Die Chronik von Genua

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Il Canzoniere
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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 5. Jul 2018, 23:14

Das Jahr 1009 (Juni)

Die teils dramatischen Entwicklungen des letzten Jahres haben noch einige Nachwehen die es über den Jahreswechsel geschafft zu haben scheinen. Es melden sich allerlei Zeugen die den "Angriff" auf San Donato gesehen haben wollen und die Erzählung einem Betrunkenen zuschieben wollen. Ein kleiner Junge habe einen Fang Fisch nach Hause gebracht und ihm seien Katzen gefolgt. Und offenbar seien die neuen Gargylen an der Kirche dermaßen erschreckend das man überlege sie wieder abzubauen. Auch wenn es noch immer stimmen gibt die den rothaarigen Teufel aus dem Hafen in der Nähe San Donatos gesehen haben wollen. Hat er gar die Gargylen zum Leben erweckt, mit seiner teuflischen Magie? Mehrere Rothaarige fallen spontanen Lynchmobs oder Steinigungen zum Opfer, ehe die Wache Raveccas durchgreifen kann.

Eigentümliches in Mascharana: verängstigte Hausangestellte Gabriel Arduinicis, eines Capos der Stadtwache, berichten das der Mann unter eigenartigen Umständen verstorben sei. Offenbar sei er verdurstet. Einfach so. Dabei habe man einen eigenen kleinen Weinkeller, ausländisches Bier und zur Not sogar Wasser da gehabt...

Jano, der seit vergangenem Jahr neu eingesetzte Priester der Kirche San Giorgio in Platealonga, setzt sich an die Spitze einer rasch anschwellenden Bewegung wider der zahlreichen Sünden der letzten Jahre. Er ruft zu Tugendhaftigkeit und Nächstenliebe auf, anstelle von egoistischem Hedonismus. Genua verkomme zum Sündenpfuhl! Man könne seine Töchter....und sogar seine Söhne... Nachts nicht mehr alleine auf die Straßen lassen! Er habe sie selbst gesehen, die Banden der Schänder und Huren! Man dürfe solchem Gesindel nicht die Stadt überlassen. Andernfalls würde Gott die Stadt noch weiter mit sarazenischen Strafen bedecken! Niemand dürfe solches Gesindel in seiner Nachbarschaft dulden! Auch wenn er nicht explizit zu Gewalt aufruft kommt es daraufhin zu vereinzelten Angriffen auf Huren und Betrunkene.

Stadtpolitik:
- Wahlen in Platealonga. Vespo Brigori folgt seinem im Vorjahr verstorbenen Großonkel Giuseppe Brigori als gewählter Senator Platealongas, wie auch als Betreiber der platealongischen Weften nach.

Aus dem italienischen Umland:
- 9. Mai: In Bari beginnt ein Aufstand der Langobarden unter Meles und seinem Schwager Dattus gegen den Gouverneur des byzantinisch verwalteten Katepanats Italien.
- 31. August/18. Oktober: Al-Hakim, Kalif der in Nordafrika und Syrien herrschenden Fatimiden, lässt die christliche Grabeskirche in Jerusalem zerstören. Große Entrüstung macht sich auch in Italien breit.
- nach Mai: Papst Johannes XVIII. stirbt zurückgezogen als Mönch im Kloster San Paolo fuori le Mura. Nachfolger und damit 142. Papst der katholischen Kirche wird Sergius IV., der bisherige Bischof von Albano. Er ruft als erster Papst dazu auf, die Muslime nach der Zerstörung der Grabeskirche aus dem Heiligen Land zu vertreiben.
- Der Doge von Venedig, Pietro II Orseolo, stirbt nach seiner 18-jährigen Herrschaft. Er hatte mit einigen Eroberungen die venezianischen Territorien erheblich ausgebaut. Ihm folgt sein 16-jähriger Sohn Otto Orseolo als alleiniger Herrscher von Venedig.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 16. Aug 2018, 23:40

Das Jahr 1010 (Juli)

