[1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

[Juli '25]

Moderator: Ilario

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Elias Paterno
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Elias Paterno »

Elias ging andächtig durch die leeren Bänke, strich über das alte Holz und blickte die Säulen auf zur Decke. Neutral - ohne Bild verzierung. Vielleicht war das etwas, das man hinzufügen könnte.

"Meint ihr diese Kirche hatte eine Besonderheit? Vielleicht einen Keller oder etwas besonderes in der Saktistei?"

Er machte anstalten sich in den Nebenraum St. Donatos zu begeben. Vielleicht gab es wirklich ein paar Überreste, anzeichen das hier einst vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten Kainiten hier das Zentrum ihres Lebens hatten.
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Gaspard de Maurin
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Gaspard de Maurin »

Gaspard trat ebenfalls durch das Portal und bekreuzigte sich. Es wirkte wie eine Angewohnheit, etwas, das er schon tausende Male getan hatte, dennoch nicht überhastet oder respektlos. Der Lasombra senkte kurz den Kopf, um dann gemäßigten Schrittes zum Altar zu gehen. "Bescheiden, ja ...", er bestätigte die Aussage Lucians zur Ausgestaltung des Gotteshauses.

Der marmorne Altar war schlicht, dennoch von solider Handwerkskunst, genau wie die zwei hölzernen Heiligendarstellungen links und rechts neben diesem. Die zwei leeren Schiefertafeln, die ebenfalls dort standen, fixierte Gaspard kurz mit zusammengekniffenen Augen. "Mh." Das war alles, was er zu dieser unscheinbaren Entdeckung sagen konnte.

"Gut möglich, dass unter dieser Kirche noch ein Gewölbe zu finden ist. Es würde mich auf jeden Fall nicht wundern. Suchen wir nach einem Eingang oder einer Treppe?" Es war mehr eine Aussage als eine Frage.

"Wir sind alle, alle drei, Männer des Glaubens. Ich frage mich, habt auch ihr die Weihen eines Priesters empfangen zu Lebzeiten?" Der Lasombra schien mit seinen Gedanken in der Vergangenheit. Er blickte auf den Altar, während das Kirchenschiff seine Worte zu den beiden anderen trug.
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Lucian di Vescovi
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian hob die Brauen leicht, ein Ausdruck leiser Verwunderung, während er Gaspards Frage im Geist wog. Schließlich löste sich ein leises Lächeln auf seinen Lippen, als er antwortete, seine Stimme glatt wie poliertes Elfenbein:

„Ein Mann des Glaubens? Nein… das wäre zu viel der Ehre. Ich bin der Sohn eines Kaufmanns, werter Gaspard. Meine Welt war stets die des Gewichts und des Maßes, des Goldes und der Versprechen, die auf Pergament gebannt werden.“

Er machte ein paar Schritte, ließ die Fingerspitzen über die hölzernen Bänke gleiten, als wäre die Berührung eines geweihten Ortes für ihn mehr Kuriosität als Andacht.

„Ich war zugegen bei den Messen, jawohl, an den Sonntagen, wenn die Glocken zum Gebet riefen. Aber wenn Ihr mich fragt, ob mein Herz damals je ganz hier war…“ – ein kaum merkliches Achselzucken – „…dann würde ich wohl sagen: ich weiß es nicht. Ich suchte stets mehr das Wohlwollen der Menschen als das des Himmels.“

Dann hob er den Kopf, die Augen glänzten wie dunkles Glas im Kerzenschein, und ein leises Lächeln umspielte seine Lippen, fast spöttisch, fast ehrlich:

„Aber vielleicht, so sagt man, finden selbst die Ungläubigen irgendwann ihren Platz. Sei es hier… oder in der Tiefe. Oder vielleicht ist auch unser Fluch nur eine Prüfung des Glaubens?
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Elias Paterno
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Elias Paterno »

Elias blickte überrascht auf, als Gaspard sich direkt an ihn wandte. Tatsächlich war er im Begriff gewesen, die gleiche Frage zu stellen:

"Ihr folgt dem Pfad des Himmels?"

Zu Lucian gewandt fügte er hinzu,

"Es ist nicht verwerflich sich einem sterblichen Ziel zu widmen. Gerade wenn die Kindheit und Erziehung der Eltern einen dahingehend prägen ist es naheliegend sich auf bekannte Wege und Prinzipien zu berufen. Sollte euch einmal der Drang nach veränderung packen, oder ihr Rat aus einer anderen Sicht sucht, so zögert nicht mich aufzusuchen. Derlei Gespräche stehen als Form der Beichte unter einem heiligen Schweigegelübde."


