Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Il Canzoniere
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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 11. Nov 2018, 01:03

Das Jahr 1012 (Oktober)

Schon wieder dieser Rothaarige! Dabei hatte man gehofft es wäre überstanden. In Ravecca wurde abermals der rothaarige Plagegeist aus Platealonga gesichtet. Oder war es seine Frau? Eine beunruhigend hohe Anzahl Gerüchte sprechen dafür das er nun in Frauengestalt unterwegs sei. Angeblich habe sie in Ravecca einem Mann das Blut aus den Adern gesaugt, sagen die einen. Die anderen sprechen von Kannibalismus. Mit Haut und Haaren soll sie ihn verspeist haben. Und dann ist da noch Constantino. Der jedem der es hören will, erzählt er sei dieser Kerl. Ihn habe mitten in der Nacht ein Dämon angefallen, ein Sukkubus. Nicht nur das das halbe Weibsvolk Raveccas hinter ihm her sei, nein nun schicke sogar die Hölle ihre Weiber. Das sei ihm zu viel. Er lege das Zölibat ab und gehe nach San Andrea.

Der genuesische Senat hat entschieden das Fulvio Serpico aufgrund Verstosses gegen die res publica das Senatorenamt auf Lebenszeit entzogen werden. Er ist fortan kein Mitglied des genuesischen Senates mehr. Weiterhin muss er sich 1013 vor dem städtischen Gericht in Clavicula verantworten was die Mord- und Verschwörungsvorwürfe gegen die Familie Fieschi angeht. In Broglio werden für das kommende Jahr (1013) Neuwahlen angesetzt.

Im Ferregianotal soll es zu eigenartigen Vorkommnissen gekommen sein. Es gibt viele verwirrende Theorien und Aussagen, aber kaum jemand kommt von dort wieder und berichtet gutes. Die Bandbreite der Erzählungen ist dabei riesig. Von einem ganzen Stall voller Tiere die alle in einer Nacht erfroren sein sollen über einen brennenden Mann auf einem der nahen Gipfel oder tot vom Himmel fallende Vögel gibt es zahlreiche Erzählungen. Was davon war oder was Übertreibung der einfältigen Dörfler ist ist schwer zu sagen. Sicher ist nur das sie Angst haben.

Jüdische Flüchtlinge aus dem Kalifat von Cordoba erreichen Genua. Offenbar gab es dort nach Machtwechseln eine Reihe Vertreibungen und Verbannungen. Zwar haben sich die meisten Flüchtlinge in den Norden Iberiens aufgemacht, aber auch an die fränkische Südküste, die Inseln des westlichen Mittelmeers und die italienische Küste spült es einzelne Gruppen. Am Hafen werden sie mit offenen Armen empfangen und Unterkünfte im Norden Platealongas für sie bereitgemacht.

Stadtpolitik:
- Wahlen in Domus: Christian Embriaci gewinnt die Wahl in Domus mit einer hauchzarten Mehrheit und beerbt damit seinen Vater als Senator. Angeblich soll der knappe Wahlausgang zu Verstimmungen bei den Embriaci geführt haben. Was genau dort vorgefallen sei dringt jedoch nicht bis auf die Straße.
- Die Neuwahlen des Sindaco werden auf das Jahr 1014 verschoben, da Broglio kein vollständiges Sestieriparlament besitze. Die Wahlen des Sindaco erforderten jedoch Vollzähligkeit.

Aus dem italienischen Umland:
- Bischof Alibrando beginnt mit dem Bau der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz.
- Poppone, Patriarch von Aquileia, verschenkt das Dorf Cleuian samt weitläufigem Umland an den Bischof von Udine.
- König Heinrich II. zieht mit einem Heer nach Italien und durchquert Arduins Gebiete norditalienischen Gebiete unbehelligt. Im Dezember erreicht er Pavia. Arduin, der immer noch in Teilen Oberitaliens herrscht, weicht jeder militärischen Auseinandersetzung aus und bietet dem König gar die Niederlegung seiner Krone an, wenn ihm nur seine Grafschaft belassen würde. Heinrich lehnt ab und schickt sich an, im nächsten Jahr seinen Zug zur Kaiserkrönung nach Rom fortzusetzen.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 15. Jan 2019, 18:07

Das Jahr 1013 (November) /&/ 1014 (Dezember)

Endlich gibt es wieder einen Hauptmann der Wache von Mascharana. Über acht Jahre hat es gedauert bis sich der Capitano della Cita mit dem Sestieriparlament einig geworden ist. Das Ergebnis, Vespo Brigori, kann jedoch mit Fug und Recht als Kompromisslösung angesehen werden nachdem etwa vierzig Kandidaten zuvor vom Sestieriparlament abgelehnt wurden. Zügig hat er im Winter 1013 seinen Posten eingenommen.

