[Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen.

Moderatoren: Seresa, Toma Ianos Navodeanu

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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1069 ( Mai 22)

Der Bau der Stadtmauer schreitet erheblich fort. Beinahe hat der den Fluss nahe Maddalena erreicht. Die Konstrukteure arbeiten nun an einer Wasserpforte um die Mauer über das Wasser führen und gleichzeitig den Frühlingssturzbächen aus den nahen Apenninen Herr werden zu können.

Mit dem Bau der "nuovo muro" hat sich die Stadtfläche Genuas bereits jetzt beinahe verdoppelt. Besonders im Osten der Stadt herrscht eine Goldgräberstimmung. Die Fieschi, und Spinola machen die Geschäfte ihres Lebens indem sie Bauholz, Nägel, Steine und Werkzeug an Hausbauer verkaufen, die Stadtkassen füllen sich rasant mit dem Geld das es für den Verkauf der Grundstücke (meist an die fünf Familien) einnimmt und der Sindaco hat gerade einen neuen Großauftrag in der Platealonger Werft in Auftrag gegeben um die Flotte zu vergrößern.

Auch die ersten neuen Siedler, meist aus Rom, Pisa oder anderen Städten Norditaliens, aber auch aus dem fernen Sizilien (auch einige Normannen) erreichen die Stadt. Um all den neuen Platz zu füllen, werden jedoch noch erheblich mehr Zusiedler benötigt, soviel steht fest.

In Borgio di Bisagno und Borgio Incrociati gehen Gerüchte über eine riesige, hagere Gestalt um die Unglück über die Leute bringt. Sie wurde angeblich dabei gesehen wie sie einsamen Menschen hinterhersteige und ihnen den letzten Rest Glück aussauge.

Die Anzahl der Reisenden und Pilger hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Die Gaststätten Genuas sind gut ausgelastet, es eröffnen sogar neue, wie etwa das "Cavallo Trieste" im neuen Teil Raveccas.

Stadtpolitik
Cassiano Taglierina, Schneidermeister und Freund der Doria wird in Platealonga zum Senatoren gewählt. Es gibt einige Unruhen und Ärger seitens des unterlegenen Fernando Brigori, der sich über "nicht eingehaltene Abmachungen" beklagt, aber nach zwei heißen Wochen voller Kneipenschlägereien fand man sich wohl oder übel mit der neuen Situation ab. In Zukunft könnte es aber noch einmal Probleme geben...

Aus dem italienischen Umland
- Frühling – Kaiser Romanos IV von Byzanz beginnt einen Feldzug gegen die Seldschuken und marschiert über Melitene zum Euphrat. Er überquert den Fluss bei Romanopolis (heutige Türkei) und erobert die strategische Festungsstadt Chliat am nordwestlichen Ufer des Van-Sees. Romanos hinterlässt am oberen Euphrat eine byzantinische Nachhut unter General Philaretos Brachamios mit dem Auftrag, die mesopotamische Grenze zu verteidigen.
- Frühling – Romanos IV. schickt eine byzantinische Flotte (unterstützt von einer Armee), um die Belagerung von Bari (Italien) zu entlasten. Die Normannen unter Robert Guiscard besiegen die Byzantiner und besetzen die Städte Gravina und Obbiano in Apulien.
- Seldschukische Streitkräfte unter Alp Arslan besiegen die byzantinische Nachhut und dringen tief nach Kappadokien und Lykaonien vor. Sie plündern nach Belieben, schaffen es aber nicht, die Stadt Iconium einzunehmen. Romanos zieht sich zurück und kehrt nach Konstantinopel zurück. Alp Arslan nutzt den Rückzug von Romanos und nimmt Manzikert ein. Er erobert die strategischen Festungsstädte Chliat und Van zurück und festigt seine Kontrolle über die Region des Van-Sees.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1070 (Juni 22)

Der genuesische Senat gibt die Geldern die aus dem Verkauf der Grundstücke in den neu erschlossenen Gebieten innerhalb der Stadtmauer gemacht wurden aus: neben der Tilgung der Schulden für den Mauerbau, gibt sie mehr als zwei dutzend neue Schiffe - Handels- wie auch Kriegsschiffe - in Auftrag. Im kommenden Jahr wird ebenfalls mit enormen Einkünften gerechnet, da der Teil auf der Maddalener Seite des Flusses ja erst noch erschlossen wird und auch im bisherigen Teil noch nicht alle Grundstücke verkauft sind.

Cornelio Brigori eröffnet in Quinto al Mare eine zweite Werft. Nicht ganz so groß wie die in Genua selbst, versucht er damit die enorme Nachfrage des Senats (und vieler anderer) zu decken.

Nach dem Verkauf der Grundstücke sind es nun die Fieschi und Spinola die sich eine goldene Nase verdienen: jeder kauft bei ihnen Materialien für den Häuserbau ein, gar abstruse Preise werden aufgerufen - und bezahlt. Die Handelsschiffe beider Familien reisen die Küste hinauf und hinab und Nachschub für die eifrigen Genuesen aufzutreiben. Nur Holz ist, dank der großen Rodungen in den Vorjahren, (noch) ausreichend vorhanden.

Aus dem Bischofskastell hört man etwas über eilig getroffene Maßnahmen ob einer Teufelserscheinung. Angeblich wurde der angehende neue Kommandant der Bischofsgarde, Lino Fieschi, in seinem Schlafgemach im höchsten Turm des Kastells von einer dunklen Erscheinung aus dem Schlaf gerissen. Er widerstand den Einflüsterungen der Kreatur und wurde daher im Bischofsrat zum potentiellen Nachfolger des alternden Hauptmann Kaesos gekürt.

Der Bau der Mauer schreitet weiterhin unermüdlich fort. Nachdem die kritische Stelle über den Fluß gemeistert wurde, geht man nun in Angriff die Siedlung von Maddalena ebenfalls zu ummauern.

