[Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen.

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[Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere » So 11. Nov 2018, 01:03

Das Jahr 1012 (Oktober)

Schon wieder dieser Rothaarige! Dabei hatte man gehofft es wäre überstanden. In Ravecca wurde abermals der rothaarige Plagegeist aus Platealonga gesichtet. Oder war es seine Frau? Eine beunruhigend hohe Anzahl Gerüchte sprechen dafür das er nun in Frauengestalt unterwegs sei. Angeblich habe sie in Ravecca einem Mann das Blut aus den Adern gesaugt, sagen die einen. Die anderen sprechen von Kannibalismus. Mit Haut und Haaren soll sie ihn verspeist haben. Und dann ist da noch Constantino. Der jedem der es hören will, erzählt er sei dieser Kerl. Ihn habe mitten in der Nacht ein Dämon angefallen, ein Sukkubus. Nicht nur das das halbe Weibsvolk Raveccas hinter ihm her sei, nein nun schicke sogar die Hölle ihre Weiber. Das sei ihm zu viel. Er lege das Zölibat ab und gehe nach San Andrea.

Der genuesische Senat hat entschieden das Fulvio Serpico aufgrund Verstosses gegen die res publica das Senatorenamt auf Lebenszeit entzogen werden. Er ist fortan kein Mitglied des genuesischen Senates mehr. Weiterhin muss er sich 1013 vor dem städtischen Gericht in Clavicula verantworten was die Mord- und Verschwörungsvorwürfe gegen die Familie Fieschi angeht. In Broglio werden für das kommende Jahr (1013) Neuwahlen angesetzt.

Im Ferregianotal soll es zu eigenartigen Vorkommnissen gekommen sein. Es gibt viele verwirrende Theorien und Aussagen, aber kaum jemand kommt von dort wieder und berichtet gutes. Die Bandbreite der Erzählungen ist dabei riesig. Von einem ganzen Stall voller Tiere die alle in einer Nacht erfroren sein sollen über einen brennenden Mann auf einem der nahen Gipfel oder tot vom Himmel fallende Vögel gibt es zahlreiche Erzählungen. Was davon war oder was Übertreibung der einfältigen Dörfler ist ist schwer zu sagen. Sicher ist nur das sie Angst haben.

Jüdische Flüchtlinge aus dem Kalifat von Cordoba erreichen Genua. Offenbar gab es dort nach Machtwechseln eine Reihe Vertreibungen und Verbannungen. Zwar haben sich die meisten Flüchtlinge in den Norden Iberiens aufgemacht, aber auch an die fränkische Südküste, die Inseln des westlichen Mittelmeers und die italienische Küste spült es einzelne Gruppen. Am Hafen werden sie mit offenen Armen empfangen und Unterkünfte im Norden Platealongas für sie bereitgemacht.

Stadtpolitik:
- Wahlen in Domus: Christian Embriaci gewinnt die Wahl in Domus mit einer hauchzarten Mehrheit und beerbt damit seinen Vater als Senator. Angeblich soll der knappe Wahlausgang zu Verstimmungen bei den Embriaci geführt haben. Was genau dort vorgefallen sei dringt jedoch nicht bis auf die Straße.
- Die Neuwahlen des Sindaco werden auf das Jahr 1014 verschoben, da Broglio kein vollständiges Sestieriparlament besitze. Die Wahlen des Sindaco erforderten jedoch Vollzähligkeit.

Aus dem italienischen Umland:
- Bischof Alibrando beginnt mit dem Bau der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz.
- Poppone, Patriarch von Aquileia, verschenkt das Dorf Cleuian samt weitläufigem Umland an den Bischof von Udine.
- König Heinrich II. zieht mit einem Heer nach Italien und durchquert Arduins Gebiete norditalienischen Gebiete unbehelligt. Im Dezember erreicht er Pavia. Arduin, der immer noch in Teilen Oberitaliens herrscht, weicht jeder militärischen Auseinandersetzung aus und bietet dem König gar die Niederlegung seiner Krone an, wenn ihm nur seine Grafschaft belassen würde. Heinrich lehnt ab und schickt sich an, im nächsten Jahr seinen Zug zur Kaiserkrönung nach Rom fortzusetzen.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 15. Jan 2019, 18:07

Das Jahr 1013 (November) /&/ 1014 (Dezember)

Endlich gibt es wieder einen Hauptmann der Wache von Mascharana. Über acht Jahre hat es gedauert bis sich der Capitano della Cita mit dem Sestieriparlament einig geworden ist. Das Ergebnis, Vespo Brigori, kann jedoch mit Fug und Recht als Kompromisslösung angesehen werden nachdem etwa vierzig Kandidaten zuvor vom Sestieriparlament abgelehnt wurden. Zügig hat er im Winter 1013 seinen Posten eingenommen.

In einm kleinen Waldstück nördlich von Maddalena soll es angeblich spuken! Zumindest haben nächtliche Wanderer dort Ende des Jahres 1013 eigenartige Schreie gehört. Sogar die Tiere sollen Angst gehabt haben, ist doch ein Esel durchgegangen und zahlreiche Vögel, die teils Nachts gar nicht fliegen, sind dem Wald schreckhaft entflohen wurde daraufhin in Luccoli und Maddalena zum besten gegeben. Einige mutige Männer die sich am nächsten Tag aufgemacht haben um zu sehen was dort los war konnten jedoch nichts finden.

Mit dem ausklingenden Jahr 1013 wurde am Strand von Platealonga ein gar waghalsiger Turm konstruiert.Mit einem schmalen Pfad zwischen den Felsen entlang ist er nun das erste Gebäude was frmde Matrosen sehen, wenn sie von Süden kommen, von Korsika oder Sardinien. Fest und erdverwachsen steht er auf dem Fleck Geröll den noch niemand zu bauen gewagt hatte. Ein wahnsinniger der solch ein Wagnis eingegangen ist und doch steht er, wird schnell zum Orientierungspunkt der zahlreichen genuesischen Gäste im Hafen. Dort wo der Turm steht, da ist stets Süden, von Platealonga aus. Wer dort wohnen soll ist vielen nicht ganz klar. Einige sprechen jedoch von dem Roger de Arles. Seinem Altersruhesitz. Nach all seinen Heldentaten.

Skandal in der Villa des Konsuls von Mascharana, Marcello Embriaci! Offenbar gab es auf einer Feier im Hause des Embriaci einen Ehebruch! Und zwar nicht von irgendwem sondern von seinem Cousin Jano, Capo bei der hiesigen Stadtwache, mit einem der Dienstmädchen! Während sich die Waschweiber hierrüber das Maul zerreissen scheint Jano seine Tat sehr zu bereuen. Häufig wrd er dieser Tage in der Kirche San Nazareth in Mascharana angetroffen. Betend und um Vergebung bittend. Dabei hat ihm Gott sicher längst verziehen.

