[Archiv] Schauplätze
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Borgo di Bisagno (um ca. 940 n.Chr.)
Nahe des Flusses Bisagno, der sich aus dem Appennin dreißig Kilometer bis zum Golf von Genua schiebt, lag das Dörfchen von Bisagno.
Wer die Porta Soprana durchschritt und der Platealonga nach Osten folgte, der verließ nicht nur den Schutz der karolingischen Stadtmauer, sondern er entkam auch dem Gedränge der Gassen. Freier war die Luft und der Geist hier draußen, denn so weit das Auge sehen konnte erstreckten sich Gärten. Der Duft von Pfirsichblüten, von Zitronenbäumen und frischen Aprikosen wird im Sommer vom Wind getragen, im Winter ist es bezaubernd still in der klaren, frischen Landluft.
Einige Dorfhäuser drängten sich an den Rand der gepflasterten Straße, die sich durch die Hügel ausserhalb der Stadt zum Fluss zogt und ab und an ein kleiner Schrein für einen Heiligen oder die Gottesmutter Maria.
In der Ferne ertönte zuweilen das Rauschen des Flusses.
Nahe des Flusses Bisagno, der sich aus dem Appennin dreißig Kilometer bis zum Golf von Genua schiebt, lag das Dörfchen von Bisagno.
Wer die Porta Soprana durchschritt und der Platealonga nach Osten folgte, der verließ nicht nur den Schutz der karolingischen Stadtmauer, sondern er entkam auch dem Gedränge der Gassen. Freier war die Luft und der Geist hier draußen, denn so weit das Auge sehen konnte erstreckten sich Gärten. Der Duft von Pfirsichblüten, von Zitronenbäumen und frischen Aprikosen wird im Sommer vom Wind getragen, im Winter ist es bezaubernd still in der klaren, frischen Landluft.
Einige Dorfhäuser drängten sich an den Rand der gepflasterten Straße, die sich durch die Hügel ausserhalb der Stadt zum Fluss zogt und ab und an ein kleiner Schrein für einen Heiligen oder die Gottesmutter Maria.
In der Ferne ertönte zuweilen das Rauschen des Flusses.
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Borgo Incrociati (um ca. 940 n.Chr.)
Kreuzdorf lag direkt hinter dem Borgo di Bisagno, nur etwas weiter die Straße hinunter. Man musste nur noch etwas weiter durch die malerische Landschaft der dörflichen Bauern entlang und dann die Ponte Sant'Agata überschreiten.
Dort befand sich, eng um ein Straßenkreuz gedrängt das unscheinbare Dörfchen. An dieser Stelle traf die Platealonga auf die antiken Via Aemilia Scauri, die Fernstraße durch die ligurischen Appenninberge nach Piacenza, und die Via Aurelia, die Fernstraße nach Pisa.
Die wenigen Einwohner des Dorfes erwarben ihr karges Hab und Gut hauptsächlich mit der Zucht von Hühnern und Rindern im Bisagnotal, aber auch der Schmied und der Stallbursche haben an der äußerst wichtigen Landverbindung nach Pisa immer viel zu tun und das Wirtshaus ist immer gut gefüllt mit Reisenden und Händlern, die kurz vor der Stadt noch einmal Halt machten.
Kreuzdorf lag direkt hinter dem Borgo di Bisagno, nur etwas weiter die Straße hinunter. Man musste nur noch etwas weiter durch die malerische Landschaft der dörflichen Bauern entlang und dann die Ponte Sant'Agata überschreiten.
Dort befand sich, eng um ein Straßenkreuz gedrängt das unscheinbare Dörfchen. An dieser Stelle traf die Platealonga auf die antiken Via Aemilia Scauri, die Fernstraße durch die ligurischen Appenninberge nach Piacenza, und die Via Aurelia, die Fernstraße nach Pisa.
Die wenigen Einwohner des Dorfes erwarben ihr karges Hab und Gut hauptsächlich mit der Zucht von Hühnern und Rindern im Bisagnotal, aber auch der Schmied und der Stallbursche haben an der äußerst wichtigen Landverbindung nach Pisa immer viel zu tun und das Wirtshaus ist immer gut gefüllt mit Reisenden und Händlern, die kurz vor der Stadt noch einmal Halt machten.
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Luccoli (um ca. 940 n.Chr.)
