Re: [1069] Vom Blut lesen [Giada, Benedetto (SL)]
Verfasst: Do 22. Jun 2023, 13:05
“Ihr seid gierig. Für etwas anderes als allein Blut und Macht”, stellte Giada fest. Doch es klang nicht wie eine Beleidigung - es klang wie eine Sache, die zu bewundern war.
“Doch ob es uns gefällt oder nicht: dies hier und jetzt ist gerade ein Kennen lernen und ich bin eine Neugeborene. Meine Antworten sind jedoch nicht vage. Lasst uns diesen ersten Austausch machen wie Ihr ihn vorschlagt. Und daran messen wir, ob und wie wir uns in der Zukunft austauschen können. Ich suche nach Antworten, vielleicht ganz ähnlich wie ihr. Und ich bin ganz gewiss …gierig.”
Und damit ging sie dann auch in eine Vorleistung für diesen Versuch, den sie zwischen ihnen beiden vorschlug:
“Meine Beobachtungen von bislang sind nur ein Anfang auf einer Straße, die einen unvorbereiteten Verstand früh in den Wahnsinn führen muss. Und einen vorbereiteten wohl auch nur ein wenig später. Was Ihr ‘vage’ nennen könntet, ist Vorsicht und das Ringen um eine Präzision, die vielleicht unmöglich ist.”
“Ich sagte Euch, dass es sich um ein Anathema zur Schöpfung handeln muss. Oder vielmehr anders herum: Die Schöpfung ist Anathema zum Abgrund. Doch wir sind im Ursprung Kreaturen dieser Schöpfung. Wir wurden in diese Welt geboren, gleich zweifach, wir sind aus Stoffen dieser Welt gemacht, wir sind von der Hand ihres Schöpfers geformt so wie alles andere in ihr auch. In den Abgrund zu blicken und zu verstehen, dies ist wie der Versuch eines Mannes, sich am eigenen Schopf aus dem Morast zu ziehen.”
Giadas sah Benedetto wachsam an, prüfend, um zu sehen, ob und wie viel er verstand. Ob er bereits jetzt schon aburteilte, den Kopf schüttelte und sich abwandte. Ob er vielleicht im Gegenteil verstand oder mehr wissen wollte.
“Alle Gesetze unserer Welt, selbst die grundlegendsten, einfachsten Dinge, sind eben genau nur dies: Gesetze dieser engen, kleinen Welt. Zeit und ihr Verlauf ist ein solches Gesetz. Raum und Tiefe ein anderes. Farbe und Licht ebenso. Entfernung und Maß, dasselbe.” Sie zeigte kurz zu ihrem Mitbringsel für Benedetto, der Schrift.
“Ich weiß, dass es dort Entitäten gibt und dies gibt mir in der Tat Rätsel auf. Es scheint wie ein Widerspruch zu meinen vorigen Aussagen: Wenn es dort nicht Form oder Raum oder Zeit gibt so wie wir es kennen, wie kann sich dann eine Sache von einer anderen abgrenzen? Wie kann es eine einzelne Sache oder gar Entität geben, wenn dies doch zugleich eine Endlichkeit, eine Abgrenzbarkeit bedeuten muss?” Es war eine rhetorische Frage, ein Aufzeigen ihres eigenen Forschens und Lernens, Fragens und Erprobens.
“Dies ist mein Verdacht, bislang: Es gibt eine solche Abgrenzbarkeit nur im Verhältnis zu unserer Welt. So, wie in Licht und Farbe auf glattem Wasser ein Spiegelbild gemacht wird. So wie in Licht und Finsternis erst der Umriss eines Schattens erstehen kann. Es kann abgrenzbare Entitäten geben, so wie dies durch unseren Blick hervorgerufen wird.”
Eine nach der anderen bedachte sie Benedettos Fragen.
“Ich bin mir darin gewiss, dass man den Abgrund bereisen kann. Ich versuche es. Doch ich stehe erst am Anfang und das erste, was ich lernte und lerne, ist dies: Es hat einen Preis. Mein Körper, meine bloße Existenz als Ding dieser Welt, kann und wird nicht unangetastet bleiben, je weiter ich gehe. Bereits jetzt trage ich die ersten Spuren und ich bin in der Tat erst neu geboren. Ich nehme an, dass sich auf diese Weise Phänomene begründen lassen wie die …Erscheinung des hoch verehrten Seneschalls.”
Hier nun hielt sie an. “Wollt Ihr diesen Austausch beginnen? Nicht nur für heute Nacht sondern auch weiterhin, gleich auf gleich, dass ein jeder von uns daran lernen, wachsen und voranschreiten kann? Denn dann will ich gern Eure Rückfragen hören und auch meine eigenen Fragen an Euch stellen.”
