Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 6. Jan 2018, 03:50

Das Jahr 1003 (Oktober, November, Dezember 2017)

Das Jahr 1003 war von Aufräumarbeiten, Beerdigungen und Trauerfeiern gesäumt wie eine Kuh von Fliegen. Viele die nicht in der Schlacht selbst gefallen waren kamen verletzt nach Hause, mussten um das immer teurer werdende Brot betteln, obwohl sie ihre Gesundheit für Genua gegeben hatten! Zwar rief die Kirche in jedem Gottesdienst zu spenden auf, aber es reichte dennoch nur an wenigen Tagen.

In mehreren Sestiere, besonders aber in Domus grassieren außerdem allerlei Krankheiten die von den durch die Sarazenen achtlos liegengelassenen Leichen, der allgemeinen schlechten Gesundheit und der Manegelernährung herrühren. Das fehlen des Domus Medicorum wird nun umso schmerzlicher.

Hunger macht sich, vor allem in Clavicula und Ravecca, breit. Die Menschen darben und versuchen über die Runden zu kommen. Zu wenig Nahrung ist im Umlauf, haben doch viele der Bauern des Umlandes in den Heeren der Genuesen und Mailänder gekämpft statt ihre Ernte einzuholen. Zwar hat der Erzbischof von Mailand einen Konvoi mit gespendeten Hilfen geschickt, doch ist in Clavicula und Ravecca davon nicht viel angekommen.

Auch viele Handwerker, teilweise von großem Talent, scheinen nicht mehr ganz recht über die Runden zu kommen und verlassen die Stadt, ziehen ins Umland. Der Graf ist sicher erfreut darüber. Für Genua ist es ein Verlust.

Der Skandal im Senat macht es nicht besser. Während der Abstimmung über die Konfiszierung der Bianchi-Güter stand Tommaso Bianchi, Patriarch der Familie Bianchi, auf - wie alle dachten um sich zu verteidigen. Mit nichten! Er gestand alle Taten ein! Er und der Capitano del Mare, sein Cousin Mario Bianchi, hätten Konvois der Fieschi überfallen, ausgeplündert und außer Landes geschmuggelt um sie dort gewinnbringend zu verkaufen. Die Suche nach der "Magdalena" war ein vorgeschobenes Argument um mit den Schiffen der genuesischen Flotte all die Nahrung transportieren zu können. Ihm sei Christus erschienen und er bereue zutiefst.
Der daraufhin im Senat losbrechende Tumult war ohrenbetäubend. Beinahe wäre der Senator von seinen eigenen Kollegen ermordet worden, doch Armando Pietro Fieschi konnte die Ordnung wieder herstellen und Recht und Gesetz aufrechterhalten. Tommaso Bianchi wurde wegen schweren Verstoßes gegen die res publica seines Senatsposten enthoben, wie auch Mario Bianchi seines Postens des Capitano del mare. Alle Güter der Bianchi in Genua wurden zur Beschlagnahmung durch die Stadtwache freigegeben, ein Dutzend in die empörende Operation Beteiligte wurden verhaftet und vor dem Stadtgericht in Clavicula verurteilt, darunter auch Mario Bianchi. Tommaso kam nur aufgrund seines Geständnisses mit dem Leben davon und wurde für immerdar aus Genua verbannt, wie auch der Rest seiner Verwandtschaft. Die Güter fallen nun zu Teilen den anderen Familien sowie der Stadt zugute.

Trotz all dieser deprimierenden Ereignisse ist es so das das Leben weitergeht. Besonders in Ravecca scheint man sich dessen bewusst zu sein. In vielen Kneipen und Gasthäusern wird ungebrochen gesungen und getanzt. Einen Schlager hört man dieser Tage gar überall in diesem geschäftigen Sestieri, angeblich von einer Frau namens Rosalinde erdacht:
Roter Mond über weiter See, Herzensglut wärmt den kalten Tee.
Hoffnungsschein, in der Nacht, und noch ist der neue Tag nicht erwacht!

Sterne stehn, hell am Firmament! Solche Nacht, findet nie ein End!
Dieser Ort, rau und schön, und wir dürfen seine Herrlichkeit sehn.
Dieser Ort, wild und schön, und wir dürfen seine Herrlichkeit sehn.

Weißer Fels, Holz, Lavendelkraut, weit entfernt schon der Morgen graut.
Fahne weht, weiß und rot, das Meer es schimmert, nachts so rot.

Fahrt vorbei, morgen geht es fort. Kommen wir wieder an gleichen Ort?

Osten ist unser Glück und in uns bleibt nur die Erinnerung zurück,
Osten ist unser Glück und wir schwören uns ein neues Zurück.
Stadtpolitik:
- Tommaso Bianchi aus Mascharana wurde wegen schweren Verstoß gegen die res publica aus dem Senat entfernt. Neuwahlen wurden, im Hinblick auf die bereits laufende Wahl in Mascharana, ins nächste Jahr verschoben.
- In Broglio wurde Renzo Serpico in das Sestieriparlament gewählt. Als Freund der Melissiden steht er seinem Vater, ebenfalls Senator in Broglio, offenbar nicht sonderlich nah, es heißt sogar er sei von dessen Erbe ausgeschlossen. Nun scheint er sich mit durch eigene Kraft das holen zu wollen was er nicht durch Erbschaft bekommt.
- In Mascharana wurde Alard Arduinici, der erst in diesem Jahr die Geschäfte der Familie Arduinici übernommen hatte, in den Senat gewählt.
- In Clavicula wurde Lio 'il nano', seines Zeichens der größte "Vermieter" Claviculas, in den Senat gewählt.

