sich anzuschleichen. Deshalb sah ich Euch und auch ihre Majestät Aurore in jener Nacht, auch wenn mir dies zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war. Anderenfalls hätte ich mich ohne jedweden Zweifel zu euch begeben. Doch was ich sah war einzig ein Mann, welcher in Ehrerbietung vor einer Frau kniete. Womöglich hätte ich zu dem Schluss kommen können, dass es sich dabei um ihre Majestät Aurore handeln müsste, doch wusste ich zum damaligen Zeitpunkt nicht, wer in Mailand regierte und so hätten es auch nicht freundlich gesonnene Truppen sein können, welche die Stadt betraten. Sich diesen zu nähern und sich unbewaffnet als scheinbarer Botenjunge unter die bewaffneten Kämpfer zu mischen wäre schlicht nicht ratsam gewesen. Es wäre all zu leicht aufgefallen und es hätte Fragen aufgeworfen, auf welche ich keine redliche Antwort hätte liefern können. Ich hätte mich womöglich selbst in Gefahr gebracht, wozu es wahrlich keinen Anlass gab. Ich war zu diesem Zeitpunkt einzig ein geduldeter Gast, welcher von den Geschehnissen in der Domäne überrascht wurde.“

Sie pausierte für einen kurzen Moment, bevor sie weitersprach.

„So ich in diesen Nächten gewusst hätte, was für die Domäne Genua und somit für ihre höchst verehrte Majestät Aurore wahrlich von Nutzen gewesen wäre, so hätte ich ohne Zweifel und ohne Zögern gehandelt. So jedoch…“

Der Blick der Gelehrten wurde betrübt und verbissen zugleich, bevor sie den Kopf schüttelte und den Blick schweigend auf das Meer abwandte. Ihre folgenden Worte waren kaum mehr als ein Flüstern und es war unklar, ob sie an den Schatten selbst gewandt waren.

„Sich herauszuhalten und nichts zu tun mag wahrlich nicht die glorreichste oder gar beste Wahl gewesen sein, welche ich hätte treffen können und getroffen habe, doch zu behaupten - ich wüsste was das Beste für die Domäne Genua sei und den Willen ihrer Majestät Aurore erahnen zu können - und entsprechend zu handeln ist und war niemals etwas, was ich mir angemaßt hätte oder anmaßen würde zu können.“

Ihre braunen Augen wanderten auf Ilario zurück. Das Bedauern über ihre Handlung lag noch immer in ihrem Blick. Sie verbarg in diesem Punkt nichts vor dem Lasombra. Auch nicht ihre eigene damit verbundene Schwäche. Ihr vermeintliches ´Spähen´ war wohl einzig das Ergebnis einer Frau gewesen, welche den Kämpfenden nicht direkt in die Arme laufen und deren Ziel es war den für sie damaligen überraschenden Angriff auf die Stadt überleben zu wollen. Nicht die Lage für Genua weiter verschlimmern zu wollen, indem sie falsche Entscheidungen gegenüber Genua oder Aurore selbst traf.

„Was meine Wortwahl bezüglich der Flut der Schwarzen angeht, so waren die Angreifer in schwarze Gewänder gehüllt und kamen in großer Zahl vom Meer. Da ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, dass es sich bei den Angreifern um Sizilianer handelte, verwende ich diese Begrifflichkeit nicht. Ich denke dies könnt Ihr durchaus nachvollziehen, wohlwerter Ilario.“

Ihr Blick lag noch immer ruhig in den nachtfarbenen Augen des Lasombra.