Mord! Hochverrat! Gottesfluch! In einem Gemetzel nie dagewesenen Ausmaßes Anfang August sind der ehrenwerte Siniscalo di Genova, Armando Pietro Fieschi, Patriarch der Fieschi sowie seine Verwandten Enrico Fieschi, Senator in Platealonga, Adamo Fieschi, Capo der Stadtwache Mascharanas sowie Nunzio Adavo Fieschi, Armandos Sohn, Erbe und Erstgeborener getötet worden! Offenbar wurden alle vier und einige weitere Anwesende erst vergiftet - dann wurde jedem von ihnen ein Messer ins Auge gerammt. Von dem oder den Mördern fehlt jede Spur. Diese hätten am hellichten Tag an dutzenden Wachen vorbei gemusst - die Hauswache beschrieb jedoch alles als sehr ruhig. Wie immer. Nun machen sich zahlreiche Gerüchte breit. Es sei Selbstmord gewesen, sagen die einen. Dunkle Magie die anderen. Immer wieder bezichtigt man den dunklen Dämonen Maximinianus, der mit ihnen im Bunde gewesen sein solle, nun endlich ihre Seelen geholt zu haben. Der Bischof ruft eine Trauerwoche aus. Die Beerdigung wird von hunderten trauernden begleitet. Die Glocken der umliegenden Kirchen und Klöster schlagen einen vollen Tag in Trauer. Die Familie Fieschi ruft ein absurd hohes Kopfgeld für die Aufklärung des Falles aus. Hunderte neue Theorien finden ihren Weg ans Tageslicht.

In Platealonga, aber auch in Teilen von Domus kommt es -meist des Nachts - zu vereinzelten, aber sehr heftigen Ereignissen. Beliebte, kumpelhafte, angesehene Männer scheinen von dämonischen Kräften heimgesucht werden! So hat Bruni der Schlepper einen Veitstanz aufgeführt und musste von sechs Mann niedergerungen werden. Der kahle Augusto ist nun schwachsinnig, nachdem er seinen Kopf immer und immer wieder gegen eine Wand geschlagen hat. Der fette Valentino hat auf sich mitten auf dem Markt ausgezogen und tagelang geweigert wieder Kleidung anzuziehen. In den Kirchen führt man dies auf den allgemeinen Sittenverfall zurück. Der Teufel versuche sich in Genua einzunisten! Listig wie er ist, zeige er sich in unschuldiger Gestalt und verderbe die Aufrechten! Doch Pater Jano aus San Giorgio biete seine Hilfe an. Jeder derer die vom Teufel berührt worden sei, salbe er im Namen des Herren und hole sie zurück in den erleuchteten Kreis des Herren.

Immer noch - wenn auch deutlich seltener als in den Jahren zuvor - kommt es zu Übergriffen auf "Nachtvolk": Rothaarige, Huren und Ungläubige. Die Stadtwache Platealongas erbittet mehrfach die Hilfe der Stadtwache Claviculas und kann so die meisten sonst tödlich endenden Situationen eindämmen. Es kommt zu mehreren Festnahmen und Strafen.

Johann II, Bischof von Genua, weihte Ende des Jahres feierlich die Kirche San Melitta im Norden Broglios. Zu der heiligen Zeremonie strömten hunderte Besucher und feierten Broglio, den Bischof und die Melissiden, welche den Bau der ersten, wirklich in Broglio stehenden Kirche. Der Bau San Melittas war bereits vor einer Reihe von Jahren abgeschlossen worden. Offenbar kam die sarazenische Besatzung und eine angebliche Krankheit des Bischofs einer früheren Weihung in die Quere.

Stadtpolitik:
- Nach den Morden am Sindaco die Genova und einem platealongischen Senator werden im kommenden Jahr Neuwahlen in den beiden Sestieri angesetzt. Erst 1012 soll es dann die Wahl eines neuen Sindacos geben, wenn der Senat wieder vollzählig ist.

Aus dem italienischen Umland:
- Basileios Mesardonites, der byzantinische Gouverneur des Katepanats Italien beginnt im März mit der Belagerung der von langobardischen Aufständischen unter der Führung des Apuliers Meles und seines Schwagers Dattus gehaltenen Stadt Bari.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 8. Sep 2018, 19:08

Das Jahr 1011 (August + September)

Die Suche nach den Mördern des genuesischen Sindaco führt rasch zu Erfolgen. Der Capitano della Cita, Bruno Mancini, verhaftete nach rascher Ermittlung mehrere Männer aus dem Umfeld des Senatoren Fulvio Serpico aus Broglio. Nach einem Prozess vor dem Stadtgericht, bei dem alle Männer ausnahmslos zum Tode durch den Strick verurteilt wurden, bat er den genuesischen Senat außerdem um eine Entbindung Fulvio Serpicos von seinem Senatsposten. Grund wird Verstoß gegen die res publica angebracht. Der Senat wird in diesem Jahr darüber entscheiden.

In Pontedecimo kam es im vergangenen Jahr zum Aufbau einer bewaffneten Truppe die sich dem seit Jahren bestehenden Problem sporadischer Banditenüberfälle angenommen hat. Offenbar wurden in einer größer angelegten Kampagne über Monate hinweg örtliche Räuber verfolgt und nach und nach erwischt und aufgeknüpft. In einem glorreichen Gefecht, in den Tavernen nennt man es "Schlacht am Finkenhain", wurde schließlich die gefährlichste der Banden erledigt. Diese soll immer wieder Händler auf dem Weg nach Mailand überfallen haben.