Aus dem italienischen Umland:
- Januar: Herzog Otto von Kärnten erleidet an der Veroneser Klause eine schwere Niederlage gegen Arduin von Ivrea, den König von Italien.
- Papst Silvester II. stirbt am 12. Mai nach vierjährigem Pontifikat in Rom. Schon vier Tage später wird Giovanni Sicco vom römischen Patricius Johannes II. Crescentius zu seinem Nachfolger erhoben. Er wählt den Namen Johannes XVII., womit er dem wenige Jahre zuvor gestürzten Gegenpapst Johannes XVI. Legitimität verleihen will. Damit beginnt die Falschzählung der Päpste mit dem Namen Johannes. Der von Johannes Crescentius abhängige Papst stirbt nach kurzer Amtszeit bereits am 6. November.
- 25. Dezember: Der Kardinalpriester von St. Peter, der Benediktiner Johannes Fasanus, wird Papst Johannes XVIII. und übernimmt sein Pontifikat. Wie schon sein Vorgänger Johannes XVII. wird er vom römischen Patricius Johannes II. Crescentius zum Papst erhoben und ist von diesem abhängig.
- Am 23. Februar gründet der burgundisch-italienische Abt, Klosterreformer und Architekt Wilhelm von Dijon die Abtei Fruttuaria in San Benigno Canavese etwa 20 km nördlich von Turin. Stifter dieses Klosters sind Arduin, Markgraf von Ivrea und König von Italien, und dessen Ehefrau Berta, sowie Otto Wilhelm, Graf von Burgund, die zu seiner Verwandtschaft zählen

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 2. Feb 2018, 00:43

Das Jahr 1004 (Januar)

Hunger! Nach den sarazenischen Plünderungen, den bei der Stadt lagernden Heeren, der nicht völlig eingeholten Ernte und des teilweise schlechten Wetters herrscht großer Hunger in Genua und Umgebung. Für einfache Mahlzeiten werden Höchstpreise verlangt, die Getränke bis zur Unkenntlichkeit gestreckt und die Armenspeisungen kommen kaum mit dem abwimmeln der Bedürftigen nach - es ist kaum mehr zu Essen da. 1005 wird ein hartes Jahr.

Pater Leandro, Priester San Nazarets in Mascharana hat dieser Tage nur gutes über Marcello Embriaci zu berichten. Der fromme Mann habe Mascharana vor dem Ausbruch einer Seuche bewahrt indem er seine Männer unter Lebensgefahr die die von den Sarazenen die Klippen hinabgeworfenen und auf den Felsen zerschollenen Toten hat bergen lassen. Deren miasmatische Ausdünstungen würden nun bei landseitigem Wind nicht mehr wie ein schlechtes Omen über dem Sestieri liegen. Ein wahrlich tapferer Mann. Um Seuchen vorzubeugen wurden die Toten vor den Toren der Stadt verbrannt. Möge Gott sich ihrer Seelen annehmen.

In Broglio hingegen singt man von einem gewissen Ricardo, kaum eine Taverne kommt ohne Loblieder auf ihn aus. Mal wird er als strammer Bursche gelobt der trinken kann wie kein zweiter, dann wieder heißt es er sei ein herzensguter Kerl und mache wirklich jedem einen guten Preis. Auch sein Schnurrbart wird besungen. Die humorvolle Banalität der Lieder macht ihn schnell zur Lokalberühmtheit. Und lässt überall in Broglio die Schnurrbärte emporschießen.

Auch ohne zu mahlendes Korn laufe die Burgusser Geistermühle immer weiter und weiter. Und wenn sie des Tages teilweise gar nicht mehr bewegt werde, läuft sie des Nachts immer wieder, Stunde um Stunde und reibt kalten Stein auf kalten Stein. Was mag dort nur vor sich gehen?

Sarazenischer Überfall! Wie auch im deutlich weiter im Süden gelegenen Pisa sind erneut Sarazenen gesichtet worden. Augenzeugen zufolge überfielen sie eine Messe nahe Quinto al Mare, konnten aber von einigen Söldnern abgewehrt werden, die Genua bereits verlassen wollten um anderswo Geschäften nachzugehen. Es gab zahlreiche Tote. Jedoch konnten die teuflichen Heiden daran gehindert werden erneut die Kinder Genuas zu steheln. Gott sei gedankt!

Der Teufel hat nach Genua gefunden. Denn er hat in San Laurentus, in Domus, Pater Christiano des Nachts dahingeschlachtet! Das ganze Sestieri ist ob des Mordes in Aufruhr. Der gute Mann, der seine Kirche für jedermann offen hielt, wurde von einigen entsetzten nächtlichen Gästen tot aufgefunden, blutig und bleich. In den nächsten Tagen machte sich daraufhin das Gerücht breit das es für den Mord offenbar Zeugen gab. Der Mörder solle ein hübscher Mann gewesen sein. Goldringe an den Fingern, Pelzkragen, sowie mittellanges, braunes Haar welches das dreckige Lächeln im Gesicht boshaft einrahmte. Das Anlitz des Teufels!

Aus Venedig hört man einige eigenartige Gerüchte. Der Name "Augustus Giovanni", vom Clan Kappadozius, wispert durch die kainitische Gesellschaft Norditaliens wie ein Mysterium. Angeblich habe er sich, nur wenige Wochen nach seiner Zeugung, selbst zum Ancilla erhoben. Entgegen aller Bräuche und in offensichtlicher Angst vor diesem Mann hätten ihm alle Venedig zugehörige Ancilla rasch und ohne Not zu seiner Erhebung gratuliert. Kann das wahr sein?

Stadtpolitik:
- Galileo lo zelante, Exporteur und Schwager der Brigori wurde nach einem langen und mühevollen Wahlkampf in Broglio zum Senator gewählt
- Die Senatswahlen in Mascharana wurden aufgrund der Wiederaufbaumaßnahmen, der Beschlagnahmung der Bianchi-Güter und der allgemeinen schlechten Lage auf allgemeinen Wunsch des Sestieriparlamentes um ein Jahr verschoben. 1005 finden die hiesige Wahlen statt.

