[1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

[November '25]

Moderator: Ilario

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Ida
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[1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Nach den vereinbarten fünf Nächten intensiver, ungestörter Arbeit war die Veredelung vollbracht...

​Der kleine, gemietete Raum roch nun nicht mehr nach altem Staub und Steinen, sondern war von einem warmen, konzentrierten Duft erfüllt. Die Essenz des Zimts, die Süße des Honigs und die Bitterkeit der Kräuter lagen in einer dichten, orientalischen Wolke in der Luft. Die Rote Seide war in ihren finalen Gefäßen versiegelt, eine tiefrote, fast ölige Flüssigkeit, die bereit war, ihre Macht über den Willen zu demonstrieren...​Ida wusste, das Produkt war nicht nur wirksam, sondern marktfähig.

​Sie schrieb eine knappe Nachricht, die das Wesentliche enthielt, und versiegelte sie. Sie fand einen unauffälligen Laufburschen in den Gassen, drückte ihm einen Silberling in die Hand und gab ihm die Anweisung, die Nachricht am Haupttor des Handelshauses Murano beim Diener abzugeben.

„Du übergibst dies dem Diener persönlich. Sag ihm, es sei eine dringende Nachricht für seinen Herren...von einer Freundin des Hauses.“

​Mit dieser Anweisung schickte Ida den Jungen los...



Spoiler!
Der Bote liefert diesen kurzen Zettel an den Diener ab.

​An Luciano Murano,
​Die Rote Seide ist handelsfertig.
​Ich erwarte Euch zur zweiten Stunde in dem von Euch versiegelten Quartier zur Abnahme.

​Eure Freundin,
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Lucian di Vescovi
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian war gerade im Gespräch mit Alvise vertieft, als es an der Tür klopfte.

Ombra, der bisher noch entspannt in der Ecke gelegen hatte richtete die Ohren auf und lauschte in die Nacht.

Alvise ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt - nach einem kurzen Wortwechsel, gab er dem Jungen ein paar Kupferstücke, nahm das Schriftstück entgegen und reichte es sogleich Lucian.
Dieser verzog kaum merklich das Gesicht, zuckte mit den Schultern und setzte sich zurück an den Tisch um das Gespräch mit Alvise in Ruhe zu beenden. Er gab ihm noch etwas Blut und verabschiedete seinen langjährigen Freund und Diener in die wohlverdiente Nachtruhe.
Dann nahm er sich einen Mantel und gab Ombra den Befehl ihm zu folgen. Der Hund wedelte freudig mit dem Schwanz mit der Aussicht auf einen ausgedehnten Spaziergang durch die Nacht.

Lucian nutze die Gelegeheit und nahm noch etwas Blut von einem betrunkenen Hafenarbeiter in einer dunklen Seitengasse und ging leicht beschwingt zu der kleinen Werkstatt von Ida.
Dort angekommen klopfte er vorsichtig an die Tür - Ombra wirkte etwas angespannt - wie er ist immer in der Gegenwart der Kinder Kains war.
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Das vorsichtige Klopfen an der Tür war so diszipliniert, wie ich es von ihm erwartet hatte. Keine Hast, keine Ungeduld. Es war die Ankündigung des Auditors. Ombras gedämpftes, angespanntes Knurren von der anderen Seite des Holzes war mir dabei eine Bestätigung für die tief sitzende, instinktive Abneigung der Natur gegen die Kinder Kains.

Ich legte die dunkelrote Phiole des fertigen Produkts ,der Roten Seide, auf den Fass-Tisch...neben das leere saubere Glas und schob den kleinen Beutel mit dem Zimt zur Seite. Der Raum war noch warm von meinen letzten Arbeitsstunden und von dem reichen, süßlichen Duft der Veredelung erfüllt, der den Geruch der rohen Gifte vollständig überlagerte.

Ida öffnete die Tür einen Spalt und sah Lucian im schwachen Licht des Korridors. Seine Augen waren wach und klar, der Ausdruck leicht gespannt – die perfekte Verfassung für eine Abnahme. Neben ihm stand der große, dunkle Hund. Sie öffnete die Tür vollständig und trat zurück, um ihm Platz zu machen.