„Was Gaius und somit Maximinianus angeht, so werde ich nie erfahren, welches Urteil der damalige Seneschall über mich gesprochen hätte. Ohne jedweden Zweifel könnte man mir vorwerfen, dass ich Maximinianus nicht aufsuchte, mich selbst anzeigte und mich seiner Gnade unterwarf, nachdem Gaius mich unter Auflagen aus der Martinsfeste entlassen hatte. Auf der einen Seite mag man meine Bedenken nachempfinden können, ihn in Zeiten des Konflikts mit Mailand nicht mit derartigen Dingen belästigen zu wollen, sowie auch meine eigene Furcht über den möglichen Wahrheitsgehalt von Gaius Worten, welche mich daran gehindert haben eine andere - womöglich in anderen Augen richtigere - Entscheidung zu treffen. Auf der anderen Seite war den Liktoren mein Vergehen und mein Aufenthaltsort zu jeder Zeit bekannt. Ein Wort von ihnen hätte genügt und ich hätte mich meinem Schicksal ergeben und - einerlei der damit verbundenen Konsequenzen - mich dem Urteilsspruch des damaligen Seneschalls ihrer Majestät Aurore unterworfen. Entsprechend mag man die Formulierung von Euch möglicherweise als durchaus passend bezeichnen, da Gaius mit seiner Entscheidung womöglich gegen die Autorität des ehemaligen Seneschalls agierte, auch wenn mir selbst nicht bekannt ist, ob er mein Vergehen letzten Endes bei Maximinianus vortrug oder nicht.“

Es waren viele womöglich und möglicherweise in ihren Worten gewesen und sie selbst schien sich nicht sicher zu sein, was geschehen wäre, hätte sie sich anders entschieden. Dennoch schien sie es nicht unbedingt zu bedauern nicht anders gehandelt zu haben.

Was Amalia anging, so hatte Seresa einzig leicht genickt, als Ilario davon gesprochen hatte, dass an dem Streben nach Macht nichts Verwerfliches war. Ilario kannte die Brujah inzwischen lange und gut genug. Er wusste, wie sie dazu stand und auch zum Thema Ältesten, kannte der Kastellan ihre genannten Fürsprecher.

„Was Amalia angeht so ist mir nicht bekannt, dass sie einer Sekte angehört. Welche Sekte soll dies sein, wohlwerter Ilario? Ihrer eigenen Aussage nach war Furfur und sie darüber empört, dass Gaius nicht mit ihnen gemeinsam ein Haus des Herrn betreten hatte. Ich war bisher davon ausgegangen, dass sie auf Grund dessen wohl dem christlichen Glauben angehören musste. Weshalb sonst sollte man ein Gotteshaus außerhalb des Elysiums betreten?“

Die Gelehrte wirkte für einen Moment nachdenklich.

„Wobei ich nie ein christliches Zeichen an ihr gesehen hatte mit Ausnahme ihres eigenen Ghuls, welcher sie begleitet.“

Seresa zuckte dann leicht mit den Schultern. Sie schien ansonsten keinen besonderen Wert darauf zu legen, dass Amalia dem christlichen Glauben folgte. Dann wurde ihr Blick wieder ernster.

„Was Godeoc angeht, so war meine erste Begegnung mit ihm bei Hofe. Bedauerlicherweise war mir zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst, um wen es sich bei ihm handelte, weshalb meine Ehrerbietung ihm gegenüber zögerlicher war, als es angemessen gewesen wäre.“

Die Brujah senkte ihren Blick und schüttelte leicht den Kopf. Ihre braunen Augen wanderten auf das Meer ab.

„Ein grober und kaum zu entschuldender Fehler.“

Erneut senkte sie ihre Augen, schloss sie für einen Moment, bevor sie schweigend zurück zu Ilario sah.
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Ilario » Mi 28. Nov 2018, 14:51

„Niemand würde kämpfen? Das würde ich nicht behaupten, es wird immer jene geben deren Entschlossenheit nicht wankt angesichts der grimmen Wirklichkeit. Doch natürlich würden sich kaum die Massen begeistern lassen für die Gräuel des Krieges. Niemand möchte daran denken, dass er während des Versuchs die eigenen Gedärme im Leib zu halten elendig verbluten könnte. Lieber denken sie an Sieg, Ruhm und Beute. Nach einem Heldentod direkt gen Himmel aufzufahren erscheint wohl erstrebenswerter als von den Hufen der gepanzerten Kavallerie in den Matsch gestampft zu werden und dort in den eigenen und fremden Exkrementen zu verrecken. Jenes weiße Tuch von dem ihr sprecht… es verbirgt die Wahrheit aber nur oberflächlich. Es braucht nicht viel es zu lüften, man muss nur wissen ob man den Schrecken der darunter lauert kennen will.“

Leicht schüttelte er sein Haupt, als Seresa erneut von den Schwarzen sprach und der nachtschwarze Blick glitt gen Süden. „Es waren Sizilianer. Dazu Söldner und Plünderer unter ihrem Kommando. Seid euch dessen gewiss.“ Ilario sagte dies mit einer Gewissheit, die entweder einen Meistermimen bräuchte oder aber der eigenen Überzeugung entsprach.