Das Wäldchen Luccoli lag wie so viele Dörfer und Weiler Liguriens ausserhalb der karolingischen Stadtmauern. Auf dem Weg von der Porta Serravalle nach Nordosten folgte man dem Bächlein Rialto sicher fünfhundert Meter, ehe die ersten Auswüchse des alten Waldes sich dem Pfad nähern.
Einst – so sagen die Genovesi – war hier ein Hain der Römer, ein Naturtempel an den Sonnen- und die Mondgöttin. Tief zwischen den knorrigen, alten Olivenbäumen verborgen sollen Reste ihrer Druidenaltäre verborgen sein.
Auf dem undurchsichtigen Gewirr aus Pfaden, die sich durch die Hügeltäler des Waldes schlängelten und sich in Richtung des Appenninausläufers Castelletto fraßen, begegnetem einem tagsüber einige Menschen. Der Verkehr von der Baustelle der Festung und dem nordöstlichen Hinterland in den Schutz der Mauern war emsig. Entlang des Weges befinden sich einige Dörfchen und einsame Hütten, immer mal wieder eines. Kleine, schlichte Häuschen reihen sich da aneinander, unterbrochen dann und wann vom kleinen Hof eines Ziegenhirten oder Eseltreiber, die Material vom Hafen bis zur Festung brachten oder Händler durch das Dickicht ihres Waldes begleiteten.
Das war auch dringend nötig. Denn manchmal, behaupteten die Bewohner von Luccoli, in den einsamsten Nächten des Jahres wenn Tag und Nacht gleich lang sind, wenn die Wölfe des Gebirges ihr Lied heulten: In solchen Stunden schwörten die Dorfbewohner bei der heiligen Mutter Maria, die letzten Gottlosen würden nachts durch die Wälder schleichen und hielten ihre grauenhaften Rituale ab.
Das Wäldchen Luccoli lag wie so viele Dörfer und Weiler Liguriens ausserhalb der karolingischen Stadtmauern. Auf dem Weg von der Porta Serravalle nach Nordosten folgte man dem Bächlein Rialto sicher fünfhundert Meter, ehe die ersten Auswüchse des alten Waldes sich dem Pfad nähern.
Einst – so sagen die Genovesi – war hier ein Hain der Römer, ein Naturtempel an den Sonnen- und die Mondgöttin. Tief zwischen den knorrigen, alten Olivenbäumen verborgen sollen Reste ihrer Druidenaltäre verborgen sein.
Auf dem undurchsichtigen Gewirr aus Pfaden, die sich durch die Hügeltäler des Waldes schlängelten und sich in Richtung des Appenninausläufers Castelletto fraßen, begegnetem einem tagsüber einige Menschen. Der Verkehr von der Baustelle der Festung und dem nordöstlichen Hinterland in den Schutz der Mauern war emsig. Entlang des Weges befinden sich einige Dörfchen und einsame Hütten, immer mal wieder eines. Kleine, schlichte Häuschen reihen sich da aneinander, unterbrochen dann und wann vom kleinen Hof eines Ziegenhirten oder Eseltreiber, die Material vom Hafen bis zur Festung brachten oder Händler durch das Dickicht ihres Waldes begleiteten.
Das war auch dringend nötig. Denn manchmal, behaupteten die Bewohner von Luccoli, in den einsamsten Nächten des Jahres wenn Tag und Nacht gleich lang sind, wenn die Wölfe des Gebirges ihr Lied heulten: In solchen Stunden schwörten die Dorfbewohner bei der heiligen Mutter Maria, die letzten Gottlosen würden nachts durch die Wälder schleichen und hielten ihre grauenhaften Rituale ab.
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Das Dorf Castelletto (um ca. 940 n.Chr.)
Auf den fruchtbaren Hängen des Monte Albano, von dessen Spitze aus man weit ins Umland Genuas und auf die Bucht hinausblicken kann, befand sich einst ein kleines Dörfchen, das später den Namen Castelletto tragen sollte. Es lag eine ganze Weile Fußmarsches ausserhalb der schützenden Stadtmauern, noch eine Weile hinter dem Luccoli.
Bevor es zu seinem Namen kam, bestand es aus einigen alten Langhäusern und ein paar Bauerhütten.