In Quinto al Mare werden aktuell regelmässig Nonnen aus dem Kloster Sant’Agnese fuori le mura bei Luccoli gesehen. Haben sie in den vergangenen Jahren dann und wann bei der Waschung von Kranken geholfen, scheint es das sie nun Mitglieder für ihre Gemeinde suchen und angeblich auch finden.

In Pontedecimo wurde im Winter 1014/1015 erstmalig ein Freiherr eingesetzt. Martino Diogenes Malatesta hat sich bereits mit zahlreichen Verdiensten wie etwa der siegreichen "Schlacht am Finkenhain" und der Erneuerung der Straße ins Gebirge verdient gemacht und ist in Pontedecimo hcoh angesehen. In Anerkennung seiner Dienste macht ihn Graf Otberto von Mailand nun zum Freiherren über Pontedecimo und Anliegenschaften.

Stadtpolitik:
- (1014) Wahlen in Broglio: Nach einigen Verzögerungen beim finden eines Wahltermins wurden im Frühjahr 1014 in Broglio Wahlen durchgeführt. Emanuele Arduinici setzte sich mit stattlichem Abstand durch.
- Wahlen zum Sindaco di Genova: Für die im Jahr 1015 stattfindenden Wahlen zum genuesischen Bürgermeister lassen sich einige Kandidaten aufstellen. Aktuelle Spitzenkandidaten sind Savio Brigori (Patriarch der Brigori), Galeazzo Totto Fieschi (Patriarch der Fieschi) sowie Luca Fieschi (Konsul von Broglio) neben einigen deutlich weniger beliebten Männern.

Aus dem italienischen Umland:
1013
- Bischof Alibrando beginnt mit dem Bau der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz.

1014
- 14. Februar: Papst Benedikt VIII. krönt Heinrich II. und seine Frau Kunigunde in der Basilika St. Peter in Rom zu Kaiser und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Dabei überreicht der Papst dem neuen Kaiser eine mit einem Kreuz gezierte goldene Kugel. Dies ist der erste Beleg für die Verwendung eines Reichsapfels, der später ein fester Bestandteil der Reichsinsignien wird.
- Februar: Unter dem gemeinsamen Vorsitz von Papst Benedikt VIII. und dem neuen Kaiser Heinrich II. findet in Rom eine Synode statt, auf der insgesamt fünf Bischöfe abgesetzt, Verfügungen gegen die Simonie und für die Keuschheit von Klerikern erlassen und die Rückgabe von entfremdetem Kirchengut gefordert wird. Kurz darauf zieht der Kaiser wieder nach Norden, wobei er die Abtei Bobbio zum Bistum erhebt.
- Wilhelm III. folgt seinem verstorbenen Vater Rotbald III. als Graf der Provence.
- Die Abtei Farneta in der Toskana wird vom Papst offiziell als unabhängige Liegenschaft anerkannt.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 9. Feb 2019, 22:48

Das Jahr 1015 (Januar)

Straßenkrieg in Domus! Über das Jahr kam es in Domus zu immer heftiger werdenden Auseinandersetzungen zwischen Bandenmitgliedern, Bürgermilizen, Martinsrittern und gelegentlich auch der Stadtwache. Rufe nach Sicherheit werden laut. Morde, Plünderungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Verschleppungen prägen das nächtliche Bild des Sestieris. Eine Welle der Kriminalität schwappt aus allen anliegenden Sestieri - Platalonga, Broglio, aber vor allem Clavicula in das eher bodenständige Sechstel im Norden. Die Zahl der Verhaftungen durch die Stadtwache schnellt zwar die die Höhe, aber das claviculanische Stadtgericht veruteilt nur wenige der Angeklagten - meist Domusser Bürger die steif und fest behaupten sich nur verteidigt zu haben.

Die Stadtwachen von Clavicula und Platealonga bieten der Stadtwache von Domus ihre Hilfe an, ehe Martinsritter, Milizen und Zivilisten das Recht in die eigene Hand nähmen. Das Sestieriparlaments lehnt jedoch dankend ab und bittet stattdessen die Martinsritter um Hilfe - welche gut zwei Dutzend Mann zur Unterstützung entsenden. Die Gewalt sinkt spürbar, reisst jedoch nicht ab. Daraufhin bezichtigen Bürger von Domus die Stadtwache weiterhin nicht genügend für ihre Sicherheit zu tun. In den Tavernen des Sestieris, besonders dem Domus Medicorum rotten sie sich zu Mobs zusammen und gehen auf Jagd nach Claviculanern - ganz gleich ob Bettlern oder Bandenmitgliedern. Dabei wird auch der ein oder andere von anderswo - unter anderem mehrere Broglioer erwischt und gehängt. In Domus entsteht zu dieser Zeit jedoch - bedingt durch die äußeren Angriffe - ein gewisses Einigkeitsgefühl. Viele sind Stolz darauf Domusser zu sein.

Im Juli gestehen zwei Martinsritter an den Plünderungen und Vergewaltigungen in Domus teilgehabt zu haben und werden in Clavicula erhängt. Als Rache fangen die Domusser Bürger zahlreiche der schwarzen Katzen Claviculas mit Giftködern und nageln sie an den Schwänzen an jeden Übergang der beiden Sestieri. Die Strata Romana ist gesäumt von verwesenden Katzenleichen.

Im August verkündet das Stadtgericht von Clavicula Roger de Arles bei einem Angriff auf einen Senator Claviculas verhaftet und inhaftiert zu haben. Er wurde nach einem fairen Prozess unter Anwesenheit des Konsuls Vico, der für städtischen Gerichtsbarkeit zuständig ist, nach Aufzeichnung seines Geständnisses hingerichtet. Er wurde gehängt wie der Verbrecher der er war. Man werde so schnell wie möglich ein Gesetz in den Senat einbringen das die Eigentumsrechte seiner Besitztümer der Stadt zuschlägt. Um das Grab dieser zweifelhafte Persönlichkeit Genuas nicht zu einer Pilgerstättet für die Fehlgeleiteten werden zu lassen werde man den Leichnam anonym beisetzen.
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Neun Jahre ist es her das man von ihm hörte. Nun werden die Stimmen wieder lauter: der Werwolf von Broglio ist wieder da! Aus Broglio hörte man zum Ende des Jahres hin erneute Schauermärchen über ihn. Nahe der ehemaligen Villa Fieschi, wo er einst schon so brutal zugeschlagen hatte, erklang scheckliches Geschrei und Geheul das unmöglich menschlich sein konnte. Ungewöhnlich für den Werwolf war jedoch das auch des Tags so manches mal Geheul zu hören war. Die hiesigen Bandenmitglieder, die die Villa bewachten, schienen jedoch nicht über die Maßen nervös zu sein. Hatte man den Werwolf endlich gefangen? Folterte ihn nun? Oder läuterte ihn? Rationalere Leute sprachen das dies eventuell Gefangene aus Domus sein könnten, wo derzeit ein heftiger Straßenkrieg tobt. Sind es gar die entführten Martinsritter? Wieder andere sagen es wären die Geister der gemordeten Familie. Aber weshalb erst jetzt? Wars war passiert das sie aufschreckte? Hatte jemand ihre Gräber auf dem Zentralfriedhof nahe Burgus geschändet?