In einm kleinen Waldstück nördlich von Maddalena soll es angeblich spuken! Zumindest haben nächtliche Wanderer dort Ende des Jahres 1013 eigenartige Schreie gehört. Sogar die Tiere sollen Angst gehabt haben, ist doch ein Esel durchgegangen und zahlreiche Vögel, die teils Nachts gar nicht fliegen, sind dem Wald schreckhaft entflohen wurde daraufhin in Luccoli und Maddalena zum besten gegeben. Einige mutige Männer die sich am nächsten Tag aufgemacht haben um zu sehen was dort los war konnten jedoch nichts finden.

Mit dem ausklingenden Jahr 1013 wurde am Strand von Platealonga ein gar waghalsiger Turm konstruiert.Mit einem schmalen Pfad zwischen den Felsen entlang ist er nun das erste Gebäude was frmde Matrosen sehen, wenn sie von Süden kommen, von Korsika oder Sardinien. Fest und erdverwachsen steht er auf dem Fleck Geröll den noch niemand zu bauen gewagt hatte. Ein wahnsinniger der solch ein Wagnis eingegangen ist und doch steht er, wird schnell zum Orientierungspunkt der zahlreichen genuesischen Gäste im Hafen. Dort wo der Turm steht, da ist stets Süden, von Platealonga aus. Wer dort wohnen soll ist vielen nicht ganz klar. Einige sprechen jedoch von dem Roger de Arles. Seinem Altersruhesitz. Nach all seinen Heldentaten.

Skandal in der Villa des Konsuls von Mascharana, Marcello Embriaci! Offenbar gab es auf einer Feier im Hause des Embriaci einen Ehebruch! Und zwar nicht von irgendwem sondern von seinem Cousin Jano, Capo bei der hiesigen Stadtwache, mit einem der Dienstmädchen! Während sich die Waschweiber hierrüber das Maul zerreissen scheint Jano seine Tat sehr zu bereuen. Häufig wrd er dieser Tage in der Kirche San Nazareth in Mascharana angetroffen. Betend und um Vergebung bittend. Dabei hat ihm Gott sicher längst verziehen.

In Quinto al Mare werden aktuell regelmässig Nonnen aus dem Kloster Sant’Agnese fuori le mura bei Luccoli gesehen. Haben sie in den vergangenen Jahren dann und wann bei der Waschung von Kranken geholfen, scheint es das sie nun Mitglieder für ihre Gemeinde suchen und angeblich auch finden.

In Pontedecimo wurde im Winter 1014/1015 erstmalig ein Freiherr eingesetzt. Martino Diogenes Malatesta hat sich bereits mit zahlreichen Verdiensten wie etwa der siegreichen "Schlacht am Finkenhain" und der Erneuerung der Straße ins Gebirge verdient gemacht und ist in Pontedecimo hcoh angesehen. In Anerkennung seiner Dienste macht ihn Graf Otberto von Mailand nun zum Freiherren über Pontedecimo und Anliegenschaften.

Stadtpolitik:
- (1014) Wahlen in Broglio: Nach einigen Verzögerungen beim finden eines Wahltermins wurden im Frühjahr 1014 in Broglio Wahlen durchgeführt. Emanuele Arduinici setzte sich mit stattlichem Abstand durch.
- Wahlen zum Sindaco di Genova: Für die im Jahr 1015 stattfindenden Wahlen zum genuesischen Bürgermeister lassen sich einige Kandidaten aufstellen. Aktuelle Spitzenkandidaten sind Savio Brigori (Patriarch der Brigori), Galeazzo Totto Fieschi (Patriarch der Fieschi) sowie Luca Fieschi (Konsul von Broglio) neben einigen deutlich weniger beliebten Männern.

Aus dem italienischen Umland:
1013
- Bischof Alibrando beginnt mit dem Bau der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz.