Erst 935 kam mit dem Grafensohn Oberto auch die Bedeutung in die Gegend. Sein Gefolge besetzte einige der größeren Gebäude und begann zügig damit, sie winterfest zu machen und für einige dutzend Menschen herzurichten.
Im Neujahr begann der Festungsbau und das Wachstum des Dörfchens.
Neue Hütten entstanden, nicht nur für die Männern des Grafen – die Schreiber, Wachen, Leibdiener, Ritter und Knappen, Hofpriester und Ministranten, Stallburschen, Handwerker und Schmiede – sondern auch das Bauernvolk. Wer irgendeines Handwerks mächtig war, das zum Bau einer Mauer und einer Burg gut war, wer von seinem alten Leben genug hatte, wer sich schnelles Geld und warmes Essen erhoffte, der zog mit Sack und Pack nach Castelletto.
Leute mit Eseln und Karren transportierten des Grafen Steine und Balken zur Baustelle, Händler schafften das Material heran, Steinmetze und Tagelöhner errichteten für ihn die Mauern und das Ziegelwerk, Hirten und Bauern erhielten von ihm Land der Umgebung, wenn sie nur die Männer versorgten.
Sie alle und ihre Familien mussten irgendwo schlafen. Ein Großteil davon direkt vor der Baustelle im Dorf Castelletto, das tagsüber einer der geschäftigsten Flecken Liguriens ist und selbst in der Nacht war es vom Fackelschein der Feuerstellen erleuchtet, vom letzten Geschwätz im einzigen Wirtshaus und der eisernen Ablehnung der Bewaffneten.
Kleine Hütten und Häuser entstanden zu dieser Zeit dutzendweise an den reichen Weidehängen.
Auf den fruchtbaren Hängen des Monte Albano, von dessen Spitze aus man weit ins Umland Genuas und auf die Bucht hinausblicken kann, befand sich einst ein kleines Dörfchen, das später den Namen Castelletto tragen sollte. Es lag eine ganze Weile Fußmarsches ausserhalb der schützenden Stadtmauern, noch eine Weile hinter dem Luccoli.
Bevor es zu seinem Namen kam, bestand es aus einigen alten Langhäusern und ein paar Bauerhütten.
Erst 935 kam mit dem Grafensohn Oberto auch die Bedeutung in die Gegend. Sein Gefolge besetzte einige der größeren Gebäude und begann zügig damit, sie winterfest zu machen und für einige dutzend Menschen herzurichten.
Im Neujahr begann der Festungsbau und das Wachstum des Dörfchens.
Neue Hütten entstanden, nicht nur für die Männern des Grafen – die Schreiber, Wachen, Leibdiener, Ritter und Knappen, Hofpriester und Ministranten, Stallburschen, Handwerker und Schmiede – sondern auch das Bauernvolk. Wer irgendeines Handwerks mächtig war, das zum Bau einer Mauer und einer Burg gut war, wer von seinem alten Leben genug hatte, wer sich schnelles Geld und warmes Essen erhoffte, der zog mit Sack und Pack nach Castelletto.
Leute mit Eseln und Karren transportierten des Grafen Steine und Balken zur Baustelle, Händler schafften das Material heran, Steinmetze und Tagelöhner errichteten für ihn die Mauern und das Ziegelwerk, Hirten und Bauern erhielten von ihm Land der Umgebung, wenn sie nur die Männer versorgten.
Sie alle und ihre Familien mussten irgendwo schlafen. Ein Großteil davon direkt vor der Baustelle im Dorf Castelletto, das tagsüber einer der geschäftigsten Flecken Liguriens ist und selbst in der Nacht war es vom Fackelschein der Feuerstellen erleuchtet, vom letzten Geschwätz im einzigen Wirtshaus und der eisernen Ablehnung der Bewaffneten.
Kleine Hütten und Häuser entstanden zu dieser Zeit dutzendweise an den reichen Weidehängen.
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Maddalena (um ca.940 n.Chr.)
Knapp ausserhalb der Porta Serravale lag ein Dörfchen, das seinen Namen von der Kirche der heiligen Mutter Gottes nahm - der Basilica della Santa Maria delle Vigne. Auf der östlichen Seite der Hänge jenes Hügels gelegen, auf dem die Basilica stand, schmiegten sich einige Gehöfte an die Kreuzung der Hauptstraße nach Castelletto und der Abzweigung zur Kathedrale San Siro.
