[1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Signora Achilla
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[1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Signora Achilla » Mo 9. Sep 2019, 14:29

[Das Gespräch geht hier los (Hofhaltung 1034) und ist der Übersichtlichkeit wegen hier ausgelagert.]

Für eine Weile wartete die Signora so ab. Sie hatte es nicht sonderlich eilig und der Raum war berauschend, beängstigend, verwirrend gefüllt mit den Mächtigen und dem Möglichen zwischen ihnen.
Caspar selbst schien für den Moment wenig an ihr oder einem Gespräch interessiert zu sein. Es war eine gute Gelegenheit, um einfach etwas zur Seite zu driften, mehr zu Sousanna hin wie um den älteren Ravnos nicht bei seinen ganz eigenen Angelegenheiten zu unterbrechen.

“Es ist eine zu prachtvolle Nacht, um sie mit Geschäft und Alltäglichem zu verderben”, begann sie zu Sousanna hin. “Aber für einen Gruß an Euch und ein erstes Kennenlernen mag es wohl angehen?”
Höflich klang das wohl und die Maskierte gab Sousanna hier alle Zeit und Gelegenheit, zu entscheiden, ob und wie sie darauf antworten wollte.

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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Sousanna » Mi 11. Sep 2019, 11:42

Man hatte lange nicht von der Ravnos gehört. Es war, als hätte sie sich, einem Kaninchen gleich in ihren Bau zurück gezogen, um dort zu werfen oder eben die eine oder andere Idee auszubrüten, ehe sie wieder in voller Pracht hervorstieg.
Und in jener Pracht war sie auf dem Hof der Herrscherin dieser Glorreichen Schönheit erschienen. Ihr atemberaubendes Aussehen, vermochte nun, da sie nun schon länger nicht zu sehen gewesen war, noch mehr zu beeindrucken. Und wer sie noch nicht gesehen hatte, der mochte kaum glauben, dass dieses zierliche Wesen mit den seltsam menschlichen Aussehen die Harpyie war. Eigentlich mochte man sich kaum vorstellen, dass sie überhaupt zu den Kindern der Nacht gehörte. Doch welches menschliche Wesen hätte solche Dreistigkeit besessen an einer Nacht wie dieser hier aufzulaufen und sich unter die Bestien zu mischen, als wäre dies völlig selbstverständlich? Und wen hätte man wohl hier hereingelassen.

Doch sie war hier. In der Tracht Konstantinopels, die ihre Schönheit, den Zauber ferner Länder noch betonte. Das tiefdunkle Blau umschmeichelte ihre honigfarbene Haut, brachte die großen, dunklen Augen zum Glühen, die mit dunkler Kohle umrahmt waren, zum Glühen. Und das Lächeln... dieses Lächeln, es vermochte das härteste Herz zum Schmelzen. Es war ein Lächeln voller Unschuld und leiser, dunkler Geheimnisse.

In einer einzigen Bewegung wandte sie sich zu der Stimme um, die sich an sie gewandt hatte, und das Lächeln gewann eine süße, beinahe erfreute Note, da sie die Dame vor sich zu erkennen schien. Viele wären von deren Hässlichkeit abgestoßen gewesen, doch so die hübschen Züge der Harpyie zeigten keine Regung außer ruhige Freude. Entweder war sie blind wie ein Fisch oder eine wahre Meisterin des Schauspiels.
"Pracht mischt sich oft mit den lästigen Angewohnheiten, dieser Welt unsere Aufmerksamkeit zu fordern.", entgegnete sie ruhig und sacht umwob ein fremder Akzent ihre Worte, während das Lächeln zarte Grübchen in ihre Wangen zeichnete. "Doch es ist mir stets eine tiefe Freude, meine Herrin, die höchst verehrte weiße Prinzessin besuchen zu dürfen."
Gelassen, als wäre es ihr in Fleisch und Blut übergegangen neigte sie das Haupt in genau der richtigen Weise vor der Verborgenen. "Mein Name ist Sousanna Kantakuzenos von Byzanz und Genua, neugeboren im Blute der Wanderer, Harpyie Genuas, Beisitzerin des Senats unter dem Monde, Weberin in den Nächten, liebreizende Herzogin dunkelster Gassen, Kind von Caspar, Ancilla des Clan der Wanderer, Fürst und Erretter der Thrakischen Lande. Und wie darf ich euch nennen?" Ihre Verneigung ließ darauf schließen, dass die Wanderin genau wusste, wen sie dort vor sich hatte. Doch offensichtlich wollte sie ihr die Möglichkeit geben, sich ihr mit dem selben Theater vorzustellen, dass sie eben aufgeführt hatte.
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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Signora Achilla » Mi 11. Sep 2019, 15:06