In den Kneipen Platealongas redet man von einer rothaarigen Hexe die im Turm Roger de Arles herumspuken würde. Offenbar ein Geist oder etwas derartiges. Sie soll über magische Kräfte verfügen, den bösen Blick, diverse Flüche kennen und Unfruchtbarkeit verursachen. Man würde sie erkennen wenn man sie sähe . Sie sähe aus als ob sie sich stark verbrannt habe.

Razzia in den Thermen in Platealonga. Die Stadtwache hat einen Schmugglerring bis hierher verfolgt. Der Besitzer der Therme solle sich augenblicklich melden, ansonsten würden sie das Lokal dauerhaft schließen. Nachdem dieser nicht erscheint sondern lediglich die Sicherheit erhöht, soll nun das Sestieriparlaments Platealongas über eine Beschlagnahmung und Überführung des Gebäudes in öffentlichen Besitz beraten.

In Pontedecimo greift der im letzten Jahr ernannte Freiherr stark durch. Es heißt die Steuern würden erheblich angezogen werden - oder jemand schaue einmal genau darauf - je nachdem wen man fragt. Das macht ihn bei seinen frischen Untertanen nicht sonderlich beliebt. Unruhen oder etwas anderes bleiben jedoch aus. Der Freiherr soll gar mit allen Untertanen darüber gesprochen haben. Mit jedem einzeln! Wie verrückt. Er scheint etwas eigenartig...

Stadtpolitik:
- Wahlen zum Sindaco di Genova (Bürgermeister): Luca Fieschi, Konsul von Broglio gewinnt die Wahlen mit hauchdünner Mehrheit vor Savio Brigori! Durch die Domusser Unruhen wurde der Wahlkampf vor allem in Broglio, Ravecca, Platealonga und Mascharana geführt. Nachdem sich immer mehr abzeichnete das zwei Fieschi sich gegenseitig den Sieg verbauen würde, einigte man sich auf Luca Fieschi als Gesamtkandidaten da er mehr Erfahrung und eine größere Beliebtheit beim Volke mit sich brachte. Man munkelt zwar die Abmachungen zwischen ihm und Galeazzo Totto Fieschi hätten ihn zu einer Marionette des Patriarchen der Fieschi gemacht, aber nur so schien es möglich die ungeheuere Zustimmung Savio Brigoris in Platealonga und Teilen Claviculas zu brechen.

Aus dem italienischen Umland:
- Mudschahid, Herrscher des Taifa-Königreichs Dénia, das neben dem Gebiet um Dénia auf dem iberischen Festland auch die Balearen umfasst, unternimmt einen großangelegten Versuch, die aus vier Judikaten bestehende Insel Sardinien zu erobern und den Islam in Italien zu verbreiten. Er erobert große Gebiete der Insel und beginnt mit dem Bau einer Residenzstadt. Papst Benedikt VIII. gelingt es, eine Allianz aus den Seerepubliken Pisa und Genua gegen die „Sarazenen“ zu schmieden.
- 14. Dezember: Arduin von Ivrea, König von Italien und Markgraf von Ivrea stirbt. Nach seinem letzten vergeblichen Aufbegehrens gegen Kaiser Heinrich ein Jahr zuvor stirbt er im 1005 eigenes gegründeten Kloster Fruttuaria.
- Kaiser Heinrich, nun ohne Gegenspieler in Norditalien, löst die Markgraftschaft Ivrea auf.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 16. Feb 2019, 21:58

Die Jahre 1016-1020 (Februar - erste Hälfte)

1016
- Frühjahr: In Süditalien bricht eine neuerliche langobardische Revolte unter Meles gegen den Gouverneur des byzantinisch regierten Katepanats Italien los, die diesmal auch von einer Gruppe Normannen unterstützt wird.
- Otbert II Markgraf von Mailand, Genua und Tortona stirbt. Seine Söhne Hugo, Albert Azzo und Obizzo erben alle den Titel "Markgraf". Albert Azzo übernimmt die Geschäfte seines Vaters und damit die Ländereien von Mailand, Genua, Luni und Tortona. Sein Herrschaftssitz ist Mailand.
- Dieser greift den Vorschlag des genuesischen Senats bezüglich den Verhandlungen mit dem Grafen zur Erbauung einer Ausbildungsstätte für Soldaten auf dem Monte Bisagno auf und scheint sehr angetan. Er stimmt zu und gibt einige Gelder für den Bau frei, wobei der genuesische Senat jedoch die weitaus größeren Anteile zahlt. Die Grundsteinlegung ist noch im selben Jahr, um 1020 sind bereits erhebliche Baufortschritte zu verzeichnen.
- Sarazenische Verbände besetzen Luni, zwischen Genua und Pisa. Offenbar als Antwort auf die genuesisch/pisanische Invasion auf Sardinien. Ein von Papst Benedikt VIII. aufgestelltes Heer schlägt eingedrungenen Sarazenen jedoch vernichtend. Luni wird befreit.

