[1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Ilario
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Ilario » Sa 9. Nov 2019, 15:26

Die Miene des Kastellans verfinsterte sich bei Acacias Abkehr von ihren Ahnen. Es gelang ihm nicht seinen Widerwillen zu verbergen, noch Gleichmut auszustrahlen. Wieder einmal zerstoben seine Pläne wie Asche im Wind.

(Ausflüchte zum verbergen der eigenen Emotionen: kein Erfolg)

Asche. Gaius Vernichtung hätte ihn eigentlich mit Genugtuung erfüllen müssen, doch dessen Worte über Aurores Eidbrüchigkeit ließen ihn nicht kalt. Und hatte sie ihm gerade befohlen sich selbst zu richten? War dies die Art der Ventrue mit ihren Vasallen zu verfahren?

Die venezianischen Lasombra waren keine Freunde der sizilianischen Linien. Ilario sah zu Galba, versuchte dessen Reaktion zu lesen.

Doch er selbst war Vasall und Kastellan Genuas. Er blieb wo er war und blickte mit versteinerter Miene auf das Geschehen. Seine Loyalität musste er nicht mehr betonen, wie jene Neugeborenen zu denen er sich immer weniger selbst rechnete. Zudem war es nun an seiner Prinzessin eine Antwort zu finden.

Aber egal was heute hier geschah, er würde für ihre Vernichtung sorgen. Sie war nicht mehr nur ein Hindernis, sondern ein Übel das beseitigt werden musste.
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

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Angelique
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Angelique » So 10. Nov 2019, 10:45

Während manche theatralisch sich in der Vordergrund spielten und lauthals ihre Treue bekundeten, sogar Alain, huschte Angelique leise und unbeachtet, wie sie hoffte, in den Schatten von Ilario.

Ihre Treue galt Aurore und Ilario, dass musste sie nicht tönnend bekräftigen. Der Kastellan hatte zu ihr gestanden, als sie ihn brauchte. Nun stand sie politisch an seiner Seite egal, wie diese Sache hier sich entwickeln würde.
Sie hoffte nur, dass Vergonzo und andere Freunde nicht auf der anderen stehen würden.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

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Avelina di Braida
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Avelina di Braida » So 10. Nov 2019, 12:22

Sie stand am Rande des Saals, man konnte fast sagen in den Schatten, und verfolgte mit zarten Falten auf der Stirn das, was sich vor ihren Augen abspielte. Ganz offensichtlich musste es irgendeine Absprache zwischen Ilario und Mareno gegeben haben, das wurde deutlich, als dieser nun vortrat. Sie hingegen... nun, keiner hatte sie darauf vorbereitet, was bei einem Hoftag geschehen würde, oder was erwartet wurde.
Allerdings schien dies wenige Augenblicke später auch nicht mehr wirklich von Belang. Sie wusste nichts über diesen Gaius, so traf sie sein Ableben auch nicht sonderlich – mit Ausnahme des an diesem Abend zur Gewohnheit werdenden schockierten Blickes, als er zu Asche zerfiel. Konnte man so etwas tatsächlich noch Hoftag nennen? War es nicht viel eher eine geplante Dezimierung Artverwandter, oder auch eine mehrfache Hinrichtung?
Es dauerte zugegebenermaßen einen Moment, bis sie halbwegs verstanden hatte was hier passierte. Zumindest ein kleiner Teil dessen wurde ihr äußerst bewusst. Was allerdings ausblieb war das Wissen darüber, worin Aurores Eidbruch liegen sollte, wer dieser Gaius war, und wer dieser Mann war, der an Acacias Seite stand. Es war aber auch nicht wirklich wichtig, oder?

Sie wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, als abermals Marenos Stimme ertönte, und ungläubig beobachtete sie, wie er, und dann Nicolo vortraten. Die Augen weiteten sich noch ein wenig als Arash folgte, wenngleich sie sein Verhalten am wenigsten wunderte. Er war ein Kind der Wildnis. Die Politik der Städte war ihm fremd. Und noch bei ihm mit den Gedanken, blinzelte sie verblüfft, als Alain sich zu den dreien gesellte.
Wussten sie denn alle nicht, dass Worte gefährlicher sein konnten, als jeder offene Kampf? Oh, es war nicht so, dass sie nicht wusste auf welcher Seite sie stand. Aber niemand hatte verlangt irgendetwas hinaus zu brüllen. Sie waren in einem Saal voller uralter Raubtiere, sie hingegen waren lediglich Welpen die sich gerade um Kopf und Kragen bellten, ohne wirklich zu wissen um welche Beute sich die Älteren stritten.