Stadtpolitik
Der Senat entscheidet über die Aufteilung der Sestierigrenzen. So wird Ravecca nach Osten verlängert und bekommt einen Teil der Neusiedlungsgebiete zugesprochen. Domus wird ein gutes Stück nach Norden vergrößert. Platealonga bekommt die bestehende Siedlung "Nord" zugeschlagen. Aber auch zwei weitere "Sestieri" werden ausgerufen, auch wenn sie erst eigene Senatsposten erhalte sollen, wenn sie auch eine nennenswerte Anzahl an Bürgern aufweisen können: die neuen Sestieri werden nach den beiden Dörfern die sich Genua einverleibt benannt: "Staglieno" und "Maddalena".

Aus dem italienischen Umland
- Die Republik Pisa besetzt mit einer Flotte Korsika. Die Operation dauert nur wenige Tage. Ajaccio und Bastia fallen in der selben Nacht.
- Robert Guiscard erobert nach einer blutigen Belagerung zu Land und zu Wasser, gemeinsam mit seinem Neffen Goffred, Brindisi. Der byzantinische Katepanat Michele Maurikas, stirbt.
- Die Pataria in Mailand setzen sich durch. Mit päpstlicher Legation unter der Führung von Petrus Damiani und Papst Alexander II., zwingen sie den (bereits 1066 exkommunizierten) mailändischen Erzbischof Wido und die Gesamtheit des Mailänder Domklerus per Eid der Simonie zu entsagten.
- 24. März – Aldemaro di Capua , italienischer Abt und Heiliger, stirbt.
- 6. April - Filarete di Calabria, italienische Ordensfrau und Heilige, stirbt.
- Guido d'Acqui, Bischof und italienischer Heiliger, stirbt.
- Offa di Benevento , italienische Äbtissin, stirbt.
- Bisantius Guirdeliku, byzantinisch-italienischer Adeliger, stirbt während der Belagerung von Bari.
- Anatolien: Ein erfolgreicher byzantinischer Gegenangriff treibt die Seldschuken über den Euphrat zurück.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1071 (Juli 22)

Der genuesische Senat gibt erneut Schiffe in Auftrag. Drei dutzend weitere sollen es sein. Die Hälfte davon soll in Genua gebaut werden, der Rest in Amalfi und Venedig. Rechnet man dies mit den in Auftrag gegebenen Schiffen aus dem letzten Jahr zusammen steht man vor der atemberaubenden Summe von mehr alf 50 Schiffen die in den kommenden Jahren die genuesische Flotte vergrößern. Das sind mehr als doppelt soviele wie nach der Erbeutung der gesamten fraxinentischen Flotte im letzten Jahrhundert! So etwas gab es noch nie, da ist man sich auf den Straßen und in den Tavernen der Stadt einig. Und man ist stolz in solch einer Stadt leben zu dürfen!

Schwere Vorwürfe erhebt Rinaldo, Abt des Klosters von San Andrea gegen den Freiherren von Pontedecimo. Er beschuldigt ihn sechs der Mönche brutal dahingemetztelt zu haben die dort einen siebten, verschwundenen Mönch suchten - der mutmaßlich ebenfalls ermordet wurde. Auch der Mörder könne bereits identifiziert werden: ein Jüngling im Aussehen, mit diablischem glitzern in den Augen und keinerlei Skrupel eine Gruppe Geistlicher zu ermorden. Der Bischof Oberto Pevere rief daraufhin für das kommende Jahr eine Verhandlung ein in der der Sachverhalt geklärt werden solle. Abt, Freiherr und jener angebliche Mörder sollen dazu ins Bischofskastell kommen, wo über die Sache entschieden werde.

In der Nacht von Nubis Turmsprung kommt es im Norden Platealongas zu einem Lynchmob. Offenbar haben einige Männer einn Sklaven dabei erwischt wie er Hand an eine Frau legte. Statt einem zivilisierten Messerstich in den Bauch entschieden sie sich jedoch darauf das ganze lauthalt publik zu machen und ihn - zum großen Vergnügen der Anwohner an einem Baum aufzuhägen. Offenbar war auch viel Alkohol im Spiel. Die Wache von Platealonga hatte alle Hände voll zu tun die Menschenmenge auseinanderzutreiben. Glücklicherweise gab es keine (weiteren) Toten oder Verletzten.

Man sagt das Roberto, Sohn des platealongischen Konsuls Gianluca Marchetti soll in einer üblen Gegend Platealongas in eine Messerstecherei mit mehreren zwielichtigen Gestalten gekommen sein. Statt jedoch wegzulaufen oder um sein Leben zu flehen zog er seine Waffe und erledigte die gesamte Band des berüchtigten Meo di Portos. Wen er nicht erschlug, setzte er fest und händigte sie der Wache aus um sie zur Zwangsarbeit an der neuen Stadtmauer einzusetzen.

Das anhaltende Wachstum der Stadt zieht offenbar verstärkt Leute von außerhalb an. Insbesondere unter Seeleuten scheint sich in vielen Häfen nah und fern herumzusprechen das Genua seine Flotte enorm vergrößert und auch seine Familien stets Seeleute suchen die mit anpacken können. Um am Aufschwung teilhaben zu können bringen einige der Seemänner ihre Familien gleich mit!

Der Bau der Stadtmauer geht ebenfalls voran. Maddalena sei im Norden nun bereits abgeschirmt. Als nächstes werde man hier einen Wachtturm errichten, wie es scheint. Damit läge der Brugusser Zentralfriedhof unmittelbar eingeklemmt zwischen der zukünftigen Stadtmauer und den Palisaden von Burgus.

Stadtpolitik
Vicon Arduinici, Patriarch der Familie Arduinici ist tot. Das verkündet die Familie im November des Jahres. Auch der Sitz im Mascharanaer Stadtparlament ist damit vakant und soll im kommenden Jahr neu "gewählt" werden. Nachfolger ist sein Ältester noch lebender Sohn, Gianno Arduinici. Die Familie benennt diesen auch rasch als Kandidaten für den Sentorenposten in Mascharana.