„Lucian. Die Veredelung ist abgeschlossen....

Ich schloss die Tür sofort hinter ihm, um die Diskretion zu sichern. Das Licht fiel auf den Fass-Tisch, wo die einzelne Phiole und das leere Glas warteten.

„Derer fünf Nächte der vollen Konzentration. Ich habe die Essenz des Willens in eine verkäufliche Form gebracht. Das bittere Gift ist nun ein Gute-Nacht-Trunk für den Markt. Bitte tretet näher. Die Essenz ist bereit, ihre Wirkung zu demonstrieren. Wir benötigen nun nur noch das Material für den Test.“
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Lucian di Vescovi
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian trat einen Schritt näher an den Fass-Tisch, betrachtete die tiefrote Flüssigkeit in der Phiole und ließ die Stille des Raumes für einen Moment wirken. Erst dann hob er den Blick zu Ida.

„Ich fürchte, ich habe heute Nacht keinen geeigneten Kandidaten mitgebracht.“
Seine Stimme blieb ruhig, sachlich – aber ein Hauch von Unmut schwang mit, mehr über sich selbst als über die Situation.

„Mit etwas mehr Vorbereitung hätte ich jemanden… passenderen ausgewählt.
Ein Betrunkener, ein Hafenräuber, jemand, der niemandem fehlen wird.“

Ombra legte den Kopf schief und knurrte leise, als wüsste der Hund, was bevorstand.

Lucian fuhr fort:
„Zur Not könnte ich in einer Schenke oder einem Hurenhaus jemanden auftreiben. Dort findet man immer eine verlorene Seele, die sich leicht überreden lässt.“
Er machte eine kurze Pause.

„Aber diese Entscheidung… sollte bei euch liegen.“

Er deutete mit einer ruhigen, offenen Geste zur Tür, als biete er ihr die Bühne.

„Wähle das Material selbst, werte Ida.
Ihr kennt die Anforderungen der Essenz besser als jeder andere.
Sagt mir, welcher Typ Mensch für eure Demonstration am geeignetsten ist – und wir holen ihn.“

Lucians Tonfall machte klar:
Er akzeptierte sowohl eine gemeinsame Jagd als auch Idas Auswahl.
Er übergab ihr die Initiative – und blieb zugleich der aufmerksame Auditor.
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida registrierte Lucians leichten Unmut, der nicht an mich, sondern an die Unvollkommenheit der Vorbereitung gerichtet war. Ich sah das als einen Moment, um mein fachliches Wissen zu untermauern und zugleich den tieferen Wert unserer Arbeit zu enthüllen.

„Eure Logik...Lucian...ist unbestreitbar. Aber die Wahl des Materials entscheidet über den Wert unserer Demonstration. Wir suchen nicht nur eine verlorene Seele; wir brauchen eine leere Leinwand, auf die der Wille geschrieben werden kann.“

​Sie hielt inne.

„Ein gewöhnlicher Trunkenbold ist durch den Alkohol bereits vorvergiftet. Das reine Gift wird mit dem anderen Gift reagieret das Ergebnis ist unsauber. Lucian, Ihr habt Kapital in die Perfektion dieser Essenz investiert; wir testen sie nicht an den bereits zerfallenen Seelen. Wir wollen die Beherrschung des ursprünglichen Willens beweisen.“

​Ich sah ihn eindringlich an, um den geschäftlichen Nutzen mit dem geistigen Zweck zu verbinden.

„Wir wählen den unverdorbenen Geist. Den Mann, dessen Leben aus Monotonie besteht, der geistig rein und gesund ist. Ein junger, gesunder Träger, dessen Seele noch nicht dem Schmutz der Gassen verfallen ist. Nur wenn wir einen solchen Geist formen können, beweisen wir, dass das Produkt jede Seele beherrschen kann, was Euren Marktwert ins Unermessliche steigert.“

​Ich trat vom Fass-Tisch weg, der Duft der Roten Seide folgte mir.

