[1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit
[1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Die Nacht liegt schwer über Genua, und doch schläft der Hafen niemals wirklich. Giuliano bewegt sich mit jener selbstverständlichen Sicherheit durch die unteren Gassen, die nur Männer besitzen, die Jahre zwischen Tauwerk, Salzwasser und Gewalt verbracht haben. Der Rosige Teint auf seinem Gesicht täuscht selbst aufmerksame Augen; im flackernden Licht der Pechfackeln wirkt er wie ein kräftiger Seemann oder ein Söldner mit guten Tagen hinter sich – keineswegs wie ein Kainskind. Der Weg hinab zum Hafen führt durch enge Passagen, wo feuchte Steinmauern den Geruch von Salz, Fisch und altem Rauch festhalten. Händler haben ihre Stände längst geschlossen, doch zwischen den Lagerhäusern lebt die Nacht weiter: Lastträger schlafen zusammengerollt unter Planen, betrunkene Matrosen streiten in einer Mischung aus ligurischen, anderen norditalienischen und fremden Zungen, und irgendwo schlägt Metall auf Metall.
Giulianos kräftige Gestalt zieht Blicke an – aber keine ungewöhnlichen. Zu viele Männer hier tragen Messer. Zu viele haben Schultern, die von Arbeit oder Krieg geformt wurden. Sein zerzaustes schwarzes Haar und der leicht spöttische Ausdruck in seinen dunklen Augen machen ihn eher zu jemandem, mit dem man trinkt oder den man besser nicht reizt.
Der Hafen selbst öffnet sich schließlich vor ihm. Masten zeichnen sich wie ein schwarzer Wald gegen den Himmel ab. Dutzende Schiffe liegen vertäut – schwere Handelsschiffe, schmale Küstenfahrer und einige fremdartige Silhouetten aus dem Osten. Das Wasser schlägt träge gegen Kaimauern und Rümpfe. Möwen kreischen selbst um diese Stunde. Dies ist nicht Giulianos Gebiet. Gerade deshalb lohnt es sich, hier zu sein.
Der Hafen ... viele Interessen kreuzen sich hier: Kaufleute, Schmuggler, Seeleute, Priester, Bettler – und manchmal Dinge, die sich hinter menschlichen Gesichtern verbergen. Nachrichten kommen über Wasser schneller als über Straßen. Gerüchte ebenso.
Giulianos kräftige Gestalt zieht Blicke an – aber keine ungewöhnlichen. Zu viele Männer hier tragen Messer. Zu viele haben Schultern, die von Arbeit oder Krieg geformt wurden. Sein zerzaustes schwarzes Haar und der leicht spöttische Ausdruck in seinen dunklen Augen machen ihn eher zu jemandem, mit dem man trinkt oder den man besser nicht reizt.
Der Hafen selbst öffnet sich schließlich vor ihm. Masten zeichnen sich wie ein schwarzer Wald gegen den Himmel ab. Dutzende Schiffe liegen vertäut – schwere Handelsschiffe, schmale Küstenfahrer und einige fremdartige Silhouetten aus dem Osten. Das Wasser schlägt träge gegen Kaimauern und Rümpfe. Möwen kreischen selbst um diese Stunde. Dies ist nicht Giulianos Gebiet. Gerade deshalb lohnt es sich, hier zu sein.
Der Hafen ... viele Interessen kreuzen sich hier: Kaufleute, Schmuggler, Seeleute, Priester, Bettler – und manchmal Dinge, die sich hinter menschlichen Gesichtern verbergen. Nachrichten kommen über Wasser schneller als über Straßen. Gerüchte ebenso.