Aus dem italienischen Umland
- 17. Februar - Frozza Orseolo , italienische Adlige, stirbt.
- 15. April: Normannische Eroberung Süditaliens: Die unter Hunger leidenden Bewohner Baris ergeben sich nach dreijähriger Belagerung den Normannen unter Robert Guiskard. Katepan Stephanos Pateranos gerät in normannische Gefangenschaft. Das Byzantinische Reich verliert sein restliches Gebiet in Apulien.
- 26. August: In der Schlacht bei Manzikert im westlichen Armenien besiegen die Seldschuken das Heer des Byzantinischen Reichs. Kaiser Romanos IV. gerät in Gefangenschaft und wird gegen Zahlung eines Lösegelds und den Abschluss eines Friedensvertrages wieder freigelassen. Als die Bedingungen des Friedensvertrages bekannt werden, initiiert Kaisar Johannes Dukas einen Volksaufstand. Romanos IV. und seine jungen Söhne Leon und Nikephoros werden daher in Konstantinopel für abgesetzt und der Vertrag, der jährliche Tributzahlungen und die Verpflichtung zur Stellung byzantinischer Hilfstruppen vorgesehen hätte, für ungültig erklärt.
- 24. Oktober: Johannes Dukas erhebt seinen Neffen Michael VII. zum alleinigen Kaiser des Byzantinischen Reichs. Michael ruft nach seiner Krönung den Eunuchen Nikephoritzes aus seinem Exil in Antiochia am Orontes zurück an den Hof nach Konstantinopel. Als Logothet gewinnt dieser rasch an Einfluss und verdrängt andere führende Köpfe der Regierung.
- Aufgrund der inneren Wirren kommt es zum Zusammenbruch der byzantinischen Verteidigung und in der Folge zum Beginn der türkischen Besiedelung und Islamisierung Kleinasiens. Danischmend Ghazi begründet die Dynastie der Danischmenden, das Sultanat der Rum-Seldschuken löst, anfangs von Nikaia, später von Iconium aus, Ostrom als dominante Macht in Zentral- und Ostanatolien ab.
- Domenico Silvo wird als Nachfolger von Domenico I. Contarini nach dessen Tod per Akklamation zum Dogen von Venedig gewählt und anschließend in einer feierlichen Prozession zur Amtserhebung in die noch unvollendete Kirche San Marco gebracht. In den ersten Amtsjahren setzte Silvo die Politik seines Vorgängers weitgehend fort.
- Guido da Velate (auch Wido genannt), Erzbischof von Mailand, stirbt.
- Auf den Ruinen eines heidnischen Tempels wird die Kathedrale von Tarent errichtet.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1072 (August 22)

Aufgrund der vielerlei Bauten an Häusern, der Stadtmauer, dem Hafen, den Schiffen der Werften und den Straßen herrscht - neben der Knappheit an (einigen) Baumaterialien mittlerweile auch eine Knappheit an Bauarbeitern, Handwerkern und Trägern. Mit dem gestiegenen Handelsaufkommen kann auch der Bedarf an Ent- und Beladern am Hafen kaum noch gedeckt werden. Das schnelle Wachstum der Stadt stößt offenbar vielerorts an seine Kapazitätsgrenzen. So sehr das der Senat bereits Sklaven für einige der dringendsten Arbeiten erworben hat - was auch in diesem Markt die Preise nach oben treibt.

Relativ zentral in Ravecca eröffnete - unter der Schirmherrschaft eines jungen Mannes, Marcello Arduinici, sowie der Kirche, ein Haus für gefallene jungen Mädchen. Gesegnet von einem Priester, geschmückt mit Blumen und bewacht von einigen Bewaffneten macht das Haus einen guten und sicheren Eindruck. Sicher werden vor allem die großen Familien hier früher oder später ihre Schützlinge unterbringen.

Im Umland Votoris verschwinden immer mehr Leute. Waldbewohner, Köhler, Jäger oder auch Pilzsammler. Die Sorgen der Bewohner sind groß und sie haben sich hilfesuchend sowohl an den Bischof von Savona, als auch den Vertreter des Grafen von Mailand in Casteletto gewandt. Ersterer hat auch bereits zugesichert einige Soldaten zu schicken die das Problem beseitigen sollen.

Der genuesische Senat, in Vertretung durch Gianluca Marchetti, hat mit dem Grafen von Mailand vereinbart, das die Handelsstraßen zwischen Mailand und Genua erneuert werden sollen. Den Großteil der Kosten trägt hierbei Genua. Es soll jedoch von beiden Seiten mit der Erneuerung rasch begonnen werden, um das Projekt zügig voranzutreiben. Einzig die Knappheit an Bauhelfern in Genua verzögern diesseitig noch das schnelle Vorankommen.

Für Genuas Seemacht sollen Seeleute aus aller Herren Länder - und selbst wenn sie zuvor Piraten waren! - sich durch anständige Arbeit in den Diensten der Flotte Genuas frei und anständig machen können! Wer fünf Jahre in ihr dient, darf ein Genuese werden. Das hört man nun in vielen Küstenstädten westlich und südlich la Superbas. In den neu errichteten Häusern Staglienos tummeln sich dementsprechend auch viele Neuankömmlinge. Franken, Pisani, Römer, aber auch aus dem Umland und von andernorts kommen Seemänner und jene die es werden wollen in die wachsende Stadt am Golf von Genua. Viele auch mit ihren Familien. Es gibt Gerüchte über eine Art Ausbildungsprogramm für jene unter ihnen die das Seemannshandwerk noch nicht beherrschen, die meisten werden jedoch von den großen Familien direkt für die zahlreichen neuen Schiffe vom Fleck weg rekrutiert.

