[1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit

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Ida
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[1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Nach den vereinbarten fünf Nächten intensiver, ungestörter Arbeit war die Veredelung vollbracht...

​Der kleine, gemietete Raum roch nun nicht mehr nach altem Staub und Steinen, sondern war von einem warmen, konzentrierten Duft erfüllt. Die Essenz des Zimts, die Süße des Honigs und die Bitterkeit der Kräuter lagen in einer dichten, orientalischen Wolke in der Luft. Die Rote Seide war in ihren finalen Gefäßen versiegelt, eine tiefrote, fast ölige Flüssigkeit, die bereit war, ihre Macht über den Willen zu demonstrieren...​Ida wusste, das Produkt war nicht nur wirksam, sondern marktfähig.

​Sie schrieb eine knappe Nachricht, die das Wesentliche enthielt, und versiegelte sie. Sie fand einen unauffälligen Laufburschen in den Gassen, drückte ihm einen Silberling in die Hand und gab ihm die Anweisung, die Nachricht am Haupttor des Handelshauses Murano beim Diener abzugeben.

„Du übergibst dies dem Diener persönlich. Sag ihm, es sei eine dringende Nachricht für seinen Herren...von einer Freundin des Hauses.“

​Mit dieser Anweisung schickte Ida den Jungen los...



Spoiler!
Der Bote liefert diesen kurzen Zettel an den Diener ab.

​An Luciano Murano,
​Die Rote Seide ist handelsfertig.
​Ich erwarte Euch zur zweiten Stunde in dem von Euch versiegelten Quartier zur Abnahme.

​Eure Freundin,
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Lucian di Vescovi
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian war gerade im Gespräch mit Alvise vertieft, als es an der Tür klopfte.

Ombra, der bisher noch entspannt in der Ecke gelegen hatte richtete die Ohren auf und lauschte in die Nacht.

Alvise ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt - nach einem kurzen Wortwechsel, gab er dem Jungen ein paar Kupferstücke, nahm das Schriftstück entgegen und reichte es sogleich Lucian.
Dieser verzog kaum merklich das Gesicht, zuckte mit den Schultern und setzte sich zurück an den Tisch um das Gespräch mit Alvise in Ruhe zu beenden. Er gab ihm noch etwas Blut und verabschiedete seinen langjährigen Freund und Diener in die wohlverdiente Nachtruhe.
Dann nahm er sich einen Mantel und gab Ombra den Befehl ihm zu folgen. Der Hund wedelte freudig mit dem Schwanz mit der Aussicht auf einen ausgedehnten Spaziergang durch die Nacht.

Lucian nutze die Gelegeheit und nahm noch etwas Blut von einem betrunkenen Hafenarbeiter in einer dunklen Seitengasse und ging leicht beschwingt zu der kleinen Werkstatt von Ida.
Dort angekommen klopfte er vorsichtig an die Tür - Ombra wirkte etwas angespannt - wie er ist immer in der Gegenwart der Kinder Kains war.
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Das vorsichtige Klopfen an der Tür war so diszipliniert, wie ich es von ihm erwartet hatte. Keine Hast, keine Ungeduld. Es war die Ankündigung des Auditors. Ombras gedämpftes, angespanntes Knurren von der anderen Seite des Holzes war mir dabei eine Bestätigung für die tief sitzende, instinktive Abneigung der Natur gegen die Kinder Kains.

Ich legte die dunkelrote Phiole des fertigen Produkts ,der Roten Seide, auf den Fass-Tisch...neben das leere saubere Glas und schob den kleinen Beutel mit dem Zimt zur Seite. Der Raum war noch warm von meinen letzten Arbeitsstunden und von dem reichen, süßlichen Duft der Veredelung erfüllt, der den Geruch der rohen Gifte vollständig überlagerte.

Ida öffnete die Tür einen Spalt und sah Lucian im schwachen Licht des Korridors. Seine Augen waren wach und klar, der Ausdruck leicht gespannt – die perfekte Verfassung für eine Abnahme. Neben ihm stand der große, dunkle Hund. Sie öffnete die Tür vollständig und trat zurück, um ihm Platz zu machen.

„Lucian. Die Veredelung ist abgeschlossen....

Ich schloss die Tür sofort hinter ihm, um die Diskretion zu sichern. Das Licht fiel auf den Fass-Tisch, wo die einzelne Phiole und das leere Glas warteten.

„Derer fünf Nächte der vollen Konzentration. Ich habe die Essenz des Willens in eine verkäufliche Form gebracht. Das bittere Gift ist nun ein Gute-Nacht-Trunk für den Markt. Bitte tretet näher. Die Essenz ist bereit, ihre Wirkung zu demonstrieren. Wir benötigen nun nur noch das Material für den Test.“
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Lucian di Vescovi
Tzimisce
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Lucian di Vescovi »

Lucian trat einen Schritt näher an den Fass-Tisch, betrachtete die tiefrote Flüssigkeit in der Phiole und ließ die Stille des Raumes für einen Moment wirken. Erst dann hob er den Blick zu Ida.

„Ich fürchte, ich habe heute Nacht keinen geeigneten Kandidaten mitgebracht.“
Seine Stimme blieb ruhig, sachlich – aber ein Hauch von Unmut schwang mit, mehr über sich selbst als über die Situation.

„Mit etwas mehr Vorbereitung hätte ich jemanden… passenderen ausgewählt.
Ein Betrunkener, ein Hafenräuber, jemand, der niemandem fehlen wird.“

Ombra legte den Kopf schief und knurrte leise, als wüsste der Hund, was bevorstand.