1014
- 14. Februar: Papst Benedikt VIII. krönt Heinrich II. und seine Frau Kunigunde in der Basilika St. Peter in Rom zu Kaiser und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Dabei überreicht der Papst dem neuen Kaiser eine mit einem Kreuz gezierte goldene Kugel. Dies ist der erste Beleg für die Verwendung eines Reichsapfels, der später ein fester Bestandteil der Reichsinsignien wird.
- Februar: Unter dem gemeinsamen Vorsitz von Papst Benedikt VIII. und dem neuen Kaiser Heinrich II. findet in Rom eine Synode statt, auf der insgesamt fünf Bischöfe abgesetzt, Verfügungen gegen die Simonie und für die Keuschheit von Klerikern erlassen und die Rückgabe von entfremdetem Kirchengut gefordert wird. Kurz darauf zieht der Kaiser wieder nach Norden, wobei er die Abtei Bobbio zum Bistum erhebt.
- Wilhelm III. folgt seinem verstorbenen Vater Rotbald III. als Graf der Provence.
- Die Abtei Farneta in der Toskana wird vom Papst offiziell als unabhängige Liegenschaft anerkannt.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 9. Feb 2019, 22:48

Das Jahr 1015 (Januar)

Straßenkrieg in Domus! Über das Jahr kam es in Domus zu immer heftiger werdenden Auseinandersetzungen zwischen Bandenmitgliedern, Bürgermilizen, Martinsrittern und gelegentlich auch der Stadtwache. Rufe nach Sicherheit werden laut. Morde, Plünderungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Verschleppungen prägen das nächtliche Bild des Sestieris. Eine Welle der Kriminalität schwappt aus allen anliegenden Sestieri - Platalonga, Broglio, aber vor allem Clavicula in das eher bodenständige Sechstel im Norden. Die Zahl der Verhaftungen durch die Stadtwache schnellt zwar die die Höhe, aber das claviculanische Stadtgericht veruteilt nur wenige der Angeklagten - meist Domusser Bürger die steif und fest behaupten sich nur verteidigt zu haben.

Die Stadtwachen von Clavicula und Platealonga bieten der Stadtwache von Domus ihre Hilfe an, ehe Martinsritter, Milizen und Zivilisten das Recht in die eigene Hand nähmen. Das Sestieriparlaments lehnt jedoch dankend ab und bittet stattdessen die Martinsritter um Hilfe - welche gut zwei Dutzend Mann zur Unterstützung entsenden. Die Gewalt sinkt spürbar, reisst jedoch nicht ab. Daraufhin bezichtigen Bürger von Domus die Stadtwache weiterhin nicht genügend für ihre Sicherheit zu tun. In den Tavernen des Sestieris, besonders dem Domus Medicorum rotten sie sich zu Mobs zusammen und gehen auf Jagd nach Claviculanern - ganz gleich ob Bettlern oder Bandenmitgliedern. Dabei wird auch der ein oder andere von anderswo - unter anderem mehrere Broglioer erwischt und gehängt. In Domus entsteht zu dieser Zeit jedoch - bedingt durch die äußeren Angriffe - ein gewisses Einigkeitsgefühl. Viele sind Stolz darauf Domusser zu sein.

Im Juli gestehen zwei Martinsritter an den Plünderungen und Vergewaltigungen in Domus teilgehabt zu haben und werden in Clavicula erhängt. Als Rache fangen die Domusser Bürger zahlreiche der schwarzen Katzen Claviculas mit Giftködern und nageln sie an den Schwänzen an jeden Übergang der beiden Sestieri. Die Strata Romana ist gesäumt von verwesenden Katzenleichen.