“Doch ob es uns gefällt oder nicht: dies hier und jetzt ist gerade ein Kennen lernen und ich bin eine Neugeborene. Meine Antworten sind jedoch nicht vage. Lasst uns diesen ersten Austausch machen wie Ihr ihn vorschlagt. Und daran messen wir, ob und wie wir uns in der Zukunft austauschen können. Ich suche nach Antworten, vielleicht ganz ähnlich wie ihr. Und ich bin ganz gewiss …gierig.”
Und damit ging sie dann auch in eine Vorleistung für diesen Versuch, den sie zwischen ihnen beiden vorschlug:
“Meine Beobachtungen von bislang sind nur ein Anfang auf einer Straße, die einen unvorbereiteten Verstand früh in den Wahnsinn führen muss. Und einen vorbereiteten wohl auch nur ein wenig später. Was Ihr ‘vage’ nennen könntet, ist Vorsicht und das Ringen um eine Präzision, die vielleicht unmöglich ist.”
“Ich sagte Euch, dass es sich um ein Anathema zur Schöpfung handeln muss. Oder vielmehr anders herum: Die Schöpfung ist Anathema zum Abgrund. Doch wir sind im Ursprung Kreaturen dieser Schöpfung. Wir wurden in diese Welt geboren, gleich zweifach, wir sind aus Stoffen dieser Welt gemacht, wir sind von der Hand ihres Schöpfers geformt so wie alles andere in ihr auch. In den Abgrund zu blicken und zu verstehen, dies ist wie der Versuch eines Mannes, sich am eigenen Schopf aus dem Morast zu ziehen.”
Giadas sah Benedetto wachsam an, prüfend, um zu sehen, ob und wie viel er verstand. Ob er bereits jetzt schon aburteilte, den Kopf schüttelte und sich abwandte. Ob er vielleicht im Gegenteil verstand oder mehr wissen wollte.
“Alle Gesetze unserer Welt, selbst die grundlegendsten, einfachsten Dinge, sind eben genau nur dies: Gesetze dieser engen, kleinen Welt. Zeit und ihr Verlauf ist ein solches Gesetz. Raum und Tiefe ein anderes. Farbe und Licht ebenso. Entfernung und Maß, dasselbe.” Sie zeigte kurz zu ihrem Mitbringsel für Benedetto, der Schrift.
“Ich weiß, dass es dort Entitäten gibt und dies gibt mir in der Tat Rätsel auf. Es scheint wie ein Widerspruch zu meinen vorigen Aussagen: Wenn es dort nicht Form oder Raum oder Zeit gibt so wie wir es kennen, wie kann sich dann eine Sache von einer anderen abgrenzen? Wie kann es eine einzelne Sache oder gar Entität geben, wenn dies doch zugleich eine Endlichkeit, eine Abgrenzbarkeit bedeuten muss?” Es war eine rhetorische Frage, ein Aufzeigen ihres eigenen Forschens und Lernens, Fragens und Erprobens.
“Dies ist mein Verdacht, bislang: Es gibt eine solche Abgrenzbarkeit nur im Verhältnis zu unserer Welt. So, wie in Licht und Farbe auf glattem Wasser ein Spiegelbild gemacht wird. So wie in Licht und Finsternis erst der Umriss eines Schattens erstehen kann. Es kann abgrenzbare Entitäten geben, so wie dies durch unseren Blick hervorgerufen wird.”
Eine nach der anderen bedachte sie Benedettos Fragen.
“Ich bin mir darin gewiss, dass man den Abgrund bereisen kann. Ich versuche es. Doch ich stehe erst am Anfang und das erste, was ich lernte und lerne, ist dies: Es hat einen Preis. Mein Körper, meine bloße Existenz als Ding dieser Welt, kann und wird nicht unangetastet bleiben, je weiter ich gehe. Bereits jetzt trage ich die ersten Spuren und ich bin in der Tat erst neu geboren. Ich nehme an, dass sich auf diese Weise Phänomene begründen lassen wie die …Erscheinung des hoch verehrten Seneschalls.”
Hier nun hielt sie an. “Wollt Ihr diesen Austausch beginnen? Nicht nur für heute Nacht sondern auch weiterhin, gleich auf gleich, dass ein jeder von uns daran lernen, wachsen und voranschreiten kann? Denn dann will ich gern Eure Rückfragen hören und auch meine eigenen Fragen an Euch stellen.”