Ihr Blick wanderte für einen Moment beobachtend über die Anwesenden. Er blieb kurz an der Gräfin von Asti hängen, interessiert wie sie diese Sache aufnahm, vor allem nach ihren zuvor im Gespräch gewählten Worten. Er wanderte über Angelique, deren Aktionen einzig vernünftig schienen für den Moment, über die Harpyie, über Ilario... und blieb schließlich auf Galeno haften. Sie kannten sich inzwischen vermutlich gut genug, dass er wohl ahnen konnte, was in ihr vorging.

Mareno hatte die Lawine ins Rollen gebracht. Und bevor sie noch aufzuhalten war, riss sie Steinchen um Steinchen mit sich. Sie hatten allen anderen die Möglichkeit genommen zu beobachten, bevor man handelte. Aber... einen Ausweg gab es vielleicht?
„...wende dich an die Harpye oder den Kastellan.“ diese Worte drangen wie das Echo vergangener Zeiten durch ihren Geist. Und genau das tat sie. Mit der ausdruckslosesten Miene, zu der sie imstande war (*), raffte sie gemächlich ihren Rock ein Stück und schritt leise, möglichst unauffällig und erhabenen Hauptes neben Angelique... in den Schatten Ilarios. Sie hatte getan wie ihr geheißen wurde.

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(*) Manipulation & Subterfuge
RPBotBOTheute um 12:00 Uhr
@? Avelina (Mona) rolled 32. (2 + 4 + 4 + 10 + 3 + 9 = 32) = 2 Erfolge
"Die Natur lehrt Miteinander. Ohne Dornen wären die Rosen hilflos, ohne Rosen die Dornen trostlos…" KarlHeinz Karius (*1935)

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Dottore Narcosi
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Dottore Narcosi » So 10. Nov 2019, 13:15

Blicke huschten hin und her von, von einer dramatischen Wendung zur nächsten, von einem Sprecher zum anderen. Nichts davon veranlasste den Dottore zu intervenieren oder teilzunehmen am Geschehen. Im Gegenteil: Je finsterer die Mine der weißen Prinzessin wurde, desto weiter schien es den Nosferatu in den Schatten seines Ahnen zu drücken. Er kannte diese Domäne nicht. Er kannte diese Persönlichkeiten nicht. Kannte die nicht, die sich selbst als Prinzen von Genua betitelten. Wollte er überhaupt hier sein? Gerade im Moment schien er sich von Augenblick zu Augenblick unsicherer zu werden.

Doch dann geschah etwas, das den Nosferatu aus der Fassung brachte, ihn unweigerlich aus seiner Schneckenhaus-Haltung hervorzog. Alain trat auf die offene Bühne und erhob das Wort. Der wunderbare Alain. Sein Freund, sein Vertrauter, sein Licht in der stürmischen Nacht. Für den Dottore wurde er zum alleinigen Fokus in diesem Raum voller Raubtiere. Als dieser sprach, hallten seine Worte wie ein heller Glockenschlag im Schädel des Verborgenen wieder und erfüllten ihn jede weitere verstreichende Sekunde mit Zustimmung. Unsicher wanderten die Augen des Dottore von Alain zu Vergonzo und von diesem zu Godeoc, um dessen Reaktion auf das Geschehen zu studieren? Nein. Es ging ihm nicht um die Reaktion seines Ahnen. Es ging ihm einzig darum, nicht von diesem beachtet zu werden.
Als Alain's letzte Worte verklangen, trat der Dottore jedoch ungeachtet dieser Tatsache langsam, einen Fuß vor den anderen setzend aus dem Schatten Godeocs hervor. Der schief liegende Fuß schlurfte und zog den Saum des gelb-schwarzen Kostüms über den Boden. Wie von einem unsichtbaren Faden gezogen bewegte er sich vornüber gebeugt und in behutsamen Schritten auf Alain zu. Angekommen bei diesem platzierte er sich leicht nach hinten versetzt hinter der Schulter des Tzimisce, legte die rechte Hand auf die Brust und neigte sein Haupt. Sprechen würde er nicht, doch es bestand auch gar keine Notwendigkeit dazu. Der Nosferatu hatte eine Seite gewählt.