Der Bau der Stadtmauer geht ebenfalls voran. In Maddalena sei im Norden ein weiterer Turm errichtet worden der als Schutz nach Nordosten - etwa nach Savona - herhalten soll. Als nächstes gehen die Arbeiten nun gen Süden um die alte Martinsfeste in die Stadtverteidigung mit einzubeziehen. Das könne aber sicher zwei Jahre dauern bis die Mauer diese erreiche, sowie weitere zwei Jahre bis diese wieder hergerichtet sei.

Stadtpolitik
Die Mascharaner Wahl um den verwaisten Senatsposten des verstorbenen Vicon Arduinici macht, wie kaum anders zu erwarten, dessen Sohn und Nachfolger, Gianno Arduinici. Zum ersten mal seit längerer Zeit ist damit der genuesische Senat auf voller Mannstärke.

Aus dem italienischen Umland
- 10. Januar – Die Normannen unter Robert Guiscard und seinem Bruder Roger I (Boso) erobern Palermo (nach einjähriger Belagerung). Roger erhält die Schlüssel der Stadt und Robert verleiht ihm den Titel eines Grafen von Sizilien. Das Emirat Sizilien regiert nun nur noch den südlichen Teil der Insel mit Syrakus als Hauptstadt.
- 29. Juni – Romanos IV (Diogenes), abgesetzter Kaiser des Byzantinischen Reiches, wird geblendet und im Kloster der Verklärung auf die Insel Proti (im Marmarameer) ins Exil geschickt. Wenige Tage vor seinem Tod erhält er einen Brief von Michael Psellos (seinem politischen Berater), der ihm zum Verlust seiner Augen gratuliert.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1073 (September 22)

Der Bischof von Genua, Oberto Pevere, berichtet das erneut eine Gestalt aus der Hölle gesichtet wurde, ein Kainit, der sich offenbar während der großen Säuberung versteckt habe. Er sei in der Gestalt eines ungefähr zwanzig Sommer alt aussehenden Jungen Mannes mit so gebräunter Haut das er vielleicht gar aus Afrike stammen könnte. Er sei nur des Nächtens unterwegs, trinke Blut, morde Geistliche und Mönche und sei zuletzt in Pontedecimo gesehen worden. Die Menschen dort sollten nunnach Einbruch der Nacht ihre Türen verrammeln und nicht mehr auf die Straße gehen. Der Bischof appeliert auch an die Dorfgemeinschaft. Sollte der Kainit bei jemandem im Haus auftauchen, dann solle laut geschrien und die Kreatur mit Feuer vertrieben werden! Alle Nachbarn sollten sich dann mit Fackeln und Waffen ausstatten und die Kreatur hetzen und töten! Niemand solle vor Furcht verzagen, es sei braven Christen schon häufig gelungen solcherlei Gezücht zur Hölle zurückzuschicken! Er werde einen Sonderbeauftragten in den Ort schicken, mit Männern. Diese werden den Kainiten finden und ihn verbrennen.

Bruno, Heiler in Ravecca soll eine Art Wunderheiler sein, sagt man sich auf den Straßen. Er habe mehrere unheilbare Seuchen, Verkrüppelungen und schlimme Pilzvergiftungen geheilt, mehr als jeder andere Heiler. Seit jüngstem bilden sich daher Schlangen von Menschen die von weit her kommen vor seinem kleinen Behandlungsraums. Er arbeite Tag und Nacht, wie es scheint und lindere jedes Leid, so sagt man. Es gibt einige die von einem "göttlichen Blick" für ihre Gebrechen sprechen. In San Donato beten bereits viele für ihn und Pater Marino hat eine Kollekte organisiert um ihn nach Leibeskräften mit Material, wie Verbandsmaterial, Wein und Nahrung zu unterstützen.

Keine große Nachricht, aber die Eingeweihten hören schon ein wenig genauer hin: In Luccoli spricht man dieser Tage gelegentlich von einem Lucio, einem Adeligen der mit mehreren anderen Adeligen in Fehde stünde. Wohl wegen Frauengeschichten. Er lebe dort oben in der "Villa Lucio Doria" oder kurz "Villa Lucio" (die Kainiten recht schnell als die Villa Illuminata identifizieren können).

Aufgrund des noch immer bestehenden Mangels an Arbeitern und Sklaven gibt es einige "Konsolidierungen" im Sklavenmarkt, mehrere Händler steigen aus dem Geschäft aus, zwei die das nicht tun treiben kurz darauf mit dem Gesicht nach unten im Hafenbecken. Man spricht von Spannungen zwischen den Familien Brigori und Spinola.

Nach den letztjährigen Aufrufen in der Fremde sind viele neue Gesichter in Genua zu sehen. Matrosen und Seefahrer von weither siedeln sich in la superba an, viele ziehen auch in die neuen Gebiete von Staglieno. Nach der ersten Welle im letzten Jahr erreichen dieses Jahr ins besondere Sarden, Korsen und Süditaliener (Sizilianer, Kampanier & Kalabrier) die Stadt. Die meisten dienen in der schnell wachsenden Flotte Genuas. Wer fünf Jahre in ihr dient, darf ein Genuese werden.

Der Bau der Stadtmauer geht voran. Von Maddalena aus sind die Arbeiten nun gen Süden fortgeschritten, wohl um die alte Martinsfeste in die Stadtverteidigung mit einzubeziehen. Das könne aber sicher noch ein Jahr dauern, bis die Mauer diese erreiche, sowie weitere zwei Jahre bis diese wieder hergerichtet sei. Es heißt der Senat plane hier Garnisonsquartiere für die Mauer- und Torwache Genuas zu errichten.

Stadtpolitik
Für Staglieno werden ersten Wahlen für das neue Sestieriparlament Staglienos angesetzt. Zwei neue Senatoren sollen im Jahr 1075 gewählt werden, drei weitere dann 1076. Anschliessend soll im Jahr 1077 der neue Konsul von Staglieno im Sestieriparlament gewählt werden. Dieser wird der Stadtregierung beitreten.