Aus dem italienischen Umland:
- Heinrich II. unternimmt nach einem Hilferuf der lombardischen Bischofe, allen voran Leo von Vercelli, seinen ersten Italienzug gegen Markgraf Arduin von Ivrea, der sich im Vorjahr zum König von Italien krönen hat lassen. Am 14. Mai lässt er sich selbst in der Kirche San Michele in Pavia durch Erzbischof Arnulf II. von Mailand zum König von Italien krönen. In der folgenden Nacht greifen die Bürger Pavias Heinrich und seine Begleiter an. Der Aufstand kann nur mit Mühe niedergeschlagen werden.
- Anfang Juni: Heinrich II. zieht sich aus Italien zurück, ohne die Kaiserkrone erlangt oder Arduin besiegt zu haben.
- Gegen Herbst 1004 kommt es zu einem verheerenden Überfalls einer sarazenischen Flotte auf Pisa. Die Stadt wird von Sarazenen geplündert, zahlreiche Sklaven werden verschleppt. Es heißt es wären die gleichen Kräfte gewesen die zwei Jahre zuvor Genua überfallen hätten.
- 26. September: Nilus von Rossano, italienischer Mönch und Heiliger stirbt in der Nähe von Rom.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 3. Mär 2018, 23:16

Das Jahr 1005 (Februar)

Wie befürchtet hat die Hungersnot Genua kalt erwischt. Die Armenspeisungen der Kirche sowie die Lebensmittelrationen die der Martinsorden in Teilen der Stadt verteilt hat waren bei weitem nicht genug. Nach den sarazenischen Plünderungen scheinen die Reichen damit beschäftigt zu sein ihre Anwesen und Türme neu zu errichten, während in den Gassen von Broglio und den Gossen Claviculas gehungert wird. Dünne Gestalten betteln um Essensreste, immer weniger Tiere streifen durch die Nacht - ja es heißt einige Bettler hätten sogar welche dieser verseuchten schwarzen Katzen gegessen - und seinen unter grässlichen Qualen gestorben. Zwar wird in Platealonga und Broglio nach wie vor mit Lebensmitteln gehandelt, aber die Preise sind astronomisch hoch und die wenigen Händler beschäftigen Söldner gegen all die Diebe und Bettler. Aus den tiefen Claviculas gibt es Gerüchte um Kannibalismus und Leichenschmäuse. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich dort alle in Ghule verwandeln...

Auf den Straßen Raveccas erzählt man sich währenddessen das der berüchtigte, vom Senat gesuchte Söldnerführer auf seine alten Tage offenbar ganz rührseelig wird. Angeblich hat er für das Ospizio per orfani di San Giovanni Battista oder kurz: San Alerio,eine beträchliche Menge Geld gespendet. Damit die kleinen Racker in diesen schlimmen Zeiten auch etwas zu beißen bekommen. Ziemlich ungewöhnlich für so einen harten Söldnerkerl oder? Oder merkt er langsam das Alter und bekommt Angst um sein Seelenheil, wegen all der Untaten die er das Leben lang begangen hat?

In Mascharana hingegen geht das Leben weiter. Nur hier leidet kaum jemand Hunger. Nur hier schottet man sich weit genug von der restlichen stadt ab um seinen eigenen Geschäften nachgehen zu können. Aber auch hier grassiert die Korruption und das Verbrechen. Antonio Lugo Embriaci, Konsul des reichen Sestieris, Mitglied der Embriaci-Familie und langjähriger Hauptmann der Stadtwache wurde auf offenere Straße samt seiner Leibgarde ermordet. Als Hauptmann der Stadtwache hat er bereits viele Mordanschläge überlebt, dieser jedoch, am hellichten Tage durchgeführt, war besonders dreist. Man munkelt das es hier um familieninterne Erbfolgestreitigkeiten ging, wie üblich lassen sich die Familien jedoch nicht in die Karten schauen.

Gerüchte gibt es auch um die beiden Domusser Senatoren Gottfredo Fieschi, sowie Cesare Agnelli, beide der Familie Fieschi verbunden. Sie wurden seit den Domusser Aufständen nicht mehr gesehen. Auch eine ganze Reihe ihrer Familienmitglieder sind seit damals verschollen. Offenbar wurden bereits leere Gräber für sie ausgehoben und eine symbolische Beerdigung abgehalten. Nun geht es um ihre Senatsposten. Jeder der etwas über ihren Verbleib zu sagen weiß wird aufgefordert sich im Rathaus zu melden - es soll sogar eine Belohnung geben! Falls Lebenszeichen bis Ende 1006 ausblieben, müsse man sie wohl oder übel ihren senatorischen Pflichten entbinden, so der Bürgermeister. Darüber würde es jedoch eine Abstimmung im Senat geben.

Stadtpolitik:
- Gennaro Embriaci, Patriarch der Embriaci, Eisenhändler erlangt relativ widerstandslos einen der beiden Sitze im Parlament von Mascharana. Gab es Absprachen?
- Ganz ähnlich ergeht es Savio Brigori, Patriarch der Brigori, Überseehändler ganz ähnlich. Auch er wird ohne viel Gegenwehr Senator Mascharanas.
- Aufgrund der Ermordung Antonio Lugo Embriacis finden in Mascharana im kommenden Jahr - schon wieder - Wahlen statt.

Aus dem italienischen Umland:
- Der heilige Nilus der Jüngere (Mönch) stirbt in einer Abtei nahe Rom.
- Eine pisanische Flotte nimmt - wohl aus Rache für den sarazenischen Angriff auf Pisa im Vorjahr - die unter sarazenischer Kontrolle stehende Straße von Messina und brandschatzt Reggio di Calabria. Es werden zahlreiche der muslimischen Einwohner als Sklaven verschleppt.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 10. Apr 2018, 21:20

Das Jahr 1006 (März)

In Platealonga fahndet die Stadtwache eine Zeit lang nach einer bewaffneten, völlig entstellten Frau mit Kampfhunden an ihrer Seite. Sie soll im Februar einen (ausländischen) Adeligen im Hafenbecken zu ertränken versucht haben. Es gab dutzende Zeugen die die Beschreibung der Frau gut wiedergeben konnten. Nur dem beherzten Eingreifen einer Schauspielerin (oder Schauspieler? Bei denen kann man nie so sicher sein...) rettete dem guten Mann das Leben. Hinweise zur Ergreifung der Irren werden jederzeit gerne angenommen.

Die beiden Domusser Senatoren Gottfredo Fieschi und Cesare Agnelli kehren in einer lauen Aprilnacht nach Genua Heim. In einem fröhlichen Umzug samt verteilten Lebensmitteln und musikalischer Unterstützung begleiten die Domusser die um diese Uhrzeit noch auf den Straßen zu finden sind, die beiden Senatoren zu ihren Häusern. Zum Erstaunen vieler lassen sie verkünden das sie sich in sarazenischer Gefangenschaft befunden haben, nicht auf der Martinsfeste, wie es die letzten Jahre immer wieder aus zahlreichen Quellen hieß. Die toskanischen Einheiten die auch das alte Domus Medicorum niedergebrannt haben, hätten sie verkauft, diese schlitzäugigen Hundesöhne! Offenbar gibt es nun böses Blut zwischen ihnen und den übrigen Fieschi, denn noch am selben Abend verkünden die Ehefrauen der Senatoren Änderungen in der Erbfolge. Was das wohl noch bringen mag?