„Ich bin bereit. Wir gehen jetzt. Ihr überwacht die Diskretion; ich wähle das Material.“
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida nickte Lucian knapp zu. Die Zeit für die strategische Debatte war vorbei; nun begann die Demonstration.

„Wir bringen ihn nicht in das Quartier, Lucian. Wenn die Essenz schnell wirkt, benötigen wir nur die Anonymität einer dunklen Ecke.“

​Sie öffnete die Tür des Quartiers, und das Paar, gefolgt von Ombra, tauchte in die tiefen Schatten der Genueser Nacht ein. Ida führte Lucian zielsicher in die dunklen, feuchten Gassen abseits der Hauptwege, wo die entbehrlichen Seelen ihr Ende der Schicht feierten.

​Sie positionierten sich im tiefen Schatten eines großen Lagerhauses, wo Lucian sofort als Anker der Diskretion in der Dunkelheit verschwand. Ida entdeckte schnell den jungen Träger. Er verließ die Schenke, seine Muskeln schmerzten vor Müdigkeit, sein Blick war leer. Die ideale Leinwand. Die Anziehung und die Stille der Korruption Ida trat aus dem Schatten. Ihre Präsenz wirkte wie ein leiser, unwiderstehlicher Ruf der Erlösung. Die unwiderstehliche Anziehung ließ den Träger mitten in seinem Gang innehalten und langsam, wie im Traum, auf die Quelle dieser plötzlichen Ruhe zugehen.

​Ida wartete, bis der Träger fast bei ihr war, bevor sie sich umdrehte und ihn tiefer in die absolute Dunkelheit einer schmalen Seitengasse führte. Lucian und Ombra folgten, schweigende Jäger. Sobald sie in der Tiefe der Gasse ankamen, wo das Licht der Sterne nicht mehr hinfiel, wandte sich Ida dem jungen Mann zu. „Hier ist Ruhe. Nimm das. Es ist ein warmer Trunk, der die Müdigkeit aus dir zieht.“

​Sie zog eine kleine, unscheinbare Flasche hervor, die Essenz, perfekt in süßem Wein maskiert. Der Träger nahm die Flasche gehorsam entgegen und trank gierig. Die Rote Seide war nun in seinem System. Ida trat von ihm weg und es wurde um sie herum still, jegliches Umgebungsgeräusch, das ferne Kreischen der Möwen, das Knistern von Feuer, verstummte in ihrer unmittelbaren Nähe. Die Gasse wurde zu einem akustisch und optisch isolierten Labor...

​Sie stellte sich neben Lucian. Das Gift begann zu wirken. „Jetzt beobachten wir, Lucian. Er ist von der Welt abgeschirmt. Der Beweis beginnt.“
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Lucian di Vescovi
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian verharrte im Schatten. Er wartete darauf das die Rote Seide ihre Macht enthüllte.

Der Träger schwankte nicht. Kein Widerstand, kein hektischer Atem. Seine Schultern sanken, als hätte jemand eine Last entfernt, die er nie benennen konnte. Die Augen verloren den Fokus. Gut.

Lucian registrierte die Details: verlangsamter Puls, entspannter Kiefer, keine Fluchtreaktion. Die Essenz band den Willen, ohne ihn zu brechen. Genau wie gewünscht.

Ida griff nicht ein. Sie stand ruhig, beherrscht, ließ den Effekt wirken. Das gefiel ihm. Wer zu früh formte, verdarb das Material.

Der Träger hob den Kopf. Sein Blick ging ins Leere.

Lucian trat einen Schritt näher, blieb aber außerhalb ihres Wirkungsfeldes.

Er sah zu Ida. „Eure Wahl war wohl überlegt wie es scheint.“

Der junge Mann bewegte die Lippen, brachte jedoch keinen Laut hervor.

Lucian nickte kaum merklich. „Wie geht es weiter?“
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida löste ihren Blick nicht von dem jungen Mann, während sie Lucian antwortete. Ihre Stimme blieb ein flüsternder Hauch, der in der Stille der Verdunklung unnatürlich klar wirkte, isoliert vom restlichen Lärm der Stadt.

