Die Natur bereitete sich auf den Winter vor. Zugvögel flogen über Genua hinweg und die Nächte waren deutlich kühler geworden. Wer kann, der zog sich in die warmen Tavernen und an große Feuer zurück. Die Ernte war großteils eingebracht und auch die Menschen sahen der kalten Jahreszeit mit Gleichmut entgegen. Nun würde sich nicht mehr allzu viel verändern, so die Hoffnung. Eine signifikante Änderung gab es aber doch - zumindest was ein Drittel der lokalen Setitenpopulation betraf: Am verabredeten Ort in der Brunnenfassung fand sich eine kleine, geschnitzte Kirsche aus dunklem Holz. Der Künstler war begabt und die Nachricht eindeutig.
Drei Nächte später schien die Gasse, in der ein lange zuvor besprochener Handel stattfinden sollte, völlig leergefegt - zumindest für den untrainierten Beobachter. Selbst scharfe Augen konnten dort nichts sehen, oder wollten es nicht, je nach Betrachtungsweise. Was natürlich nicht bedeutete, dass die Gasse zwangsweise leer war.
[1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit
[1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
Fair is foul and foul is fair
- Macbeth, William Shakespeare
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Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
Der Winter war nicht mit Schnee nach Genua gekommen, sondern mit einem eisigen, nassen Atem, der vom Ligurischen Meer heraufzog. Die Gassen waren von einem feinen Film aus Salznebel überzogen, der den Stein der Palazzi rutschig und schwarz glänzen ließ. Es war eine Zeit, in der die Lebenden ihren eigenen Atem wie kleine, flüchtige Geister vor sich herstießen.. ein verräterisches Zeichen der Wärme, das Ida und ihresgleichen längst verloren hatten.
In dieser Nacht schien die Stadt zu schrumpfen. Das Klopfen der Wellen gegen die Hafenmauern klang hohl und metallisch, und der Wind pfiff durch die Takelagen der im Hafen ruhenden Galeeren wie ein fernes Wehklagen. Ida spürte die Kälte als eine vertraute Präsenz; sie machte die Welt ehrlich, entkleidete sie ihrer sommerlichen Maskerade und ließ nur das nackte Gerippe aus Stein und Überlebenswillen zurück. In der Stille der Gasse, weit weg von den prasselnden Kaminen der Sterblichen, wirkte die Zeit beinahe aufgehoben.
Ida atmete die kalte, salzige Luft ein, auch wenn ihre Lungen sie nicht mehr brauchten. Die Kühle half ihr, die Sinne zu schärfen. Sie genoss die Abwesenheit des menschlichen Lärms, der im Sommer so oft die Gedanken überlagerte. Hier, zwischen den klammen Mauern, gab es keine Ablenkung. "Hören Sie das, Epifania? Das Meer singt heute Nacht vonVerlassenschaften. Es ist die perfekte Stunde für das, was verborgen bleiben muss. Im Sommer ist die Welt geschwätzig, doch der Winter... der Winter bewahrt Geheimnisse wie gefrorenes Glas."
Sie strich sich über den Ärmel ihres schweren Gewandes, das die Feuchtigkeit des Nebels bereits aufgesogen hatte, und blickte in die tiefste Finsternis der Gasse. "Die Kälte macht uns langsam, aber sie macht uns auch beständig. Ich habe die Geduld des Nils mitgebracht, doch ich gebe zu, dass mich die Neugier auf das Ergebnis Ihrer Mühen wärmt, mehr als jedes Feuer es könnte. Haben die Pflanzen dem Frost getrotzt, bevor Sie sie zu sich nahmen?"
Ida wartete, während das ferne Läuten einer Kirchenglocke die vierte Stunde der Nacht verkündete...ein einsamer Klang, der im dichten Nebel der Gassen seltsam verzerrt wurde.
In dieser Nacht schien die Stadt zu schrumpfen. Das Klopfen der Wellen gegen die Hafenmauern klang hohl und metallisch, und der Wind pfiff durch die Takelagen der im Hafen ruhenden Galeeren wie ein fernes Wehklagen. Ida spürte die Kälte als eine vertraute Präsenz; sie machte die Welt ehrlich, entkleidete sie ihrer sommerlichen Maskerade und ließ nur das nackte Gerippe aus Stein und Überlebenswillen zurück. In der Stille der Gasse, weit weg von den prasselnden Kaminen der Sterblichen, wirkte die Zeit beinahe aufgehoben.
