[Fluff] - Aus Scheiße Gold machen? [Vergonzo]

Geschichten über Monster

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Vergonzo Faro
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[Fluff] - Aus Scheiße Gold machen? [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mo 20. Mai 2019, 15:23

3 Steine die in den Tümpel fallen

Es roch nach Eiter und Blut, aber vor allem nach Pisse und Scheiße. Scheiße in Scheiße konserviert. Unter diesem Duft, der die wahre Natur einer Stadt voller Leben und Tod wiederspiegelte, mischte sich ein süßlich brennender Geruch von Verwesung und zersetztem Fleisch.
Hier in Clavicula, alleine an eine der 50-60 öffentlichen Kloaken, nahm die bucklige Gestalt den langen Stab, welcher bereits über 40 dieser Kloaken in den letzten beinahe 10 Jahren geküsst hatte und stocherte vorsichtig und akribisch in dem menschenunwürdigen Gebräu systematisch herum.

Während er durch die Suppe aus Exkrementen, Blut und anderen Ausscheidungen der Menschen stocherte, waren Schritte zu hören. Ungleichmäßig und begleitet von schiefem Gesang.
Die Gestalt hielt inne, zog den Stab heraus und legte ihn in das schlammige Ufer der Kloake. Besudelt von erbärmlich stinkenden Anhaftungen aus 10 Kloaken hatte er mittlerer Weile die Farbe dieser Umgebungen angenommen und viel nicht weiter auf.
Schon gar nicht dem singenden und wankenden Halsabschneider, welche sich der Kloake näherte.
Genervt aber geduldig wartend schaute die bucklige Gestalt diesen Repräsentanten der aller untersten Schicht Genuas an, als dieser direkt auf ihn zu wankte.

Die kleine Gestalt hob den Blick und sah den Mann finster und genervt an. Dieser sah sich kurz halbwegs aufmerksam um und drehte dann einige Meter vor der buckligen Gestalt ab und öffnete dabei seine Hose. Schwankend rutschte ihm die Hose auf den letzten Metern aus der Hand und rutschte zu seinen Knöcheln. Strauchelnd und stolpernd kämpfte er mühsam um Halt, verlor den Kampf aber und legte sich der Länge nach hin. Sein Gesicht schlug nur wenige Zentimeter vor der Jauchegrube auf. Augenrollend wartete der Bucklige darauf wieder alleine zu sein und sah dabei zu, wie sich diese halbe Alkoholleiche mühsam kichernd und fluchend sich wieder taumelt erhob.
Umständlich drehte sich der wankte Kerl um ehe er sich das Blut von der Nase wischte und hängte seinen Arsch über die Kloake. Nachdem lautstärk heiße Luft herauskam, die wohl normalerweise aus seiner derzeit demolierten Kauleiste kam, folgte ein Geräusch welches von 2-3 Steinen hätte kommen können, die in einen Tümpel geworfen wurden. Dieser dumpfe Platschenwurde begleitet von einem schmerzerfüllten Stöhnen. Ein Stöhner pro Stein.

Das was der Bucklige dann beobachten durfte bedarf weder anschaulichen Beschreibungen, Metaphern noch anderer detaillierter Berichterstattung.
Am liebsten hätte er dem Kackenden einen kräftigen Stoß verpasst um ihn direkt in der Güllegrube zu versenken. Er zügelte sich in solchen und anderen Gedanken, doch nutzte er die Zeit des Wartens um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Als der betrunkene Halunke davon getorkelt war, hatte der Scheißestocherer ihm fies grinsend nachgeschaut.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [Fluff Vergonzo] - Aus Scheiße Gold machen?

Beitrag von Vergonzo Faro » Mo 20. Mai 2019, 15:26

Doch große Steine sinken nur langsam

Dann wieder alleine machte er weiter. Er durchforschte die Kloake mit dem Stab und stieß ein weiteres Mal auf etwas Größeres am Grund der Kloake.

Wenig Freude kam auf.
Das hatte man schon zigmal erlebt in den letzten Jahren.

Kein Bewohner dieser Stadt würde ihm glauben, wenn er davon erzählen würde, was man dort drin alles fand.
Neben dem Offensichtlichen, Kleidung, Körperteilen, Möbel, verendete Tiere, Schmuck fand man sogar Überreste von Nahrung und Büchern hier.