Wie der Name der Kirche andeutete, war die Gegend hier reich an Weinbergen und die meisten Häuser hier mehr Höfe für die Winzer, ihre Knechte, Mägde und ihre Winzereien. Vielleicht vier oder fünf Gutshöfe stehen hier, teils nur einen Steinwurf voneinander entfernt, und bieten vielleicht zweihundert Menschen Obdach.
Die meisten dieser Höfe bestehen zumindest im Kern noch aus den antiken Villae Rusticae, die mit einer wilden Mischung aus Liebe und Unfähigkeit über die Jahrhunderte geflickt, repariert und gekittet worden waren.
Knapp ausserhalb der Porta Serravale lag ein Dörfchen, das seinen Namen von der Kirche der heiligen Mutter Gottes nahm - der Basilica della Santa Maria delle Vigne. Auf der östlichen Seite der Hänge jenes Hügels gelegen, auf dem die Basilica stand, schmiegten sich einige Gehöfte an die Kreuzung der Hauptstraße nach Castelletto und der Abzweigung zur Kathedrale San Siro.
Wie der Name der Kirche andeutete, war die Gegend hier reich an Weinbergen und die meisten Häuser hier mehr Höfe für die Winzer, ihre Knechte, Mägde und ihre Winzereien. Vielleicht vier oder fünf Gutshöfe stehen hier, teils nur einen Steinwurf voneinander entfernt, und bieten vielleicht zweihundert Menschen Obdach.
Die meisten dieser Höfe bestehen zumindest im Kern noch aus den antiken Villae Rusticae, die mit einer wilden Mischung aus Liebe und Unfähigkeit über die Jahrhunderte geflickt, repariert und gekittet worden waren.
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Macelli (um ca. 940 n.Chr.)
Folgt man den schlechten Trampelpfaden durch das Tal des Luccoli und entgeht den Wölfen und dem ein oder anderen Taugenichts oder bezahlt einen der Dörfler, so gelangt man nach einer Weile aus dem Wald heraus und auf einen zwischen den Hügeln eingefassten Trichter. An dieser Stelle treffen sich die Täler Luccoli und Bachernia und bilden eine große Lichtung zwischen den bewaldeten Hügeln des Hinterlandes und einigen Bächen der Umgebung.
Es gibt noch einen weiteren, weniger gefährlicheren Weg nach Macelli, doch führt dieser um den Hügel des Castelettos herum und dauert einige Stunden länger.
Das Dorf Macelli, das sich auf dieser Lichtung befindet, ist klein aber malerisch. Der Bach Riale verbindet sich hier mit einigen Abflüssen aus den Bergen und vereinigt sich mit ihnen zum Soziglia, dem Fluss der sich durch den ganzen Luccoliwald, dann weiter durch das Dorf Maddalena auf dem Weg zur Bucht von Genua. Mehrere dieser kleinen Bäche fließen durch das Dorf und sind meist einfach zu überspringen. Nur der Soziglia selbst wurde mit einer Brücke ausgestattet, neben der ein hölzerner Wachposten aufgerichtet steht.
Der Geruch des Wälder liegt überall dick in der Luft und schon von weitem hört man das Gequieke der Schweine, denn Macelli ist bekannt für seine Viehzucht. Schweine sind nicht sehr wählerisch und im reichen Waldboden der Gegend finden sie ganzjährig ihre Nahrung. So gut ist der Schinken dieser Maiali Macellini, dass sie an Markttagen in der Stadt hohe Preise erzielen und die, denen diese Preise zu teuer sind, selbst die beschwerliche Reise auf sich nehmen, um es direkt dort zu erstehen.
Folgt man den schlechten Trampelpfaden durch das Tal des Luccoli und entgeht den Wölfen und dem ein oder anderen Taugenichts oder bezahlt einen der Dörfler, so gelangt man nach einer Weile aus dem Wald heraus und auf einen zwischen den Hügeln eingefassten Trichter. An dieser Stelle treffen sich die Täler Luccoli und Bachernia und bilden eine große Lichtung zwischen den bewaldeten Hügeln des Hinterlandes und einigen Bächen der Umgebung.
Es gibt noch einen weiteren, weniger gefährlicheren Weg nach Macelli, doch führt dieser um den Hügel des Castelettos herum und dauert einige Stunden länger.