Es gab auch nicht allzu viel, an dem weniger erfahrene oder zarter besaitete Geister mit dem Anblick der Signora Achilla hätten Anstoß nehmen können.
Die Signora sah nicht hässlich aus - eher im Gegenteil. Das Kleid aus gelbem Stoff war neu und hübsch geschneidert, mit Schleifen verziert und sogar ein paar Glöckchen wie Fahrende sie zu tragen hatten, auch wenn diese hier lautlos blieben. Eine kunstvoll gemachte Maske verbarg ihr Gesicht, Handschuhe die Hände und Finger, Schal und Kopftuch ihr Haupt und bestickte Pantoffeln und Stoffe ihre Füße und Beine, soweit das Kleid diese nicht ohnehin verbarg. Fast vollständig verbarg sich die Signora hinter Zierart und Stoffen, Leder und Schleifen. Es war kaum zu sagen, wieviel von diesem so geschnürten und gekleideten Körper wirklich sie selbst war und wieviel nur kunstvoll geformter Anschein. Nur die Augen und die dunkel gefärbte Partie darum her waren wohl echt.

Sie machte einen eleganten, kleinen Knicks, fast wie ein leicher Tanzschritt und vielleicht nur der Schönheit ihres Gegenübers wegen. “Ich freue mich, Euch endlich selbst einmal treffen zu dürfen”, erwiderte sie warmherzig. “Ich bin die Signora Achilla, Neugeborene vom Clan der Verborgenen.”
Auch wenn ihre eigene Vorstellung gegen die Sousannas wohl armselig kurz klingen musste, schien die Maskierte nicht sonderlich beschwert deswegen. “Beizeiten, und vielleicht nicht heute, an einem Abend zwischen Macht und Pracht, würde ich gern ein kleines Gespräch mit Euch führen. Ein Geschäft, wenn wir uns einig werden. Oder wenigstens etwas Kurzweil.”

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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Sousanna » Mi 11. Sep 2019, 15:55

Sousanna verkniff sich das amüsierte Lächeln. Sie kannte es, hatte Vergonzo doch einiges an Fragen über Mode an sie gerichtet. - Und sie konnte nur sagen, dass ihr Lieblingsverborgener und sie durchaus Stil bewiesen hatten. Und für Masken hatte sie ohnehin eine Schwäche, seit sie Amalia damit ausgestattet hatte.

"Sehr erfreut, werte Signora Achilla.", erwiderte sie gelassen und steckte sich kurz eine Strähne des braunen, sacht gewellten Haares zurück in die kunstvolle Flechtfrisur, die mit einigem an wunderschönen Tand zurückgehalten wurde.
Schließlich lächelte die Wanderin ihr schönstes Engelslächeln. "Was wäre eine Tochter der Gassen und Lagerfeuer, wenn sie sich nicht zu Kurzweil und Geschäften verführen ließe?", erwiderte sie charmant und legte den Kopf schief, um ihre blitzend weißen Zähne zu offenbaren. Ein hübscher Anblick, der an Sommerwiesen und ihre Freuden denken ließ. "Würdet ihr mir vielleicht schon verraten, woran ihr denkt."
Ihre schlanke Gestalt neigte sich nach vorne, um der Verborgenen vertraulich ins Ohr zu raunen. Der Duft teurer Öle, Sandelholz, Rosen und Zitrusfrüchte, drang unweigerlich in deren Nase und die Wärme des irritierend lebendigen Leichnams streichelte über die Haut der anderen Tochter der Nacht. "Neugier ist meine große Schwäche müsst ihr wissen."
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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Signora Achilla » Fr 13. Sep 2019, 10:54

Von so nahem war da ein eigenartiger Geruch an der Signora. Zum einen der von wohl getrockneten Blüten, die hier und da das Kleid ausfüllten, wo der Körper es nicht tat. Zum anderen jedoch war da etwas anderes, wie staubig verrottendes Pergament oder altes Leder. So nach und dicht würde Sousanna wohl auch merken, dass tatsächlich keine Haut gezeigt wurde. Selbst, was auf den ersten Blick zwischen der einen Schicht Stoff und der anderen so aussah, war wohl doch eher Leder oder nur mehr Stoff. Es war ein wenig als wäre der gesamte Körper der Nosferatu eingesponnen in diese Schichten. So hübsch sie auch anzusehen waren, so sehr waren sie wohl auch nur eine Maskerade, ein Kostüm. Vielleicht war es besser so.

“Wenn’s eine Schwäche oder ein Laster wäre, so wär’s eines, das unsereins nah am Leben und der Welt hält. Das kann nicht allzu schlecht sein…”, erwiderte die Signora leichthin und höflich.
“Worum es geht, ist meine eigene Neugier zum einen, denn ich habe viel über Euch gehört. Und so oft gerate ich nicht an eine andere, die eben diese Lagerfeuer und die Straßen kennt wie ich.” Sie zwinkerte Sousanna einmal zu. Die Miene der Maske blieb immer gleich, lächelnd und hübsch verziert, aber die Nosferatu glich es mit ihrer Haltung aus, der Neigung ihres Kopfes, einer leichten Geste hier und da. Sie ließ es heiter wirken, vertraulich.
“Und das Geschäft? Das ist ein kleines Ding am Rande, eine Sache zwischen einem Herrn Tiziano und einer von meinen Leuten. Sie ist ein junges Ding, aber ich hab’ sie von Herzen gern gewonnen. Ein echtes Talent!”