1017
- Anfang des Jahres: Papst Benedikt VIII. schickt normannische Söldner unter der Führung des Abenteurers Rainulf Drengot nach Süditalien zur Unterstützung des langobardischen Aufstands unter Meles von Bari gegen die byzantinischen Lehnsherren. Im Frühjahr fällt Meles mit diesem normannischen Kontingent und langobardischen Truppen in Nordapulien ein und kann in mehreren Schlachten siegreich vorrücken. Der byzantinische Kaiser Basileios II. ersetzt daraufhin im Herbst den bisherigen Katepan Tornikios Kontoleon durch Basileios Boioannes und sendet militärische Verstärkung aus dem Mutterland.
- Hugo, Albert Azzo und Obizzo werden von Männern Kaiser Heinrichs als Unterstützer des verstorbenen Arduins von Ivrea verhaftet und nach Burg Giebichenstein nahe Halle an der Saale verbracht.
- Eine Flotte der Seerepubliken Genua und Pisa schlägt die arabische Flotte des balearischen Herrschers Mudschahid und vertreibt ihn damit wieder aus Sardinien. Pisa erhält Sardinien offiziell als päpstliches Lehen, Genua beherrscht den Norden der Insel. (genaueres dazu hier: viewtopic.php?f=12&t=3270 )

1018
- Bruno Mancini, capitano della cite di Genova tritt altersbedingt zurück. Der Sindaco di Genova, Luca Fieschi, entscheidet sich überraschend nicht für den wahrscheinlichsten Nachfolger, Paolo Armatio, der bereits seit einigen Jahren von Bruno Mancini eingearbeitet wurde. Stattdessen ernennt er Lamberto Capobanda, bisher Hauptmann der Stadtwache von Broglio zum neuen capitano della cite di Genova. Dieser schlägt nach einigen Wochen Gioele Moretti als neuen Stadtwachenhauptmann Broglios vor. Das Sestieriparlament Broglios akzeptiert.
- Albert Azzo stirbt in Kerkerhaft in Burg Giebichenstein. Die beiden verbliebenen Brüder werden daraufhin entlassen. Hugo wird Vormund seines Neffen Albert Azzo IIs, dem noch nicht volljährigen Erben der Markgrafschaft von Mailand sowie der Grafschaft von Genua, Luni und Tortona.
- 1. Oktober: Die Schlacht von Cannae in Apulien zwischen Normannen und langobardischen Aufständischen auf der einen Seite und Byzantinern auf der anderen Seite endet mit einer vernichtenden Niederlage der Normannen unter Meles von Bari. Die byzantinische Herrschaft in Süditalien ist damit wieder stabilisiert, Meles verlässt nach der Schlacht Apulien. Der Abenteurer Rainulf Drengot zieht sich mit dem Rest des normannischen Heeres nach Kampanien zurück.

1019
- In Votori gibt es Probleme mit Piraten. Nicht die üblichen Probleme von Überfällen und gekaperten Schiffen, nein diese Piraten wollen sich gar in Votori ansiedeln! Das beschauliche Nest scheint noch nicht bereit für diese Horde an Verbrechern zu sein. Nach einigen Auseinandersetzungen mit den Dörflern und gerüchteweisen mehreren Schändungen entschließen sich die braven Anwohner Votoris die Piraten hinauszuwerfen! Da mit dem Grafen gedroht wurde fügen sich die rauen Seegesellen jedoch glücklicherweise.
- Johann II., Bischof von Genua, stirbt. Der Erzbischof von Mailand entsendet Landolfo I. als dessen Nachfolger und neuen Bischof von Genua.

1020
- Der Freiherr von Pontedecimo erlaubt es einer Reihe länger für ihn tätiger Söldner sich dauerhaft auf seinem Land niederzulassen. Viele von ihnen bekommen Posten in seiner ungewöhnlich großen Entourage. Und den sich in den letzten Jahren gebildeten soldatischen Strukturen Pontdecimos.
- Nach einem gut dreijährigen Bandenkrieg in Ravecca beruhigt sich die Lage wieder etwas. Die im Januar 1020 ihren Höhepunkt habenden Bandenkämpfe zwischen raveccanischen, claviculanischen und brogliesischen Banden um Territorien, Schwarzmartkanteile und Einkunfsquellen enden, trotz zahlreicher Tote und erheblicher Unruhe in Ravecca mit einem Patt und nur leicht verschobenen Grenzen. Auch die Stadtwache Raveccas hatte ihren Anteil an den Bandenkriegen, schien sich hier jedoch eher wie eine beteiligte Partei zu Gunsten der raveccanischen Banden als wie eine Stadtwache zu verhalten.
- Papst Benedikt VIII. besucht zu Ostern Kaiser Heinrich II. in Bamberg. Hintergrund des Besuchs ist der Wunsch des Papstes nach kaiserlicher Hilfe für die Aufständischen gegen die byzantinische Herrschaft in Unteritalien. Auch der Apulier Meles von Bari, der zwei Jahre zuvor eine vernichtende Niederlage erlitten hat, reist nach Bamberg, um den Kaiser um Unterstützung zu bitten. Die geplante Übergabe eines von ihm gestifteten Sternenmantels scheitert jedoch, weil Meles noch vor dem Treffen am 23. April stirbt.
- Normannische Eroberung Süditaliens: Normannen setzen sich in Unteritalien fest.
- Poppo von Stablo wird Abt der Schwesterklöster Stablo und Malmedy. Unter ihm werden sie zu Zentren der von Cluny ausgehenden Reformbewegung.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 4. Mär 2019, 02:20

Die Jahre 1021-1025 (Februar - zweite Hälfte)

1021
- Die Thermen in Platealonga sollen geschlossen werden! So entnimmt man es zumindest einigenAuftritten ihres Besitzers, einem gewissen Charleo. Dieser gibt an Mönch werden zu wollen und vermacht seinen Besitz der Kirche. Kurz darauf kündigen die Nonnen des Klosters der heiligen Agnes an daraus die 'Spedale dell´aqua viva' machen zu wollen. Ein Badehaus in dem die Kranken geheilt würden. Ein Heilbad!
- Eine dreiste Diebesbande ist bei Sancto Pedro de Arena aufgetaucht. Sie macht keinen Halt vor irgendjemanden wie es scheint. Lässt jedoch die Leute meistens am Leben wie es scheint. Auch Frauen und Kinder werden verschont. Man munkelt schon von "Noblen" Banditen. Auch wenn das all die ausgeraubten fränkischen Händler ganz anders sehen mögen...
- Zurückkehrende Soldaten aus Sardinien berichten von einer eigenartige Geschichte die sich vor einigen Jahren zugetragen haben soll: weit im Norden sei ein abgelegenes Dorf von Piraten angegriffen worden, was nicht ungewöhnlich sei. Zum Glück war eine Einheit genuesischer Soldaten vor Ort die den Angriff abwehrte und alle Piraten erschlagen konnte. Dann jedoch sei einer Piraten von den Toten auferstanden, habe die gesamte genuesische Einheit verschlungen und allerlei Dorfbewohner ebenso! Monatelang habe er das Dorf bei Nacht terrorisiert und das Blut der Unschuldigen getrunken. Ein Dämon mit einer herzerweichenden Stimme... Blödes Geschwätz würden manche nun sagen. Aber man habe es überprüft und die "Nénuphar" gefunden. Verlassen. Keine Spur von der Mannschaft. Jedoch scheint es einen heftigen Kampf gegeben zu haben. Keine Spur von der genuesischen Mannschaft an Bord. Man habe das Schiff jedoch bergen und in den genuesischen Hafen segeln können wo es nun die Flotte verstärken soll.
- Krieg in Süditalien: Die normannischen Invasoren werden von Byzanz geschlagen. Byzanz baut die Festung Troia um die apulische Ebene zu sichern. Ironischerweise heuert es normannische Söldner an um diese zu bemannen.
- Papst Benedikts VIII. trifft sich an Ostern mit Heinrich II. in Bamberg um diese unwillkommene byzantinische Intervention in Italien zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit wird Melus als Herzog von Apulien investiert, stirbt aber wenige Tage später in Bamberg. Auf Wunsch des Papstes, der sich vom byzantinischen Reich unter Basileios II. bedrängt sieht, zieht Kaiser Heinrich II. gegen Nordapulien und belagert die byzantinische Festung Troia.