Platealonga kommt zwar nicht zur Ruhe, aber zumindest gibt es keine weiteren Morde mehr. Pater Jano von San Giorgio scheint hierbei durchaus einen beruhigenden Einfluß auf seine Gemeinde zu haben. Er dessen Gottesdienste immer frenetischer werden und mittlerweile auch viele Leute aus umliegenden Gemeinden anziehen. An manchen Tagen sei der Piazza di San Giorgio voll von Menschen die seiner besonnenen Stimme lauschen.

Wie auch in Broglio. Immer wieder hört man dort von einem nächtlichen Straßenprediger. Nichts sonderlich ungewöhnliches. Wenn der Mann nicht die beeindruckende Gabe hätte stets die richtigen Worte zu finden. Jeder der ihm zuhört erhält Antworten. Reisende, Waschweiber, Trunkenbolde. Es heißt er habe in einem Monat mehr Trinker von ihrem sündigen Verhalten geheilt als die gesamte genuesische Kirche in einem Jahr. Viele Verzweifelte ersuchen ihn nun um Rat und stehen Schlange um mit ihm ein kurzes Wort wechseln zu können.


Stadtpolitik:
- Fulvio Embriaci, Senator in Domus, kündigt an zum Ende des Jahres, nach Wahl des neuen Sindaco di Genova, von allen Ämtern zurückzutreten. Sein Sohn, Christian Embriaci, habe den Großteil des Familiengeschäftes ohnehin bereits übernommen. Er rät all seinen Anhängern bei der kommenden Wahl dazu für seinen Sohn zu stimmen und bedankt sich bei den Genuesen für das jahrelange Vertrauen mit einer Wagenladung kostenlosem Wein vor dem Wahlabend.
- Wahlen in Platealonga: Marcantonio Fieschi, Sohn des ermordeten Enrico Fieschis, setze sich nach einer knappen Wahl als neuer Senator des vakanten Postens in Platealonga durch.
- Wahlen in Mascharana: Galeazzo Totto Fieschi, neuer Patriarch der Familie Fieschi, folgt seinem ermordeten Onkel auf dessen Senatorenposten im Senate Mascharanas.

Aus dem italienischen Umland:
- Nachdem sie vom byzantinischen Gouverneur des Katepanats Italien bereits ein Jahr belagert worden sind, treten die griechischen Bürger der Stadt Bari in Verhandlungen mit den Belagerern. Sie zwingen den Anführer der langobardischen Aufständischen Meles und seinen Schwager Dattus zu fliehen und übergeben am 11. Juni die Stadt an Basilius Mesardonites, der die byzantinische Herrschaft wiederherstellt, jedoch auf Repressalien verzichtet.
- Der Markgraf der Toskana, Bonifazius, stirbt unter ungeklärten Umständen. Sein Sohn Adalberto wird sein Nachfolger.
- Im Mai gerät Konrad I., Herzog von Kärnten nahe Trient in einen Hinterhalt. Er stirbt zusammen mit dem Großteil seines Gefolges. König Heinrich II. verspricht daraufhin Adalberto Kärnten - inklusive der Herrschaft über Verona.
- 11. Juni Lombardische Revolte: Die Griechische Bürger von Bari erheben sich gegen Melus lombardischen Rebellen und liefern die Stadt an den byzantinischen Katepan von Italien, Basil Mesardonites, aus. Melus ist gezwungen nach Salerno zu flüchten, während sein Schwager Dattus nach Monte Cassino flüchtet. Ihre Familien werden gefangen genommen und nach Konstantinopel verschleppt.
- Herbst - Basil Mesardonites besucht Guaimar III von Salerno um dessen Kooperation gegen die lombardischen Rebellen zu gewinnen. Melus ist gezwungen, erneut zu fliehen. Anschließend reist Basil nach Monte Cassino - und überzeugt Abt Atenulf, Dattus fortzuschicken. Papst Sergius IV. hingegen unterstützt Dattus und lässt ihn von päpstlichen Truppen in einen befestigten Komplex im Gebiet des Herzogtums Gaeta, am Garigliano bringen.
- In Salerno wird die Benediktinerabtei Cava de’ Tirreni gegründet. Sie wird später auch als Badia di Cava bekannt, da sie unter einer Grotte liegt.
- Das Kloster San Domenico wird als benediktinische Abtei in Sora gegründet.
- Gezone, Bischof von Turin, stirbt im September. König Heinrich II. entsendet Landulf als seinen Nachfolger.

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