Die Kathedrale di Genova, San Siro in Burgus wurde in feierlicher Prozedur vom Bischof an den benediktinischen Mönchsorden übergeben - maßgeblich an die beiden Klöster San Marcellino und San Sisto et Vittorio. Die Äbte würden nun einen Umbau der Kirche in Erwägung ziehen, wie es heißt. Die bischöflichen Sonntagsgottesdienste sollen jedoch nach wie vor hier stattfinden, solange es die Bauarbeiten zulassen.

Gott hat Erbarmen! Die Hungersnot ist beendet! Dank der vielen Spenden, die teilweise von weit her herangeschafft wurden gab es nur wenige Hungertote unter den ohnehin genügend gepeinigten Genuesen. Nachdem 1006 die Ernte erheblich beser ausfiel als im Jahr davor kommt es zwar noch immer zu Nahrungsengpässen, aber es wird vermutlich nicht mehr (viele) Tote geben. Die Armen darben natürlich nach wie vor am schlimmsten. Daher hat der Bischof zu Spenden für die fünf genuesischen Armenhäuser aufgerufen.

Man hört dieser Nächten wieder eigenartige, guturale Schreie im nächtlichen Broglio. Wolfsnächte! Werwolf! Schreien sofort alle, auch wenn einige, etwas vernünftigere, der Meinung sind das es was anderes sein muss. Es gab keine Mordwelle und keine verstümmelten Leichen oder sich verwandelnde Nonnen. Und die rote Hexe von Broglio sei von den Sarazenen ermordet worden. Trotzdem flammen die Hälfte aller alten Gerüchte - und ein paar neue dazu auf. In den Kneipen im Osten werden immer neue Verschwörungstheorien ausgetauscht.

Der während der sarazenischen Besatzung zerstörte Broglioer Handelshof soll neu errichtet werden, heißt es. Der Priester von San Melitta in Broglio verkündet öffentlich das sich - neben der Bruderschaft der Melissiden - ein reicher, ausländischer Investor gefunden habe der sich in Zukunft am Handelshof beteiligen und dort auch seine eigenen waren feilbieten würde.

Der edle Raubritter Roger der Geächtete hat mit Hilfe eigenhändig zusammengetriebener Gelder (und Geldgebern) die Kinder Genuas freigekauft die die Sarazenen geraubt haben, heißt es! Mit Hilfe der Juden soll er Verhandlungen mit dem Emir Siziliens aufgenommen und dort viele der armen Kindern gegen ein üppiges Lösgeld freigehandelt haben. Er hat sich mit zwei genuesischen Galeeren auf den Weg gemacht um sie sicher Heim zu bringen heißt es. Der Bischof spricht sich bereits jetzt vor dem Senat für eine Begnadigung des Mannes aus. Solch Edelmut muss belohnt werden! Auch soll eine große Messe zum Seelenheil der Spender gestiftet werden, sagt man!

Stadtpolitik:
- Marcello Embriaci, Stoffhändler & Färbereienbesitzer wird in Mascharana zum Senator gewählt. Damit ist der genuesische Senat zum ersten Mal seit JAhren wieder vollzählig.
- Da das Sestieriparlament Mascharanas endlich wieder vollzählig ist, finden hier im kommenden Jahr Wahlen zum Konsul statt.

Aus dem italienischen Umland:
- Unruhen in Pavia

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 6. Mai 2018, 17:44

Das Jahr 1007 (April)

Immer wieder hört man Gerüchte in den Kneipen. Über eine...oder mehrere bleiche Frauen, die sich von hohen Dächern, Türmen und Giebeln in den Tod stürzen. Unregelmässig und mal in Domus, mal in Burgus raunt man die Worte. Nicht immer findet man eine Leiche, aber wenn dann sind es stets Frauen. Meist rothaarige, sagt man. Was hat es damit auf sich? Sind es verzweifelte Frauen die einem grausamen Kult und dessen teuflischen Einflüsterungen erlegen sind? Trauernde die nicht mehr ohne ihre zweite Hälfte sein können? Leider sprechen die Toten nicht. So sagt man...

In der kleinen Wegkirche des heiligen Martin an den Hängen des goldenen Hügels direkt am Pedemontibach scheint irgendetwas vor sich zu gehen. So erzählt man sich in Casteletto und in Luccoli. Zweimal hat es Ausbesserungsarbeiten an der Tür gegeben und Pater Capano wirkt irgendwie durch den Wind. Ist dem guten Mann etwas passiert? Wie bereits vor einigen Wochen, wo grausame Männer ihm Harm getan haben sollen? Man hört ja immer wieder von Banditen in den Wäldern Luccolis. Oder Monstren... aber das sie sich gar an einer Kirche vergreifen sollen ist doch schwer denkbar...oder?

Es heißt es zeichnen sich milde Wiederaufbaumaßnahmen in Borgio Incrociati ab. Die Kirche, deren Dach schwer beschädigt war, sowie einige andere Gebäude im Ort sollen wieder hergerichtet werden. Eine kleine Gruppe Siedler hat sich offenbar in den Überresten des gebrandschatzen Ort eingenistet. Oder sind sie gar zurückgekehrte Kreuzdörfler? Fremden gegenüber zeigen sich sich abweisend und misstrauisch, sagt man. Herausfinden konnte es daher noch niemand.

In Quinto al Mare scheint die bereits besiegt geglaubte Seuche erneut ausgebrochen zu sein. Dutzende Leute erliegen dieser...oder gar mehreren Seuchen, wie einige dortige Händler berichten. Seien doch die Symptome stark verschieden. Sicher ein Fluch Gottes der ob des Massakers im Gottesdienst vor einigen Jahren seinen strafenden Blick auf den kleinen Ort geworfen hat. In den Kneipen Raveccas rät man Reisenden nun einen Bogen um den Ort zu machen, um nicht die Seuche weiter zu verbreiten.