Ida atmete die kalte, salzige Luft ein, auch wenn ihre Lungen sie nicht mehr brauchten. Die Kühle half ihr, die Sinne zu schärfen. Sie genoss die Abwesenheit des menschlichen Lärms, der im Sommer so oft die Gedanken überlagerte. Hier, zwischen den klammen Mauern, gab es keine Ablenkung. "Hören Sie das, Epifania? Das Meer singt heute Nacht vonVerlassenschaften. Es ist die perfekte Stunde für das, was verborgen bleiben muss. Im Sommer ist die Welt geschwätzig, doch der Winter... der Winter bewahrt Geheimnisse wie gefrorenes Glas."
Sie strich sich über den Ärmel ihres schweren Gewandes, das die Feuchtigkeit des Nebels bereits aufgesogen hatte, und blickte in die tiefste Finsternis der Gasse. "Die Kälte macht uns langsam, aber sie macht uns auch beständig. Ich habe die Geduld des Nils mitgebracht, doch ich gebe zu, dass mich die Neugier auf das Ergebnis Ihrer Mühen wärmt, mehr als jedes Feuer es könnte. Haben die Pflanzen dem Frost getrotzt, bevor Sie sie zu sich nahmen?"
Ida wartete, während das ferne Läuten einer Kirchenglocke die vierte Stunde der Nacht verkündete...ein einsamer Klang, der im dichten Nebel der Gassen seltsam verzerrt wurde.
Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
"Es war nicht einfach", sagte eine kratzige Stimme direkt hinter der Blonden. Als sie sich umdrehte, sah sie die erwartete Nosferatu auf einem kleinen Mauervorsprung sitzen. Ein Bein hatte sie angezogen, das andere hing locker zur Erde hinab. Das hässliche Gesicht war nicht wirklich zu sehen, da die Kapuze tief ins Gesicht gezogen war und die Schatten der Nacht gnädig die Entstellungen des Fluches verbargen. Auf dem Schoß der Alten konnte Ida einen Krug und ein Holzfässchen sehen, welches diese in ihren dick umwickelten Klauen hielt. "Nicht einfach, nein."
"Aber die alte Epifania hat ihre Tricks, weiß viel, hn-hn-hn..." Sie röchelte fröhlich. "Und so konnte ich ernten, was ihr gewünscht habt, werte Ida." Die Alte legte eine Klaue auf das Kästchen. "Eure Mohnkapseln. Recht frisch noch und sie halten sich eine Weile, gerade wenn richtig gelagert." Dann streichelte sie den Krug. "Die Kirschen... Beeren haben ein wenig länger gedauert. Trotz aller meiner Gaben war es schwieriger als gedacht. Aber wie bestellt, so geliefert."
"Aber die alte Epifania hat ihre Tricks, weiß viel, hn-hn-hn..." Sie röchelte fröhlich. "Und so konnte ich ernten, was ihr gewünscht habt, werte Ida." Die Alte legte eine Klaue auf das Kästchen. "Eure Mohnkapseln. Recht frisch noch und sie halten sich eine Weile, gerade wenn richtig gelagert." Dann streichelte sie den Krug. "Die Kirschen... Beeren haben ein wenig länger gedauert. Trotz aller meiner Gaben war es schwieriger als gedacht. Aber wie bestellt, so geliefert."
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Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
Ida zuckte nicht zusammen, als die Stimme hinter ihr erklang. Sie war auf die Nosferatu vorbereitet gewesen, doch das leise Amüsement in Epifanias Röcheln ließ ein kühles Lächeln über ihre Lippen gleiten. Sie drehte sich langsam um und blickte zu dem Mauervorsprung hinauf. In diesem Moment wirkte die Alte wie ein Teil der Architektur selbst, ein Wasserspeier, der zum Leben erwacht war.
"Dass es nicht einfach war, glaube ich Ihnen gern, Epifania. Wer würde behaupten, die Geheimnisse der Erde ließen sich ohne Mühe pflücken? Doch gerade weil es schwer war, schätze ich das Ergebnis umso mehr." Ida trat einen Schritt näher an die Mauer heran, den Blick respektvoll nach oben gerichtet, ohne jedoch ihre eigene Würde einzubüßen. Sie beobachtete, wie die Nosferatu fast zärtlich über das Fässchen und den Krug strich.
"Mohnkapseln, die noch nach dem sommerlichen Schlummer duften, und Beeren, die den Winter in sich tragen... Sie haben mehr als nur Pflanzen geliefert. Sie haben mir die Werkzeuge für meine Kunst gebracht. Dass Sie sogar die richtige Lagerung bedacht haben, zeigt mir, dass Sie den Geist meiner Arbeit besser verstehen, als Sie zugeben wollen." Ida hob leicht die Arme, bereit, die Gefäße entgegenzunehmen, falls Epifania sie herabreichen wollte.