Im August verkündet das Stadtgericht von Clavicula Roger de Arles bei einem Angriff auf einen Senator Claviculas verhaftet und inhaftiert zu haben. Er wurde nach einem fairen Prozess unter Anwesenheit des Konsuls Vico, der für städtischen Gerichtsbarkeit zuständig ist, nach Aufzeichnung seines Geständnisses hingerichtet. Er wurde gehängt wie der Verbrecher der er war. Man werde so schnell wie möglich ein Gesetz in den Senat einbringen das die Eigentumsrechte seiner Besitztümer der Stadt zuschlägt. Um das Grab dieser zweifelhafte Persönlichkeit Genuas nicht zu einer Pilgerstättet für die Fehlgeleiteten werden zu lassen werde man den Leichnam anonym beisetzen.
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Neun Jahre ist es her das man von ihm hörte. Nun werden die Stimmen wieder lauter: der Werwolf von Broglio ist wieder da! Aus Broglio hörte man zum Ende des Jahres hin erneute Schauermärchen über ihn. Nahe der ehemaligen Villa Fieschi, wo er einst schon so brutal zugeschlagen hatte, erklang scheckliches Geschrei und Geheul das unmöglich menschlich sein konnte. Ungewöhnlich für den Werwolf war jedoch das auch des Tags so manches mal Geheul zu hören war. Die hiesigen Bandenmitglieder, die die Villa bewachten, schienen jedoch nicht über die Maßen nervös zu sein. Hatte man den Werwolf endlich gefangen? Folterte ihn nun? Oder läuterte ihn? Rationalere Leute sprachen das dies eventuell Gefangene aus Domus sein könnten, wo derzeit ein heftiger Straßenkrieg tobt. Sind es gar die entführten Martinsritter? Wieder andere sagen es wären die Geister der gemordeten Familie. Aber weshalb erst jetzt? Wars war passiert das sie aufschreckte? Hatte jemand ihre Gräber auf dem Zentralfriedhof nahe Burgus geschändet?

In den Kneipen Platealongas redet man von einer rothaarigen Hexe die im Turm Roger de Arles herumspuken würde. Offenbar ein Geist oder etwas derartiges. Sie soll über magische Kräfte verfügen, den bösen Blick, diverse Flüche kennen und Unfruchtbarkeit verursachen. Man würde sie erkennen wenn man sie sähe . Sie sähe aus als ob sie sich stark verbrannt habe.

Razzia in den Thermen in Platealonga. Die Stadtwache hat einen Schmugglerring bis hierher verfolgt. Der Besitzer der Therme solle sich augenblicklich melden, ansonsten würden sie das Lokal dauerhaft schließen. Nachdem dieser nicht erscheint sondern lediglich die Sicherheit erhöht, soll nun das Sestieriparlaments Platealongas über eine Beschlagnahmung und Überführung des Gebäudes in öffentlichen Besitz beraten.

In Pontedecimo greift der im letzten Jahr ernannte Freiherr stark durch. Es heißt die Steuern würden erheblich angezogen werden - oder jemand schaue einmal genau darauf - je nachdem wen man fragt. Das macht ihn bei seinen frischen Untertanen nicht sonderlich beliebt. Unruhen oder etwas anderes bleiben jedoch aus. Der Freiherr soll gar mit allen Untertanen darüber gesprochen haben. Mit jedem einzeln! Wie verrückt. Er scheint etwas eigenartig...

Stadtpolitik:
- Wahlen zum Sindaco di Genova (Bürgermeister): Luca Fieschi, Konsul von Broglio gewinnt die Wahlen mit hauchdünner Mehrheit vor Savio Brigori! Durch die Domusser Unruhen wurde der Wahlkampf vor allem in Broglio, Ravecca, Platealonga und Mascharana geführt. Nachdem sich immer mehr abzeichnete das zwei Fieschi sich gegenseitig den Sieg verbauen würde, einigte man sich auf Luca Fieschi als Gesamtkandidaten da er mehr Erfahrung und eine größere Beliebtheit beim Volke mit sich brachte. Man munkelt zwar die Abmachungen zwischen ihm und Galeazzo Totto Fieschi hätten ihn zu einer Marionette des Patriarchen der Fieschi gemacht, aber nur so schien es möglich die ungeheuere Zustimmung Savio Brigoris in Platealonga und Teilen Claviculas zu brechen.

Aus dem italienischen Umland:
- Mudschahid, Herrscher des Taifa-Königreichs Dénia, das neben dem Gebiet um Dénia auf dem iberischen Festland auch die Balearen umfasst, unternimmt einen großangelegten Versuch, die aus vier Judikaten bestehende Insel Sardinien zu erobern und den Islam in Italien zu verbreiten. Er erobert große Gebiete der Insel und beginnt mit dem Bau einer Residenzstadt. Papst Benedikt VIII. gelingt es, eine Allianz aus den Seerepubliken Pisa und Genua gegen die „Sarazenen“ zu schmieden.
- 14. Dezember: Arduin von Ivrea, König von Italien und Markgraf von Ivrea stirbt. Nach seinem letzten vergeblichen Aufbegehrens gegen Kaiser Heinrich ein Jahr zuvor stirbt er im 1005 eigenes gegründeten Kloster Fruttuaria.
- Kaiser Heinrich, nun ohne Gegenspieler in Norditalien, löst die Markgraftschaft Ivrea auf.

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