„Jetzt, Lucian, schreiben wir das erste Wort auf diese Leinwand. Wir testen nicht nur den stumpfen Gehorsam, sondern die Umkehrung seiner tiefsten Instinkte.“ ​Sie trat einen Schritt auf den Träger zu, bis sie fast seinen Atem spüren konnte. Er nahm sie nicht als Bedrohung wahr; für ihn war sie nun der einzige Fixpunkt in einer ansonsten grauen, bedeutungslosen Welt. Die Rote Seide hatte seinen Geist bereits weich gemacht.

„Hör mir zu. Deine Hände sind nicht mehr deine eigenen. Sie sind Werkzeuge, die nach Arbeit dürsten. Deine alte Müdigkeit ist fort, ersetzt durch ein Feuer, das nur durch Taten gelöscht werden kann.“ Sie deutete auf die raue, von scharfen Kanten geprägte Mauer des Lagerhauses. „Geh zu dieser Wand. Benutze deine bloßen Hände und beginne, den Stein zu polieren, bis er glänzt. Und während du das tust, wirst du lachen. Denn jeder Schmerz, den du spürst, ist in Wahrheit ein Geschenk der Ekstase. Es gibt keine größere Freude für dich, als dich für diese Aufgabe aufzureiben. Deine Finger sind die Pinsel, das Blut ist die Farbe.“

​Ohne eine Sekunde des Zögerns, ohne einen Blick zurück zu werfen, drehte sich der Träger um. Er trat an die raue Mauer und begann mit einer manischen Intensität, mit seinen Fingern und Nägeln über den harten Stein zu kratzen. Ein leises, fast zärtliches Lachen entrann seiner Kehle, selbst als die Haut an den Fingerkuppen aufplatzte und erste dunkle Spuren auf dem grauen Stein hinterließ. Er spürte keinen Widerstand seines eigenen Überlebenswillens mehr; die Korruption war vollständig.

​Ida wandte sich Lucian zu. Ihr Gesicht blieb ruhig, doch in ihren Augen spiegelte sich die Genugtuung über die gelungene Pervertierung eines menschlichen Willens wider. „Seht Ihr, Lucian? Die Essenz hat die Barriere zwischen Qual und Erlösung niedergerissen. Er wird weitermachen, bis die Knochen seiner Finger den Stein berühren, und er wird dabei das Glück seines Lebens empfinden. Er ist kein Sklave mehr, der Angst vor der Peitsche hat, er ist ein Werkzeug, das sich nach ihr verzehrt.“ Sie beobachtete die blutigen Abdrücke an der Wand, während der junge Mann unbeirrt weiter lachte und scharrte. „Das ist die Antwort auf Eure Frage. Wie geht es weiter? Er ist nun bereit für jeden Befehl, den Ihr Euch vorstellen könnt. Welches Ziel könnte ein solches Instrument in Euren Händen nicht erreichen?“
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida beobachtete den jungen Mann aufmerksam. Die Wirkung der Mixtur setzte nun voll ein. Es gab kein magisches Glühen, nur die unheimliche, biologische Realität der Vergiftung. „Beobachtet seinen Blick, Lucian. Das ist der Moment, in dem der Verstand hinter den Schleier tritt.“ Die Pupillen des Trägers waren starr geweitet, sein Gesichtsausdruck wurde schlaff und maskenhaft. Er schwankte leicht, aber der Griff der Präsenz hielt ihn aufrecht. Für ihn war die Welt nun ein nebliger Traum, in dem nur noch Idas Stimme existierte.