- Gaspard de Maurin
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
In jener Nacht war kein schwarzes Segel der Styx zu sehen. Es hatte sich rar gemacht in den letzten Monaten, lag kaum noch im Hafen am Calata dei Provenzali, an dem es sonst zu finden war. Und dennoch streifte ein glatzköpfiger Lasombra, der den Kindern der Nacht unter dem Namen Gaspard bekannt war, durch die Gassen am Hafen, schlich fast schon zwischen den Lagerhäusern hindurch, nicht ungesehen, aber meist unbeachtet. Anstelle der Mönchskutte trug er eine einfache braune Tunika, einen Ledergürtel mit allerlei Beuteln und Taschen, sowie die Axt eines Holzfällers, die in einer Schlaufe an seiner Hüfte baumelte. Zwischen all den breitschultrigen Arbeitern stach die Gestalt Gaspards ebenso wenig hervor wie die Giulianos, aber seine Präsenz war eine gänzlich andere. Er schien mittlerweile die Stille zu bevorzugen, die Möglichkeit, in einer Masse unter Gleichen unterzugehen und darin nahezu unsichtbar zu werden. Sicher, es war noch nicht perfekt. Aber für jemanden, der Gaspard aufmerksam beobachtete, war das Ziel klar, ebenso wie das Streben Gaspards, dieses zu erreichen.
Etwas schien die Aufmerksamkeit des Lasombra zu erregen. Er legte den Kopf schräg, hatte wohl jemanden entdeckt, den er kannte. Langsam schälte er sich aus den Schatten der Gasse, bewegte sich genau in den Weg, den der ihm entgegenkommende Brujah gewählt hatte. Jetzt wollte er wahrgenommen werden. Und die einfachste Möglichkeit, dies zu erreichen, war, sein Gegenüber mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit zu bedenken, die ihm zur Verfügung stand. Er wartete. Er wartete und ließ die Augen nicht von Giuliano, der sich langsam in seine Richtung bewegte.
Etwas schien die Aufmerksamkeit des Lasombra zu erregen. Er legte den Kopf schräg, hatte wohl jemanden entdeckt, den er kannte. Langsam schälte er sich aus den Schatten der Gasse, bewegte sich genau in den Weg, den der ihm entgegenkommende Brujah gewählt hatte. Jetzt wollte er wahrgenommen werden. Und die einfachste Möglichkeit, dies zu erreichen, war, sein Gegenüber mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit zu bedenken, die ihm zur Verfügung stand. Er wartete. Er wartete und ließ die Augen nicht von Giuliano, der sich langsam in seine Richtung bewegte.
Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Giuliano bemerkte ihn lange bevor sie einander nahe genug waren, um Worte zu wechseln.
Es war nicht die Gestalt selbst, die seinen Blick fing – Männer wie Gaspard bewegten sich hier dutzendfach durch die Nacht. Arbeiter, Hafenknechte, schweigsame Gestalten mit Werkzeug und Müdigkeit an der Hüfte. Nein. Es war die Art, wie der Lasombra wartete.
Giulianos Schritt verlangsamte sich kaum merklich. Ein kurzer Zug huschte über Giulianos Gesicht. Nicht Freude. Aber auch kein Ärger. Eher jenes vorsichtige Anerkennen, das man einem Mann entgegenbrachte, dessen Gesellschaft selten einfach war. Seine dunklen Augen ruhten einen Moment auf Gaspard, erwiderten dessen stumme Aufmerksamkeit ohne Hast. Das Stimmengewirr des Hafens floss zwischen ihnen hindurch – Matrosenrufe, klirrende Ketten, das Schlagen von Wasser gegen Holz.
Dann verzog Giuliano den Mund zu einem kaum wahrnehmbaren, schiefen Ausdruck. Ohne stehenzubleiben hob er leicht das Kinn und deutete mit einer knappen Bewegung zur Seite – auf eine schmale Nebengasse zwischen zwei Lagerhäusern, halb verborgen hinter gestapelten Fässern und alten Taurollen. Ein Ort, an dem man nicht unsichtbar war, aber wenigstens nicht von jedem vorbeiziehenden Ohr belauscht wurde. Die Geste war beiläufig genug, um Fremden bedeutungslos zu erscheinen, für Gaspard jedoch unmissverständlich.
