[Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]

Geschichten über Monster

Moderator: Ilario

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Sara
Assamit
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[Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]

Beitrag von Sara »

Und dann ist da einfach nur Leere. Allumfassendes Nichts. Eine dumpfe Stille, die die Laute der Welt gierig Stück um Stück in sich hineinfrisst. Der Druck, der immer stärker auf den Ohren steigt. Der alles taub macht. Als sei man tief unter Wasser getaucht. Zu tief. Die Welt um einen dreht sich weiter. Unaufhaltsam. Schwindlig schnell. Ein Gewirr aus unzähligen Stimmen und schemenhaften Formen. Bewegungen, die mehr und mehr verschwimmen hinter einem grauen Schleier. Doch für mich. Für mich, bleibt sie einfach stehen. Ich spüre nichts. Nicht einmal das Richtschwert, das bedrohlich über mir baumelte.

Dunkle Asche erfüllte die Luft. Schlug sich auf meiner Haut nieder, wie feiner Morgentau. So leicht, dass sie vor meinen Augen tanzte, bevor sie langsam zu Boden rieselte. Mein Verstand versuchte verzweifelt zu verarbeiten, was geschehen war, doch meine Gedanken… sie bewegen sich wie in Zeitlupe. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen war, bevor meine Beine nachgaben. Ich kraftlos auf die Knie falle. Fassungslos auf die schwarzen Reste blickend, die so fein sind, dass schon der winzigste Windhauch sie hinwegfegen kann.

Ich fühle mich machtlos. Hoffnungslos. Allein. Und ich merke wie dieser Umstand mir die Tränen in meine Augenwinkel treibt. Doch ich kann nicht weinen. Nicht jetzt. Zu tief sitzt noch immer der Schock. Langsam beuge ich mich vor. Berühre zögerlich die Asche. Streiche liebevoll über sie, während mein Herz dabei in abertausende von feinsten Splittern zu zerbrechen droht. Ich will sie bewahren. Allesamt. Jeden Einzelnen davon. Festhalten. Mich. Ihn. Was davon noch übriggeblieben ist. Von dem was so nie hätte geschehen dürfen. Dem was weg ist. Verloren ging. Für immer und ewig.
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Sara
Assamit
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Re: [Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]

Beitrag von Sara »

Die Hügel strahlten in dieser Nacht. Sie hatten es immer getan, seit dem ersten Moment, in dem ich genuesischen Boden betreten hatte. Doch diesmal war es anders. Kein sanftes, warmes Leuchten, das Hoffnung in sich trug. Nein. Dieses Licht war eine blutrote Wunde am Horizont, aufgerissen, klaffend, als hätte jemand das Tor zur Hölle mit roher Gewalt aus den Angeln gerissen und der Welt ihren tiefsten Albtraum offenbart.

Mein Blick verlor sich in der lodernden Glut. Angst und Schmerz, zwei alte Feinde, die mich in eiserner Umarmung hielten. Ich spürte ihre kalten Finger an meiner Kehle, doch sie fanden keinen Atem mehr, den sie mir rauben konnten. Stattdessen verzogen sich meine Lippen zu einer bitteren Linie, während sich das Feuer in meinen dunklen Augen spiegelte. Ich rümpfte die Nase und sog die Luft gegen meine eigene Natur tief ein. Lauschend, wartend, auf ein Echo, das nicht kam.

Hier im Norden spuckte man unseren Namen aus wie Gift. Assamiten. Meuchelmörder. Schatten ohne Ehre. Und doch fühlte ich in diesem Moment kaum mehr als tiefste Verachtung für all Jene, für die ein Leben nichts bedeutete. Ich wusste noch nicht, was dort oben wahrlich geschehen war und doch grub sich die Angst mit eiskalten Krallen in mein Innerstes. Eine stumme Bitte formte sich auf meinen Lippen. Ein lautloses Gebet an eine Gottheit, die mich womöglich längst vergessen hatte. Innerlich flehend, dass es nicht das sein würde, was meine blutende Seele befürchtete.
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Sara
Assamit
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Re: [Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]

Beitrag von Sara »

Schwarz war alles, was ich hinter meinen geschlossenen Augen noch sah. Tiefste, endlose Dunkelheit in dessen Ferne nur wage der schwache Corona Umriss einer Kerzenflamme zu erahnen gewesen war. Mein Haupt war gesenkt und meine Hände zum Schwur dargeboten. Kniend ausharrend dem was kommen sollte.

Er hatte einen geschliffenen Edelstein erhalten, doch er sah dessen Wert nicht.

Und so schwor ich einen Eid, der mit großer Gewissheit mein Ende bedeuten würde. Für meinen Clan, obwohl sich jede noch so kleine Faser in meinem Körper dagegen sträubte. Meine Lippen wiederholten stumpf die Worte, dir mir ein anderer auferlegt hatte. Ich empfand weder Freude noch Dankbarkeit dabei, als ich ablegte was mich ausmachte, wie einen abgetragenen Mantel.

Er hatte seinen Willen erhalten, doch mehr zählte für ihn nicht.

Ich war voller Hoffnung nach Genua gekommen und gewillt meinem Blut und dem Prinzen vollumfänglich zu dienen. Doch der eigentliche Prinz war fort und der, der nun auf dem Thron sitzen sollte, war blind und taub zugleich. Ein Führer mit einer Krone ohne Halt.

Er hatte den Thron erhalten, doch nicht die Herzen Jener berührt, die ihm folgen sollten.

Mein Blut benötigte einen Hafen, den ich ihnen bieten würde, auch wenn ich mich selbst dabei aufgeben musste. Ich ertrug es. Verweilte stumm mit aufrechtem Körper auf beiden Knien. Und wurde zu einer gänzlich nutzlosen Waffe in Händen, die mich nicht zu führen verstanden.

Er hatte einen Vasallen erhalten, doch eine Wesirin der Banu Haqim verloren.
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