Mit dem Stab lokalisierte er das Objekt genauer nur um dann sicher zum 420sten Mal in den letzten Jahren in die Kloake hinab zu tauchen. Tauchen?
Ja, sehr witzig, als wenn man in dieser Pampe schwimmen könnte. Man würde es vermutlich eher rückwärtiges Klettern oder hinab Kriechen nennen. Der Abstieg dauerte wie gewohnt über eine halbe Stunde. Denn hier hinunter zu kommen, bedeutete weniger wörtlich hinabsteigen, sondern eher sich der Suppe zu übergeben und mit etwas Gefühl zielgerichtet neben all den festen Bestandteilen dieser Suppe hinab zu sinken.

Als er dann unten angekommen war ertastete er mittlerer Weile zielsicher und geschult den schlammigen Grund. Immerhin war es hier unten schön warm.
Er konnte nun zum 5ten Mal etwas Festes zu fassen bekommen. Es fühlte sich schon richtig an und so entschied er es mühsam an die Oberfläche der Kloake zu ziehen. Langsam und vorsichtig, es sollte ja nicht kaputt gehen.
Als sein Kopf die Oberfläche der Kloake langsam und geräuschlos durchbrach hielt er inne um sich kurz umzuschauen. Einige Momente verharrte er so, ehe er das Gefundene, Das Paket, seinen Schatz an das Mondlicht förderte.

Er erkanntes es bereits jetzt. Es war weder ein Schatz noch etwas das sich gelohnt hatte heraus zu holen.
Enttäuscht, beinahe resignierend ließ er sich daneben auf den schlammig und braun bis schwarz verschmierten Boden fallen. Das Häufchen Elend das er nun darstellte verharrte eine lange Weile in dieser Position, den Kopf auf das Objekt neben ihn gerichtet.

Alles gehört dahin, wo es hingehört. dachte er ehe er das Objekt zurück in die Kloake sieß, wo es sehr langsam und ganz leise blubbernd wieder von dem gefressen wurde, was einst mal gefressen wurde und nun dieses Reich hier beherrschte.

Er streifte halbwegs gründlich alle klebrigen und schmierigen Feststoffe von sich ab ehe er die Kloake verließ, …
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [Fluff Vergonzo] - Aus Scheiße Gold machen?

Beitrag von Vergonzo Faro » Fr 24. Mai 2019, 12:27

Versinkt der Stein erneut vergebens?

Etliche Jahre, etliche Male, etliche Funde, etliche Rückschläge und doch war er wieder hier.
Clavicula hörte einfach nicht auf die Gruben zu füllen.
Gruben voller Exkremente, Unrat, Leichen und seltsamer Dinge. Dinge die teilweise nicht mehr als das zu erkennen waren, was sie mal waren.

Mittlerer weile könnte man den Buckligen beinahe als Experte für Scheißelöcher bezeichnen. Auch der Gestank, welcher jedem normalen Menschen Tränen in die Augen trieb und den Würgereiz einfach überrannte, ertrug er tapfer, denn gewöhnen konnte man sich wohl kaum daran. Brannte er doch in der Nase, der Kehle und den Augen wie Drachenfeuer, ätzte beinahe jeglichen Geschmackssinn hinfort.
So fand sich der Jauchetaucher zum sicher 500sten Male an der beinahe letzten der 50-60 Gruben in diesem Siestri wieder und schaute spöttisch und herausfordernd auf diese blubbernde sämige Suppe aus allem was keiner mehr brauchte.
Der Stab, sicherlich der 5te seiner Art, war frisch. Die vorherigen Stäbe waren allesamt weggefault oder zersetzt worden. Wie sollten sie auch diesen tödlichen Brei überstehen.
Erneut dauerte es eine ganze Weile bis er hier alleine war.
Erneut würde er wohl nur einen Versuch haben in dieser Nacht.
Erneut erwartete er einen Fehlschlag, wie die Jahre davor.