Ein verunsicherter, gar verängstigter Blick wanderte hinüber zu seinem noch immer regungslos dort stehenden Clan. Der Medicus wusste, dass er eigentlich bei ihnen stehen sollte... wusste, dass die Ergreifung von Partei in einer Konfliktsituation keine Entscheidung war die er im Alleingang hätte treffen dürfen. Die Nosferatu stehen zusammen, so ist es und so war es immer gewesen. Es war Verrat, Verrat am eigenen Blut gewissermaßen und der Dottore wusste das. Was er jedoch auch wusste ist, dass er - wie auch immer dieser Abend sein Ende finden sollte - auf keiner anderen Seite als an der von Alain stehen wollte. Und so überwog die Emotion, welche es auch immer war die ihn erfüllte, die Angst vor seinen Geschwistern und seinem Ahnen.

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Vergonzo Faro
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Vergonzo Faro » So 10. Nov 2019, 13:33

Während seine Gedanken rasten, sein gebeuteltes Antlitz unkontrolliert sanft zuckte, schob sich ein breites und finsteres Grinsen auf die groteske Fratze des Ersten Baumeisters Genuas.

All das was grade geschehen war, brach in jedem Geist am Hofe eine Lawine aus Gedanken los, und auch wenn manche dies zu verbergen mochten, dieser Fakt war so klar wie der Mond in einer wolkenlosen Nacht.
Sein Blick wanderte manisch grinsend durch den Saal, blieb hier und da länger hängen und endete bei Godeoc.
Er hätte sowas damals wohl gewusst, Vorkehrungen getroffen und alles im Keim erstickt.

Genua, seine geliebte Stadt, wurde von so vielen Mächten umworben an diesem Abend, obgleich es für Vergonzo scheiß egal war, wer glaubte sie zu besitzen, besitzen zu dürfen oder schon immer besaß.
Sie waren alle nur Marionetten der eigenen Dynamik und Geschicke dieser Stadt, und nur die mächtigsten hatten ein kleines bischen Einfluss auf ihre eigenen Zukunft.
Er wollte nur wissen, an wen er sich wenden sollte, um den Ablauf seiner Stadt am wenigsten zu stören.

Gaius also, ihn nach so langer Zeit wieder zu sehen war schön, die Weichen zu seinem Ende hatte er schon früh gestellt.
Seis drum, er blieb in Godeocs nähe, und achtete genausten darauf keine seiner Reaktionen zu verpassen, wobei er die allgemeine Atmosphäre grade genüsslich in sich aufsog.

Wer würde sich den Platz an der Spitze der Stadt nehmen? Bei allem was hier passierte war es seltsam zu sehen das einige zu Salzsäulen erstarrt waren und andere hohle Phrasen hinaus posaunten.
Keiner Griff ein, keiner von denen die sich angeblich so sehr zu Aurore bekannt hatten,...sie blieben mucksmäuschen still oder sahen tatenlos zu.

Tja, Genua wusste was sie tat,...und er ließ sich von ihrem Fluss treiben.

Ein kaum hörbares kichern verliess rau seinen geschundenen Leib.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Sofia Caruso
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Sofia Caruso » So 10. Nov 2019, 16:29

Sie hielt sich im Hintergrund, dezent und unauffällig war die zierliche Gestalt, welche Sofia war, kaum viel Aufmerksamkeit zu schenken zwischen all diesen mächtigen Raubtieren hier im Saal.

Es war ein Hoftag und sie nur hier, weil es so Sitte war. Nicht etwa, weil sie sonderlich stark darauf aus war diesem Ereignis beizuwohnen. Zu viele Leute, zu viel Unruhe... Leises Gemurmel, Gespräche hier und dort und auch sie war nicht verschont geblieben von der Interaktion mit Ihresgleichen.

Doch wenn sie geglaubt hatte, das der Abend unruhig war, so wurde sie im weiteren Verlauf eines Besseren belehrt. Noch kleiner... noch unscheinbarer machte sie sich, als Kainten zu der Asche wurden, die sie alle doch waren.

Sie alle waren Asche.

Nur viele hatten es vergessen...

Doch mit dem ersten Akt des Schauspiels nicht genug... Setzte sich das süße Gedicht des Todes doch fort. Nicht ohne eine gebührende Einleitung durch ein anderes Schauspiel, das politisch sicher mehr als nur brisant war.

Zwei, die sich Prinz nannten...

Sofia hielt sich in der Nähe ihres Clansältesten, unsicher und das Geschehen beobachtend. Sie verstand nicht, wer die Protagonisten in diesem Stück waren, doch das Schauspiel spitze sich erneut zu, als dieser Gaius sich selbst richtete.

Wie...?