Elias' Blick ruhte noch eine Weile auf seinen Gesprächspartnern eher er sich einem Gemälde an der Wand zuwandte welches die heilige Madonna mit Kind zeigte.

Madonna del Latte
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Gaspard de Maurin
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Gaspard de Maurin »

Ein Glucksen Gaspards, das unerwartet durch die Kirche hallte, zeigte, dass er nicht mit dieser Frage gerechnet hatte. Mit einem Lächeln antwortete er: "Nein, ich folge einem anderen Pfad. Allerdings empfing ich die Weihe vor der Gabe der Nacht."

Dann wandte er sich an Lucian. "Elias hat recht. Unsere Umstände prägen uns. Manchmal suchen wir allerdings auch, diese Umstände zu ändern." Was er genau damit meinte, wollte der Lasombra wohl nicht weiter ausführen.

Und wieder zog sein Mundwinkel nach oben. "Ihr habt nun zwei, die euch hier und heute die Beichte abnehmen können, so ihr denn möchtet." Er schien nicht zu erwarten, dass Lucian dieses Angebot annehmen würde. Aber wer wusste das schon?

Auf der Suche nach einer Tür oder Treppe hatte sich Gaspard langsam an die Seite begeben und begutachtete im Vorbeigehen die Heiligenbilder, die dort in kunstvoller Fertigung an den Wänden hingen.
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Elias Paterno
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Elias Paterno »

Elias schien leicht überrascht ob des Angebots des Lasombra:

"Welchem Pfad folgt ihr? Dass ihr euch vom heiligen Pfad abgewandt habt und dennoch in seinem Namen Sünden erlasst?"

Es war keine Agression in der Stimme, doch es war unverkennbar ein ernstes Thema dass er hier anschnitt.
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Gaspard de Maurin
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Gaspard de Maurin »

Gaspard stoppte seinen Gang durch die Kirche und drehte sich zu Elias. Offenbar war ihm zu wichtig, dass dieser verstand, was er jetzt zu sagen hatte. Die Worte kamen überlegt und langsam, als wüsste er selbst noch nicht so ganz, wohin sie ihn führen würden. "Bitte entschuldigt das Missverständnis. Ich erhielt die Priesterweihe, bevor ich in die Nacht geholt wurde. Damals gab es für mich keinen Pfad des Himmels, keinen Pfad der Könige, keinen Pfad der Sünde oder etwas Ähnliches." Seine Worte waren leise, ungewohnt. Er tat ein paar Schritte auf Elias zu, damit dieser ihn besser verstand. "Ich war ein Mensch, der den Glauben wichtiger nahm, als die meisten anderen. Nicht mehr und nicht weniger. Wir alle klammern uns an das, was von unserer Menschlichkeit bleibt, wenn wir zu dem werden, was wir sind." Gaspard kramte in seinen Erinnerungen. All das musste schon ein Weilchen her sein. "Mein Erzeuger lehrte mich die Via Noctis. Ein Pfad, der die eigene Entwicklung aber auch den Schutz der Menschen um uns herum vor Verderbnis und Tod hoch schätzt." Ein Lächeln flackerte über sein Gesicht. Es war so schnell verschwunden, wie es gekommen war.
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Lucian di Vescovi
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian lauschte den Worten mit geneigtem Haupt, als würde er sie in sich aufnehmen wie ein Lehrling die Worte eines erfahrenen Meisters. Ein stilles Nicken bestätigte, dass er die Ernsthaftigkeit und das Gewicht verstand, die in Gaspards Stimme lagen.

„Ihr sprecht von Dingen, die mir fremd sind, Gaspard – aber nicht ohne Würde klingen,“ erwiderte er mit bedachter Stimme. „Die Wege des Glaubens, die Ihr einst beschritten habt, und jener Pfad, von dem Ihr nun erzählt… sie scheinen mehr zu sein als bloße Regeln. Sie sind Halt in einer Welt, die uns jeden Halt zu entreißen sucht.“

Sein Blick glitt von Elias zu Gaspard, dann hinauf zur schlichten Decke der Kirche, die im Kerzenschein kaum mehr als Schatten zeigte.