Das Dorf Macelli, das sich auf dieser Lichtung befindet, ist klein aber malerisch. Der Bach Riale verbindet sich hier mit einigen Abflüssen aus den Bergen und vereinigt sich mit ihnen zum Soziglia, dem Fluss der sich durch den ganzen Luccoliwald, dann weiter durch das Dorf Maddalena auf dem Weg zur Bucht von Genua. Mehrere dieser kleinen Bäche fließen durch das Dorf und sind meist einfach zu überspringen. Nur der Soziglia selbst wurde mit einer Brücke ausgestattet, neben der ein hölzerner Wachposten aufgerichtet steht.
Der Geruch des Wälder liegt überall dick in der Luft und schon von weitem hört man das Gequieke der Schweine, denn Macelli ist bekannt für seine Viehzucht. Schweine sind nicht sehr wählerisch und im reichen Waldboden der Gegend finden sie ganzjährig ihre Nahrung. So gut ist der Schinken dieser Maiali Macellini, dass sie an Markttagen in der Stadt hohe Preise erzielen und die, denen diese Preise zu teuer sind, selbst die beschwerliche Reise auf sich nehmen, um es direkt dort zu erstehen.
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"Burgus" (um ca.940 n.Chr.)
In den alten Zeiten, vor den Franken und den Langobarden, noch vor den Germanen, war Genua eine stolze Garnisonsstadt der römischen Legionen. Die Einteilung der Verwaltung in Burgus, Civitas und Castrum stammt noch daher und auch
Das Gebiet, das von den einfachen Bürgern der Stadt heute Burgus genannt wird, hat mit jenem der Römer nicht mehr viel gemein. Es ist ein Dorf, das um die Kathedrale San Siro herum auf den Überresten der ehemaligen Vorstadt gewachsen ist, eingeklemmt zwischen dem Bach Pankras, der Bucht und der Basilika.
Der Stolz des Dorfes, neben der unmittelbaren Nähe zum Stolz aller Genueser, der Kathedrale, ist ein alter Wachturm der Römer. Hoch in den Himmel ragend und aus festgefügtem Stein gesetzt überwacht er die hölzerne Brücke über den Pankras und erlaubt einen weiten Blick in die Bucht hinein.
Heute wird den Bewohnern von Burgus gerne Unfähigkeit oder Faulheit vorgeworfen. Die Städter haben nicht vergessen, dass niemand die Sarazenen kommen gesehen hatte – und wofür ist ein Wachturm gut auf dem niemand wacht?
In den alten Zeiten, vor den Franken und den Langobarden, noch vor den Germanen, war Genua eine stolze Garnisonsstadt der römischen Legionen. Die Einteilung der Verwaltung in Burgus, Civitas und Castrum stammt noch daher und auch
Das Gebiet, das von den einfachen Bürgern der Stadt heute Burgus genannt wird, hat mit jenem der Römer nicht mehr viel gemein. Es ist ein Dorf, das um die Kathedrale San Siro herum auf den Überresten der ehemaligen Vorstadt gewachsen ist, eingeklemmt zwischen dem Bach Pankras, der Bucht und der Basilika.
Der Stolz des Dorfes, neben der unmittelbaren Nähe zum Stolz aller Genueser, der Kathedrale, ist ein alter Wachturm der Römer. Hoch in den Himmel ragend und aus festgefügtem Stein gesetzt überwacht er die hölzerne Brücke über den Pankras und erlaubt einen weiten Blick in die Bucht hinein.
Heute wird den Bewohnern von Burgus gerne Unfähigkeit oder Faulheit vorgeworfen. Die Städter haben nicht vergessen, dass niemand die Sarazenen kommen gesehen hatte – und wofür ist ein Wachturm gut auf dem niemand wacht?
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Contrada Predis/Flussmund (um ca.940 n.Chr.)
Wo der Buccebovis in die Bucht einfließt flachen die ihn umgebenden Hügel des Petraminuta und Embregaria ab und bilden einen flachen Sandstrand, an dessen hinteren Ende die Via Ponente sich weiter nach Westen, in die Provence und Südfrankreich schiebt.