Aus dem italienischen Umland
- Frühling – Kaiser Michael VII. (Doukas) entsendet eine byzantinische Armee, um sich mit den Überfällen der Seldschuken in Kappadokien zu befassen, unterstützt von einer gemischten Streitmacht aus normannischer und französischer schwerer Söldnerkavallerie unter Roussel de Bailleul. Roussel erobert einige Gebiete in Galatien zurück und erklärt es zu einem unabhängigen normannischen Staat. Wütend schickt Michael eine weitere Armee, angeführt von seinem Onkel, Caesar John Doukas, und dem Veteranen General Nikephoros Botaneiates, um mit der Zunahme der normannischen Bedrohung in Kleinasien fertig zu werden. Aber die Byzantiner werden besiegt und John wird gefangen genommen. Roussel marschiert mit einer Streitmacht (3.000 Mann) durch Bithynien zum Bosporus und plündert Chrysopolis in der Nähe von Konstantinopel.
- 22. April: Bei der Beisetzung des Papstes Alexander II. brechen wegen der Nachfolgefrage tumultartige Zustände in Rom aus, die in die Ausrufung von Hildebrand als Papst durch Volk und Klerus münden. Mit dieser Erhebung wird somit gegen das Papstwahldekret von 1059 verstoßen. Hildebrand regiert als Gregor VII. die katholische Kirche.
- Im Streit mit dem Papsttum verliert das Herzogtum Amalfi seine Unabhängigkeit und fällt an die Normannen unter Robert Guiskard.
- Die Seldschuken erobern Jerusalem von den Fatimiden.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1074 (Oktober 22)

Man sagt Pontedecimos Freiherr sei entlassen worden. Nach einem Besuch beim gräflichen Vogt in Casteletto sei er nicht zurückgekommen. Man munkelt der Bischof habe Druck auf den Grafen ausgeübt und dieser habe - als Kompromiss den Freiherren von seinen Pflichten entbunden, der ein Massaker an den Mönchen San Andreas in seinem Hoheitsgebiet zugelassen habe. Über einen Nachfolger ist zur Stunde noch nichts bekannt, man vermutet jedoch jemanden der dem Bischof genehm sein dürfte.

Nun redet bereits der Bischof in seinem Sonntagsgottesdienst über Bruno, den Heiler aus Ravecca. Er habe im vergangenen Jahr mehr als einmal Leuten von weither geholfen. Gar aus Rom einmal. Die Kirche überlege offenbar das Haus der Heiler in Ravecca unter kirchliche Schirmherrschaft zu stellen, damit es finanziell abgesichert sei.

Die Spannungen zwischen den Familien Brigori und Spinola in Platealonga haben sich auf Clavicula ausgeweitet. Offenbar haben einige Banden von dort für die eine oder andere Seite Partei ergriffen. Blutige Schlachtereien auf offener Straße halten die Stadtwachen der beiden Sestieri auf Trab. Angeblich beschuldigen die Spinola die Brigori genuesische Bürger als Sklaven beim Bau der Stadtmauer zu verheizen.

Der Bau der Stadtmauer geht stetig weiter. Von Maddalena aus sind die Arbeiten nun bis an die alte Martinsfeste herangekommen. Nun wolle man diese wieder Instand setzen. Das kann sicher 2-3 Jahre dauern, so schätzen die Arbeiter die daran beteiligt sind. Es heißt der Senat plane hier Garnisonsquartiere für die Mauer- und Torwache Genuas zu errichten.

Stadtpolitik
Für Staglieno werden ersten Wahlen für das neue Sestieriparlament Staglienos angesetzt. Zwei neue Senatoren sollen im Jahr 1075 gewählt werden, drei weitere dann 1076. Anschliessend soll im Jahr 1077 der neue Konsul von Staglieno im Sestieriparlament gewählt werden. Dieser wird der Stadtregierung beitreten.

Aus dem italienischen Umland
- 7. Februar – Schlacht von Montesarchio: Prinz Pandulf IV., Mitherrscher von Benevento, wird im Kampf gegen die Normannen in Süditalien getötet.
- Frühling – Normannische Söldner, angeführt von Roussel de Bailleul, erheben John Doukas zum Kaiser des Byzantinischen Reiches. Sein Neffe, Kaiser Michael VII. (Doukas), verbündet sich mit dem Anführer der Seldschuken, Suleiman ibn Qutulmish, der in den östlichen Regionen Anatoliens einfällt. Die seldschukischen Türken überfallen die normannischen Streitkräfte; Roussel und John werden besiegt und gefangen genommen. Aber ein von Roussels Frau angebotenes Lösegeld erlaubt ihm, nach Amaseia zurückzukehren.
- 25. April: Hermann I., Markgraf von Verona, erster Markgraf von Baden stirbt
- Papst Gregor VII. exkommuniziert vorübergehend den normannischen Adligen Robert Guiscard.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1075 (November 22)

Ein gutes, ertragreiches Jahr für die genuesische Handelsflotte geht zu Ende. Die Schiffe la superbas etablieren immer weitere Handelsrouten, während die näheren Gewässer von der wachsenden Flotte gesichert werden. Die Arduinici seien in diesem Jahr mit einer Expedition aus dem weit entfernten Ägypten zurückgekehrt, so sagt man. Haben dort wirklich einträgliche Geschäfte abgeschlossen.

Der neue Freiherr von Pontedecimo wird tatsächlich ein Mann des Bischofs: Hauptmann Kaeso, der alternde Hauptmann der Bischofswache übernimmt den Posten des Freiherren und verlässt damit die Dienste der Kirche. Er soll ein Auge auf das Dörfchen haben und sicherstellen das es nicht zu weiteren unchristlichen Taten kommt. Auch der dunkelhäutige Mörder der Mönche sei gefasst worden. Ein entflohener afrikanischer Sklave, der seit einigen Jahren im Wald bei Pontedecimo lebe und dort von Wilderei lebe. Die Männer des Grafen von Mailand hätten ihn gefasst und würden ihn bald in Casteletto hängen.