1022
- Merkwürdiges geht in Platealonga vor. Einige Einheimische schwören einen, andere gar zwei oder drei, leibhaftigen Dämonen gesehen zu haben! Und kurz darauf geht ein eigenartiges Gerücht durch die dortigen Tavernen: Ein reicher Händler - der verständlicherweise anonym bleiben will - hat für einen König ganz besondere Sklaven über Genua verschifft. Darunter auch ein Mitglied eines Volkes aus dem fernen Afrika. Dieses Volk zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr lange Finger hat. Seine Mitglieder laufen nicht wie normale Menschen, sondern auf allen Vieren. Einer dieser seltenen Sklaven war entwischt und hatte sich bisher unbemerkt in Genua als Bettler durchgeschlagen. Naja bis zu diesem einen Abend... Da hat er - vielleicht aus Hunger, vielleicht aus anderen Gründen - einen Nordmann angegriffen. Als man ihn fassen wollte, zeigte sich, dass er ein Holzbein trug, das er mit (wahrscheinlich gestohlenem) Rotwein gefüllt hatte. Während das Bein in der Hand eines verdutzten Verfolgers zurückblieb, ist der seltsame Eingeborene davongerannt. Auf allen Vieren, wie in seinem Volk üblich - respektive auf allen Dreien, in diesem Fall. Groß sind die Wunder, die Gott auf dieser Erde schafft.
- USURPATOREN! Aus den fernen Karpaten hört man seltsame Gerüchte. Angeblich hätte eine Gruppe Hexer die örtlichen Tzimisce überwältigt und in die Knie gezwungen, ihnen die Unsterblichkeit geraubt und auf sich selbst übertragen. Völlig unglaubhaft. Es sind eher die Münder aus denen diese Worte strömen die stutzig machen lassen: Harpyien, Wanderer, Ältere. Sollte da tatsächlich etwas dran sein?
- Kaiser Heinrich II. marschiert mit einer große Armee auf Troia. Die Festung wird jedoch gehalten, Sommerhitze und eine Erkrankung Heinrichs zwingen schließlich zum Rückzug der Deutschen.
- Der Emir von Dénia schickt abermals eine Armee um Sardinien zurück zu erobern, wird allerdings von Einheiten Genuas und Pisas zurückgeschlagen. Dennoch gibt es immer wieder sarazenische und sardische Partisanen die die genuesischen und pisanischen Besatzer bekämpfen. Aufgrund der unübersichtlichen Topografie wird es nur sehr schwer sein dem langfristig Herr zu werden.
- 28. Dezember: Wegen der sogenannten Häresie von Orléans werden auf Befehl des Kapetinger-Königs Robert II. von Frankreich etwa zwölf hohe Gelehrte aus dem Umfeld der Königin Konstanze von Arles als Häretiker verbrannt, darunter die Kanoniker der Kathedrale von Orléans. Es handelt sich um die erste bekannte Verbrennung des christlichen Mittelalters.
- Konzil von Pavia: Verbot der Priesterehe, Amtsenthebung verheirateter Priester, Beschluss der Erbunfähigkeit der Priesterkinder (Erläuterung: Die Ehe und das Konkubinat für Priester wurden bereits im Frühmittelalter abgelehnt. Grundlage dieser Forderung waren die Lebensweise Jesu, Schriftstellen in der Bibel (z. B. Mt 19,12; Mt 22,30; 1 Kor 7,32–34) und die daraus entstandenen kanonischen Rechtsbestimmungen. Allerdings konnten sich diese Vorstellungen insbesondere beim Landklerus nicht durchsetzen. Dies hing nicht zuletzt mit der mangelnden Ausbildung des niederen Klerus zusammen. Seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts wurden zunehmend Versuche unternommen, diesen Missstand, für den damals die Bezeichnung "nikolaitische Ketzerei" gebräuchlich wurde, zu beheben. Auf dem Konzil von Pavia 1022 wird das Zölibatsgebot noch einmal betont und festgelegt, dass die Kinder der Kleriker als Kirchenhörige unfrei waren.)

1023
- Fertigstellung der Ausbildungsstätte für Soldaten auf dem Monte Bisagno
- Gioele Moretti, Hauptmann der Stadtwache von Broglio gibt öffentlich bekannt das er eine Liste "Unerwünschter" einführe. Leute die sich doch bitte aus Broglio fernhalten mögen. Ihnen könne zwar kein konkretes Verbrechen vorgeworfen werden, aber das nur weil sie so trickreich vorgehen würden. Es seien üble Leute. Die ersten drei auf dieser Liste sind ein Mann Namens Ajax und zwei Frauen namens Amalia und Sousanna. Sollten diese Broglio betreten, werde man sie einsperren oder an das städtische Gericht in Clavicula übergeben.
- Festlicher Einzug der Asche des Heiligen Paulus von Theben in Genua. Die bedeutende Reliquie die bisher in Rom verwahrt wurde wird in der noch nicht mit einer Reliquie ausgestatteten kleinen Kirche Santa Melitta in Broglio untergebracht. Auch weil jene die dies erst ermöglichten solches vom Papst erbaten.
- Der deutsche König Heinrich II. und Robert II. von Frankreich vereinbaren, ein Konzil über die Reform der Kirche unter Teilnahme aller deutschen, französischen und italienischen Geistlichen einzuberufen.