Es ist hier, wo sich jenes beschauliche Fischerdörfchen beiderseits des Flusses aus dem Sand erhebt, das früher "Contrada Predis" hieß, heute aber meist nur Flussmund genannt wird. Der Name rührt daher, dass der Buccebovis zwar nicht mit der Größe Bisagno oder Polcevera mithalten kann, aber ganzjährig Wasser führt und mit erstaunlichem Fischreichtum gesegnet ist. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich hier schnell Fischer ansiedelten mit ihren Netzen und Booten, die weite Teile des flachen Strandes bedecken.
Nahe an der Flussmündung befindet sich auch die "kleine Grabeskirche" – Il piccolo sepolcro – die das einzig nennenswerte Gebäude der Gegend ist. Holzhütten, Katen und jede Menge Fisch ist das einzige, was sich hier finden lässt.
Wo der Buccebovis in die Bucht einfließt flachen die ihn umgebenden Hügel des Petraminuta und Embregaria ab und bilden einen flachen Sandstrand, an dessen hinteren Ende die Via Ponente sich weiter nach Westen, in die Provence und Südfrankreich schiebt.
Es ist hier, wo sich jenes beschauliche Fischerdörfchen beiderseits des Flusses aus dem Sand erhebt, das früher "Contrada Predis" hieß, heute aber meist nur Flussmund genannt wird. Der Name rührt daher, dass der Buccebovis zwar nicht mit der Größe Bisagno oder Polcevera mithalten kann, aber ganzjährig Wasser führt und mit erstaunlichem Fischreichtum gesegnet ist. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich hier schnell Fischer ansiedelten mit ihren Netzen und Booten, die weite Teile des flachen Strandes bedecken.
Nahe an der Flussmündung befindet sich auch die "kleine Grabeskirche" – Il piccolo sepolcro – die das einzig nennenswerte Gebäude der Gegend ist. Holzhütten, Katen und jede Menge Fisch ist das einzige, was sich hier finden lässt.
Borgo di Bisagno
Borgo di Bisagno (ca. 1000 n.Chr.)
Nahe des Flusses Bisagno, der sich aus dem Appennin dreißig Kilometer bis zum Golf von Genua schiebt, lag das Dörfchen von Bisagno.
Borgo di Bisagno lag direkt hinter Borgo di Incrociati, man musste nur noch etwas weiter durch die malerische-dörfliche Landschaft wandern und dann die Ponte Sant'Agata überschreiten.
Schließlich erreichte man den ruhigen Ort Borgo di Bisagno, wo sich einige drängende Dorfhäuser am Rand der gepflasterten Straße nach Pisa fanden. Die via Via Aurelia, die noch aus römischer Zeit stammte, zog sich durch die Hügel ausserhalb der Stadt zum Fluss und führte dieser Tage einen stetigen Strom Händler von nah und fern heran. Ab und an lud ein kleiner Schrein für einen Heiligen oder die Gottesmutter Maria ein und ließ die Reisenden schnell über die fehlende Dorfkirche hinwegsehen. Neben den hübschen Pfirsich- und Aprikosenhainen im Westen war das kargere und hügelige Land im Osten zwar nicht für den Ackerbau geeignet, dafür waren Tiere hier sehr häufig. Konnte man Morgens in der früh die Ziegenhirten und Schäfer dabei beobachten wie sie ihre Tiere die kleinen Hügel hinauf zu ihren Weiden trieben oder Mittags den Pferden des Landgestüts ferner Adeliger beim Grasen zusehen.
In der Ferne ertönte zuweilen das Rauschen des Flusses.
Nahe des Flusses Bisagno, der sich aus dem Appennin dreißig Kilometer bis zum Golf von Genua schiebt, lag das Dörfchen von Bisagno.
Borgo di Bisagno lag direkt hinter Borgo di Incrociati, man musste nur noch etwas weiter durch die malerische-dörfliche Landschaft wandern und dann die Ponte Sant'Agata überschreiten.