Giuliano bog bereits leicht aus seinem ursprünglichen Weg aus und steuerte auf die Gasse zu, ohne sich noch einmal zu vergewissern, ob der Lasombra folgte. Dieses Maß an Vertrauen – oder vielleicht diese kalkulierte Gleichgültigkeit – gewährte er ihm.
Es war nicht die Gestalt selbst, die seinen Blick fing – Männer wie Gaspard bewegten sich hier dutzendfach durch die Nacht. Arbeiter, Hafenknechte, schweigsame Gestalten mit Werkzeug und Müdigkeit an der Hüfte. Nein. Es war die Art, wie der Lasombra wartete.
Giulianos Schritt verlangsamte sich kaum merklich. Ein kurzer Zug huschte über Giulianos Gesicht. Nicht Freude. Aber auch kein Ärger. Eher jenes vorsichtige Anerkennen, das man einem Mann entgegenbrachte, dessen Gesellschaft selten einfach war. Seine dunklen Augen ruhten einen Moment auf Gaspard, erwiderten dessen stumme Aufmerksamkeit ohne Hast. Das Stimmengewirr des Hafens floss zwischen ihnen hindurch – Matrosenrufe, klirrende Ketten, das Schlagen von Wasser gegen Holz.
Dann verzog Giuliano den Mund zu einem kaum wahrnehmbaren, schiefen Ausdruck. Ohne stehenzubleiben hob er leicht das Kinn und deutete mit einer knappen Bewegung zur Seite – auf eine schmale Nebengasse zwischen zwei Lagerhäusern, halb verborgen hinter gestapelten Fässern und alten Taurollen. Ein Ort, an dem man nicht unsichtbar war, aber wenigstens nicht von jedem vorbeiziehenden Ohr belauscht wurde. Die Geste war beiläufig genug, um Fremden bedeutungslos zu erscheinen, für Gaspard jedoch unmissverständlich.
Giuliano bog bereits leicht aus seinem ursprünglichen Weg aus und steuerte auf die Gasse zu, ohne sich noch einmal zu vergewissern, ob der Lasombra folgte. Dieses Maß an Vertrauen – oder vielleicht diese kalkulierte Gleichgültigkeit – gewährte er ihm.
- Gaspard de Maurin
- Lasombra
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Gaspard erwiderte die Geste, indem er sich in Bewegung setzte. Dabei streifte er beiläufig mit der Hand an einer Hauswand entlang und schaute sich verschwörerisch um, bevor er dem Brujah in die Gasse folgte.
"Werter Giuliano."
Die Begrüßung, die er dem Wartenden entgegenbrachte, war freundlich, aber es schwangen auch ein paar unausgesprochene Fragen mit. Ihr letztes Treffen war ohne Ergebnis zuende gegangen und danach hatten sie sich weder gesehen oder gesprochen, weder am Hafen, noch im Elysium. Erwartungsvoll musterte er Giuliano, der sich im Gegensatz zu Gaspard wenig verändert hatte.
Dann lehnte er sich neben dem Brujah an die Wand, fast beiläufig, wie es Hafenarbeiter nun mal taten, wenn es an der Zeit für eine Pause war, und über die Obrigkeit, die Kirche, sonstige Geldgeber oder andere Tagelöhner hergezogen werden musste.
"Werter Giuliano."
Die Begrüßung, die er dem Wartenden entgegenbrachte, war freundlich, aber es schwangen auch ein paar unausgesprochene Fragen mit. Ihr letztes Treffen war ohne Ergebnis zuende gegangen und danach hatten sie sich weder gesehen oder gesprochen, weder am Hafen, noch im Elysium. Erwartungsvoll musterte er Giuliano, der sich im Gegensatz zu Gaspard wenig verändert hatte.