Roger der Geächtete kehrt mit beiden Schiffen aus Sizilien zurück. Mit an Bord: zahlreiche freigekaufte Kinder. Die Zahlen widersprechen sich. Zweifelsohne sind es jedoch in der Tat zwei eng gedrängte, volle Galeeren die die einstigen Genuesen in das ihnen ein wenig fremd gewordene Genua entlässt. Am Hafen begrüßt gar der Bischof selbst die Schiffe und dankt Roger persönlich. Viele hoffnungsvolle Eltern haben sich mit ihm am Piazza di San Giorgio eingefunden, um dort voller Ungewissheit auf ihre Kinder oder zumindest Nachrichten von diesen zu warten. Alle Kirchenglocken der Stadt schlagen in enthusiastischer Begeisterung. Gott hat erbarmen!

Stadtpolitik:
- Marcello Embriaci, Stoffhändler & Färbereienbesitzer wird zum Konsul von Mascharana gewählt.

Aus dem italienischen Umland:
- Das Kloster San Salvatore di Monte Acuto wird durch Kamaldulenser gegründet. Neben dem Hauptsitz der Kamalduenser in Camaldoli nahe Arezzo, ist dies das zweite Kloster des Mönchsordens der sich erst im vergangenen Jahr von den Benediktinern abgespalten und den zweiten Mönchsorden der Christenheit begründet hatte.
- John III von Gaeta stirbt in Capua

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 11. Jun 2018, 21:00

Das Jahr 1008 (Mai)

Ein bestialischer Mord soll Anfang des Jahres in den Thermen stattgefunden haben. In Platealonga, aber auch den Kneipen Raveccas und Broglios erzählt man sich das ein junger Mann, wohl ein Angestellter der Therme eine junge Frau - offenbar aus Eifersucht - ermordet habe. Zeugen berichten von unglaublicher Wut und viel Blut. Wie von Sinnen habe der Mann auf sie eingestochen. Der Teufel muss in ihn gefahren sein! Der Teufel der von diesem sündigen Ort magisch angezogen wird!

Aus Pontedecimo hört man dagegen nur gutes. Marienerscheinungen soll es dort gegeben haben. Mehrere Männer und Frauen behaupten unabhängig voneinander das ihnen die Mutter Gottes erschienen sei. Teils im Traum, aber einige schwören auch darauf sie mit Leib und Seele gesehen zu haben. Das muss ein Zeichen sein! Lobet den Herren!

Angriff auf die Kirche des Herren in Ravecca! Im Sommer wurde die Kirche San Donato, zwischen Broglio und Ravecca von einem Dämonen angegriffen. Mindestens eines der Fenster wurde zerstört, die Tür schwer beschädigt und dämonisches Fauchen und Keifen vernommen. Unruhe erfasst die Genuesen. Angeblich wurde in der selben Nacht nahe der Kirche außerdem ein blutlüsternder Kobold gesehen der schwarze Katzen hinter sich herzog wie ein Rattenschwanz.

Danielo di Mare bittet zum... Tanz. Angeblich soll es im Locanda rossa in Ravecca zu einem Fest kommen wie es lange keins mehr gegeben hat! Naja, zumindest wenn man eine der Einladungen ergattern konnte die seit Monaten durch die Schicht der Betuchten und Begüterten geistern. Man spricht von allerlei verdorbenen Sünden und das es eine solche Feierlichkeit nicht mehr gegeben habe seit Claudio Sultana das zeitliche gesegnet habe. Das der Bischof selbst in einem seiner sonntäglichen Gottesdienste solch ein Treiben ausdrücklich angeprangert hatte, scheint manche Leute nur umso heißer darauf werden zu lassen. Angeblich werden auf dem claviculanischen Schwarzmarkt bereits Fälschungen zu horrenden Summen verschachert. Einige Leute werden ein böses Erwachen haben, wenn der Abend gekommen ist...

In Ravecca und Platealonga soll sich des Nächtens ein Teufel herumtreiben. Meist sucht er sündige Orte wie Kneipen, die Therme (steckt er gar hinter dem Mord zu Beginn des Jahres?) oder den Hof der Wunder auf und versucht dort jede Frau, jeden Mann und jedes Kind zu besteigen, wie ein Satyr aus der Hölle. Lepra soll er haben und jeder der mit ihm schläft wird unfruchtbar. Man solle bloß aufpassen. Er gebe sich wohl als Franke, in Wirklichkeit komme er jedoch direkt aus Satans Schoß. Wie man ihn erkenne? Er sei rothaarig, habe ein koboldhaftes Grinsen und eine schlanke Figur. In einigen Kirchen wird bereits vor ihm gewarnt. Wenn man ihn sehe, solle man ihn auffordern zur Beichte zu gehen und ihn dann meiden.

Auch der Hof der Wunder scheint zu erblühen. Aus den Gassen die von ihm wegführen wie flüchtende Schlangen torkeln die Betrunken, die Berauschten und die Frivolen ins ruhige Domus oder geschäftige Platealonga. Man hört von monatelangen Festen, Veitstanz und Leuten die sich tottrinken. Angeblich wird hier nicht nur Mutterkorn konsumiert. Auch Alraun, Bilsenkraut, Nachtschatten, Stechapfel, Tollkirsche und Tollkraut soll hier herumgehen. Sicher steigt auch irgendwo Schwefel auf, so dicht muss dieser Ort an der Hölle liegen!

Wo man hinblickt: Sünde. Mörder und Vergewaltiger in den Straßen, Orgien in den Villen, Angriff auf die Kirche. Genua hatte ein schweres Jahr. Aber woher kommen all die Sünder, die sich von Gott abgewandt haben? Ausgehend von der Basilica di San Siro - der größten Kirche Genuas - jedoch auch in weiten Teilen des Umlandes, in Borgio Incrociati und Borgio di Bisgano, in Flussmund und Maddalena, ist man sich einig: aus dem Alla Murra! Dieser Hort der Sünde und des Verbrechens tief in den weingetränkten Gassen Raveccas sei ein Ort der Gewalt, der Gotteslästerung und des Teufels. Man müsse ihn unbedingt schließen! Alle aufrichtigen Christen sollten den guten Bischof Johann anflehen den Senat zu zwingen diesen Ort der Sünde niederzureißen oder zumindest zu unterbinden das dort weiter auf Gott gespuckt werde. Gott hätte sie nun schon mehrfach für ihre Sünden bestraft, nur wenige Jahre ist es her. Und was tun diese Verdorbenen Seelen? Sie versuchen ein weiteres Mal großes Unglück auf die ganze Stadt heraufzubeschwören! Im Sinne aller muss ihnen Einhalt geboten werden! Oder Gott wird seinen Zorn erneut auf alle Regnen lassen!