Unterdessen wird der Posten des Hauptmanns der Bischofsgarde ebenfalls neu vergeben: Hauptmann Lino (Fieschi), der ebenfalls seit Jahren als Capo in der Bischofsgarde dient, wird im Zuge der Osterfeierlichkeiten vom Bischof als neuer Hauptmann der Garde ernannt.

Noch immer ist der Heiler Bruno im Gespräch. Nun sind jedoch einige düstere Geschichten aufgekommen. Es heißt er sei gar kein Seeliger Mann, sondern mit dem Teufel im Bunde. Antonio aus der Bäckerstraße schwört das er im Hause Brunos einen dreiäugigen Dämonen gesehen habe und auch andere munkeln Bruno habe seine Gabe vom Teufel erhalten - im Austausch gegen seine Seele.

Die Spannungen zwischen den Familien Brigori und Spinola haben eine neue Dimension erreicht. Nachdem bisher meist Knechte und einfache Bedienstete oder gar nur Zulieferer der beiden Familien geblutet haben, kam es im vergangenen Jahr zu einer Reihe Duelle unter den Söhnen beider Familien, die darin gipfelten das der kaum ausgewachsene Mario Andrea Spinola von Festus Brigori in einem Duell erschlagen wurde. Dieses erste tödliche Duell führte zu einer heftigen Auseinandersetzung am Geschlechterturm von Festus Brigoris Vater Horatio Brigori am Rande Platealongas. Erst die gemeinsamen Anstrengungen der Stadtwachen von Mascharana und Platealonga konnten die Gruppen voneinander trennen. Das Stadtgericht in Clavicula tagte daraufhin und beschloß das eine Geldsumme zur Wiedergutmachung gezahlt werden müsse. Außerdem solle Festus Brigori dem Benediktinerorden beitreten, da er offenbar seine Persönlichkeit nicht im Griff habe. Trotz dieses Urteils rechnet die Stadtwache mit weiteren Auseinandersetzungen.

Der Wiederaufbau und Umbau der ehemaligen Martinsfeste zu einem Quartier der Stadtwache geht voran. Das kann sicher noch zwei Jahre dauern, so schätzen die Arbeiter die daran beteiligt sind. Der Großteil der alten Außenmauern wurde jedoch bereits ausgebessert, wie es scheint.

Stadtpolitik
Die beiden Senatoren Biagio Doria und Dazio Fieschi werden als erste Senatoren Staglienos für den genuesischen Senat vereidigt. Ab sofort werden sie das neue Sestieri mit ihren Stimmen vertreten. Für das kommende Jahr 1076 sollen dann drei weitere gewählt werden. Anschliessend soll im Jahr 1077 der neue Konsul von Staglieno im Sestieriparlament gewählt werden. Dieser wird dann der Stadtregierung beitreten.
Die Familie Doria, mittlerweile mit vier eigenen Senatoren im Senat vertreten, ernennt, in guter genuesischer Tradition großer Handelsfamilien einen eigenen Patriarchen. Dies wird Geromano Doria aus Ravecca sein der vor allem mit dem Handel von Last-, Kriegs,-und Zuchtpferden reich geworden ist.

Aus dem italienischen Umland
- März: Gregor VII. verfasst den Dictatus Papae. Der Investiturstreit zwischen Kirche und Reich zeichnet sich ab.
- 9. Juni – Erste Schlacht bei Langensalza: Kaiser Heinrich IV. besiegt den sächsischen Adel an der Unstrut bei Langensalza in Thüringen. Er unterwirft Sachsen und versucht sofort, seine Rechte als Souverän von Norditalien wieder geltend zu machen.
- 8. Oktober: Dmitar Zvonimir wird von einem Abgesandten des Papstes Gregor VII. in Solin zum König von Kroatien gekrönt.
- Kosmas I. wird nach dem Tod von Johannes VIII. Patriarch von Konstantinopel.
- Der Bau der Kathedrale von Santiago de Compostela beginnt.
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1076 (Dezember 22)

Berichte über eine erhöhte Präsenz der pisanischen Flotte in der Bucht von Genua werden lauter. In der Regel eskortieren die pisanischen Schiffe jedoch nur Händler von Genua nach Pisa (und andersherum). Die genuesische Stadtregierung ist offenbar auch in Verhandlungen mit der benachbarten Stadt um die Hoheitsgrenzen zu klären. Nachdem Korsika nun unter pisanischer Verwaltung steht, gab es in den letzten Monaten immer wieder Verletzungen dieser von der einen oder anderen Seite.

In Votori, einem kleinen Örtchen zwischen Savona und Genua gab es offenbar eine Auseinandersetzung zwischen genuesischen Söldnern, die ein Herrenhaus am Rande des Dorfes niedergebrannt haben sollen, und Soldaten des Bischofs von Savona. Der Bischof Savonas verlangt nun die Herausgabe der Männer - oder zumindest die gerechte Hinrichtung der Männer in Genua - von seinem genuesischen Gegenpart. Bischof Oberto Pevere von Genua verkündet nun das sich die Beteiligten an dem Konflikt umgehend im Bischofskastell melden sollen.

Im Umland Votoris scheint ein Dämon um zu gehen. Die einzige Herde Ziegen des Ortes - alle tot. Der Schäfer der auf sie aufpasste? Verschwunden. Die Hunde die ihm dabei helfen? Geradezu zerfetzt. Der Suchtrupp der den Schäfer suchen wollte? Kam nicht zurück. Die Wölfe heulen dichter am Ort als jemals zuvor und beinahe jede Nacht durch. Einige haben sich gar bis ins Dorf vorgewagt, sagt man. Die Einwohner sind verängstigt und verrammeln des Nachts die Türen. Der Bischof Savonas wie auch der Graf von Mailand haben bereits Hilfe versprochen und Soldaten in Bewegung gesetzt.