Dann lehnte er sich neben dem Brujah an die Wand, fast beiläufig, wie es Hafenarbeiter nun mal taten, wenn es an der Zeit für eine Pause war, und über die Obrigkeit, die Kirche, sonstige Geldgeber oder andere Tagelöhner hergezogen werden musste.
Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Giuliano beobachtete die kleine Geste des Lasombra aus den Augenwinkeln – die Hand an der Mauer, der flüchtige Blick über die Schulter. Er ließ den Blick kurz über die Gasse wandern, prüfte instinktiv die Ein- und Ausgänge, ehe er wieder zu Gaspard sah. Der andere hatte sich tatsächlich verändert. Nicht äußerlich – dazu waren sie beide zu sehr Geschöpfe der Nacht –, sondern in der Art, wie er sich bewegte. Weniger wie jemand, der beobachtet werden wollte. Mehr wie jemand, der gelernt hatte, wie angenehm es sein konnte, übersehen zu werden. Als Gaspard sich neben ihn lehnte, wirkte das Bild beinahe gewöhnlich. Zwei Männer am Hafen, die eine ruhige Minute zwischen Geschäften nutzten.
Giuliano schnaubte leise durch die Nase.
„Werter Gaspard.“
Die Antwort kam mit einem schiefen Lächeln, das für einen Moment den spöttischen Zug in seinem Gesicht betonte. Sein Blick ruhte einen Augenblick auf dem anderen Kainskind.
„Es ist eine Weile her. Wie geht es Euch und was machen Eure Geschäfte?“
Die Nächte vergingen schnell in Genua, und jeder hatte seine eigenen Jagdgründe, Geschäfte und Geheimnisse.
Giuliano schnaubte leise durch die Nase.
„Werter Gaspard.“
Die Antwort kam mit einem schiefen Lächeln, das für einen Moment den spöttischen Zug in seinem Gesicht betonte. Sein Blick ruhte einen Augenblick auf dem anderen Kainskind.
„Es ist eine Weile her. Wie geht es Euch und was machen Eure Geschäfte?“
Die Nächte vergingen schnell in Genua, und jeder hatte seine eigenen Jagdgründe, Geschäfte und Geheimnisse.
- Gaspard de Maurin
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Gaspards Mundwinkel zuckte kurz nach oben, jedoch nicht lange genug, um als vollwertiges Lächeln durchzugehen. Er ignorierte die Frage und den dezenten Spott zunächst und breitete den linken Arm zu einer einschließenden Geste aus: "Wie es scheint, habt ihr eure Widersacher überlebt. Ich habe zumindest schon einige Jahre nichts mehr von Isabella und Ida gehört." Er zuckte kurz mit den Schultern. "Auf der anderen Seite hätte ich das bis vor wenigen Augenblicken auch von euch sagen können."
Er drehte den Kopf, erwiderte den Blick Giulianos. "Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Und was meine Geschäfte angeht ..." Wieder war da dieses Schulterzucken, dazu ein leichtes Schnauben. "Wenn ihr nach meinen weltlichen Geschäften fragt, so kann ich euch versichern, dass sie laufen." Was sich nicht verändert hatte, war, dass Gaspard in der richtigen Stimmung durchaus viel und gerne redete, ohne dabei wirklich viel zu sagen. "Und was den Rest angeht, so besteht der größte Teil meiner Pflichten aus Warten. Warten und Beobachten."
Jetzt war das Lächeln gequält, trotzdem gemischt mit einer gewissen Aufrichtigkeit in den Augen. "Aber wie geht es euch? Was habt ihr getrieben in den letzten Jahren?" Sein Blick glitt nach oben, gen Himmel. Fast ein wenig enttäuscht von den fehlenden Sternen und der Wolkendecke, die sich ebenfalls schwer und dick vor den Mond geschoben hatte, senkte er den Kopf wieder und rieb sich das Kinn.