Stadtpolitik:
- Giuseppe Brigori, Werftbetreiber, Verwandter der Brigori und Senator von Platealonga, verstirbt in einer kühlen Winternacht. Neuwahlen werden für 1009 angekündigt.

Aus dem italienischen Umland:
- 20. November: Gottfried I. stirbt auf der Rückreise einer Pilgerfahrt nach Rom. Sein elfjähriger Sohn Alain III. folgt ihm als Herzog von Bretagne.
- Das Kloster San Salvatore di Monte Acuto wird nahe Perugia durch Kamaldulenser gegründet.
- Herzog Giovanni III von Gaeta stirbt nach kurzer aber schwerer Krankheit.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 5. Jul 2018, 23:14

Das Jahr 1009 (Juni)

Die teils dramatischen Entwicklungen des letzten Jahres haben noch einige Nachwehen die es über den Jahreswechsel geschafft zu haben scheinen. Es melden sich allerlei Zeugen die den "Angriff" auf San Donato gesehen haben wollen und die Erzählung einem Betrunkenen zuschieben wollen. Ein kleiner Junge habe einen Fang Fisch nach Hause gebracht und ihm seien Katzen gefolgt. Und offenbar seien die neuen Gargylen an der Kirche dermaßen erschreckend das man überlege sie wieder abzubauen. Auch wenn es noch immer stimmen gibt die den rothaarigen Teufel aus dem Hafen in der Nähe San Donatos gesehen haben wollen. Hat er gar die Gargylen zum Leben erweckt, mit seiner teuflischen Magie? Mehrere Rothaarige fallen spontanen Lynchmobs oder Steinigungen zum Opfer, ehe die Wache Raveccas durchgreifen kann.

Eigentümliches in Mascharana: verängstigte Hausangestellte Gabriel Arduinicis, eines Capos der Stadtwache, berichten das der Mann unter eigenartigen Umständen verstorben sei. Offenbar sei er verdurstet. Einfach so. Dabei habe man einen eigenen kleinen Weinkeller, ausländisches Bier und zur Not sogar Wasser da gehabt...

Jano, der seit vergangenem Jahr neu eingesetzte Priester der Kirche San Giorgio in Platealonga, setzt sich an die Spitze einer rasch anschwellenden Bewegung wider der zahlreichen Sünden der letzten Jahre. Er ruft zu Tugendhaftigkeit und Nächstenliebe auf, anstelle von egoistischem Hedonismus. Genua verkomme zum Sündenpfuhl! Man könne seine Töchter....und sogar seine Söhne... Nachts nicht mehr alleine auf die Straßen lassen! Er habe sie selbst gesehen, die Banden der Schänder und Huren! Man dürfe solchem Gesindel nicht die Stadt überlassen. Andernfalls würde Gott die Stadt noch weiter mit sarazenischen Strafen bedecken! Niemand dürfe solches Gesindel in seiner Nachbarschaft dulden! Auch wenn er nicht explizit zu Gewalt aufruft kommt es daraufhin zu vereinzelten Angriffen auf Huren und Betrunkene.

Stadtpolitik:
- Wahlen in Platealonga. Vespo Brigori folgt seinem im Vorjahr verstorbenen Großonkel Giuseppe Brigori als gewählter Senator Platealongas, wie auch als Betreiber der platealongischen Weften nach.

Aus dem italienischen Umland:
- 9. Mai: In Bari beginnt ein Aufstand der Langobarden unter Meles und seinem Schwager Dattus gegen den Gouverneur des byzantinisch verwalteten Katepanats Italien.
- 31. August/18. Oktober: Al-Hakim, Kalif der in Nordafrika und Syrien herrschenden Fatimiden, lässt die christliche Grabeskirche in Jerusalem zerstören. Große Entrüstung macht sich auch in Italien breit.
- nach Mai: Papst Johannes XVIII. stirbt zurückgezogen als Mönch im Kloster San Paolo fuori le Mura. Nachfolger und damit 142. Papst der katholischen Kirche wird Sergius IV., der bisherige Bischof von Albano. Er ruft als erster Papst dazu auf, die Muslime nach der Zerstörung der Grabeskirche aus dem Heiligen Land zu vertreiben.
- Der Doge von Venedig, Pietro II Orseolo, stirbt nach seiner 18-jährigen Herrschaft. Er hatte mit einigen Eroberungen die venezianischen Territorien erheblich ausgebaut. Ihm folgt sein 16-jähriger Sohn Otto Orseolo als alleiniger Herrscher von Venedig.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 16. Aug 2018, 23:40

Das Jahr 1010 (Juli)

Mord! Hochverrat! Gottesfluch! In einem Gemetzel nie dagewesenen Ausmaßes Anfang August sind der ehrenwerte Siniscalo di Genova, Armando Pietro Fieschi, Patriarch der Fieschi sowie seine Verwandten Enrico Fieschi, Senator in Platealonga, Adamo Fieschi, Capo der Stadtwache Mascharanas sowie Nunzio Adavo Fieschi, Armandos Sohn, Erbe und Erstgeborener getötet worden! Offenbar wurden alle vier und einige weitere Anwesende erst vergiftet - dann wurde jedem von ihnen ein Messer ins Auge gerammt. Von dem oder den Mördern fehlt jede Spur. Diese hätten am hellichten Tag an dutzenden Wachen vorbei gemusst - die Hauswache beschrieb jedoch alles als sehr ruhig. Wie immer. Nun machen sich zahlreiche Gerüchte breit. Es sei Selbstmord gewesen, sagen die einen. Dunkle Magie die anderen. Immer wieder bezichtigt man den dunklen Dämonen Maximinianus, der mit ihnen im Bunde gewesen sein solle, nun endlich ihre Seelen geholt zu haben. Der Bischof ruft eine Trauerwoche aus. Die Beerdigung wird von hunderten trauernden begleitet. Die Glocken der umliegenden Kirchen und Klöster schlagen einen vollen Tag in Trauer. Die Familie Fieschi ruft ein absurd hohes Kopfgeld für die Aufklärung des Falles aus. Hunderte neue Theorien finden ihren Weg ans Tageslicht.