Teilweise wartete er monatelang bis eine der Gruben voll war und nicht mehr benutzt wurde.
Erneut besann er sich auf seine Aufgabe und schob alle dunklen Gedanken weg und ersetzte diese mit der Vorstellung was sein Lohn für einen Erfolg sein würde…und dann grinste er gierig.
Wieder stellte er sich mit festem Stand breitbeinig am Rande der Grube auf und führte den Stab gefühlvoll in die Kloake. Systematisch wie zuvor begann er mit dem Stab den Inhalt zu ertasten.
Sollte er in dieser verregneten Nacht nun endlich mehr Erfolg haben?
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [Fluff Vergonzo] - Aus Scheiße Gold machen?

Beitrag von Vergonzo Faro » Fr 24. Mai 2019, 12:30

Mein Schatz

So fuhr der Stab in zuvor festgelegten Bahnen und tiefen durch die stinkende Suppe ehe er auf etwas stieß, das sich vielversprechend anfühlte. Zu oft war er anfangs einfach zu früh getaucht, in der Hoffnung das… doch heutzutage war er erfahrener in diesem Geschäft. Er überprüfte das Gefundene von allen Seiten, drückte das Objekt vorsichtig mit dem Stab.

Konnte man es bewegen oder schieben?
Wie groß war es?
Wie tief war es abgesunken?

Ok, zum erneuten Male in den letzten 10 Jahren schöpfte er Hoffnung, denn dieses Objekt hatte die Chance wertvoll zu sein, … oder eben nicht.
Er beschloss hinab zu steigen und es zu bergen. Der Abstieg in die Exkremente der Stadt, dem Müll und Abfall, dem Gestank ihrer ausgeschissenen Seelen dauerte, das kannte er ja bereits. Der Ort, den alle gerne ignorierten, gab ihm so die benötigte knappe Stunde um hinab zu sinken.
Er griff akribisch und gefühlvoll in die Richtung in der er das Objekt vermutete und erspürt hatte.
Es war weg. Keine Spur mehr. Nun vergrößerte er den Suchbereich und beinahe ruderte sein Arm durch die Scheiße wie ein Paddel durch Meer.
Verdammt!

Er drückte sich weiter nach unten, dort wo die Suppe beinahe die Festigkeit und Undurchdringlichkeit von Torf erlangt hatte.
Wieder fuhr seine Hand vorsichtig und konzentriert durch die Masse, als er plötzlich etwas zu fassen bekam und er griff zu.
Mit festem Griff zog er das Objekt aus dem festen Torfähnlichem Grund der Kloake. Ganz langsam und vorsichtig. Nicht das er zerriss, zerfiel oder zerstört wurde. Ruckartige Bewegungen waren fatal. Stück für Stück, Zentimeter um Zentimeter kämpfte er sich mit dem Objekt an die Oberfläche, was den Aufstieg in der Zeit verdoppelte.

Wieder sah man nur wie eine rundliche Beule die Oberfläche langsam durchbrach, gefolgt von einem Kopf. Dann hielt er inne, verweilte und schaute sich mit den Augen um. Erst als er sicher war immer noch alleine zu sein, quälte sich die stinkende Gestalt aus der Kloake. Mit einem Arm fest und sicher umklammert hielt er das gefundene Objekt an seinen unförmigen Leib gepresst. All die schmierigen Exkremente, die beinahe wie Schlammpackungen wirkten, würden sie nicht so bestialisch stinken, verdeckten ihn beinahe komplett und das Objekt war gar nicht zu erkennen.

Am Rand der Kloake angekommen legte er es vorsichtig ab und begann hier und da an ihm herum zu fummeln ehe er plötzlich, wie von der Tarantel gestochen innehielt.
Still und Starr hockte er da, weit und tief über den Fund gebeugt.
Langsam wandte er den Kopf erst nach links, dann nach rechts.
Die Schultern zu den Ohren gezogen und den bulligen Körper beschützend über das Objekt gebeugt wandte er den Blick nach hinten. Unter dem dunklen Schmutz in seinem Gesicht konnte man die wahnwitzige Grimasse eines entstellten Monsters erkennen, welches einen Schatz gefunden hatte, dass es auf den Tod verteidigen würde.
Mit unmenschlicher Geschwindigkeit schnappte er sich seinen Schatz, hielt ihn mit beiden Armen eng an sich gepresst, sah sich erneut um und lauschte dann in die Dunkelheit der Nacht.