1024
- Es wird für eine Schreiberlingsschule südlich von Borgio Incrociati überall in der Stadt und im Umland Geld gesammelt. Es beginnt jedoch niemals ein Bau. Gab es hier einen großangelegten Betrug? Wurden Bürger Genuas um ihre Gelder gebracht? Empörte Stimmen sprechen davon und auch bis in den Senat wird darüber gesprochen. Erst als sich nicht sonderlich viele Geschädigten melden versandet das Thema. Was ging hier genau vor sich?
- Vincenzo Doria ist plötzlich in aller Munde. Offenbar hat er das unmögliche vollbracht: er hat seine drei Enkel an Nachkommen hochrangiger Mitglieder der verfeindeten Familien Fieschi, Spinola und Arduinici verheiratet. Und das alles im selben Jahr. Solange man denken kann ist das niemandem gelungen. Bezieht man Partei, dann bezieht man Partei...
- Normannische Söldner (unter Führung von Rainulf Drengot) in den Diensten von Waimar III., belagern gemeinsam mit Pandulf IV. Capua. Nach 18-monatiger Belagerung kapitulierte Capua 1026, und Pandulf wird wieder eingesetzt. In den nächsten Jahren schloss sich Rainulf Pandulf an.
- Nachdem Kaiser Heinrich II. bereits drei Monate in Bamberg krank darniedergelegen hat, begibt er sich auf eine Reise nach Magdeburg, um dort das Osterfest zu feiern. Nach den Feierlichkeiten bricht er auf und besucht zunächst Halberstadt und anschließend Goslar. Ein heftiger Rückfall zwingt ihn zu einem Aufenthalt in der Pfalz Grona bei Göttingen, wo er schließlich am 13. Juli an einem chronischen schmerzhaften Steinleiden stirbt. Da die Ehe mit Kunigunde von Luxemburg kinderlos geblieben ist, endete mit Heinrich II. die Zeit der Herrschaft der Ottonen. Während der etwa zweimonatigen Thronvakanz nach dem Tod ihres Mannes führt Kunigunde mit Hilfe ihrer Brüder Dietrich und Heinrich unangefochten die Reichsgeschäfte. Ebenso behält sie die Reichskleinodien in ihrer Gewalt. Am 4. September erfolgt in Kamba die Wahl von Konrad II. zum deutschen König auf dem nach diesem Ereignis benannten Königstuhl bei Lörzweiler. Damit beginnt die Zeit der Salier. Der Erzbischof von Mainz Aribo amtiert als Wahlleiter, macht sich für Konrad stark und gibt als erster seine Stimme für Konrad ab. Da der andere Kandidat für den Königsthron, Konrad der Jüngere, verzichtet und auch als erster der weltlichen Fürsten für den älteren Konrad stimmt, wird Konrad daraufhin einhellig gewählt. Die Wahl wird durch die Übergabe der Reichskleinodien durch die Kaiserwitwe Kunigunde bestätigt. Wenige Tage später, am 8. September, wird Konrad im Mainzer Dom durch Aribo gesalbt und zum König gekrönt. Da Aribo aus nicht mehr sicher erkennbaren Gründen Konrads Gattin Gisela von Schwaben die Krönung verweigert, büßt er daraufhin das Mainzer Krönungsrecht ein. Warum er dies tut, ist umso unverständlicher, als Aribo seinen Kandidaten durchgesetzt hat und er vom neuen König wahrscheinlich direkt nach der Wahl zum Erzkanzler für Italien ernannt worden ist. Damit untersteht, neben der für die nördlichen Reichsteile, auch die italienische Abteilung der Kanzlei dem Mainzer Erzbischof. Der unterlegene Rivale Aribos, der Kölner Erzbischof Pilgrim, nutzt die Chance, das ihm bereits vom Papst verliehene Krönungsrecht auszuüben und endgültig für sich zu beanspruchen und krönt Gisela 13 Tage später am 21. September in Köln zu Beginn des sich anschließenden Königsumrittes.
- Am 9. April stirbt Papst Benedikt VIII. in Rom. Durch Simonie wird sein Bruder Romanus von Tusculum zu seinem Nachfolger gewählt und nimmt den Namen Johannes XIX. an. Da er zu diesem Zeitpunkt Laie ist, erhält er entgegen dem Kanon alle Weihen an einem Tag.

1025
- Juliano Brambilla und Ottovani Scuto, beides Senatoren von Ravecca, erklären öffentlich ihre Zueghörigkeit zum Kartell der "Melissiden" und sagen sich von ihren bisherigen - ohnehin nur angeheirateten Familien - los. Großer Eklat im Senat. Mehrere Vendettas werden ausgesprochen.
- In den vergangenen zehn Jahren hat sich außerdem das Stadtbild Genuas ein wenig verändert: Gerade in Mascharana und bei vielen Patriziern scheint es Mode zu sein sich einen eigenen "Geschlechterturm" zu bauen. Mehr als ein Dutzend stehen bereits. Weitere werden aktuell gebaut.
- 15. Dezember: Konstantin VIII. wird nach dem Tod seines Bruders Basileios II., der keine Kinder hinterlässt, Kaiser des Byzantinischen Reiches. Der neue Herrscher zeigt kein Interesse an der Regierung und überträgt den Großteil der Macht auf kaiserliche Eunuchen.
- Ende des Jahres: Alexios I. Studites wird Patriarch von Konstantinopel als Nachfolger des Anfang Dezember verstorbenen Eustathios I.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 21. Apr 2019, 15:25

Das Jahr 1026 (März)

Im Umland St.Pedro de Arenas halten sich seit Jahren Überfälle auf unbewachte Händler und einzelne Reisen. Vermutet werden die Banditen im nordwestlichen Buschwerk wo kaum jemand irgendwas findet. Wer sich dort versteckt hat gute Chancen niemals gefunden zu werden. Das mussten auch die Männer von Pontedecimo lernen die lauthals angekündigt hatten der Räuberplage ein Ende zu bereiten. Heute, beinahe vier Jahre später, ist noch immer kein Ende der Überfälle in Sicht. Der Graf ist bereit ein Kopfgeld für die Zerschlagung der Bande zu bezahlen und verspricht Überläufern die ihre Kumpanen verraten eine vollständige Begnadigung. Kürzlich wurde nun sogar ein Fischerboot gestohlen. Wollen die Räuber nicht mehr dabei zusehen wie lukrative Händler an der Küste vorbeisegeln?

Unter den hohen Familien lacht man über Savio Brigori, der von seinem Hauslehrer bestohlen wurde. Offenbar wurden auch ein paar Dinge entwendet die einen wirklich privaten Charakter hatten. Auf der Straße lacht man ebenfalls über ihn. Natürlich habe er den Hauslehrer sofort entlassen, trotzdem ist die Blamage groß.