In Platealonga, aber auch in Teilen von Domus kommt es -meist des Nachts - zu vereinzelten, aber sehr heftigen Ereignissen. Beliebte, kumpelhafte, angesehene Männer scheinen von dämonischen Kräften heimgesucht werden! So hat Bruni der Schlepper einen Veitstanz aufgeführt und musste von sechs Mann niedergerungen werden. Der kahle Augusto ist nun schwachsinnig, nachdem er seinen Kopf immer und immer wieder gegen eine Wand geschlagen hat. Der fette Valentino hat auf sich mitten auf dem Markt ausgezogen und tagelang geweigert wieder Kleidung anzuziehen. In den Kirchen führt man dies auf den allgemeinen Sittenverfall zurück. Der Teufel versuche sich in Genua einzunisten! Listig wie er ist, zeige er sich in unschuldiger Gestalt und verderbe die Aufrechten! Doch Pater Jano aus San Giorgio biete seine Hilfe an. Jeder derer die vom Teufel berührt worden sei, salbe er im Namen des Herren und hole sie zurück in den erleuchteten Kreis des Herren.

Immer noch - wenn auch deutlich seltener als in den Jahren zuvor - kommt es zu Übergriffen auf "Nachtvolk": Rothaarige, Huren und Ungläubige. Die Stadtwache Platealongas erbittet mehrfach die Hilfe der Stadtwache Claviculas und kann so die meisten sonst tödlich endenden Situationen eindämmen. Es kommt zu mehreren Festnahmen und Strafen.

Johann II, Bischof von Genua, weihte Ende des Jahres feierlich die Kirche San Melitta im Norden Broglios. Zu der heiligen Zeremonie strömten hunderte Besucher und feierten Broglio, den Bischof und die Melissiden, welche den Bau der ersten, wirklich in Broglio stehenden Kirche. Der Bau San Melittas war bereits vor einer Reihe von Jahren abgeschlossen worden. Offenbar kam die sarazenische Besatzung und eine angebliche Krankheit des Bischofs einer früheren Weihung in die Quere.

Stadtpolitik:
- Nach den Morden am Sindaco die Genova und einem platealongischen Senator werden im kommenden Jahr Neuwahlen in den beiden Sestieri angesetzt. Erst 1012 soll es dann die Wahl eines neuen Sindacos geben, wenn der Senat wieder vollzählig ist.

Aus dem italienischen Umland:
- Basileios Mesardonites, der byzantinische Gouverneur des Katepanats Italien beginnt im März mit der Belagerung der von langobardischen Aufständischen unter der Führung des Apuliers Meles und seines Schwagers Dattus gehaltenen Stadt Bari.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 8. Sep 2018, 19:08

Das Jahr 1011 (August + September)

Die Suche nach den Mördern des genuesischen Sindaco führt rasch zu Erfolgen. Der Capitano della Cita, Bruno Mancini, verhaftete nach rascher Ermittlung mehrere Männer aus dem Umfeld des Senatoren Fulvio Serpico aus Broglio. Nach einem Prozess vor dem Stadtgericht, bei dem alle Männer ausnahmslos zum Tode durch den Strick verurteilt wurden, bat er den genuesischen Senat außerdem um eine Entbindung Fulvio Serpicos von seinem Senatsposten. Grund wird Verstoß gegen die res publica angebracht. Der Senat wird in diesem Jahr darüber entscheiden.

In Pontedecimo kam es im vergangenen Jahr zum Aufbau einer bewaffneten Truppe die sich dem seit Jahren bestehenden Problem sporadischer Banditenüberfälle angenommen hat. Offenbar wurden in einer größer angelegten Kampagne über Monate hinweg örtliche Räuber verfolgt und nach und nach erwischt und aufgeknüpft. In einem glorreichen Gefecht, in den Tavernen nennt man es "Schlacht am Finkenhain", wurde schließlich die gefährlichste der Banden erledigt. Diese soll immer wieder Händler auf dem Weg nach Mailand überfallen haben.

Platealonga kommt zwar nicht zur Ruhe, aber zumindest gibt es keine weiteren Morde mehr. Pater Jano von San Giorgio scheint hierbei durchaus einen beruhigenden Einfluß auf seine Gemeinde zu haben. Er dessen Gottesdienste immer frenetischer werden und mittlerweile auch viele Leute aus umliegenden Gemeinden anziehen. An manchen Tagen sei der Piazza di San Giorgio voll von Menschen die seiner besonnenen Stimme lauschen.

Wie auch in Broglio. Immer wieder hört man dort von einem nächtlichen Straßenprediger. Nichts sonderlich ungewöhnliches. Wenn der Mann nicht die beeindruckende Gabe hätte stets die richtigen Worte zu finden. Jeder der ihm zuhört erhält Antworten. Reisende, Waschweiber, Trunkenbolde. Es heißt er habe in einem Monat mehr Trinker von ihrem sündigen Verhalten geheilt als die gesamte genuesische Kirche in einem Jahr. Viele Verzweifelte ersuchen ihn nun um Rat und stehen Schlange um mit ihm ein kurzes Wort wechseln zu können.


Stadtpolitik:
- Fulvio Embriaci, Senator in Domus, kündigt an zum Ende des Jahres, nach Wahl des neuen Sindaco di Genova, von allen Ämtern zurückzutreten. Sein Sohn, Christian Embriaci, habe den Großteil des Familiengeschäftes ohnehin bereits übernommen. Er rät all seinen Anhängern bei der kommenden Wahl dazu für seinen Sohn zu stimmen und bedankt sich bei den Genuesen für das jahrelange Vertrauen mit einer Wagenladung kostenlosem Wein vor dem Wahlabend.
- Wahlen in Platealonga: Marcantonio Fieschi, Sohn des ermordeten Enrico Fieschis, setze sich nach einer knappen Wahl als neuer Senator des vakanten Postens in Platealonga durch.
- Wahlen in Mascharana: Galeazzo Totto Fieschi, neuer Patriarch der Familie Fieschi, folgt seinem ermordeten Onkel auf dessen Senatorenposten im Senate Mascharanas.