"Nennen Sie mir nun den Preis für Ihre Mühen, werte Epifania. Oder besser gesagt: Nennen Sie mir den Gefallen, den ich für Sie im Gedächtnis behalten soll. Ein Handel zwischen uns endet nicht mit der Übergabe der Ware, er beginnt erst mit dem gegenseitigen Vertrauen."
"Dass es nicht einfach war, glaube ich Ihnen gern, Epifania. Wer würde behaupten, die Geheimnisse der Erde ließen sich ohne Mühe pflücken? Doch gerade weil es schwer war, schätze ich das Ergebnis umso mehr." Ida trat einen Schritt näher an die Mauer heran, den Blick respektvoll nach oben gerichtet, ohne jedoch ihre eigene Würde einzubüßen. Sie beobachtete, wie die Nosferatu fast zärtlich über das Fässchen und den Krug strich.
"Mohnkapseln, die noch nach dem sommerlichen Schlummer duften, und Beeren, die den Winter in sich tragen... Sie haben mehr als nur Pflanzen geliefert. Sie haben mir die Werkzeuge für meine Kunst gebracht. Dass Sie sogar die richtige Lagerung bedacht haben, zeigt mir, dass Sie den Geist meiner Arbeit besser verstehen, als Sie zugeben wollen." Ida hob leicht die Arme, bereit, die Gefäße entgegenzunehmen, falls Epifania sie herabreichen wollte.
"Nennen Sie mir nun den Preis für Ihre Mühen, werte Epifania. Oder besser gesagt: Nennen Sie mir den Gefallen, den ich für Sie im Gedächtnis behalten soll. Ein Handel zwischen uns endet nicht mit der Übergabe der Ware, er beginnt erst mit dem gegenseitigen Vertrauen."
Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
"Dann hoffe ich, dass sie euch von Nutzen sind", sagte die Nosferatu leise. Sie hielt Ida Krug und Kästchen hin. "Solltet ihr wahrlich die Heilung zerrütteter Geister zustande bringen, so wäre ich an dem Verfahren interessiert." Allerdings klang da eine gewisse Skepsis mit. Ihre Augen blieben auf den Behältnissen hängen, selbst als diese schon in Idas Hände übergegangen waren und auf ihre Stirn war eine nachdenkliche Falte getreten. Sie schien noch etwas sagen zu wollen, aber dann schüttelte sie den Kopf und blickte die Setitin direkt an.
"Wie dem auch sei: Ihr habt mir einen kleinen Gefallen zugesagt. Die Natur dieses Gefallens, mhh, ich werde sie euch mitteilen, wenn ich sie weiß. Oder vielleicht ein anderes Mitglied meines Clans. Ich beabsichtige, den Gefallen mit meinen Brüdern und Schwestern im Blute zu teilen, das solltet ihr wissen. Wann immer ein Nosferatu ihn von euch verlangt, solltet ihr ihn erfüllen - dann ist eure Schuld bei mir, bei uns beglichen."
"Wie dem auch sei: Ihr habt mir einen kleinen Gefallen zugesagt. Die Natur dieses Gefallens, mhh, ich werde sie euch mitteilen, wenn ich sie weiß. Oder vielleicht ein anderes Mitglied meines Clans. Ich beabsichtige, den Gefallen mit meinen Brüdern und Schwestern im Blute zu teilen, das solltet ihr wissen. Wann immer ein Nosferatu ihn von euch verlangt, solltet ihr ihn erfüllen - dann ist eure Schuld bei mir, bei uns beglichen."
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Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
Ida bemerkte, wie Epifania die Behältnisse noch immer mit einer Mischung aus Skepsis und Faszination betrachtete. Die Tochter des Set verstellte ihre Stimme nicht, aber sie legte einen Tonfall hinein, der weniger nach einer Herrscherin und mehr nach einer gelehrten Verbündeten klang. Sie sprach das aus, was Epifania ohnehin vermutete, aber sie gab dem Ganzen einen Zweck, der über das Trinken von Blut hinausging.
"Es ist ein schwieriges Unterfangen, Epifania. Den Geist eines Menschen zu erreichen, wenn er vor Schmerz oder Angst nur noch schreien will, ist fast unmöglich. Aber dieser Saft... wenn man ihn richtig reinigt und sehr behutsam dosiert, baut er eine Brücke."