Dann war die bucklige Gestalt fort, …ebenso wie der Schatz den er gefunden hatte.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [Fluff Vergonzo] - Aus Scheiße Gold machen?

Beitrag von Vergonzo Faro » Di 4. Jun 2019, 15:40

2 Steine auf dem Weg in ihren Abgrund

Die heruntergekommenen Bruchhütten in Clavicula zogen unscharf an ihm vorbei, während er durch die enge und dunkel stinkende Gasse raste, den Schatz eng an sich gepresst.
Hochaufmerksam und paranoid immer wieder hinter sich blickend rannte der Bucklige weiter Richtung Süden. Sobald er Schritte, Stimmen oder Bewegung vernahm brach er flink den Spurt ab und hechtete regelrecht in eine dunkle Ecke, hinter eine Wand oder schlichtweg in einen Haufen Dreck.

Er hörte ein Klopfen, schnelles Klopfen das lauter und lauter wurde. Wild und hektisch sah er sich um. Niemand zu sehen und es war schlechtweg unmöglich die Quelle des Geräusches auszumachen.
War das sein Herz? Ja, es schlug wie vor 100 Jahren, doch er erinnerte sich gut an das Geräusch. Angeekelt und mürrisch das verbogene Gesicht verziehend stoppte er den Schlag, befahl dem Herzen leise zu sein um ihn nicht zu verraten. Seine Verfolger waren sicher bereits auf ihn aufmerksam geworden und hatten die Verfolgung aufgenommen.

So kam es dazu, dass er etliche Umwege nehmen musste, auch absichtlich im Kreis lief manches Mal, ehe er dann Mascharana erreichte. Dort war zu dieser Nachtzeit am wenigsten bis gar nichts los.
Hier kam er ungesehen schneller voran, …dachte er.
Denn hier wurde die Straßen bedeuten mehr, öfter und heller beleuchtet als in Clavicula. Es war als würde man aus einer finsteren Höhle plötzlich das Tageslicht erreichen und voll in der Sonne stehen.
Sein Glück das er einige Male hier war und sich zumindest etwas auskannte, also nicht völlig neues Terrain.

Schnellen Schrittes erreichte er das Meer, die Bucht von Mascharana. Schnell fand er was er suchte.
Eine geschützte Stelle um ungesehen in der Nacht die Stadt zu verlassen. Und zwar durchs Wasser. Dieses war hier recht schnell sehr tief, so dass er seinen Schatz mit einem Arm umständlich fest bei sich hielt um dann mit dem anderen voran paddeln zu müssen. Doch es kam anders.
Kaum war er lautlos ins Wasser eingetaucht, wich der Grund schnell und steil hinab...

…hinab, er und sein Schatz sanken stetig wie 2 Steine auf dem Weg hinab in ihren Abgrund.
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Re: [Fluff Vergonzo] - Aus Scheiße Gold machen?

Beitrag von Vergonzo Faro » Mi 26. Jun 2019, 13:16

An den Strand gespült

Irgendwo in Genua am Strand. Der Mond stand grade noch am langsam heller werdenden Himmel als ein großes Knäul undefinierbarer Masse an den Strand gespült wurde.
Behangen mit Algen und triefend nass schleppte sich dieses Knäul an den Strand. Es spuckte einen kleineren Schatten aus ehe es in sich zusammensackte.
Die beiden Gestalten lagen einige Sekunden reglos am steinigen Strand wie 2 große Steine die zuvor im Meer versunken waren. Eine der Gestalten richtete sich mühselig hinkend auf und wandte den Blick in Richtung des nahenden Sonnenaufgangs.

Dann schien sie sich umzusehen. Die Schwerfälligkeit und Trägheit waren wie von Zauberhand verschwunden als sie aufsprang und erneut ihren Schatz aufhob und fest beschützend in die Arme nahm. Zügig suchte sie etwas, sah sich um, prüfte scheinbar den Boden und rannte umher ehe sie den Schatz ablegte und zu graben begann.
Wie ein Pirat der seinen Schatz vor anderen versteckte, vergrub er seinen Fund sorgfältig. Die Gestalt schien trotz ihrer Größe einiges an Kraft zu haben und scherte sich nicht um Verletzungen an den Händen während sie beinahe mit kontrolliertem Wahnsinn den harten Boden bearbeitete, ihren Schatz sanft hineinlegte und das Loch dann wieder zu schüttete.
Erneut der von Angst getriebene Blick zum Himmel, der bereits die erste Röte des Tages ankündigte. Leicht panisch schnellte ihr Kopf mehrfach herum, ließ den Blick erneut über die Gegend schnellen, ehe sie eine fatale Entscheidung traf.

