L'eterno effimero [Remin]

Geschichten über Monster

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Remin
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Registriert: Di 21. Jan 2025, 17:14

L'eterno effimero [Remin]

Beitrag von Remin »

Es war eine dieser Nächte.
So eine, bei der man nicht genau wusste, wo sie anfing und wann sie aufhörte. Oder wie sie so ging. Die sich endlos zog in vielen kleinen Momenten, von denen jeder geistergleich verschwand. Wo jeder Kuss eine Ewigkeit währte und jeder streit vergessen und vergeben war, noch bevor das letzte Wort gesprochen.
Einfach eine dieser Nächte.

Ein junger Mann schwankte aus einer der Pinten der Stadt. Er tat ein paar Schritte in die kühle Nachtluft hinaus, schüttelte das blonde Haupt, stolperte in eine der Gassen nebenan.

Zwei Männer folgten ihm.

Blieb er stehen, stützte er sich gegen diese Wand oder hielt an jener Ecke, drückten sie sich in die Schatten. Verschwand er in einer neuen Gasse, hasteten sie ihm nach.
Er kam an neben einem Eingang zum stehen, stützte eine Hand an der geweißten Wand. Ein Würgen, laut genug in aller der Stille. Dann schwankte er zur Seite, breitbeinig lehnte er mit der heißen Stirn am kühlen Haus. Würgte wieder. Wieder kroch nichts aus seiner Kehle.

Dann Hände, viele Hände. Mehr als er zählen konnte. Mehr als zwei. Sie pressten seinen Leib gegen die Wand, zerrten an seiner Kleidung.

"Hättest nich so prahlen soll'n", zischte seine Stimme neben seinem Ohr. Ein Grobian.
Der Jüngling blinzelte in die Dunkelheit, schloß die Augen. Der Schädel summte ihm schon lange.
"Diebstahl is ne Hand", sagte er und nuschelte seine Endungen, wie es die Sizilianer so tun. Die Mauer war kühl an seiner Wange, so kühl wie sein eigenes Fleisch und doch angenehm nach dem endlosen Schwüle in der Kaschemme.
"Maul halten, Inselaffe", grunzte der Grobian an seinem Ohr. Sein Maul stank nach Fleisch und faulem Obst. Schnapps? Für Limoncello war der Geruch nicht scharf genug, für Sambuca zu süß. Hatte was von Grappa, vielleicht irgendein Verschnitt?
Die Hand des anderen Diebes an seiner Hüfte, zerrte den Jüngling fort von diesen Gedanken, zurück in die Gegenwart. Irgendetwas spitzes drückte ihm in den Rücken.
Es waren einer. Der hielt ihn gegen die Wand gepresst und ein Messer gegen die Rippen. Irgendwo zwischen der acht und der zehn. Viel zu tief. Dann war da noch einer, der begrapschte ihm den Gürtel. Die Hose. Nahm Geldbörse an sich, Schmuck. Was er so am Leibe trug.
"Wie spät isses?", fragte der Jüngling.
"Häh? Spät. Nach Mitternacht. Halt's Maul, dann kommste schon nach Hause."
"Nein. Nein, welches Jahr ist's?"
Gelächter. Ein Stoß zwischen seine Schulterblätter, ein Ellbogen in seinem Fleisch. "Hast dich um den Verstand gesoffen, häh?"
Der Jüngling schüttelte den Kopf, so gut es geben ging. Seine Stimme wurde zarter, fast als würde er bald weinen.
"Oh Gott, welches Jahr ist's?!", fragte er wieder und erhielt nur einen neuerlichen Stoß, diesmal so, dass auch sein Kopf gegen die Wand prallte.
"Maul!", zischte die Stimme an seinem Ohr wieder, griff ihm hart ins Gemächt. "Sonst schneid ich dir die Klöten ab!"

Ein Herzschlag verging. Er hämmerte dem Jüngling gegen den Rücken. In seiner Brust hämmerten nur Kälte und Selbstmitleid. Er machte einen Stoß, wirbelte herum. Das Messer stieß nutzlos gegen die Häuserwand, der Grobian fiel, seine Hand noch am Messer, sein Arm versprühte roten Nebel.
"Diebstahl kostet 'ne Hand", nuschelte der Jüngling und setzte über den blutenden Mann am Boden hinweg, dem Dieb mit seinem Geldbeutel hinterher. Er fand ihn drei Schritte später, trat ihm die Knie weg.
" 's ist zu spät", murmelte er und klang fast traurig, als er seine Habe an sich nahm. "Viel zu spät."

Dann schwankte er weiter. Nach Hause. Sonst wohin.
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