Er drehte den Kopf, erwiderte den Blick Giulianos. "Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Und was meine Geschäfte angeht ..." Wieder war da dieses Schulterzucken, dazu ein leichtes Schnauben. "Wenn ihr nach meinen weltlichen Geschäften fragt, so kann ich euch versichern, dass sie laufen." Was sich nicht verändert hatte, war, dass Gaspard in der richtigen Stimmung durchaus viel und gerne redete, ohne dabei wirklich viel zu sagen. "Und was den Rest angeht, so besteht der größte Teil meiner Pflichten aus Warten. Warten und Beobachten."
Jetzt war das Lächeln gequält, trotzdem gemischt mit einer gewissen Aufrichtigkeit in den Augen. "Aber wie geht es euch? Was habt ihr getrieben in den letzten Jahren?" Sein Blick glitt nach oben, gen Himmel. Fast ein wenig enttäuscht von den fehlenden Sternen und der Wolkendecke, die sich ebenfalls schwer und dick vor den Mond geschoben hatte, senkte er den Kopf wieder und rieb sich das Kinn.
Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Giuliano lachte leise auf, als Isabella und Ida erwähnt wurden. Es war kein besonders fröhliches Geräusch, eher das eines Mannes, der sich an alte Schwierigkeiten erinnerte und mittlerweile genügend Abstand dazu gewonnen hatte, um sie mit einer gewissen Gelassenheit zu betrachten.
„Ja. Überlebt...wobei ich Ida nicht als eine Rivalin sehen würde.“
Er schüttelte leicht den Kopf.
„Manchmal frage ich mich, ob das nicht die größte Leistung unserer Art ist. Nicht Siege zu erringen oder Macht anzuhäufen. Einfach nur lange genug zu existieren, bis die Probleme von gestern von den Problemen von morgen verdrängt werden.“
Sein Blick glitt kurz hinaus auf die Straße, wo einige Hafenarbeiter lärmend vorbeizogen. Erst als ihre Stimmen wieder verklungen waren, wandte er sich Gaspard erneut zu.
„Warten und Beobachten.“
Ein Mundwinkel hob sich.
„Das klingt nach einer Beschäftigung, die euch mittlerweile besser steht als früher.“
Der Satz war halb Neckerei, halb ehrliche Feststellung. Der Gaspard, den Giuliano vor Jahren kennengelernt hatte, war nicht unbedingt ein Mann gewesen, den er mit Geduld verbunden hätte.
Dann stieß er sich leicht von der Wand ab und verlagerte sein Gewicht.
„Bei mir gibt es deutlich weniger Geheimnisvolles zu berichten.“
Nun war er an der Reihe, viel zu reden und dabei vielleicht nicht alles zu sagen.
„Der Polpo hält mich beschäftigt. Mehr als man meinen sollte. Eine Taverne ist ein lebendes Wesen. Wenn man ihr nicht regelmäßig Aufmerksamkeit schenkt, entwickelt sie Eigenheiten, die einem irgendwann auf die Füße fallen.“
Für einen Moment lag ehrliche Zufriedenheit in seiner Stimme.
„Die Geschäfte laufen gut. Die Seeleute trinken, die Händler verhandeln, die Glücksritter verlieren ihr Geld und die Betrüger versuchen, es ihnen abzunehmen. Die Welt dreht sich weiter.“
Seine Schultern hoben sich leicht.
„Und das Viertel rundherum braucht ebenfalls Aufmerksamkeit. Es gibt immer irgendeinen Streit zu schlichten, irgendeinen Dummkopf davon abzuhalten, etwas noch Dümmeres zu tun, oder irgendeinen Fremden daran zu erinnern, dass gewisse Straßen bereits jemandem gehören.“
Er sprach darüber mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er von der Pflege eines Gartens reden. Nicht Besitzgier sprach daraus, sondern Verantwortung.