Die folgenden Worte zu Gaius und Maximinianus nahm Ilario auf und schwieg dazu. Es war auch nichts mehr hinzuzufügen. Bis auf…
„Ha, das Ende des Maximinianus? Das glaubt ihr doch nicht wirklich oder? Er mag fortgeschickt worden sein, den Titel des Seneschalls gegen den des Ersten Botschafters getauscht haben, viele seiner Diener wurden entfernt, aber dennoch bleibt sein Einfluss bestehen, sein ist das Bischofskastell und ein Großteil des Klerus. Und das ist gut so, denn er ist und war ihrer höchstverehrten Majestät stets ein treuer Vasall. Irgendwann wird er womöglich zurückkehren.“ Dann schwieg der Lasombra und ungeachtet dessen, dass Maximinianus in vielen Feldern ein überlegener Rivale wäre, ein Ancilla noch dazu, schien Ilario die Möglichkeit seiner Rückkehr gelassen zu sehen.

„Amalias ist vermutlich weniger Christ als jeder andere Kainit in Genua. Fragt am besten euren werten Bruder danach.“ Mehr wollte Ilario dazu nicht sagen, der Glaube der Salubri war deren Privatangelegenheit solange er die Domäne nicht tangierte.

Zum Thema Godeoc erging sich der Kastellan in Schweigen. Nicht einmal seinem unbewegt in die Ferne schauenden Antlitz konnte man eine Regung ansehen. Ebenso gefühllos war seine Stimme als er eine schlichte Frage stellte:
„Habt ihr, vielleicht in den Nächten kurz bevor ihr mich vor der höchstverehrten Prinzessin an der Porta Soprana knien saht, fremde Kainiten in oder vor der Stadt gesehen? Oder gespürt? Habt ihr ihn gesehen?“
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 29. Nov 2018, 00:17

Es war ein lautes Klirren und Scheppern in Seresas Kopf, als Ilario seine vermeintlich schlichte Frage gestellt hatte. Wie ein Kind, welches sich auf Zehenspitzen gestellt hatte, um an eine auf dem Tisch gestellte Schale mit süßen Früchten zu gelangen, blickte sie nun auf die gefährlich glitzernden Scherben zu ihren Füßen. Ihre Gedanken überschlugen sich wild und ungeordnet. Sie war auf diese Frage nicht vorbereitet gewesen und sie hatte nicht mit ihr gerechnet. Seresa war froh um die Tatsache, dass der Blick aus den schwarzen Augen des Magisters in diesem Moment nicht auf ihr lagen und doch fragte sie sich, was der Wissenssucher wohl wusste oder erahnte. Seresa zögerte und senkte ihren Blick. Wandte ihn aufs Meer ab. Als sie ihren ersten Schock überwunden hatte antwortete sie wahrheitsgemäß.

„Ich weiß es nicht, wohlwerter Ilario.“

Sie schwieg für einen kurzen Augenblick, indem sie ihre braunen Augen auf den Sand am Strand absenkte.

„Mir ist nicht bekannt, wie er aussieht.“.

Dann richtete sie ihre Augen wieder auf den Lasombra neben sich.

„Die Schatten lüften ihre Geheimnisse nicht vor mir. Mir ist es nicht vergönnt hinter den Schleier zu blicken, wie es Euer Clan vermag. Für mich bleibt verborgen, was verborgen bleiben will. Was ich sehe sind einzig Bruchstücke eines viel zu großen Bildes, welches keinen Sinn ergeben mag.“

Oder einen über den man besser schwieg, so man überleben wollte. Doch da Seresa sich sicher war, dass der Schatten das Thema nicht ohne einen Grund aufgebracht hatte, erwiderte sie die Frage.

„Weshalb fragt Ihr, wohlwerter Ilario? Gibt es einen begründeten Verdacht, dass sich fremde Kainiten in oder vor der Stadt befanden vor jener Nacht, außer Jenen, welche bereits bei Hofe hingerichtet wurden?“

Dann schwieg sie für einen kurzen Moment.