Schließlich erreichte man den ruhigen Ort Borgo di Bisagno, wo sich einige drängende Dorfhäuser am Rand der gepflasterten Straße nach Pisa fanden. Die via Via Aurelia, die noch aus römischer Zeit stammte, zog sich durch die Hügel ausserhalb der Stadt zum Fluss und führte dieser Tage einen stetigen Strom Händler von nah und fern heran. Ab und an lud ein kleiner Schrein für einen Heiligen oder die Gottesmutter Maria ein und ließ die Reisenden schnell über die fehlende Dorfkirche hinwegsehen. Neben den hübschen Pfirsich- und Aprikosenhainen im Westen war das kargere und hügelige Land im Osten zwar nicht für den Ackerbau geeignet, dafür waren Tiere hier sehr häufig. Konnte man Morgens in der früh die Ziegenhirten und Schäfer dabei beobachten wie sie ihre Tiere die kleinen Hügel hinauf zu ihren Weiden trieben oder Mittags den Pferden des Landgestüts ferner Adeliger beim Grasen zusehen.
In der Ferne ertönte zuweilen das Rauschen des Flusses.
~*~ Die Glut des Herzens ist am besten in den Nächten voller Dunkelheit zu erkennen. ~*~
Broglio
Broglio (um ca.980 n.Chr.)
Früher einmal war Broglio ein Dörfchen, ein malerisches kleines Ding vor den Toren der römischen Stadtmauern. Auf seinen grünen Hügeln standen Reih um Reih Hühnerställe, durch die kleinen Täler zogen sich die sorgsam gepflasterte Ableger der Via Aurelia bis in die Stadt hinein und in seinen Stuben herrschte eine heimelige Ordnung.
Das Geschnatter von Hühnen und Gänsen lag in der Luft, Schweine drehten sich lachend über Feuern und der Geruch von Schinken, Brathähnchen und gebratenen Eiern lag beständig in der Luft. Es war ein Fest für die Sinne.
Mit der Errichtung der neuen Mauer durch den ach so großen Karl änderte sich das.
Broglio war nun Teil der Stadt. Jedenfalls innerhalb der Mauern der Stadt, mit dem Haupttor für Handel, der Porta Soprana im Osten und der alten Römerstraße (strata romana) im Norden. Und die Stadt schluckte das einst beschauliche Dörfchen mit gierigen reißen und zerren, wie ein Raubtier seine Beute.
Seit den sarazenischen Überfällen vor fast einem halben Jahrhundert lagern die Heimatlosen in den Straßen von Broglio. Jahrzehnte des Aufbaus, die andere Sestieri wieder aufrichteten und in neuem Glanz erstrahlen ließen, gingen unbemerkt an Broglio vorbei. Hässliche Behelfsbauten ragen dort in den Himmel wo früher Kühe weideten und Hühnerställe beherbergen heute Männer und Frauen mit hoffnungslosen Gesichtern.
Von seinen Schwesterbezirken im Stich gelassen und ausgenutzt wuchern die Elendsviertel Claviculas jedes Jahr weiter die einst grünen Hänge Broglios hinauf, werden die Banden aus Halsabschneidern, Straßendieben und Erpressern stetig dreister. Bettler denen in Domus und Mascarana der Strick droht, versuchen hier ihr Glück, nur um festzustellen das das Mitleid in den Herzen der Broglioer längst erloschen ist.
Broglio ist ein Ertrinkender. Die Straßen versinken seit Jahrzehnten unter einer dicken Schicht aus Dreck, Schlamm und Unrat. Der Sirenengesang der Menge ist von überall zu hören, auch wenn er sich über die Jahre verändert hat: Das Ächzen der stöhnenden Menschen, das Gequieke der werfenden Säue, das säuselnde Betteln der Hoffnungslosen, der Hochmut der krähenden Hähne, das Rumpeln der fahrenden Handelswagen.
Broglio (um die Jahrtausendwende)
Broglio hatte sich verändert, so viel war jedem ersichtlich, der schon einige Jahrzehnte in Genua verbracht hatte.
Es war nicht unbedingt sauberer geworden oder weniger chaotisch oder auch nur sicherer im großen Ganzen. Aber es war dichter zusammengewachsen seit den ersten Aufständen in den 950er Jahren, als ein Endzeitkult das erste Mal zu Prominenz gelangt war. DIe Häuser waren ein paar Meter höher geworden. Die Gassen enger zusammen gerückt
Einige der reichen Bürger, wahlweise die Korrupten oder die Edelmütigen, hatten sich zusammen gerauft und zwischen den Lücken des Elends neue, sonderbare Blumen wachsen lassen. Neue öffentliche Gebäude waren entstanden, neue Zusammenschlüsse von Bürgern, Händlern und Bewaffneten an die Macht gelangt. Und wer sich gut genug umhört in...gewissen Kreisen, der konnte auch feststellen, dass hinter so mancher Fassade eines Gasthauses oder Bordells, das für das einfache Volk unerschwinglich war, sich etwas gänzlich anderes verbarg.