Ida neigte den Kopf leicht zur Seite, als würde sie laut nachdenken, während sie das Kästchen mit den Kapseln fester hielt "Meine Hebammen berichten mir oft, dass die Frauen nicht nur körperlich leiden. Ihre Geister sind zerrüttet von der Not. Wenn der milde Saft wirkt, tritt eine Ruhe ein, die es ihnen erlaubt, wieder klar zu denken, oder zumindest friedlich zu schlafen. Ich versuche lediglich zu verstehen, wie weit diese Linderung gehen kann. Ob man einen Geist, der kurz vor dem Zerbrechen steht, durch solche Gaben der Natur wieder festigen kann."
Sie blickte kurz in die dunkle Gasse, als würde sie die Schatten nach den Leidenden absuchen, von denen sie sprach. "Sie haben mir heute nicht nur Pflanzen gebracht. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, meine Studien fortzuführen, wie man den Wahnsinn der Welt ein klein wenig zurückdrängt. Es ist ein stilles Experiment im Dienst derer, die sonst niemanden haben. Ich schätze es, dass Sie nun ein Teil dieses Geheimnisses sind. Es braucht jemanden mit Ihrem Blick für das Verborgene, um den Wert solcher Bemühungen zu erkennen."
Ida hielt inne und gab Epifania Raum, die Worte sacken zu lassen. Kein Drängen, keine große Philosophie...nur das Bild einer Alchemistin, die versucht, Ordnung in das Chaos des menschlichen Leids zu bringen "Ich werde Sie wissen lassen, wie die Frauen auf die neue Ernte reagieren. Es würde mich interessieren, ob Sie in den Gassen, durch die Sie wandeln, eine Veränderung bemerken, wenn die Linderung erst einmal ihre Wirkung entfaltet."
"Es ist ein schwieriges Unterfangen, Epifania. Den Geist eines Menschen zu erreichen, wenn er vor Schmerz oder Angst nur noch schreien will, ist fast unmöglich. Aber dieser Saft... wenn man ihn richtig reinigt und sehr behutsam dosiert, baut er eine Brücke."
Ida neigte den Kopf leicht zur Seite, als würde sie laut nachdenken, während sie das Kästchen mit den Kapseln fester hielt "Meine Hebammen berichten mir oft, dass die Frauen nicht nur körperlich leiden. Ihre Geister sind zerrüttet von der Not. Wenn der milde Saft wirkt, tritt eine Ruhe ein, die es ihnen erlaubt, wieder klar zu denken, oder zumindest friedlich zu schlafen. Ich versuche lediglich zu verstehen, wie weit diese Linderung gehen kann. Ob man einen Geist, der kurz vor dem Zerbrechen steht, durch solche Gaben der Natur wieder festigen kann."
Sie blickte kurz in die dunkle Gasse, als würde sie die Schatten nach den Leidenden absuchen, von denen sie sprach. "Sie haben mir heute nicht nur Pflanzen gebracht. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, meine Studien fortzuführen, wie man den Wahnsinn der Welt ein klein wenig zurückdrängt. Es ist ein stilles Experiment im Dienst derer, die sonst niemanden haben. Ich schätze es, dass Sie nun ein Teil dieses Geheimnisses sind. Es braucht jemanden mit Ihrem Blick für das Verborgene, um den Wert solcher Bemühungen zu erkennen."
Ida hielt inne und gab Epifania Raum, die Worte sacken zu lassen. Kein Drängen, keine große Philosophie...nur das Bild einer Alchemistin, die versucht, Ordnung in das Chaos des menschlichen Leids zu bringen "Ich werde Sie wissen lassen, wie die Frauen auf die neue Ernte reagieren. Es würde mich interessieren, ob Sie in den Gassen, durch die Sie wandeln, eine Veränderung bemerken, wenn die Linderung erst einmal ihre Wirkung entfaltet."
Re: [1120] Beeren und Kapseln [Ida, Epifania]
"Ich werde die Augen offenhalten", erwiderte die monströse Alte. Offenbar hatte etwas in Idas Worten sie nachdenklich gemacht, denn sie studierte die Setitin eingehend. "Solltet ihr die Dienste, mh, der Nosferatu ein weiteres Mal benötigen, so hinterlasst mir gerne eine Nachricht im Elysium. Oder habt ihr sonst noch etwas, das ihr in dieser Nacht mit mir teilen mögt, werte Ida?" Offenbar hatte Epifania es nicht eilig, ihren Mauervorsprung zu verlassen. Sie saß dort wie ein dürrer, hässlicher Vogel auf seinem Nest und wirkte recht gelassen.
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