„Nichts Glanzvolles. Keine großen Intrigen. Keine verborgenen Offenbarungen.“
Seine dunklen Augen ruhten einen Moment auf Gaspard. Ein kurzes Schweigen folgte.
„Ist das Warten und Beobachten für Euch denn einträglich genug?“
„Ja. Überlebt...wobei ich Ida nicht als eine Rivalin sehen würde.“
Er schüttelte leicht den Kopf.
„Manchmal frage ich mich, ob das nicht die größte Leistung unserer Art ist. Nicht Siege zu erringen oder Macht anzuhäufen. Einfach nur lange genug zu existieren, bis die Probleme von gestern von den Problemen von morgen verdrängt werden.“
Sein Blick glitt kurz hinaus auf die Straße, wo einige Hafenarbeiter lärmend vorbeizogen. Erst als ihre Stimmen wieder verklungen waren, wandte er sich Gaspard erneut zu.
„Warten und Beobachten.“
Ein Mundwinkel hob sich.
„Das klingt nach einer Beschäftigung, die euch mittlerweile besser steht als früher.“
Der Satz war halb Neckerei, halb ehrliche Feststellung. Der Gaspard, den Giuliano vor Jahren kennengelernt hatte, war nicht unbedingt ein Mann gewesen, den er mit Geduld verbunden hätte.
Dann stieß er sich leicht von der Wand ab und verlagerte sein Gewicht.
„Bei mir gibt es deutlich weniger Geheimnisvolles zu berichten.“
Nun war er an der Reihe, viel zu reden und dabei vielleicht nicht alles zu sagen.
„Der Polpo hält mich beschäftigt. Mehr als man meinen sollte. Eine Taverne ist ein lebendes Wesen. Wenn man ihr nicht regelmäßig Aufmerksamkeit schenkt, entwickelt sie Eigenheiten, die einem irgendwann auf die Füße fallen.“
Für einen Moment lag ehrliche Zufriedenheit in seiner Stimme.
„Die Geschäfte laufen gut. Die Seeleute trinken, die Händler verhandeln, die Glücksritter verlieren ihr Geld und die Betrüger versuchen, es ihnen abzunehmen. Die Welt dreht sich weiter.“
Seine Schultern hoben sich leicht.
„Und das Viertel rundherum braucht ebenfalls Aufmerksamkeit. Es gibt immer irgendeinen Streit zu schlichten, irgendeinen Dummkopf davon abzuhalten, etwas noch Dümmeres zu tun, oder irgendeinen Fremden daran zu erinnern, dass gewisse Straßen bereits jemandem gehören.“
Er sprach darüber mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er von der Pflege eines Gartens reden. Nicht Besitzgier sprach daraus, sondern Verantwortung.
„Nichts Glanzvolles. Keine großen Intrigen. Keine verborgenen Offenbarungen.“
Seine dunklen Augen ruhten einen Moment auf Gaspard. Ein kurzes Schweigen folgte.
„Ist das Warten und Beobachten für Euch denn einträglich genug?“
- Gaspard de Maurin
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Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Gaspard gluckste amüsiert. "Ja, das Warten und Beobachten ist sicher einträglich, auch wenn der Gegenwert sich sicher nicht in Münzen, Tavernen, Festungen oder sonstigen Besitztümern messen lässt." Welchen immateriellen Gegenwert er genau damit meinte, ließ er offen, zumindest für den Moment.
Dann wurde der Lasombra wieder ernst, hob die Augenbraue. "Eure Worte sind weise. Ihr habt zumindest lange genug existiert, um die Rivalitäten auszusitzen, die sich euch hier im Hafen aufgedrängt haben." Fast schon entschuldigend hob er die Hand. "Nein, wie schon bei unserem letzten Treffen muss ich weiterhin bekräftigen, dass ich kein Interesse mehr am Hafen habe. Das wird sich auch nicht wieder ändern."
