Re: [1080] Klingenmond [Giada, Roya]
Verfasst: Do 1. Jun 2023, 10:09
“Dann will ich dies tun. Im Austausch, vielleicht, gegen Begebenheiten Eurer Reise oder Eurer Heimat, denn wie sonst soll man beginnen, über den eigenen, engen Horizont hinweg zu blicken?” Es war eher eine rhetorische Frage und klang sogar ein wenig nach einer Art von Zitat, so wie man einen langjährigen Lehrmeister zitiert, der immer wieder dieselben Phrasen gedroschen hat, um zum Lernen anzutreiben.
“Die Alten Zirkel sind ein Erbe aus den Linien meines Blutes ebenso wie aus den Linien der Menschenstämme der Goten. Sie erzählen von unserem alten Erbe, doch sie erzählen auch von alten Pflichten, denen auch ich genügen muss. Wo andere die Linie ihres Blutserbes bis hin zum ersten Ursprung aufzählen, spricht dies von Tat und Pflicht anstelle von Blut und Gabe. Wenn andere sich einer ungebrochenen Ahnenlinie rühmen wollen, senke ich mein Haupt, denn was ist wohl ein solcher Ruhm? Doch die meinen und selbst ich als eine ihrer jüngsten, trage eine bis heute ungebrochene Pflicht.” Was für eine Pflicht dies nun genau war, das sagte Giada nicht, doch es schien auch nicht so als wollte sie dies aussprechen.
Stattdessen machte sie wie zum Zeichen, dass sie hier nicht mehr sagen konnte oder wollte, einen harten Bruch und wechselte zu dem anderen Thema. Sie machte dann eine Geste zu den Zeichen auf Royas Haut hin, wo sie zu sehen waren. “Ich überlege viel darüber, wie wir und die Menschen gleichermaßen unser Wissen in der Welt bewahren und weitergeben. Ich sinne über Schriften nach, über Zeichnungen, auch über Verschlüsselung von Wissen, geheime Schriften und Botschaften ebenso wie neue Formen der Darbietung.”
“Was Ihr auf Eurer Haut tragt, erinnert mich an das Bild von Sternen am Himmel. Und diese Sterne sind es, die den Menschen und uns die Seefahrt um so vieles erleichtern und wohl auch die weiten Reisen. In den östlichen Reichen und auch denen, die sich am südlichen Rand des Mare Nostrum ausbreiten, gab oder gibt es alte Künste des Wissens über die Sterne und die Sternbilder und auch darüber, wie sie gezeichnet werden können.”
Giada sah sich um und ging kurzerhand etwas zur Seite, wo der Weg nicht ganz so festgetreten war. Sie zog kurzerhand die metallene, dicke Stoffnadel aus der Fibel ihres Mantels, sah in den Himmel und zeichnete dann eines der Sternbilder dort in den Sand des Weges. Es war ein recht einfaches und darum auch häufiger bekanntes Sternbild, der Adler, der mit seinen zwei Flügeln emporstieg. Giada erklärte dennoch, denn ihre Zeichnung war trotzdem nicht mehr als ein paar Striche im Sand zwischen ein paar tieferen Punkten.
“Dies ist das Bild Aquila, der Adler. Sein Kopf wird von den Gelehrten im Osten Altair genannt.” Sie drehte sich ein wenig, so dass sie in die Richtung des Bildes am Himmel zeigen konnte.
“Ich ließ vor einigen Jahren einmal einen Mann, der eigentlich als Gelehrter für die Seefahrt arbeitete, für mich auf dem Land arbeiten. Er sollte eine Art Bild wie dieses anfertigen, doch nicht vom Himmel sondern vom Land. Die ‘Sterne’ seines Landbildes sollten die weithin sichtbaren Orte sein, hohe Berggipfel, Gabelungen großer Flüsse, große Städte, weite Seen und so fort. Was ich damit sagen will, ist dies: Dass solche Zeichnungen die Gegebenheiten von der Art oder Form einer Fläche doch so viel besser für uns aufzeigen, wie die Dinge beschaffen sind, als die Zeilen eines Berichtes oder einer Beschreibung.”
Die Magistra richtete sich wieder auf. “Und nun komme ich zu jener Idee, die Ihr mir geschenkt habt: Was, wenn das Pergament, auf dem eine solche Zeichnung ist, gefaltet und gedreht werden kann? Wenn in Wahrheit durch die Art oder Faltung jenes Pergaments das Bild ja auch verändert und verschoben werden könnte? Ihr könntet Aquila auf Eurer Haut tragen, doch der Adler könnte nur sichtbar werden, wenn Ihr zum Beispiel die Hände aneinander legt oder die Arme kreuzt oder ähnliches. Ich weiß natürlich nicht, ob dies mit Euren Hautbildern auch nur annähernd so sein könnte, werte Roya, doch dies war die Idee, die mir in den Sinn kam. Wenn ich nun eine Himmelskarte zeichnen würde, aber nur in der richtigen Faltung ergäbe sich zum Beispiel das Bild des Adlers, dann könnte ich auf diese Weise und allein durch die Faltung allerlei Geheimnisse darin verbergen, die dem unbedachten Geist und ungeschulten Auge verborgen bleiben müssten.”