Ihr Blick blieb auf dem Wasser des Meeres liegen, einige Sekunden verharrte die Gestalt.
Wie ein Seegespenst verschwand sie zurück dahin wo sie hergekommen war, …im Meer.
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Re: [Fluff] - Aus Scheiße Gold machen? [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Fr 30. Aug 2019, 12:37

Die Auferstehung

Steif und aufgedunsen erschien die Gestalt am Ufer des Meeres.
Die Wolkendecke brach kurz auf um den Mond durch zu lassen und dieser warf sein silbernes Licht auf die verkrüppelte Gestalt.
Dunkle blasige stellen zierten das, was man als Gesicht bezeichnen würde und beinahe wahnhaft kratzte er kurz daran herum, nur um diese Dummheit sofort einzustellen.
Sein Blick wanderte über den Strand.

Wieder buddelte er im steinigen Boden und holte seinen Schatz hervor. Diesmal weitaus animalischer, als hätte sich über Tag etwas in ihm mehr Platz und Freiraum zurück gekämpft.
Wild schnappte er sich das Bündel, umklammerte es erneut euphorisch und fest, stand auf und hielt inne.
Er legte den Schatz sanft beiseite, begann dann sorgfältig das Loch wieder zu füllen. Alles wie zuvor.
Dann, mit dem Bündel geschützt im Arm, eilte der Krüppel schnellen Fußes flink Landeinwärts, dort wo die Landschaft dichter und bewachsener wurde.

Es war ein weiter beschwerlicher Weg.
Wem gehörte das Land?
Welches Monster nannte das hier sein?
War er sicher?
Gab es Verfolger?
Er schlug immer wieder sporadisch andere Wege ein, Norden, Westen, Süden, wieder Norden...mal schlich er vorsichtig eine Stunde durchs Unterholz, ehe er brachial durchs Gestrüpp raste, nur um dann durch einen Bach zu laufen ehe er eine andere Richtung einschlug und wieder leise und behutsam weiter schlich.

Zwei Tage war er nun unter schwierigen und kostspieligen Umständen unterwegs. Dieser Weg, mit unmenschlichen Anstrengungen und Unannehmlichkeiten gespickt, forderte seinen Tribut.
Von Stunde zu Stunde veränderte sich der Krüppel zusehends.
Die Haltung war mittlerer Weile zu vornüber gebückt, dass er beinahe auf allen Vieren voraneilte.
Es waren aber nur alle Drei, denn mit dem Vierten hielt er sicher seinen Schatz sicher im Arm.
Wie ein Tier jagte es nord-westlich bis er stehen blieb, sich umsah und es schien für einen Moment das er mit sich selber sprach, flüsterte.

Langsam schritt er dann weiter, suchte etwas. Sein Glück war wieder da, denn er fand was er suchte.
Zwei Schritt weit entfernt von einem wirklich eindrucksvollen Baum buddelte er den vom Regen schlammig gewordenen Waldboden auf.
Er schien jetzt zu wissen, wie die wilden Tiere hier tickten, denn sein Loch war tief.
Dann legte er das regungslose Bündel hinein. Sein Blick lag einen langen Moment auf dem Inhalt des Loches ehe er sich seufzend wieder zuschüttete.
Ein drittes Mal war der Schatz nun begraben worden. Eine Schande war das, aber ein notwendiges, wenn nicht sogar überlebenswichtiges Übel.
Kein Tier des Waldes würde den Schatz wittern und ausbuddeln. Da war er sicher.

Als er fertig war, prägte er sich diesen markanten Ort ein, wälzte sich im Dreck und rannte los.
Es war Zeit.
Das Tier brauchte Nahrung.
Viel Nahrung.
...sehr viel.
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