Nicolò seufzte, denn mit seinem Blick und seinen Hinweisen hatte er diese Situation vermeiden wollen.
Nun, es ließ sich nicht ändern.
Er sprach Giuseppe sanft an und legte jene Wärme in seine Stimme, die ihn ausmachte. Seine Stimme war dabei ruhig und trug etwas tröstliches in sich.
„Er wird Euch nach den Maßstäben seines Weges beurteilen. Ich denke, er kann es nicht anders. Doch gibt es Dinge auf dem Weg des Himmels, die unserem Weg weniger wichtig sind und umgekehrt. Du folgst der Via Humanitatis treu und hast dich auf Ihr gar als Würdiger Vertreter bewiesen, der seine Prinzipien vorbildlich lebt. Danach urteile ich dich. Doch unter den Gesichtspunkten eines mag nun mal ein anderes Urteil entstehen.“
Sein Blick wanderte kurz über Luciano und ein Lächeln formte sich auf seinen Lippen. Er hatte dieses Potential schon früher gespürt, doch nun hatte Luciano den Einklang mit sich selbst gefunden und wirkte ebenso in sich selbst ruhend.
Er nickte ihm anerkennend und dankbar für sein Einspringen für Giuseppe zu. Etwas, dass er in dieser Situation nur mit Worten konnte.
Schließlich wandte er sich an Elias.
„Ich weiß Euren Rat an Giuseppe zu schätzen und weiß ebenso, wie streng der verehrte Ferrucio zu Ungläubigen und der Einhaltung der zehn Gebote ist. Ebenso weiß ich auch wie milde er zu denen ist, die sich wahrhaft bemühen und wahrlich bereuen. Als mich der verehrte Ferrucio prüfte, gab es keine Aschepriester der Via Humanitatis in Genua und wie sollte er es dann auch sonst tun, als unter den Maßstäben der Via Caeli. Diese Situation hat sich nun wie gesagt geändert und unsere beiden Wege, sind diejenigen, die sich am nächsten stehen. Es ist mir ein Anliegen diese Brücken zu schlagen und dereinst hoffentlich in Augenhöhe mit dem verehrten Ferrucio,“ Nicolò hob kurz einschränkend die Hand, „zumindest was die Wege der Erleuchtung angeht, über die von uns gewählten Pfade, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu philosophieren.“
Sein Ton war nun seinerseits versöhnlich und er hoffte, diese Diskussion zumindest abgemildert zu haben.
[1112] Der Neuankömmling [Elias, offen]
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Re: [1112] Der Neuankömmling [Elias, offen]
Als die Aura Nicolòs die Szenerie einhüllte, verneigte Elias sich kurz und ein Lächeln trat in sein Gesicht.
"Die Warnung war nicht auf Giuseppe bezogen. Ich begrüße, dass ihr euren Pfadbruder in Schutz nehmt, doch glaube ich, dass Ferruccio jeden prüft, mit dem er zu tun hat."
Er wandte sich mit warmer Stimme an Giuseppe, der von seinen Worten stärker betroffen schien, als Elias es beabsichtigt hatte:
"Ihr müsst euch nicht zu sehr sorgen, werter Giuseppe. Es war nicht meine Absicht, euch in Unsicherheit und Sorge ob des Treffens zu versetzen. Wenn dies der Fall ist, so tut mir das leid. Dennoch macht es sicher Sinn, zuvor ein Gespräch zu führen.
Die Bibel ist voll von Prüfungen der Gläubigen. Christen wie Nichtchristen wurden regelmäßig von Gott geprüft. Angefangen bei Adam und Eva, Abraham, Kain und Abel – selbst sein eigener Sohn wurde geprüft. Nicht jeder hat bestanden, doch die Tatsache, dass es euch ernst ist, spricht für euch.
Ihr mögt ein Hafenjunge sein, doch Gottes Maßstäbe messen nicht an Stand, Einfluss oder Reichtum.
Im Matthäusevangelium heuerte ein Mann Arbeiter zu verschiedenen Stunden an, doch am Abend gab er allen denselben Lohn. So zeigte er: Im Himmel gilt nicht die Länge der Mühe, sondern die Gnade Gottes. Euer Stand mag in der menschlichen Welt gering gewesen sein, verblasst er bereits in der Kainitischen - vor Gott ist er ohne Gewicht."
Elias erwiderte den Abschiedsgruß Lucianos:
"Der Dank liegt bei mir - ihr habt mir eure Zeit und Einsicht geschenkt und dieses Gespräch damit positiv erweitert. Es war mir eine Freude, euch kennenzulernen, werter Luciano. Auf ein neues Wiedersehen."
Die letzten Worte richtete er an die kleine Gruppe:
"Pax Domini sit semper vobiscum – Möge der Friede des Herrn allzeit mit euch sein."
Es war ein langes Gespräch, das mit der Ankunft eines Neulings begann und durch die offene Art der Hinzugetretenen Nährboden fand. Nicolò, Giuseppe und Luciano hießen Elias in Genua willkommen. Sie sprachen über die Reise, Kontakte sowie Elias’ Vergangenheit, was schließlich in einem theologisch angehauchten Diskurs mündete.

"Die Warnung war nicht auf Giuseppe bezogen. Ich begrüße, dass ihr euren Pfadbruder in Schutz nehmt, doch glaube ich, dass Ferruccio jeden prüft, mit dem er zu tun hat."
Er wandte sich mit warmer Stimme an Giuseppe, der von seinen Worten stärker betroffen schien, als Elias es beabsichtigt hatte:
"Ihr müsst euch nicht zu sehr sorgen, werter Giuseppe. Es war nicht meine Absicht, euch in Unsicherheit und Sorge ob des Treffens zu versetzen. Wenn dies der Fall ist, so tut mir das leid. Dennoch macht es sicher Sinn, zuvor ein Gespräch zu führen.
Die Bibel ist voll von Prüfungen der Gläubigen. Christen wie Nichtchristen wurden regelmäßig von Gott geprüft. Angefangen bei Adam und Eva, Abraham, Kain und Abel – selbst sein eigener Sohn wurde geprüft. Nicht jeder hat bestanden, doch die Tatsache, dass es euch ernst ist, spricht für euch.
Ihr mögt ein Hafenjunge sein, doch Gottes Maßstäbe messen nicht an Stand, Einfluss oder Reichtum.
Im Matthäusevangelium heuerte ein Mann Arbeiter zu verschiedenen Stunden an, doch am Abend gab er allen denselben Lohn. So zeigte er: Im Himmel gilt nicht die Länge der Mühe, sondern die Gnade Gottes. Euer Stand mag in der menschlichen Welt gering gewesen sein, verblasst er bereits in der Kainitischen - vor Gott ist er ohne Gewicht."
Elias erwiderte den Abschiedsgruß Lucianos:
"Der Dank liegt bei mir - ihr habt mir eure Zeit und Einsicht geschenkt und dieses Gespräch damit positiv erweitert. Es war mir eine Freude, euch kennenzulernen, werter Luciano. Auf ein neues Wiedersehen."
Die letzten Worte richtete er an die kleine Gruppe:
"Pax Domini sit semper vobiscum – Möge der Friede des Herrn allzeit mit euch sein."
Es war ein langes Gespräch, das mit der Ankunft eines Neulings begann und durch die offene Art der Hinzugetretenen Nährboden fand. Nicolò, Giuseppe und Luciano hießen Elias in Genua willkommen. Sie sprachen über die Reise, Kontakte sowie Elias’ Vergangenheit, was schließlich in einem theologisch angehauchten Diskurs mündete.