Trotz all der Ereignisse, die diese Nacht bereit hielten. All der Dinge, welche sie eher in Unsicherheiten hielten als in einem sicheren Hafen... Trotz all dieser Dinge flackerte in diesem Moment Neugierde in ihrem Blick auf.

Der Tod war ein Mysterium mit wundervoll lockenden Geheimnissen. Und er erzählte seine ganz eigene Geschichte auf seine im so besondere Art.
Vielleicht würde Sofia sie ja irgendwann gänzlich begreifen.

Ruhig... abschätzig und abwartend glitt ihr Blick zu den Neugeborenen, welche sich nun in der Mitte des Saals eingefunden hatten.

Da war... der Mann aus der Kiste. Welchen sie vor Jahren im Hafen Genuas getroffen hatte. Doch nun stand er hier und sprach sich für Aurore aus. Wie auch andere Neugeborenen, die sich nach und nach zu ihm gesellten.

Ihr Blick huschte für einen Moment zu Calistus, dem Prinzen von Pisa. Wie würde er auf all diese Dinge reagieren? Ihr Blick ruhte einen Augenblick lang auf ihm, unsicher und ratlos was sie nun tun sollte. Doch dann besann sie sich darauf den Blick zu senken und wieder aus dem Augenwinkel zu beobachten, was ihr Ältester tun würde.

Sofia hielt sich dezent im Hintergrund. Unscheinbar und regungslos zwischen all diesen mächtigen Raubtieren. Zögerlich und voller Unsicherheit wartete sie ab und versuchte gar nicht erst die politischen Feinheiten zu erkennen. Stattdessen versuchte sie den Blick auf das zu wenden, was immer noch verheißungsvoll in der Luft lag: Der Tod und all die Geschichten, welche er noch erzählen würde... All die Bilder welche er malen würde in diese Welt.

Ob er schon fertig war...? Ob es erneut jemanden ereilen würde...?

Diese Nacht würde es zeigen.
“Ich habe so viele Leichen seziert und nie eine Seele gefunden.”

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Signora Achilla
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Signora Achilla » So 10. Nov 2019, 16:46

Die Signora, die sich schon zuvor zu Vergonzo gesellt hatte - um nicht zu sagen, dass sie geflüchtet war, oh nein! - wandte sich bei dem Laut halb zu diesem um. Und es war dieser Anblick das lachende Gesicht des Clansbruders, der ihr dem Abend einen Rahmen gab.

Ein Schaustück war das, eins von der Sorte, die kompliziert und verworren waren wie die blutigen Dramen von früher, aus den alten Theatern der Griechen. Es hatte alles: Familienbande und deren Verrat, Blutvergießen, kleine Rebellionen, Helden, Hoffnung, Gier, Tod und Könige…! Und wie prachtvoll es war, wie dicht der Stoff der Geschichte gewoben war!

Man wollte weinen, wenn man zusah, und offenbar auch lachen, so wie Vergonzo es tat. Wahrscheinlich hatte er den feinen Humor im Stück gefunden, den man nur erkannte, wenn man etwas mehr von der Handlung verstand. Die Schreiber der Stücke von einst hatten viel in all den Szenen verborgen.
Die Signora hatte Schwierigkeiten, sich überhaupt die Namen all jener Rollen zu merken, die aufgetreten waren.

Sie legte dem Bruder sacht die Hand auf die verformte, knotige Schulter. So recht zur Stille gemahnen wollte sie ihn aber auch nicht. Er hatte schon recht, auf seine Weise. Und eigentlich war dies nun ein guter Moment, um still und leise zurück zu treten, während all die Handlungsstränge des Stücks auf einen Klimax zusteuerten.

Doch einem hier schuldete sie tatsächlich etwas - und genug, dass sie blieb, wo sie war. Achillas Blick ging, wie länger zuvor schon der von Vergonzo, zu Godeoc. Er würde wohl das Stichwort geben.
Niemand kann auf Dauer eine Maske tragen. (Seneca)

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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Gasparo » So 10. Nov 2019, 16:49

„Eidbrecher!“ Das Wort klang für Gasparo wie der Knall einer Peitsche.

Er hatte Gaius nie vorher gesehen. Den Namen des Liktors hatte er im Laufe der Jahre nicht öfter als eine handvoll Male gehört und nun erschien er am Ehrentag des Prinzen und beschuldigte die Herrscherin Genuas eines verabscheuungswürdigen Verbrechens.