Zum besseren oder zum schlechteren - Broglio hatte sich verändert.
Früher einmal war Broglio ein Dörfchen, ein malerisches kleines Ding vor den Toren der römischen Stadtmauern. Auf seinen grünen Hügeln standen Reih um Reih Hühnerställe, durch die kleinen Täler zogen sich die sorgsam gepflasterte Ableger der Via Aurelia bis in die Stadt hinein und in seinen Stuben herrschte eine heimelige Ordnung.
Das Geschnatter von Hühnen und Gänsen lag in der Luft, Schweine drehten sich lachend über Feuern und der Geruch von Schinken, Brathähnchen und gebratenen Eiern lag beständig in der Luft. Es war ein Fest für die Sinne.
Mit der Errichtung der neuen Mauer durch den ach so großen Karl änderte sich das.
Broglio war nun Teil der Stadt. Jedenfalls innerhalb der Mauern der Stadt, mit dem Haupttor für Handel, der Porta Soprana im Osten und der alten Römerstraße (strata romana) im Norden. Und die Stadt schluckte das einst beschauliche Dörfchen mit gierigen reißen und zerren, wie ein Raubtier seine Beute.
Seit den sarazenischen Überfällen vor fast einem halben Jahrhundert lagern die Heimatlosen in den Straßen von Broglio. Jahrzehnte des Aufbaus, die andere Sestieri wieder aufrichteten und in neuem Glanz erstrahlen ließen, gingen unbemerkt an Broglio vorbei. Hässliche Behelfsbauten ragen dort in den Himmel wo früher Kühe weideten und Hühnerställe beherbergen heute Männer und Frauen mit hoffnungslosen Gesichtern.
Von seinen Schwesterbezirken im Stich gelassen und ausgenutzt wuchern die Elendsviertel Claviculas jedes Jahr weiter die einst grünen Hänge Broglios hinauf, werden die Banden aus Halsabschneidern, Straßendieben und Erpressern stetig dreister. Bettler denen in Domus und Mascarana der Strick droht, versuchen hier ihr Glück, nur um festzustellen das das Mitleid in den Herzen der Broglioer längst erloschen ist.
Broglio ist ein Ertrinkender. Die Straßen versinken seit Jahrzehnten unter einer dicken Schicht aus Dreck, Schlamm und Unrat. Der Sirenengesang der Menge ist von überall zu hören, auch wenn er sich über die Jahre verändert hat: Das Ächzen der stöhnenden Menschen, das Gequieke der werfenden Säue, das säuselnde Betteln der Hoffnungslosen, der Hochmut der krähenden Hähne, das Rumpeln der fahrenden Handelswagen.
Broglio (um die Jahrtausendwende)
Broglio hatte sich verändert, so viel war jedem ersichtlich, der schon einige Jahrzehnte in Genua verbracht hatte.
Es war nicht unbedingt sauberer geworden oder weniger chaotisch oder auch nur sicherer im großen Ganzen. Aber es war dichter zusammengewachsen seit den ersten Aufständen in den 950er Jahren, als ein Endzeitkult das erste Mal zu Prominenz gelangt war. DIe Häuser waren ein paar Meter höher geworden. Die Gassen enger zusammen gerückt
Einige der reichen Bürger, wahlweise die Korrupten oder die Edelmütigen, hatten sich zusammen gerauft und zwischen den Lücken des Elends neue, sonderbare Blumen wachsen lassen. Neue öffentliche Gebäude waren entstanden, neue Zusammenschlüsse von Bürgern, Händlern und Bewaffneten an die Macht gelangt. Und wer sich gut genug umhört in...gewissen Kreisen, der konnte auch feststellen, dass hinter so mancher Fassade eines Gasthauses oder Bordells, das für das einfache Volk unerschwinglich war, sich etwas gänzlich anderes verbarg.
Zum besseren oder zum schlechteren - Broglio hatte sich verändert.
~*~ Die Glut des Herzens ist am besten in den Nächten voller Dunkelheit zu erkennen. ~*~