„Was die Sizilianer indes angeht, so bin ich gewillt Euch Glauben zu schenken, wohlwerter Ilario, was ich in diesem Zusammenhang jedoch nicht verstehe ist, weshalb sie die Bischofsfeste angreifen hätten sollen.“

Ihre braunen Augen lagen fragend auf dem Lasombra, bevor sich ihr Körper anspannte und sie ernster wurde.

„Was den Herrn dieser Festung angeht und seine Rückkehr, so mag ich einzig hoffen, dass er keinen Groll gegen mich und meine getroffene Entscheidung hegen mag. Anderenfalls wird es wahrlich kein geringfügiger Preis sein, welchen ich dafür zahlen müsste, so er zu der Überzeugung gelangen würde, dass ich seine und somit die Herrschaft eines Wandlers - welcher auf demselben Weg wie mein Bruder im Blute schreitet - in Frage gestellt hätte.“

Es war zu spät zu bereuen. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen und sie stand zu den Konsequenzen, die sie mit sich führen würden. Sie tat es ebenso aufrecht, wie sie neben dem Schatten saß.

„Was indes das weiße Tuch angeht.“

Seresa schüttelte leicht den Kopf.

„Es mag dauern, bis das Rot durchsickert und erkennbar wird. Doch selbst dann werden einige den Blick abwenden und behaupten es wäre einzig die rote Erde, welche vom Regen herausgewaschen wurde und auf den Stoff abgefärbt hat. Sie werden es verleugnen und zuschütten, damit das Greul verborgen bleibt. Damit die Herzen leicht und beschwingt bleiben und mit der Zeit die Erinnerung daran verfliegt. Doch nicht Ihr.“

Ihre Stimme klang ehrfürchtig, doch in ihr schwang das Wissen um die große Last mit, welche der Lasombra in Nächten wie diesen wohl tragen musste.


„Ihr seid ein Wissenssucher und als solcher habt Ihr keine andere Wahl. Ihr müsst Euch dem Schrecken stellen. Die Bürde und die damit verbundenen Gefahren des Wissens tragen.“
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Ilario » Do 29. Nov 2018, 11:50

Langsam nickte Ilario, verstehend und zugleich zweifelnd. „Ihr wisst es nicht. Er war hier und wenn ihr ihm begegnet wäret so wüsstet ihr es.“ Offenbaren von wem er sprach wollte Ilario wohl nicht, oder konnte es nicht. „Die Bruchstücke die wir sehen, ergeben nicht immer Sinn. Manchmal denken wir das große Ganze zu erkennen und laufen so in die Arme der Selbsttäuschung.“
Ein, zwei Minuten schwieg Ilario und schien dem Seewind zu lauschen.
„Ich werde bald aufbrechen. Um zu sehen ob ich meine gesamte Existenz als Kainit einer solchen Täuschung erlag, um zu sehen ob sich sie zu überwinden vermag.“ Das Gefühl mochte Seresa beschleichen, dass dies überhaupt nichts mit den Kriegsgeschehnissen zu tun hatte. Sie hatte da wohl etwas in ihm aufgewühlt. Ilario fing sich jedoch wieder und fand zum Thema zurück. „Mehr als nur ein begründeter Verdacht. Ich weiß, dass sich fremde Kainiten in  Genua aufhielten. Nur die Schwachen und Dummen wurden gefasst und der Vernichtung überantwortet. Ebenso weiß ich warum die Sizilianer das Kastell angriffen. Sie vermuteten Maximinianus dort, ebenso wie es dort sicherlich auch anderes zu erbeuten gab. Ich denke aber in der Hauptsache wollten sie den Ventrue.“

Die Allegorie mit dem Tuch schien sein Gefallen zu finden, zumindest lächelte der Lasombra als er Seresa ansah. Ein Hauch Traurigkeit schlich sich in seine Stimme als er wiederholte: „Rot sickert durch das Weiß… So wie der Schnee des Winters eine Leiche nur bis zum Anbruch des Frühlings zu bedecken vermag. Nein ich kann und werde nicht wegschauen, nicht nur weil ich nach Wissen strebe… sondern weil ich meinen Anteil daran hatte. Keiner bleibt im Krieg unschuldig, Unschuld und Wahrheit sind stets die ersten Opfer.“
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 29. Nov 2018, 15:01

„Dennoch habt Ihr entgegen vieler Anderer bei Hofe nicht die Beichte gesucht.“

Seresas Blick ruhte in den schwarzen Augen des Lasombras, bevor sie selbst seine letzten Worte murmelte.