Trotz der in den letzten Jahren neu errichteten Kapazitäten in den Werften sind die genuesischen Werften auf Jahre hinaus mit Aufträgen versorgt. Parallel zum Bau der Stadtmauer und der Umsiedlung claviculanischer Bürger in den neuen Gebieten innerhalb der Stadtmauer (und den Bau von Häusern für jene) wird jedoch langsam das Holz knapp. Und das trotz der riesigen Reserven die die Fieschi bei der Rodung der gräflichen Wälder angehäuft hatten. Die enormen Gewinne die sie dem Grafen beschert haben, haben ihnen nun Rodungs-Folgeaufträge im Umland eingebracht. Aber auch pisanische und mailändische Händler haben über die Familien Brigori und Embriaci einen Fuß in die Holzwirtschaft Genuas bekommen und importieren nun hauptsächlich neues Bauholz.

Die Spannungen zwischen den Familien Brigori und Spinola sind in einen wirtschaftlichen Konflikt umgeschwenkt. Wie in früheren Konflikten zwischen den Familien profitieren in diesem Fall die anderen großen Familien von Vergünstigungen im Transport- und Rohstoffsektor. Insgesamt hat der Konflikt jedoch einen positiven Einfluss auf die Stadtentwicklung, da sich in den nahen Seehäfen der starke Preiswettkampf herumspricht und daher mehr Händler la Superba besuchen.

Der Wiederaufbau und Umbau der ehemaligen Martinsfeste zum Quartier der Stadtwache geht voran. Das kann sicher noch ein weiteres Jahr dauern, so schätzen die Arbeiter die daran beteiligt sind. Die alten Außenmauern, Tore und Türme wurde bereits ausgebessert, sagt man. Es fehlen nun noch die inneren Gebäude und Unterkünfte der Stadtwache.

Stadtpolitik
Die drei Senatoren Salvo Arduinici, Novato Spinola und Manlio Guisare werden von den Bürgern Staglienos in den genuesischen Senat gewählt. Für das kommende Jahr soll dann auch der neue Konsul von Staglieno im Sestieriparlament gewählt werden. Dieser wird dann der Stadtregierung beitreten.
Für das zweite neue Sestieri, Maddalena, soll es erst nach Abschluss des Stadtmauerbaus gewählt werden. Aber natürlich macht man sich auch dort bereits Gedanken und setzt sich mit der ersten Wahl auseinander.

Aus dem italienischen Umland
- 24. Januar: Der römisch-deutsche König Heinrich IV. erklärt auf dem Hoftag zu Worms Papst Gregor VII. für abgesetzt. Beginn des Investiturstreits zwischen Kirche und Kaiser.
- 14. Februar: Papst Gregor VII. erklärt auf der von ihm einberufenen Fastensynode König Heinrich IV. für abgesetzt und spricht den Kirchenbann aus. Damit sind alle Untertanen Heinrichs von dem ihm geleisteten Treueeid entbunden. Innerhalb relativ kurzer Zeit beginnt danach der Widerstand der Papstgegner zu schwinden. Immer mehr Bischöfe wenden sich vom König ab und versuchen, sich mit dem Papst zu versöhnen. Die Autorität des Königs schwindet zusehends.
- März - Das "Marturis Placito" wird verfasst. Dies gilt als Schlüsselereignis für die Geburt des modernen Rechts. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wird ein Fragment des Digest (Sammlung der politischen Doktrin des antiken Roms) zitiert.
- 18. April: Beatrix von Lothringen, Markgräfin von Tuscien stirbt.
- 16. Oktober: Eine Koalition aus Gegnern Heinrichs rufen den Fürstentag zu Trebur ein, um dort über weitere Schritte zu beraten. In zähen Verhandlungen, die sich über zehn Tage hinziehen und an denen auch zwei mit päpstlicher Vollmacht ausgestattete Legaten beteiligt sind, erreicht Heinrich immerhin, dass man ihm eine Frist von einem Jahr zugesteht, innerhalb derer er vom Bann gelöst sein müsse. Heinrich, der sein Lager auf der gegenüberliegenden Rheinseite bei Oppenheim aufgeschlagen hat, entgeht somit der Gefahr einer unmittelbaren Absetzung und Neuwahl, allerdings um den Preis umfangreicher Zugeständnisse sowohl an seine Gegner im Reich als auch dem Papst gegenüber. Er muss in einem Schreiben allen Forderungen des Papstes entsprechen, seine Anschuldigungen gegen Gregor zurücknehmen und seine gebannten Berater entlassen und er verpflichtet sich, bis zum Februar des folgenden Jahres – dem Jahrestag der Exkommunikation – die Wiederaufnahme in die Kirche zu erwirken.
- 13. Dezember: Normannische Eroberung Süditaliens: Robert Guiskard und Richard von Capua erobern nach kurzer Belagerung Salerno. Das Fürstentum Salerno geht im folgenden Jahr als letzter langobardischer Staat unter.
- Anselm von Aosta, ein italienischer Benediktinerabt, vervollständigt das Monologion (oder Monoloque) auf Wunsch seiner Mitmönche.
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Il Canzoniere
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Re: [Sterblich] Gerüchte, Stadtpolitik & genuesisches Umland

Beitrag von Il Canzoniere »

Das Jahr 1077 (Januar 23)

In Platealonga spricht man erneut über pisanische Seeoperationen. Diesmal sollen sie auf dem toskanischen Archipel aktiv gewesen sein und dort mehrere Inselsiedlungen überfallen und Sklaven (? so die Gerüchte) geraubt haben. Ist das wahr? Beginnen die Pisani nun etwa Italiener zu versklaven? Wenn das stimmen würde, wäre es eine Ungeheuerlichkeit!