„Deine Last ist fort. Deine Sorgen sind fort. Es gibt nur noch diese Wand vor dir. Sie ist uneben und stört die Ordnung der Welt. Geh hin und glätte sie mit deinen Händen. Höre nicht auf, bis die Unebenheiten verschwunden sind. Du wirst keinen Schmerz spüren, nur die Pflicht deiner Aufgabe.“ ​Der Mann bewegte sich schwerfällig, wie unter Wasser. Er trat an die Mauer des Lagerhauses. Er hob die Hände und begann, mit den Fingernägeln über den rauen Stein zu scharren. Das Geräusch war trocken und unangenehm...​Es gab kein Lachen und keine Ekstase. Stattdessen herrschte eine schreckliche, stumpfsinnige Monotonie. Er kratzte und rieb mit einer Gleichgültigkeit, die Lucian zeigen musste, dass der Selbsterhaltungstrieb des Mannes vollständig durch die Droge ausgeschaltet war. Als die Haut an seinen Fingerkuppen durch die Reibung aufriss und erste rote Spuren am Stein hinterließ, verzog er keine Miene. Die Betäubungsmittel in seinem Blut verhinderten, dass der Schmerz sein Bewusstsein erreichte.

​Ida trat einen Schritt zurück und sah zu Lucian.
„Die Mixtur hat sein Nervensystem überflutet. Er ist nun in einem Zustand des wachen Deliriums. Er spürt keinen Schmerz mehr als Warnung, und sein Wille ist zu schwach, um den Befehl zu hinterfragen. Er wird weiterarbeiten, bis seine Muskeln vor Erschöpfung versagen oder seine Hände zerstört sind, nicht aus Freude, sondern weil sein Gehirn die Fähigkeit verloren hat...Nein...zu sagen.“ Sie deutete auf den Mann, der stumm und ausdruckslos weiter den Stein bearbeitete, während sein Blut die raue Oberfläche benetzte. „Das ist das perfekte Werkzeug für jemanden, der keine Fragen stellt. Er ist ein Automat aus Fleisch und Blut. Ist es das, was Ihr sehen wolltet?“
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Lucian di Vescovi
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian hatte den Blick nicht von dem Träger gelöst. Jede Bewegung war leer, jede Geste entkoppelt von Absicht. Ein Werkzeug, ja — aber eines, das bereits zerbrach, während es benutzt wurde.

„Ich sehe, *was* es tut“, sagte er schließlich. Seine Stimme blieb ruhig, frei von Ekel oder Bewunderung. „Und ich erkenne an, das es tut was ihr versprochen habt. Die Unterdrückung des Schmerzes, die Auflösung des Widerstands und der gebrochene Wille.“

Er wandte den Blick nun Ida zu.

„Aber seht auch, *was es ist*.“

Ein kaum merkliches Neigen des Kopfes deutete wieder auf den Mann.

„Ein Sterblicher in diesem Zustand ist auffällig. Leer. Still. Wer ihn länger als einen Herzschlag beobachtet, erkennt, dass etwas gebrochen wurde.“

Ein kurzer Moment der Stille.

„Ich suche keine Marionetten, deren Zustand Fragen provoziert. Diener, die funktionieren sollen, müssen altern, zweifeln, fluchen, zögern. Sie müssen wirken, als wären sie noch Teil der Welt.“

Dann, nachdenklicher:

„Aber…“
Er ließ das Wort bewusst stehen.
„…das macht eure Essenz nicht nutzlos. Im Gegenteil.“

Lucian trat einen Schritt zur Seite, verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

„Für Übergänge. Für Phasen, in denen Schmerz unvermeidlich ist. Für Momente, in denen Widerstand gebrochen werden muss. Kurzzeitig. Zielgerichtet.“
Ein Blick zurück auf den Träger.
„Oder für jene, deren Zustand danach keine Rolle mehr spielt.“

Sein Blick kehrte zu Ida zurück, ruhig, offen, aber wachsam.

„Wenn dieses Gebräu *euch* dient, Ida, werde auch ich einen Platz dafür finden. Nicht als Allzwecklösung — sondern als Werkzeug unter vielen.“

Ein letzter Blick auf den Mann.

„Die Frage ist nicht, ob es wirkt. Das tut es.“
Eine Pause.
„Die Frage ist, wie fein wir es noch stimmen können, wie lange es anhält und was danach mit denen passiert die es einmal gekostet haben.“

Er sah Ida an.

„Und *das* interessiert mich.“
Gesperrt

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