Lucian fuhr fort:
„Zur Not könnte ich in einer Schenke oder einem Hurenhaus jemanden auftreiben. Dort findet man immer eine verlorene Seele, die sich leicht überreden lässt.“
Er machte eine kurze Pause.

„Aber diese Entscheidung… sollte bei euch liegen.“

Er deutete mit einer ruhigen, offenen Geste zur Tür, als biete er ihr die Bühne.

„Wähle das Material selbst, werte Ida.
Ihr kennt die Anforderungen der Essenz besser als jeder andere.
Sagt mir, welcher Typ Mensch für eure Demonstration am geeignetsten ist – und wir holen ihn.“

Lucians Tonfall machte klar:
Er akzeptierte sowohl eine gemeinsame Jagd als auch Idas Auswahl.
Er übergab ihr die Initiative – und blieb zugleich der aufmerksame Auditor.
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida registrierte Lucians leichten Unmut, der nicht an mich, sondern an die Unvollkommenheit der Vorbereitung gerichtet war. Ich sah das als einen Moment, um mein fachliches Wissen zu untermauern und zugleich den tieferen Wert unserer Arbeit zu enthüllen.

„Eure Logik...Lucian...ist unbestreitbar. Aber die Wahl des Materials entscheidet über den Wert unserer Demonstration. Wir suchen nicht nur eine verlorene Seele; wir brauchen eine leere Leinwand, auf die der Wille geschrieben werden kann.“

​Sie hielt inne.

„Ein gewöhnlicher Trunkenbold ist durch den Alkohol bereits vorvergiftet. Das reine Gift wird mit dem anderen Gift reagieret das Ergebnis ist unsauber. Lucian, Ihr habt Kapital in die Perfektion dieser Essenz investiert; wir testen sie nicht an den bereits zerfallenen Seelen. Wir wollen die Beherrschung des ursprünglichen Willens beweisen.“

​Ich sah ihn eindringlich an, um den geschäftlichen Nutzen mit dem geistigen Zweck zu verbinden.

„Wir wählen den unverdorbenen Geist. Den Mann, dessen Leben aus Monotonie besteht, der geistig rein und gesund ist. Ein junger, gesunder Träger, dessen Seele noch nicht dem Schmutz der Gassen verfallen ist. Nur wenn wir einen solchen Geist formen können, beweisen wir, dass das Produkt jede Seele beherrschen kann, was Euren Marktwert ins Unermessliche steigert.“

​Ich trat vom Fass-Tisch weg, der Duft der Roten Seide folgte mir.

„Ich bin bereit. Wir gehen jetzt. Ihr überwacht die Diskretion; ich wähle das Material.“
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Ida
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Re: [1119] Rote Seide [Ida und Lucian im Hafengebiet]

Beitrag von Ida »

Ida nickte Lucian knapp zu. Die Zeit für die strategische Debatte war vorbei; nun begann die Demonstration.

„Wir bringen ihn nicht in das Quartier, Lucian. Wenn die Essenz schnell wirkt, benötigen wir nur die Anonymität einer dunklen Ecke.“

​Sie öffnete die Tür des Quartiers, und das Paar, gefolgt von Ombra, tauchte in die tiefen Schatten der Genueser Nacht ein. Ida führte Lucian zielsicher in die dunklen, feuchten Gassen abseits der Hauptwege, wo die entbehrlichen Seelen ihr Ende der Schicht feierten.

​Sie positionierten sich im tiefen Schatten eines großen Lagerhauses, wo Lucian sofort als Anker der Diskretion in der Dunkelheit verschwand. Ida entdeckte schnell den jungen Träger. Er verließ die Schenke, seine Muskeln schmerzten vor Müdigkeit, sein Blick war leer. Die ideale Leinwand. Die Anziehung und die Stille der Korruption Ida trat aus dem Schatten. Ihre Präsenz wirkte wie ein leiser, unwiderstehlicher Ruf der Erlösung. Die unwiderstehliche Anziehung ließ den Träger mitten in seinem Gang innehalten und langsam, wie im Traum, auf die Quelle dieser plötzlichen Ruhe zugehen.

​Ida wartete, bis der Träger fast bei ihr war, bevor sie sich umdrehte und ihn tiefer in die absolute Dunkelheit einer schmalen Seitengasse führte. Lucian und Ombra folgten, schweigende Jäger. Sobald sie in der Tiefe der Gasse ankamen, wo das Licht der Sterne nicht mehr hinfiel, wandte sich Ida dem jungen Mann zu. „Hier ist Ruhe. Nimm das. Es ist ein warmer Trunk, der die Müdigkeit aus dir zieht.“

​Sie zog eine kleine, unscheinbare Flasche hervor, die Essenz, perfekt in süßem Wein maskiert. Der Träger nahm die Flasche gehorsam entgegen und trank gierig. Die Rote Seide war nun in seinem System. Ida trat von ihm weg und es wurde um sie herum still, jegliches Umgebungsgeräusch, das ferne Kreischen der Möwen, das Knistern von Feuer, verstummte in ihrer unmittelbaren Nähe. Die Gasse wurde zu einem akustisch und optisch isolierten Labor...

​Sie stellte sich neben Lucian. Das Gift begann zu wirken. „Jetzt beobachten wir, Lucian. Er ist von der Welt abgeschirmt. Der Beweis beginnt.“
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