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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Sousanna » Fr 13. Sep 2019, 14:16

Eine Spur weit legte sich das hübsche Haupt zur Seite, während sie aufmerksam jeden einzelnen Eindruck in den verträumten, großen Augen aufzunehmen schien. Völliger Charme in Person erwiderte sie das Lächeln der Signora wie eine Schauspielerin es wohl getan hätte. Sie mochte sich wie eine Adelige und eine Hure zugleich verhalten, doch wenn man eines von Sousanna behaupten mochte, dass sie schon immer eine gute Schauspielerin gewesen war. Selbst als das tiefrote süße Blut noch durch ihre Adern gepocht war.
"Dann spreche ich gern mit euch über die alten Zeiten und was die Straßen raunen.", gab sie ruhig zurück und legte einen Hauch der Mysterien ihrer Heimat in die warme Stimme hinein. Eine Stimme, die es gewohnt war, Geschichten zu erzählen.

Doch dann hob sich eine der fein geschwungenen Augenbrauen ein wenig, als die Verborgene diesen Namen nannte. "Diesen Herren kenne ich wohl", gab sie mit einem kleinen, listigen Lächeln zu und spitzte leicht, wie im Spiel die Lippen. Etwas düsteres flackerte in den dunklen Kristallen, die sie Augen nannte. "Und ich würde es nicht gerne sehen, wenn einer seiner Streits eskaliert. Gerade nicht, wenn eine Schwester in den Nächten sich an mich wendet. Ich bin mir sicher, dass sich eine Vereinbarung treffen lässt."
Zu einem angemessenen Preis. Aber das musste sie wohl niemandem erzählen. Eine Dame wie die Signora würde das wohl erahnen können. Gerade bei einer Tochter jenes Blutes der Diebe, Lügner und Verräter konnte man alles erreichen ... So man es bezahlte.
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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Signora Achilla » Sa 14. Sep 2019, 22:25

Die Signora nickte und legte die Hände ineinander, wohl erfreut über die Aussicht. “So soll’s auch sein, eine Hand wäscht die andere”, stimmte sie zu. “Doch das ist wohl nichts für heute Nacht, wo solche Dinge am Rand verblassen.”

Sie machte eine sachte Geste, fast ein wenig als wollte sie für sich den Anblick Sousannas umrahmen. “Wie wär’s mit einem Treffen am Platz der Wunder, in einer Weile und wenn dieser Abend gut vorüber ist?”

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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Sousanna » Mo 16. Sep 2019, 14:20

Leicht nickte die Wanderin, ehe ein listiges Lächeln über ihre Lippen glitt wie ein feingliedriger Schatten. "Ich lade euch lieber auf mein Schiff ein.", erwiderte sie mit einem ruhigen Lächeln. "Lasst uns in besagter Nacht auf der Santa Theodora treffen, da kann ich euch eine bessere Gastgeberin sein."
Aufmerksam sah sie die Verborgene an, als wolle sie deren Reaktion auf eine solche "Einladung" beobachten. Wie eine Katze, die mit der samtenen Pfote eine Maus anstupste und nun abwartete, was das Tierchen nun tun wollte.
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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Signora Achilla » Di 17. Sep 2019, 09:50

Die Signora schien das nicht zu bemerken - oder man merkte ihr nichts an, denn die Maske gab nur die hübsche Bemalung preis und sie selbst wirkte unbeschwert. Vielleicht war sie auch einfach angetan von diesen Worten Sousannas.
“‘s wär ein neutraler Grund, der Platz der Wunder, und doch uns beiden nah genug gewesen”, schnurrte sie. “Doch eine Einladung von ...Euch will ich nicht ausschlagen.” Da war ein kleines Zögern vor dem “Euch”, ein Moment der Ratlosigkeit oder Unsicherheit.
“Ich werd’ meinen kleinen Schmetterling mitnehmen, die solche Sorgen wegen dem Herrn hat.”

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Re: [1034] Nebenbei gesagt... [Sousanna, Achilla, offen] [Hoftag]

Beitrag von Sousanna » Di 17. Sep 2019, 15:00

"Seid versichert", gab die Sünderin mit einem scheinbar ehrerbietigen Neigen des Kopfes zurück. "Dass es kaum einen neutraleren Ort gibt, als das Schiff einer Harpyie." Ihr Lächeln gewann noch eine Spur Schärfe unter der Süße. Es erinnerte an die Schärfe einer Klinge unter einer tiefen Schicht Honig.
Vertraulich zwinkerte sie ihr schließlich zu. "Bringt die Kleine mit und wir sprechen über alles. Vielleicht kann es der Herr Tiziano ja auch einrichten.", erwiderte sie.
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