In der platealonger Kirche San Damiano werden neuerdings Stücke begleitend zur Predigt aufgeführt. Das scheint bei der dortigen Gemeinde auch sehr gut anzukommen, immerhin sind die Gottesdienste seitdem prall gefüllt. Bleibt abzuwarten ob es nur die Gaffer sind die sich das Spekatakel nicht entgehen lassen wollen oder auch jene die diesen Weg nutzen können um in Gottes schoß behütet zu werden.

Stadtpolitik:
Es war tatsächlich ein sehr ruhiges Jahr. Keinerlei Wahlen, Tode, Abdankungen oder Verurteilungen. Hoffentlich kommt nun endlich Ruhe hinein...

Aus dem italienischen Umland:
- Frühling - König Konrad II. (Der Ältere) versammelt ein mächtiges, schwergepanzertes Heer für eine Expedition nach Italien. Er belagert Pavia und marschiert nach Mailand, wo er von Erzbischof Aribert als König der Langobarden mit der Eisernen Krone gekrönt wird. Herzog William V. (der Große) von Aquitanien, der bereits nach Italien unterwegs ist, beschließt, seinen Anspruch auf den lombardischen Thron aufzugeben und dreht um.
- April - Konrad II. bestraft die Bürger Pavias mit Hunger, da sie den Königspalast niedergebrannt haben. Er ernennt Aribert zu seinem Vizekönig in Italien und beauftragt ihn mit der Sicherstellung, dass alle seine Anordnungen durchgesetzt werden.
- Sommer - Konrad II. marschiert nach Ravenna. Dort verschließt man die Stadttore vor ihm und beschießt seinen Konvoi. Konrad sammelt seine Truppen und nimmt Ravenna in blutiger Rache.
- Konrad II zieht weiter nach Pesaro, aber ein Krankheitsausbruch zwingt ihn, sich wieder nach Norden in die Poebene zurückzuziehen. Stattdessen unterwirft er die Turiner Marschen, wo Graf Ulric Manfred II. bisher die Wahl Konrads ablehnte.
- Heinrich III. wird im Alter von 8 Jahren zum Nachfolger Konrads II. ausgerufen.
- Leo von Vercelli, Bischof der oberitalienischen Stadt Vercelli, stirbt
- 21. September: Otto Wilhelm, Herrscher von Burgund stirbt
- Pietro Barbolano wird der 28. Doge von Venedig.
- August 30 – Bononio, einsiedlerischer Kamalduenser stirbt. Er wird später im Jahr vom Papst in Rom zum Heiligen ernannt.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 23. Mai 2019, 00:02

Das Jahr 1027 (April)

Angriff auf Broglio! Nach einem schweren Angriff auf Broglio, mit Dutzenden Toten und noch mehr Verletzten, sowie einem kurzzeitig gefährlich um sich greifenden Feuer ist das Sestieri in Aufruhr. Gioele Moretti, Hauptmann der Stadtwache von Broglio, gibt an das der Anführer der Angreifer, ein gewisser Ajax mit einer bewaffneten Einheit angegriffen habe. Er habe versucht einen Senatoren zu ermorden und gegen zweierlei genuesische Gesetze verstoßen: das tragen von Waffen innerhalb Broglios und das gegen ihn ausgesprochene Besuchsverbot durch das Sestieriparlament. Es schreibt ihn daher zur sofortigen Verhaftung in ganz Genua und zur Überstellung an das städtische gericht in Clavicula aus.

Danielo di Mare, Gastwirt und Vermittler, Freund der Spinola und Senator zu Ravecca verschickt dieser Tage allerlei Einladung. Er feiert Geburtstag. Eine Schnapszahl....von 111 Jahren die er im kommenden Jahr erreichen wird. Dabei sieht er um keinen Tag älter aus als 50... alles sind jedoch ganz aus dem Häuschen. Er hat das halbe Umland eingeladen und der Rest kommt sowieso. Das wird ein Fest

Die aufmerksamen Beobachter erkennen das es aktuell unruhig ist, an den Märkten Genuas. Bieterschlachten, Schuldscheineintreibungen der härtesten Sorte, plötzliche Bankrotterklärungen und bereits zwei abgebrannte Lagerhäuser allein in diesem Jahr, lassen darauf schließen das sich die großen Familien - oder zumindest einige davon - wieder einmal nicht ganz grün sind. Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie beim letzten mal.

Stadtpolitik:
Zumindest politisch ein recht ruhiges Jahr.

Aus dem italienischen Umland:
- 26. März: Papst Johannes XIX. krönt in Rom den Salier Konrad II. und seine Gattin Gisela von Schwaben zu Kaiser und Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs. Bei der über sieben Tage dauernden prachtvollen Krönungszeremonie sind unter anderem der nordische König Knut der Große, König Rudolf III. von Burgund, der Großabt Odilo von Cluny sowie mindestens 70 hochrangige Geistliche, wie die Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier, Magdeburg, Salzburg, Mailand und Ravenna anwesend. Auch Konrads Sohn und Thronfolger Heinrich ist nach Italien gekommen.
- 7. April: Konrad II. verlässt Rom und zieht nach Süditalien und nimmt die Huldigung durch die Fürsten von Capua, Benevent und Salerno entgegen. Anschließend wendet er sich wieder nach Norden. Am 1. Mai ist er in Ravenna, am 31. Mai in Brixen nachweisbar.
- Nach der Kaiserkrönung Konrads II. werden 17 Urkunden, insbesondere für italienische Klöster und Bistümer ausgestellt. Am 6. April wird in der Lateranbasilika der Jahrhunderte anhaltende Rangstreit zwischen den Patriarchaten Aquileja und Grado zu Gunsten von Poppo von Aquileia entschieden. Ganz Venetien wird der Kirche von Aquileia unterstellt.
- 19. Juni: Romuald, Heiliger und Ordensgründer der Kamaldulenser stirbt in Val di Castro
- Herzog Sergius IV. von Neapel verschenkt die Grafschaft Aversa an Rainulf Drengot und seine normannischen Söldner, der ihn dafür im Krieg mit Capua unterstützt.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von La Cronista » Do 20. Jun 2019, 15:27

Das Jahr 1028 (Mai)

Der Klerus ist entsetzt! Da wurde wohl auf dem liederlichen Hof der Wunder, wie manche diesen Schandfleck nannten, ein gotteslästerliches und sündiges Stück muselmannischer Sagen aufgeführt!
Den Besuchern schien das wohl nichts weiter ausgemacht zu haben. Viel Gejohle und positive Zurufe habe es gegeben. Offensichtlich habe man sich gerade an den freizügigen Teilen der Geschichte erfreut.
Mehrere Priester der ansässigen Kirchen hätten daraufhin in ihren Predigten ihre Schäfchen angehalten den Sünden dieses Ortes fernzubleiben und sich nicht durch diesen trügerischen Bilder und Geschichten von Gott abwenden zu lassen.


