[1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit

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Giuliano
Brujah
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[1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]

Beitrag von Giuliano »

Die Nacht liegt schwer über Genua, und doch schläft der Hafen niemals wirklich. Giuliano bewegt sich mit jener selbstverständlichen Sicherheit durch die unteren Gassen, die nur Männer besitzen, die Jahre zwischen Tauwerk, Salzwasser und Gewalt verbracht haben. Der Rosige Teint auf seinem Gesicht täuscht selbst aufmerksame Augen; im flackernden Licht der Pechfackeln wirkt er wie ein kräftiger Seemann oder ein Söldner mit guten Tagen hinter sich – keineswegs wie ein Kainskind. Der Weg hinab zum Hafen führt durch enge Passagen, wo feuchte Steinmauern den Geruch von Salz, Fisch und altem Rauch festhalten. Händler haben ihre Stände längst geschlossen, doch zwischen den Lagerhäusern lebt die Nacht weiter: Lastträger schlafen zusammengerollt unter Planen, betrunkene Matrosen streiten in einer Mischung aus ligurischen, anderen norditalienischen und fremden Zungen, und irgendwo schlägt Metall auf Metall.

Giulianos kräftige Gestalt zieht Blicke an – aber keine ungewöhnlichen. Zu viele Männer hier tragen Messer. Zu viele haben Schultern, die von Arbeit oder Krieg geformt wurden. Sein zerzaustes schwarzes Haar und der leicht spöttische Ausdruck in seinen dunklen Augen machen ihn eher zu jemandem, mit dem man trinkt oder den man besser nicht reizt.

Der Hafen selbst öffnet sich schließlich vor ihm. Masten zeichnen sich wie ein schwarzer Wald gegen den Himmel ab. Dutzende Schiffe liegen vertäut – schwere Handelsschiffe, schmale Küstenfahrer und einige fremdartige Silhouetten aus dem Osten. Das Wasser schlägt träge gegen Kaimauern und Rümpfe. Möwen kreischen selbst um diese Stunde. Dies ist nicht Giulianos Gebiet. Gerade deshalb lohnt es sich, hier zu sein.

Der Hafen ... viele Interessen kreuzen sich hier: Kaufleute, Schmuggler, Seeleute, Priester, Bettler – und manchmal Dinge, die sich hinter menschlichen Gesichtern verbergen. Nachrichten kommen über Wasser schneller als über Straßen. Gerüchte ebenso.
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Gaspard de Maurin
Lasombra
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]

Beitrag von Gaspard de Maurin »

In jener Nacht war kein schwarzes Segel der Styx zu sehen. Es hatte sich rar gemacht in den letzten Monaten, lag kaum noch im Hafen am Calata dei Provenzali, an dem es sonst zu finden war. Und dennoch streifte ein glatzköpfiger Lasombra, der den Kindern der Nacht unter dem Namen Gaspard bekannt war, durch die Gassen am Hafen, schlich fast schon zwischen den Lagerhäusern hindurch, nicht ungesehen, aber meist unbeachtet. Anstelle der Mönchskutte trug er eine einfache braune Tunika, einen Ledergürtel mit allerlei Beuteln und Taschen, sowie die Axt eines Holzfällers, die in einer Schlaufe an seiner Hüfte baumelte. Zwischen all den breitschultrigen Arbeitern stach die Gestalt Gaspards ebenso wenig hervor wie die Giulianos, aber seine Präsenz war eine gänzlich andere. Er schien mittlerweile die Stille zu bevorzugen, die Möglichkeit, in einer Masse unter Gleichen unterzugehen und darin nahezu unsichtbar zu werden. Sicher, es war noch nicht perfekt. Aber für jemanden, der Gaspard aufmerksam beobachtete, war das Ziel klar, ebenso wie das Streben Gaspards, dieses zu erreichen.

Etwas schien die Aufmerksamkeit des Lasombra zu erregen. Er legte den Kopf schräg, hatte wohl jemanden entdeckt, den er kannte. Langsam schälte er sich aus den Schatten der Gasse, bewegte sich genau in den Weg, den der ihm entgegenkommende Brujah gewählt hatte. Jetzt wollte er wahrgenommen werden. Und die einfachste Möglichkeit, dies zu erreichen, war, sein Gegenüber mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit zu bedenken, die ihm zur Verfügung stand. Er wartete. Er wartete und ließ die Augen nicht von Giuliano, der sich langsam in seine Richtung bewegte.
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Giuliano
Brujah
Beiträge: 394
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]

Beitrag von Giuliano »

Giuliano bemerkte ihn lange bevor sie einander nahe genug waren, um Worte zu wechseln.

Es war nicht die Gestalt selbst, die seinen Blick fing – Männer wie Gaspard bewegten sich hier dutzendfach durch die Nacht. Arbeiter, Hafenknechte, schweigsame Gestalten mit Werkzeug und Müdigkeit an der Hüfte. Nein. Es war die Art, wie der Lasombra wartete.

Giulianos Schritt verlangsamte sich kaum merklich. Ein kurzer Zug huschte über Giulianos Gesicht. Nicht Freude. Aber auch kein Ärger. Eher jenes vorsichtige Anerkennen, das man einem Mann entgegenbrachte, dessen Gesellschaft selten einfach war. Seine dunklen Augen ruhten einen Moment auf Gaspard, erwiderten dessen stumme Aufmerksamkeit ohne Hast. Das Stimmengewirr des Hafens floss zwischen ihnen hindurch – Matrosenrufe, klirrende Ketten, das Schlagen von Wasser gegen Holz.

Dann verzog Giuliano den Mund zu einem kaum wahrnehmbaren, schiefen Ausdruck. Ohne stehenzubleiben hob er leicht das Kinn und deutete mit einer knappen Bewegung zur Seite – auf eine schmale Nebengasse zwischen zwei Lagerhäusern, halb verborgen hinter gestapelten Fässern und alten Taurollen. Ein Ort, an dem man nicht unsichtbar war, aber wenigstens nicht von jedem vorbeiziehenden Ohr belauscht wurde. Die Geste war beiläufig genug, um Fremden bedeutungslos zu erscheinen, für Gaspard jedoch unmissverständlich.

Giuliano bog bereits leicht aus seinem ursprünglichen Weg aus und steuerte auf die Gasse zu, ohne sich noch einmal zu vergewissern, ob der Lasombra folgte. Dieses Maß an Vertrauen – oder vielleicht diese kalkulierte Gleichgültigkeit – gewährte er ihm.
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Gaspard de Maurin
Lasombra
Beiträge: 665
Registriert: Mo 13. Jan 2025, 09:55

Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]

Beitrag von Gaspard de Maurin »

Gaspard erwiderte die Geste, indem er sich in Bewegung setzte. Dabei streifte er beiläufig mit der Hand an einer Hauswand entlang und schaute sich verschwörerisch um, bevor er dem Brujah in die Gasse folgte.

"Werter Giuliano."

Die Begrüßung, die er dem Wartenden entgegenbrachte, war freundlich, aber es schwangen auch ein paar unausgesprochene Fragen mit. Ihr letztes Treffen war ohne Ergebnis zuende gegangen und danach hatten sie sich weder gesehen oder gesprochen, weder am Hafen, noch im Elysium. Erwartungsvoll musterte er Giuliano, der sich im Gegensatz zu Gaspard wenig verändert hatte.

Dann lehnte er sich neben dem Brujah an die Wand, fast beiläufig, wie es Hafenarbeiter nun mal taten, wenn es an der Zeit für eine Pause war, und über die Obrigkeit, die Kirche, sonstige Geldgeber oder andere Tagelöhner hergezogen werden musste.
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