Seine Aufmerksamkeit richtete sich jetzt nicht mehr auf die Umgebung, sondern nur noch auf Giuliano, zumindest schien dies vordergründig der Fall zu sein. Er runzelte die Stirn und senkte seinen Kopf leicht, fast schon demütig, während sein Blick verkniffen auf dem Brujah haftete. "Um ehrlich zu sein beneide ich euch um die frühe Erkenntnis, dass Geduld manchmal besser ist, als zu handeln."
Dann zog er wieder einen Mundwinkel nach oben. "Allerdings hat eure Geduld auch dafür gesorgt, dass es keinen Grund mehr gibt, euch erneut das Angebot zu unterbreiten, euch bei der Sicherung des Hafens zu unterstützen." Auch dies schien den Lasombra zu amüsieren. "Aber vielleicht wollt ihr mir etwas mehr über das lebende Wesen erzählen, das man hier Polpo nennt? Von welchen Eigenheiten sprecht ihr?" Die Frage schien durchaus ernst gemeint und Gaspard wirkte durchaus interessiert, auch wenn die Frage wenig zielgerichtet war und absolut nichts mit Politik oder kainitischen Machenschaften zu tun haben schien.
Dann wurde der Lasombra wieder ernst, hob die Augenbraue. "Eure Worte sind weise. Ihr habt zumindest lange genug existiert, um die Rivalitäten auszusitzen, die sich euch hier im Hafen aufgedrängt haben." Fast schon entschuldigend hob er die Hand. "Nein, wie schon bei unserem letzten Treffen muss ich weiterhin bekräftigen, dass ich kein Interesse mehr am Hafen habe. Das wird sich auch nicht wieder ändern."
Seine Aufmerksamkeit richtete sich jetzt nicht mehr auf die Umgebung, sondern nur noch auf Giuliano, zumindest schien dies vordergründig der Fall zu sein. Er runzelte die Stirn und senkte seinen Kopf leicht, fast schon demütig, während sein Blick verkniffen auf dem Brujah haftete. "Um ehrlich zu sein beneide ich euch um die frühe Erkenntnis, dass Geduld manchmal besser ist, als zu handeln."
Dann zog er wieder einen Mundwinkel nach oben. "Allerdings hat eure Geduld auch dafür gesorgt, dass es keinen Grund mehr gibt, euch erneut das Angebot zu unterbreiten, euch bei der Sicherung des Hafens zu unterstützen." Auch dies schien den Lasombra zu amüsieren. "Aber vielleicht wollt ihr mir etwas mehr über das lebende Wesen erzählen, das man hier Polpo nennt? Von welchen Eigenheiten sprecht ihr?" Die Frage schien durchaus ernst gemeint und Gaspard wirkte durchaus interessiert, auch wenn die Frage wenig zielgerichtet war und absolut nichts mit Politik oder kainitischen Machenschaften zu tun haben schien.
Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Er sah Gaspard wieder direkt an und ein schiefes Lächeln erschien.
„Das macht Geduld nicht unbedingt weise. Nur... praktisch.“
Dann wirkte er etwas ernster und musterte das Gesicht des Lasombra aufmerksam, ließ aber das nicht erneuerte Angebot zunächst unkommentiert.
„Der Polpo…“
Nun trat tatsächlich etwas Wärme in seine Stimme, subtil, aber deutlich genug, um zu verraten, dass ihm der Ort mehr bedeutete, als bloßer Besitz erklären konnte.
„Er ist laut. Unordentlich. Und er zieht die seltsamsten Menschen an, die man sich vorstellen kann.“
Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Aber es ist auch der Mittelpunkt einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft, um über die Runden zu kommen. Und um das zu bewahren und zu schützen, bedarf es oft viel Aufmerksamkeit.“
Dann blickte er wieder ernst.
„Interessiert Ihr Euch von Amtswegen für meine Taverne?“
Die Frage war beiläufig platziert, doch ein etwas lauernder Funke schlich sich in den Blick des Brujah.
