Er war ein ansehnlicher Mann mit verwegenem Äußeren gewesen. Dunkles Haar, sonnengebräunte Haut und in jenem Moment auch etwas geröteten Wangen wie vom Wein. Er hatte lebendig ausgesehen und war wohl dabei gewesen, mit einer jener Huren des Hauses zu schäkern. Als Sara und ein Seemann jedoch das Kapitänszimmer betreten hatten, hatte er die Frau mit einer lässigen Geste hinausgeschickt und sich erhoben. Er war mit einem Säbel bewaffnet gewesen, muskulös und hatte sich mit der selbstbewussten Grazie eines Kämpfers bewegt.
Er lud Sara mit weiter, wenn auch etwas spöttischer Geste in das Kapitänszimmer ein, doch er fing erst an zu sprechen, als die Menschen den Raum verlassen und die Tür geschlossen hatten. Sara hatte ihren Überwurf sittsam und ohne hastige Bewegungen auf ihren Schultern drapiert, derweil Ihr Gegenüber offenbar nicht viel auf die Förmlichkeiten und wohl auch nicht allzu viel auf Höflichkeit gab, denn während sein Blick einmal über Saras Gestalt ging, verfinsterte sich seine eigentlich so ansehnliche Miene deutlich. Irgendetwas an ihr schien ihm zutiefst zu missfallen und sie konnte förmlich spüren, wie sich dieses Missfallen, dieser Hass, in ihm zu regen begann.
„Hätte ich gewusst, was Ihr für eine seid, hätte ich mir diesen Abend gespart“, meinte er auch und verzog das Gesicht. Zugleich klang diese Stimme so angenehm, dass die Abneigung darin wirkte wie Gift. Doch er machte keinen Hehl daraus: „Aber gut, niemand kann etwas für schmutzige Geburt.“ Das Lächeln, dass er ihr dazu gönnte, wirkte herablassend und sollte wohl verächtlich wirken, doch der Hass dahinter schien zu deutlich durch. „Ihr seid nun eben hier und ich bin hier. Was wollt Ihr? Oder ist es in Wahrheit Euer feiger Clansbruder, der etwas will? Wenn das so ist, dann sagt ihm, er soll gefälligst selbst den Mut aufbringen anstatt mit irgendwelchen Lügen andere vorzuschicken.“
„Nein, er hat mich nicht geschickt.“, erwiderte Sara entspannt und mit innerer Ruhe, trotz der Worte und dem Hass, der ihr entgegenschlug. „Mehr noch habe ich mit ihm kein Wort gewechselt. Doch ich sollte mich wohl vorstellen. Mein Name ist Sara, Neugeborene der Banu Haqim.“, fuhr die Banu Haqim unbeirrt weiter fort, bevor sie mit einem leicht bissigen Humor in ihrer stets angenehmen Stimmfarbe erwiderte: „Und ich bedauere, dass ich eure mögliche Vorstellung von mir wohl nicht erfüllen konnte.“
Mit einer unaufgeregten Bewegung neigte sie ihr Haupt zur Seite, als sie sich rhetorisch erkundigte: „Was genau hattet ihr denn erwartet, als ihr mich zu einem Gespräch eingeladen hattet? Eine barbusige, milchfarbene, blonde Nord mit blauen Augen, vollen Brüsten und breiten Hüften, die sich bereitwillig lasziv auf eurem Schoß räkeln will, während sie euch süße Nichtigkeiten ins Ohr säuselt und nur allzu sehnsüchtig schmachtend darauf wartet von euren starken Armen gepackt und letztlich gebissen zu werden? Oder eine mit bis unter die Zähne bewaffnete und in Kette gepackte Meuchelmörderin, die nichts lieber täte, als euch ein giftgetränktes Messer durch euer kaltes, freudloses Herz zu schieben?“
Nüchtern, aber mit einem unterschwelligen, trockenen Humor fuhr sie weiter fort: „Wenn ich gewusst hätte, dass ihr mich nur eingeladen habt, um zu schauen, wie viele Beleidigungen es wohl von euch braucht, bis ich meine Fassung verliere und ihr dann einen offiziellen Grund habt, mich aus Gründen der Sicherung der Stille zu erschlagen, nun dann hätte ich mir diesen Abend wohl ebenso gespart.“
Weitaus weniger sarkastisch, sondern durchaus aufgeschlossener und freundlicher, fast schon versöhnlicher wirkend erkundigte sie sich: „Wie wollen wir also mit unseren beiden Enttäuschungen an den bisherigen Verlauf des Abends weiter umgehen? Soll ich gehen?“ Mit einer ruhigen Bewegung deutete sie mit ihrer Hand in Richtung der Tür, bevor sie sich ihrem Gegenüber zuwandte und sich erkundigte: „Oder wollt ihr mit mir sprechen?“ Sara deutete mit der rechten einladend in Richtung der Sitzgelegenheiten. Mit offenen Händen und ihm zugewandten Handflächen erkundigte sie sich abschließend: „Oder wollt ihr mich nur einfach weiter beleidigen?“
Die Hände der Banu Haqim verblieben offen, ihrem Gegenüber die Wahl lassend, derweil der zurückgeschlagene Umhang den Blick auf ihre Kleidung freigab. Ebenso temperamentvoll, wie auch bestimmt erinnerte sie: „Ich bin hierhergekommen. Allein und unbewaffnet. In das von euch gewählte Haus, um mit euch zu sprechen. Entweder ihr wisst das zu respektieren und zu würdigen, oder eben nicht. Aber ich werde mir ganz sicher nicht, als euer Gast, eure herablassenden Worte bieten lassen, nur weil ihr glaubt irgendwem irgendwas damit beweisen zu müssen, sondern in jenem Fall vorziehen gehen zu dürfen. Was ist euch also lieber?“ Sara wirkte in sich ruhend und gefasst, während sie die Entscheidung abwartete.
Ihr Gegenüber lächelte dünn, als Sara womöglich sogar seine Art von Humor getroffen hatte. Doch die kalte Arroganz seiner Verachtung konnte das nicht gänzlich auftauen. „Ich verbringe meine Nächte damit, den Abschaum der Araber, der Mauren, der Sarazenen und all das muselmanische Ungeziefer in die Tiefen des Meeres zu schicken.“, sagte er schließlich, bevor er ergänzte: „Und nun steht eine solche vor mir.“
[Fluff] Erinnerungen an vergangene Nächte [Sara]
Geschichten über Monster
Moderator: Ilario
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