Aus dem italienischen Umland:
- Nachdem sie vom byzantinischen Gouverneur des Katepanats Italien bereits ein Jahr belagert worden sind, treten die griechischen Bürger der Stadt Bari in Verhandlungen mit den Belagerern. Sie zwingen den Anführer der langobardischen Aufständischen Meles und seinen Schwager Dattus zu fliehen und übergeben am 11. Juni die Stadt an Basilius Mesardonites, der die byzantinische Herrschaft wiederherstellt, jedoch auf Repressalien verzichtet.
- Der Markgraf der Toskana, Bonifazius, stirbt unter ungeklärten Umständen. Sein Sohn Adalberto wird sein Nachfolger.
- Im Mai gerät Konrad I., Herzog von Kärnten nahe Trient in einen Hinterhalt. Er stirbt zusammen mit dem Großteil seines Gefolges. König Heinrich II. verspricht daraufhin Adalberto Kärnten - inklusive der Herrschaft über Verona.
- 11. Juni Lombardische Revolte: Die Griechische Bürger von Bari erheben sich gegen Melus lombardischen Rebellen und liefern die Stadt an den byzantinischen Katepan von Italien, Basil Mesardonites, aus. Melus ist gezwungen nach Salerno zu flüchten, während sein Schwager Dattus nach Monte Cassino flüchtet. Ihre Familien werden gefangen genommen und nach Konstantinopel verschleppt.
- Herbst - Basil Mesardonites besucht Guaimar III von Salerno um dessen Kooperation gegen die lombardischen Rebellen zu gewinnen. Melus ist gezwungen, erneut zu fliehen. Anschließend reist Basil nach Monte Cassino - und überzeugt Abt Atenulf, Dattus fortzuschicken. Papst Sergius IV. hingegen unterstützt Dattus und lässt ihn von päpstlichen Truppen in einen befestigten Komplex im Gebiet des Herzogtums Gaeta, am Garigliano bringen.
- In Salerno wird die Benediktinerabtei Cava de’ Tirreni gegründet. Sie wird später auch als Badia di Cava bekannt, da sie unter einer Grotte liegt.
- Das Kloster San Domenico wird als benediktinische Abtei in Sora gegründet.
- Gezone, Bischof von Turin, stirbt im September. König Heinrich II. entsendet Landulf als seinen Nachfolger.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 11. Nov 2018, 01:03

Das Jahr 1012 (Oktober)

Schon wieder dieser Rothaarige! Dabei hatte man gehofft es wäre überstanden. In Ravecca wurde abermals der rothaarige Plagegeist aus Platealonga gesichtet. Oder war es seine Frau? Eine beunruhigend hohe Anzahl Gerüchte sprechen dafür das er nun in Frauengestalt unterwegs sei. Angeblich habe sie in Ravecca einem Mann das Blut aus den Adern gesaugt, sagen die einen. Die anderen sprechen von Kannibalismus. Mit Haut und Haaren soll sie ihn verspeist haben. Und dann ist da noch Constantino. Der jedem der es hören will, erzählt er sei dieser Kerl. Ihn habe mitten in der Nacht ein Dämon angefallen, ein Sukkubus. Nicht nur das das halbe Weibsvolk Raveccas hinter ihm her sei, nein nun schicke sogar die Hölle ihre Weiber. Das sei ihm zu viel. Er lege das Zölibat ab und gehe nach San Andrea.

Der genuesische Senat hat entschieden das Fulvio Serpico aufgrund Verstosses gegen die res publica das Senatorenamt auf Lebenszeit entzogen werden. Er ist fortan kein Mitglied des genuesischen Senates mehr. Weiterhin muss er sich 1013 vor dem städtischen Gericht in Clavicula verantworten was die Mord- und Verschwörungsvorwürfe gegen die Familie Fieschi angeht. In Broglio werden für das kommende Jahr (1013) Neuwahlen angesetzt.

Im Ferregianotal soll es zu eigenartigen Vorkommnissen gekommen sein. Es gibt viele verwirrende Theorien und Aussagen, aber kaum jemand kommt von dort wieder und berichtet gutes. Die Bandbreite der Erzählungen ist dabei riesig. Von einem ganzen Stall voller Tiere die alle in einer Nacht erfroren sein sollen über einen brennenden Mann auf einem der nahen Gipfel oder tot vom Himmel fallende Vögel gibt es zahlreiche Erzählungen. Was davon war oder was Übertreibung der einfältigen Dörfler ist ist schwer zu sagen. Sicher ist nur das sie Angst haben.

Jüdische Flüchtlinge aus dem Kalifat von Cordoba erreichen Genua. Offenbar gab es dort nach Machtwechseln eine Reihe Vertreibungen und Verbannungen. Zwar haben sich die meisten Flüchtlinge in den Norden Iberiens aufgemacht, aber auch an die fränkische Südküste, die Inseln des westlichen Mittelmeers und die italienische Küste spült es einzelne Gruppen. Am Hafen werden sie mit offenen Armen empfangen und Unterkünfte im Norden Platealongas für sie bereitgemacht.

Stadtpolitik:
- Wahlen in Domus: Christian Embriaci gewinnt die Wahl in Domus mit einer hauchzarten Mehrheit und beerbt damit seinen Vater als Senator. Angeblich soll der knappe Wahlausgang zu Verstimmungen bei den Embriaci geführt haben. Was genau dort vorgefallen sei dringt jedoch nicht bis auf die Straße.
- Die Neuwahlen des Sindaco werden auf das Jahr 1014 verschoben, da Broglio kein vollständiges Sestieriparlament besitze. Die Wahlen des Sindaco erforderten jedoch Vollzähligkeit.

Aus dem italienischen Umland:
- Bischof Alibrando beginnt mit dem Bau der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz.
- Poppone, Patriarch von Aquileia, verschenkt das Dorf Cleuian samt weitläufigem Umland an den Bischof von Udine.
- König Heinrich II. zieht mit einem Heer nach Italien und durchquert Arduins Gebiete norditalienischen Gebiete unbehelligt. Im Dezember erreicht er Pavia. Arduin, der immer noch in Teilen Oberitaliens herrscht, weicht jeder militärischen Auseinandersetzung aus und bietet dem König gar die Niederlegung seiner Krone an, wenn ihm nur seine Grafschaft belassen würde. Heinrich lehnt ab und schickt sich an, im nächsten Jahr seinen Zug zur Kaiserkrönung nach Rom fortzusetzen.

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