„Das macht Geduld nicht unbedingt weise. Nur... praktisch.“
Dann wirkte er etwas ernster und musterte das Gesicht des Lasombra aufmerksam, ließ aber das nicht erneuerte Angebot zunächst unkommentiert.
„Der Polpo…“
Nun trat tatsächlich etwas Wärme in seine Stimme, subtil, aber deutlich genug, um zu verraten, dass ihm der Ort mehr bedeutete, als bloßer Besitz erklären konnte.
„Er ist laut. Unordentlich. Und er zieht die seltsamsten Menschen an, die man sich vorstellen kann.“
Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Aber es ist auch der Mittelpunkt einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft, um über die Runden zu kommen. Und um das zu bewahren und zu schützen, bedarf es oft viel Aufmerksamkeit.“
Dann blickte er wieder ernst.
„Interessiert Ihr Euch von Amtswegen für meine Taverne?“
Die Frage war beiläufig platziert, doch ein etwas lauernder Funke schlich sich in den Blick des Brujah.
- Gaspard de Maurin
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- Registriert: Mo 13. Jan 2025, 09:55
Re: [1125] Il porto vivace [Gaspard, Giuliano]
Gaspard blickte zu Boden, das Lächeln war nicht gänzlich aus seinem Gesicht verschwunden. Halb in Gedanken beantwortete er die Frage des Brujah mit einem Seufzer. "Natürlich ist eine wesentliche Aufgabe der Liktoren, für die Stille des Blutes Sorge zu tragen." Er drehte sich zu Giuliano, ohne jeden Vorwurf oder einen Hauch von Misstrauen: "Ich habe in all den Jahren nie von einem Bruch der Stille im oder um das Polpo gehört. Es gibt also keinen Grund, weshalb ich mich von Amtswegen für eure Taverne interessieren müsste." Was wohl bedeutete, dass das Interesse an der Taverne eher persönlicher Natur war.
"Mich interessieren die Menschen. Was sie sagen, was sie tun, wie sie leben, welche Geschichten und Legenden sie erzählen." Jetzt wurde das Lächeln wieder wärmer, wenn auch mit einem Hauch von Verschlagenheit. "Und wo kann man besser den Geschichten aus dem Volke lauschen, als in einer Taverne?" Einem kurzen Zucken der Schultern folgte ein sachtes zur Seite Legen des Kopfes. "Es geht also nicht zwangsläufig um das Polpo im Besonderen. Aber das Polpo ist ein besonderer Ort für unsereins, weil ihr es zu einem solchen macht."
Er nickte. "Ich bin seit einiger Zeit selbst Besitzer einer Taverne, die allerdings etwas außerhalb von Genua liegt." Dann fasste er sich kurz ans Kinn, strich über seinen Bart. "Ich bin also gerne bereit, weitere Dinge dazuzulernen, die eine solche Unternehmung für unsereins zum Erfolg führen."
"Mich interessieren die Menschen. Was sie sagen, was sie tun, wie sie leben, welche Geschichten und Legenden sie erzählen." Jetzt wurde das Lächeln wieder wärmer, wenn auch mit einem Hauch von Verschlagenheit. "Und wo kann man besser den Geschichten aus dem Volke lauschen, als in einer Taverne?" Einem kurzen Zucken der Schultern folgte ein sachtes zur Seite Legen des Kopfes. "Es geht also nicht zwangsläufig um das Polpo im Besonderen. Aber das Polpo ist ein besonderer Ort für unsereins, weil ihr es zu einem solchen macht."
Er nickte. "Ich bin seit einiger Zeit selbst Besitzer einer Taverne, die allerdings etwas außerhalb von Genua liegt." Dann fasste er sich kurz ans Kinn, strich über seinen Bart. "Ich bin also gerne bereit, weitere Dinge dazuzulernen, die eine solche Unternehmung für unsereins zum Erfolg führen."