“Die Alten Zirkel sind ein Erbe aus den Linien meines Blutes ebenso wie aus den Linien der Menschenstämme der Goten. Sie erzählen von unserem alten Erbe, doch sie erzählen auch von alten Pflichten, denen auch ich genügen muss. Wo andere die Linie ihres Blutserbes bis hin zum ersten Ursprung aufzählen, spricht dies von Tat und Pflicht anstelle von Blut und Gabe. Wenn andere sich einer ungebrochenen Ahnenlinie rühmen wollen, senke ich mein Haupt, denn was ist wohl ein solcher Ruhm? Doch die meinen und selbst ich als eine ihrer jüngsten, trage eine bis heute ungebrochene Pflicht.” Was für eine Pflicht dies nun genau war, das sagte Giada nicht, doch es schien auch nicht so als wollte sie dies aussprechen.
Stattdessen machte sie wie zum Zeichen, dass sie hier nicht mehr sagen konnte oder wollte, einen harten Bruch und wechselte zu dem anderen Thema. Sie machte dann eine Geste zu den Zeichen auf Royas Haut hin, wo sie zu sehen waren. “Ich überlege viel darüber, wie wir und die Menschen gleichermaßen unser Wissen in der Welt bewahren und weitergeben. Ich sinne über Schriften nach, über Zeichnungen, auch über Verschlüsselung von Wissen, geheime Schriften und Botschaften ebenso wie neue Formen der Darbietung.”
“Was Ihr auf Eurer Haut tragt, erinnert mich an das Bild von Sternen am Himmel. Und diese Sterne sind es, die den Menschen und uns die Seefahrt um so vieles erleichtern und wohl auch die weiten Reisen. In den östlichen Reichen und auch denen, die sich am südlichen Rand des Mare Nostrum ausbreiten, gab oder gibt es alte Künste des Wissens über die Sterne und die Sternbilder und auch darüber, wie sie gezeichnet werden können.”
Giada sah sich um und ging kurzerhand etwas zur Seite, wo der Weg nicht ganz so festgetreten war. Sie zog kurzerhand die metallene, dicke Stoffnadel aus der Fibel ihres Mantels, sah in den Himmel und zeichnete dann eines der Sternbilder dort in den Sand des Weges. Es war ein recht einfaches und darum auch häufiger bekanntes Sternbild, der Adler, der mit seinen zwei Flügeln emporstieg. Giada erklärte dennoch, denn ihre Zeichnung war trotzdem nicht mehr als ein paar Striche im Sand zwischen ein paar tieferen Punkten.
“Dies ist das Bild Aquila, der Adler. Sein Kopf wird von den Gelehrten im Osten Altair genannt.” Sie drehte sich ein wenig, so dass sie in die Richtung des Bildes am Himmel zeigen konnte.
“Ich ließ vor einigen Jahren einmal einen Mann, der eigentlich als Gelehrter für die Seefahrt arbeitete, für mich auf dem Land arbeiten. Er sollte eine Art Bild wie dieses anfertigen, doch nicht vom Himmel sondern vom Land. Die ‘Sterne’ seines Landbildes sollten die weithin sichtbaren Orte sein, hohe Berggipfel, Gabelungen großer Flüsse, große Städte, weite Seen und so fort. Was ich damit sagen will, ist dies: Dass solche Zeichnungen die Gegebenheiten von der Art oder Form einer Fläche doch so viel besser für uns aufzeigen, wie die Dinge beschaffen sind, als die Zeilen eines Berichtes oder einer Beschreibung.”
Die Magistra richtete sich wieder auf. “Und nun komme ich zu jener Idee, die Ihr mir geschenkt habt: Was, wenn das Pergament, auf dem eine solche Zeichnung ist, gefaltet und gedreht werden kann? Wenn in Wahrheit durch die Art oder Faltung jenes Pergaments das Bild ja auch verändert und verschoben werden könnte? Ihr könntet Aquila auf Eurer Haut tragen, doch der Adler könnte nur sichtbar werden, wenn Ihr zum Beispiel die Hände aneinander legt oder die Arme kreuzt oder ähnliches. Ich weiß natürlich nicht, ob dies mit Euren Hautbildern auch nur annähernd so sein könnte, werte Roya, doch dies war die Idee, die mir in den Sinn kam. Wenn ich nun eine Himmelskarte zeichnen würde, aber nur in der richtigen Faltung ergäbe sich zum Beispiel das Bild des Adlers, dann könnte ich auf diese Weise und allein durch die Faltung allerlei Geheimnisse darin verbergen, die dem unbedachten Geist und ungeschulten Auge verborgen bleiben müssten.”