Von den hohen Familien hörte man ja über die Jahre so einige Gerüchte von Untreue und Orgien. Nun munkelt man auch, dass der Berater der Familie Embriaci direkt mehrere Liebschaften zu Mägden unterhalten würde. Nutzlose Dinger, sagen die Waschweiber am Brunnen, die nicht mal bei der Hausarbeit wirklich helfen könnten. Nichts als Dirnen wären das.


Ein neuer Medicus ist in der Stadt! Ein Wunderheiler sagen die einen, ein Scharlatan die anderen. Doch soll er bereits Erfolge gehabt haben. Ein Mann schwört er hätte ihn geheilt. Auch die beiden Gehilfen des jugendlich aussehenden Arztes verbreiten diese Kunde in und um Genua und suchen weitere Lehrlinge. Der werte Signore Cesidio wäre ein barmherziger Mann, der umsonst vor allem die Armen und Kinder behandeln würde.

Aus dem italienischen Umland:
- 14. April: Der zehnjährige Heinrich III. wird in Aachen auf Drängen seines Vaters Konrad II. zum römisch-deutschen König gekrönt.

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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von La Cronista » Sa 21. Sep 2019, 15:29

Das Jahr 1029-1031 (Juni, Juli, August)

Die alte Villa Fieschi in Broglio war stets ein Ort an dem Seltsames von statten ging. Erst der Werwolf von Broglio und dieses furchtbare Massaker, dann ein neuer Herr, ein neuer Anstrich, eine Bande von Halsabschneidern und sodann wieder neue Bewohner. Ein Deutscher, Johann von Ebersberg, scheint der neue Hausherr und dazu auch noch Sklavenhändler zu sein. Wie ungewöhnlich. Man sieht die Geketteten regelmäßig angeliefert werden, bis sie nach ein paar Tagen auch wieder abgeholt werden.


Eine Schaustellertruppe von offenbar großartigem Talent hat das Publikum des Hof der Wunder für sich gewonnen Vor ein paar Jahren noch neu in der Stadt sind sie nun fester Bestandteil des wilden Treibens. Auch auf den volkstümlicheren Märkten Raveccas sind sie recht beliebt.
Man spricht auch davon, dass sie sogar Heiligenspiele in San Damniano aufführen würden. Wie konträr, aber spricht es doch auch für ihr Talent die unterschiedlichsten Rollen darstellen zu können.


Am Hafen wurde einige Zeit lang eine Geschichten erzählt. Oder waren es zwei? Die einen sprechen von einem Mädchen, die anderen von Tassia, der Seehexe.
Irgendetwas schleicht im Hafen rum und frisst ahnungslose Matrosen auf Landgang, es kommt bei Neumond aus dem Wasser und verschlingt besonders gern Sünder, die die Huren besuchen. Es ist klein wie ein Mädchen und zart, hat aber spitze Zähne und Klauen. Und Schwimmhäute... Und krumme, gebrochene, Glieder. Ein grässliches Maul, das es hinter einem Schleier verbirgt.... manchmal in stürmischen Neumondnächten kann man ihr Klagen an der Mole zum Hafenturm leise hören...
Sie wurde gesehen. Ja. Getötet habe sie einen mit einem Schlag und wollte den Leichnam rauben.
Nein. Sie konnte ihn doch gar nicht tragen! Heißt es woanders. Humbug! Sie wollte das Verbrechen vertuschen.
Eine Bettlerin, nichts weiter, die sich übernahm. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein anderer habe die Leiche aber dann fortgebracht auf einem Boot, bevor die Wachen kommen konnten. Steckten sie unter einer Decke?


Diebe!
Zu erst dachte sich Fabiano, der Gerber noch, dass er seinen Geldbeutel nur verlegt hätte, aber dann hatte er es auch von anderen gehört. Bei einem seien nur ein paar Münzen verschwunden. Verdammte Beutelschneider. Aber andere sind sich sicher: Es wurden ihnen direkt aus dem Haus gestohlen! Diebe, die sich in die Häuser schleichen des nachts! Wie kann man noch sicher sein?


Wilderer in den gräfischen Wäldern.
Am Bestand des Grafen würde sich unerlaubterweise gütlich getan. Dieses Verbrechen solle nicht ungesühnt bleiben und Häscher wären bereits auf den Weg den oder die Schuldigen zu finden. Salvatore, genannt "Der Bluthund", begnadigter Raubritter und bester Spurenleser des Grafen, prahlt schon damit aus der öffentlichen Hinrichtung der Wilderer ein Spektakel, ein Fest für Groß und Klein, zu machen.


In Ravecca an der Grenze zu Mascharana wurde ein alter Obsthain aufgefrischt. Jedoch nicht mehr mit Obstbäumen zur Ernte. Stattdessen wurde das Grundstück komplett umgearbeitet. Ein Garten scheint es zu werden. Jedoch gehört es wohl neimanden aus Ravecca, sondern Mascharana. Einer neuzugezogenen Familie. Di Braida.


Seit Jahren ist das Ereignis in aller Munde, die Bilder, für die die dabei waren, nicht vergessen. Die Nacht als Senator Danielo di Mare zerrissen wurde und auch der Hauptmann der Wache, Gherado, sein Ende fand. Niemand weiß was genau geschah. Wer es los brach, wer den Schlag führte. Jeder spricht von anderen Gegebenheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nur eines ist sicher. Man sah di Mare mit dem Teufel im Bunde und die Bürger Genuas kümmerten sich darum dass er nicht länger frei walten konnte. So alt und so jung aussehend das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Stadtwache wurde dem nicht Herr. Nun tritt ein neuer Hauptmann in die Fußstapfen des verstorbenen und verspricht alles besser zu machen. Sesto, einst Capo unter Gherado, wurde vom Sesterieparlament Raveccas zum neuen Stadtwachekommandanten desselben erklärt.


Es heißt im "Il Fuso Pesce", das einmal für seine vorzügliche Muschelsuppe bekannt war, würde die schönste Frau Genuas die Gäste bedienen. Nicht als einfache Schankmaid, nein. Der Wirt Baldo hält sich die arabische Schönheit als Sklavin. Die Gerüchteküche in Platealonga brodelt, niemand kann sich erklären wie der Mann zu einer so kostbaren Sklavin kommt. Dubiose Geschäfte womöglich?
Unsagbar traurig wirkt sie und spricht kein Wort. Womöglich ist sie gar stumm...

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