„Keiner bleibt im Krieg unschuldig, Unschuld und Wahrheit sind stets die ersten Opfer.“

Das Gesicht der Brujah verzog sich und ihre Abneigung - wohl nicht gegen ihn, sondern die Tatsache an sich - war deutlich in ihrem Gesicht zu lesen.

„Ich wünschte Ihr hättet unrecht mit Euren Worten.“

Dann nahm sie einen falschen Atemzug und blickte ein, zwei Wimpernschläge lang nachdenklich auf das Meer, bevor sie weitere Worte vor sich hinmurmelte.

„Wahrheit. Täuschung. Selbsttäuschung.“

Die Gelehrte seufzte schwer und ihre braunen Augen fanden zurück zu dem Lasombra.

„Wie erkennen wir den Unterschied darin, wohlwerter Ilario? Wie erkennen wir, so wir meinen die Wahrheit gefunden zu haben, dass sie keine erneute Täuschung ist? Und nehmen wir lieber unbewusst die Selbsttäuschung in Kauf, anstatt zu riskieren einer weitaus grausameren Wahrheit ins Gesicht blicken zu müssen?“

Seresa schwieg nachdenklich für einen kurzen Moment.

„Ich wünsche, dass Ihr die Wahrheit finden mögt, nach welcher Ihr sucht, wohlwerter Ilario.“

Sie neigte ihr Haupt schweigend und respektvoll vor dem Kastellan. Doch mehr tat sie nicht, denn sie wollte ihn nicht bedrängen. Seresa wusste was sie an ihm und den Gesprächen mit ihm hatte. Weshalb sie ihn - nicht nur als Wandler auf der Via Regalis - zu schätzen wusste. Doch sie hatte auch die Zweifel in seiner Stimme zuvor nicht vergessen und ihre eigenen Gedanken hatten sich überschlagen, während sie gesprochen hatte. Entsprechend griff sie das Thema erneut auf, obwohl sie in ihrem Innersten wusste, sie würde es besser bei dem höflichen Nein belassen haben.

„Ihr sagtet, ich wüsste so ich ihm begegnet wäre?“

Für einen Moment zögerte sie, dann stellte sie die Frage offen und direkt.

„Weshalb hätte ich dies gewusst? Woran hätte ich dies bemerkt?"
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Re: [1012] Woran wir glauben [Ilario, Seresa]

Beitrag von Ilario » Do 29. Nov 2018, 17:05

„Ich beichtete nicht, da ich der höchstverehrten Aurore gegenüber schon zuvor die Beichte abgelegt hatte. Hätte ich dies während des Hoftags wiederholt, wäre ihre höchstverehrte Majestät womöglich gezwungen gewesen Maßnahmen zu ergreifen ungeachtet möglicher Konsequenzen. Blut wäre vergossen worden und es hätte Asche geregnet.“ Die Konsequenzen seiner Beichte hatte Ilario getragen, dennoch war er froh wie sich die weiteren Beichten bei Hofe zugetragen hatten. Das Kartenhaus der Macht war nicht zusammengebrochen.

„Den Unterschied zu erkennen, und sei es erst im letzten Augenblick, darauf kommt es an. Letztlich jedoch muss jeder seine eigene Wahrheit finden. Ob er sich ihr verschließt oder danach handelt, daran zeigt sich das wahre Wesen eines Individuums.“ Hier brach der Mystiker in ihm durch, vervielfachte die Deutungsmöglichkeiten seiner Worte einmal mehr. Über ihre danach gestellte Frage sann Ilario dann doch etwas nach. Die Augenblicke krochen dahin, ehe er leise sagte: „Nun, vielleicht würdet ihr es auch nicht mehr wissen. Oder aber ihr wäret gar nicht mehr hier. Wenn ihr ihn jedoch wirklich gesehen hättet und euch die Erinnerung nicht genommen wurde… dann würdet ihr es wissen. Einen Ahnen vergisst man nicht sofern er dies nicht will.“ Dann verschlossen sich die Lippen des Schattens wieder, mehr würde er dazu nicht sagen.
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