Da sich keiner der genuesischen Söldner die im vergangenen Jahr Votori angegriffen haben sollen beim Bischof Oberto Pevere von Genua gemeldet haben, wird er nun einen Sonderermittler in das kleine Dorf entsenden, der Hinweisen auf die Söldner und die eigenartigen Vorkommnisse aus dem vergangenen Jahr nachgehen soll.

Die jüdische Gemeinde Genuas zieht gen Maddalena. Vorher größtenteils in Clavicula, Domus und Platealonga beheimatet ziehen sie nun in einen neu erschlossenen Bereich des zukünftigen Sestieris. Unterstützt wird dies angeblich auch von der Kirche, die - falls die Gerüchte stimmen - die Baufläche in Clavicula für den neu geplanten genuesischen Dom gut gebrauchen kann, aber auch von Händlern und Vermietern die das langsam aufstrebende Clavicula im Blick haben. In Maddalena scheint man weniger erfreut über die neuen Nachbarn, kann aber wenig dagegen tun.

Im Kloster San Andrea scheint es einen heftigen Streit gegeben zu haben. Der Großteil der hiesigen Mönche verließ das seit wenigen Jahren innerhalb der Stadtmauer liegende Kloster - vielleicht auch um wieder in die Abgeschiedenheit zu ziehen. Seit Mitte des Jahres lassen sich nun vermehrt wandernde Mönche hier nieder und nutzen die brach liegenden Kapazitäten des Klosters - dennoch ist die Klostergemeinde enorm geschrumpft und umfasst nur noch einen Bruchteil ihrer vormaligen Größe.

Alle suchen sie Arbeitskräfte. Die Fieschi suchen Holzfällertrupps für das Umland, der Capitano della Mare hat gar einen solchen Mangel an Matrosen das damit begonnen wurde Sarden auf den Schiffen einzusetzen, sogar Kinder werden für viele Tätigkeiten einfach von der Straße weggeholt. Gerade die sardischen "Neu-Genuesen" lassen sich vermehrt im noch nicht so dicht bebauten Staglieno nieder. Das dortige Stadtbild beginnt sich bereits zu verändern.

Die Spannungen zwischen den Familien Brigori und Spinola gipfelten in diesem Jahr in der Weigerung der Brigori weitere Schiffe für die Spinola in den hiesigen Werften zu bauen. Stattdessen ließen sie "reservierte Bauzeiten" für die Spinola verfallen und verkauften beinahe fertige Schiffe an die Arduinici. Die Familie Spinola muss sich nun nach anderen Möglichkeiten umsehen, wenn sie weiter zur See expandieren wollen.

Der Umbau der ehemaligen Martinsfeste zum Quartier der Stadtwache ist abgeschlossen. Im kommenden Jahr soll die "Festa della Guardia" von der Wache bezogen werden. Unterdessen gehen die Bauarbeiten an der neuen Stadtmauer nun westlich von ihr weiter.

Stadtpolitik
Die Wahl des ersten Konsuls von Staglieno im Sestieriparlament ist abgeschlossen. Als Sieger ging - als Kompromisskandidat - Biagio Doria, Händler von Harzen, Honig, sowie Färbe- und Beizstoffen vom Feld. Er tritt nun der Stadtregierung bei und kümmert sich in Zukunft um das wachsende verwalterische Feld von Bürgern, Zünften, Gilden und Bediensteten der Stadt.

Aus dem italienischen Umland
- 25. Januar bis 28. Januar: König Heinrich IV. wird auf der Burg Canossa in Oberitalien von Papst Gregor VII. vom Kirchenbann gelöst, nachdem er seine Bußfertigkeit gezeigt hat – der sogenannte „Gang nach Canossa“.
- 15. März: Trotz der Lösung Heinrichs vom Bann erfolgt in Forchheim die Wahl des Schwabenherzogs Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig durch oppositionelle Adelige. Dabei werden erstmals auch Wahlversprechen von den Fürsten eingefordert. Rudolf von Rheinfelden wird am 26. März oder 7. April durch Siegfried I. von Eppstein im Mainzer Dom gekrönt.
- Im Herbst kommt es erstmals zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kontrahenten.
- 3. April – Heinrich IV. gewährt Sigaerd von Beilstein, dem Patriarchen von Aquileia, die Grafschaft Friaul (mit herzoglichem Status). Er schafft das erste Parlament, das die Gemeinden sowie den Adel und die Geistlichkeit vertritt.
- Nach dem Tod seines Bruders Géza I. wird Ladislaus I. König von Ungarn.
- Herbst - Nikephoros Bryennios (der Ältere), Doux von Dyrrhachium auf dem Westbalkan, und Nikephoros Botaneiates, Strategos von Anatolien, werden von ihren Truppen zu Kaisern ausgerufen. Kaiser Michael VII. bietet Bryennios den Titel Caesar (Mitkaiser) an, wenn er sich seiner Herrschaft unterwirft, aber Bryennios lehnt ab. Er bricht von Dyrrhachion auf und marschiert auf Konstantinopel.
- Das langobardische Fürstentum Salerno endet nach der Unterwerfung Fürst Gisulfs II. unter die normannische Herrschaft unter Robert Guiskard. Salerno wird die Hauptstadt von Guiscards Herzogtum, das aus Apulien, Kalabrien und Sizilien besteht.
- 1. September – Papst Gregor VII. ernennt Landulf zum Bischof von Pisa. Er macht ihn zum ständigen Legaten des Heiligen Stuhls auf Korsika. Mit der päpstlichen Belehnung Korsikas an den Bischof von Pisa wird die Insel pisanische Kolonie.
- König Mihailo I. erhält von Gregor VII. den Titel „König der Slawen“. Er wird der erste anerkannte Herrscher des Königreichs Duklja.
- 27. November – Landulf VI., Fürst von Benevent, stirbt.
-7. Dezember: Gerald von Ostia, Bischof von Ostia und Heiliger der katholischen Kirche, stirbt.
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