„Ich habe nie mehr besessen als die Gebete am Sonntag, die mein Vater von uns erwartete. Doch wenn ich Euch so sprechen höre, frage ich mich, ob wir nicht alle – gleich welchen Glaubens oder Pfades – nach einer Ordnung suchen, die uns hilft, das Unvermeidliche zu ertragen.“

Ein leichtes, beinahe schelmisches Lächeln huschte über seine Lippen, während er die beiden ansah:

„Die Beichte jedoch, meine Herren, die schulde ich allein meinem eigenen Gewissen – und das ist wahrlich kein gnädiger Richter.“
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Elias Paterno
Salubri
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Elias Paterno »

Die Worte des Mönchs schienen Elias noch nicht zur Gänze zufrieden zu stellen, er runzelte die Stirn und musterte ihn kritisch:

"Ich sprecht in der Vergangenheitsform. Der Pfad des Herrn ist derjenige den man zu beschreiten gedenkt, wenn man halt in den dunklen Nächten mit der Kreatur sucht. Es war für mich der einzige Ausweg mich nicht selbst zu verlieren und mein Lehrmeister half mir dieen Weg für mich zu finden auf dass er breit gebaut und sicher ist.

Nun sagt ihr ihr nehmt die Beichte anderer ab, habt euch jedoch einem anderen Pfad verschrieben. Ist die Beichte nicht ein heiliges Sakrileg, welches nur von den Dienern des Herrn durchgeführt werden sollte?
Ich kenne den Via Noctis nicht, doch es würde mich schon interessieren wie er zum Namen des Herrn Jesu Christi und der heiligen Schrift steht..."


Seine Stimme war weiterhin respektvoll, doch es lag auch eine gewisse Foerdung darin, welche absolute Ehrlichkeit einforderte.

"Gleich welchen Glaubens? Ihr wollt damit ausdrücken dass der Glaube nur eine Idee ist? Ein Konstrukt nach welchem wir uns orientieren?"

Er holte einen Moment aus ehe er fortfuht:

"Die Ordnung und Sturktur die wir intrinsisch suchen, ist eine Gottgegebene Ordnung. Es mag sein dass nicht jeder sie als diese erkennt, doch ist sie unumrückbar. Wir sonst würdet ihr euch die Geschichte Kains aus der Bibel erklären. Ist nicht unser Dasein an sich bereits ein Beweis des alten Testaments, nach dem so viele Menschen ihr Leben lang gestrebt haben? Es steht euch freu eure Beichte für euch zu behalten. Wer wäre ich über euch zu urteilen, doch der Richter seid nicht ihr, werter Lucian. Zumindest nicht am jüngsten Tage.

'Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht hat, es sei gut oder böse.' "


Der letzte Satz war mehr eine Feststellung, eine Anekdote an die Bibel, denn eine Belehrung.
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Lucian di Vescovi
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Re: [1115] Teufel, Seelenfresser und Schatten der Nacht [Lucian, Elias, Gaspard]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian senkte leicht den Kopf, eine Geste, die an Demut erinnerte, auch wenn in seinen Augen für den aufmerksamen Betrachter ein Schatten von Bitterkeit lag.

„Verzeiht mir, Bruder Elias, wenn meine Worte euch missverständlich oder gar anstößig erschienen sind. Es lag nicht in meiner Absicht, die Heiligkeit eures Pfades zu schmälern.“ Seine Stimme war ruhig, kontrolliert, fast schmeichelnd. „Ich habe die Sakramente nie so innig empfunden wie ihr – meine Erziehung galt eher den Zahlen, dem Handel, den weltlichen Dingen. Vielleicht fehlt mir darum die Reinheit des Blickes, die euch leitet.“

Ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen, das jedoch nicht die Augen erreichte. „Doch wenngleich ich nicht so standhaft in meinem Glauben bin, so will ich euch nicht widersprechen: Der Herr ist, was er ist – und wir alle, ob wir wollen oder nicht, stehen in seinem Urteil. Nur…“ – hier legte er eine kurze Pause ein, als wolle er einen zu schweren Gedanken verschlucken – „nur fällt es mir schwer zu glauben, dass in unserem Dasein allein eine Ordnung liegt, die nicht ebenso sehr Strafe wie Beweis sein könnte.“

Er hob die Hand in einer milden, abwehrenden Geste. „Doch das ist mein Zweifel, mein Kreuz – nicht eures. Ich erkenne an, dass euer Pfad euch führt, und ich würde es nicht wagen, zu versuchen euch von ihm abzubringen. In dieser Welt des Schattens brauchen wir Männer wie euch, die das Licht hochhalten, auch wenn wir anderen es kaum noch erkennen können.“
Gesperrt

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