Geschürt schien diese Revolte von den Lasombra. Gasparo kannte Acacia doch in dieser Halle, inmitten all der Ancilla und Ahnen, sah die Hüterin des Elysiums … kleiner aus als in San Donato. Trotz all Ihrer Kühnheit, einen neuen Prinz auszurufen, war dem Lehrmeister das Ausmaß dieser Revolte nicht klar.

„Was denkst du über Acacia?“ Es war nicht lange her, dass ihm diese Frage gestellt worden war. Offenbar gab es in der Vergangenheit bereits Anzeichen, Verdachtsmomente. Gab es Vorbereitungen für diesen Verrat? Wer stellte hier wem eine Falle? Und wer war noch beteiligt? Hatte Mattias Angriff etwas mit der Sache zu tun? Unterstützten andere Prinzen den Anspruch des Lydiadas?

Unzählige Fragen, unzählige Möglichkeiten. Gelegenheiten? Vielleicht.

Aurore hatte die Beschmutzung ihrer Ehre schnell und effizient gelöst. Ein Gefühl von Stolz breitete sich in seiner Brust aus als er sah, wie der Salubri sein Messer in die eigene Brust rammte.

Als die Neugeborenen begannen, ihre Loyalität lautstark anzupreisen, zwang Gasparo einen neutralen Gesichtsausdruck auf sein Gesicht. Er selbst hatte nicht die Absicht, sich so in den Vordergrund zu spielen. Zuerst sollten die Älteren entscheiden, wie es in dieser Situation weiterging. So viele große Namen waren anwesend, die einen Weg weisen würden. Diese Eigeninitiative … diese Überschätzung der eigenen Bedeutung … war nur gefährlich.

Aufmerksam betrachtete er die Gesichter der anderen Prinzen und auch von Platynus. Würden sie eingreifen zum Vorteil ihrer Verbündeten oder das Drama seinen Lauf nehmen lassen? Was ging im Geist dieser Ahnen vor, deren Macht so absolut schien bis sie gefordert wurde?

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Anastasia
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Anastasia » So 10. Nov 2019, 20:33

Anastasia sieht überrascht auf, steht dann auf und geht zu Arash und Nicolo, stellt sich wortlos hinter die beiden, das Gesicht entschlossen, sicher.
Das war ihr Platz, das war, wo sie hingehörte. Sie sagte nichts.
I saw a creature, naked, bestial,
Who, squatting upon the ground,
Held his heart in his hands,
And ate of it.
I said, "Is it good, friend?"


Ausschnitt aus in the desert, stephen crane

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Galeno
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Re: [1034] Die letzte Nacht von vielen. [Hof, alle]

Beitrag von Galeno » Mo 11. Nov 2019, 02:52

Die Lage zu beobachten war keine so schlechte Idee gewesen. So erkannte er schnell, wer unsicher war, wer seinen Clan unterstützte, wer nicht und wer sich zu der Prinzessin öffentlich bekannte, wer eher verborgen. Bei manchen waren die Gründe ziemlich zweifelhaft und unklar. Bei manchen auch deren Positionierung oder das Fehlen einer jenen nicht absolut deutlich, dennoch...
Es war interessant.

Wenn nur die Situation nicht so gefährlich wäre.
Er wollte insgeheim auch noch die Reaktionen der Älteren abwarten, blieb noch einen Moment bei seinem Clan, blickte Sofia hinterher, welche sich scheinbar an ihren Ältesten halten wollte, doch seine Loyalität galt jemand anderem. Der Clanälteste von Genua war nicht der seine, er war von einer anderen Familie und er hatte sich mit Gasparo eben auch über Stolz und Offenheit unterhalten.

Ein erneuter Blick zu Karkana, ein sachtes Kopfnicken, denn er hatte ihre Unterhaltung natürlich nicht vergessen. Und er würde es nicht.
Dann löste er sich von seinem Clan und schritt festen Schrittes und ohne Zweifel im Blick zu Ilario, positionierte sich nicht hinter ihm in seinem Schatten, sondern lediglich einen halben Schritt Unterschied versetzt neben ihn. Er nickte ihm respektvoll zu und blickte sich dann weiterhin wach um.
Auch Dottore und Nicolo wurden mit diesem Blick beobachtet. Insgeheim hoffte er, dass die Wahl eines jeden von ihnen die Rechte gewesen war. Er war von seiner überzeugt. Ilario war für ihn Vasall Genuas und er würde ihm folgen.
Das zu lernen, was Gott uns durch die Not lehren will, ist wichtiger, als aus ihr herauszukommen.

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