[1033] Treffen Gleichgesinnter [Galeno, Nicolò, Avelina]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Nicolo Trevisan
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Re: [1033] Treffen Gleichgesinnter [Galeno, Nicolò, Avelina]

Beitrag von Nicolo Trevisan » So 3. Nov 2019, 17:06

Auch Nicolò lächelte, war sie doch bisher die erste in Genua, die seinen Pfad kannte, dann nickte er schließlich.
"Sehr weise von Eurer Erzeugerin, werte Avelina. Ich kenne den Hauptpfad natürlich, doch ich muss gestehen, dass ich kaum in den anderen Unterpfaden bewandert bin und ich würde mich freuen, wenn wir uns hier weiter austauschen könnten. Natürlich kann ich Euch dazu wenig bieten, denn Ihr kennt meinen Pfad ja bereits...
Ich sehe unseren Pfad nicht als Schwäche - letztlich stärkt er die Gemeinschaft und die Sterblichen unter uns, auch wenn er manches Mal schwieriger zu folgen ist. Zweifellos schwieriger als einige andere Pfade."

Nicolò dachte dabei zurück an die Begegung mit einem gewissen Anhänger des Pfades der Sünde...
"Dennoch birgt er viel Potential, dass letztlich unserer Art auch wieder zu Gute kommt. Aber ich verstehe was Ihr meint, dennoch sollte man meinen, dieser Weg in gerade in Genua höher angesehen wäre, wo doch ihre Majestät höchstselbst diesen Pfad folgt, so sagte man mir jedenfalls." Sein Blick schweifte über die beiden Mägde, während er weitersprach:
"Seid unbesorgt, mir ist der Schutz der Sterblichen ebenso wichtig und wie Ihr wisst, liegt eine Betonung meines Pfad darin, nicht tatenlos zu zusehen, wenn den Sethskindern Unbill widerfährt."

Nicolò hob besänftigend die Hand:
"Ich befürchte, Ihr habt mich falsch verstanden. Natürlich ist das Tier immer zugegen und wenn es sich auch nur für den kleinsten Augenblick befreit, kann es schreckliches anrichten, da stimme ich Euch zu. Entsprechend müssen unsere Diener Furcht oder Vorsicht walten lassen. Aber auch wenn es ein unerreichbares Ziel ist, sollte man sich gewissen Visionen nie gänzlich verschließen, denn ohne diese beharrliche Vision ist es schwerer genügend Motivation aufzubringen, um seinen Pfad weiter zu beschreiten und zu sehen, wohin er letztlich führen könnte. Aber Ihr habt recht - man sollte nicht allzu sehr dem Hinterhertrauern, was nicht in den eigenen Händen liegt.“

Als die Magd auf ihn zukam, lächelte er sie ebenso freundlich an. Nicolò deutete dies als Zustimmung und ließ sich dennoch Zeit, beobachtete sie auf Anzeichen von Furcht, falls sie sich es doch hätte anders überlegen wollen.
Dann aber stießen seine Fänge in die Halsgefäße und er trank langsam das kostbare Lebenselixier. Er gab sich dem Gefühl hin, wie es ihn sättigte und auch sein Tier regte sich zufrieden in ihm. Dennoch nahm er nur wenig Blut von ihr, so dass auch ihr keinen Schaden entstand und es gleichzeitig auch genauso genießen konnte.

Bedauernd ließ er schließlich von ihr ab, anfangs zögerlich, dann entschlossener rückte er etwas weg, wie um Distanz zum Ziel seiner Versuchung aufzubauen. Immerhin hatte er sich vorsorglich von seiner eigenen Herde genährt, bevor sie losgegangen waren, um nicht dem Hunger bei diesem Treffen allzu nahe zu sein.

Langsam wandte er sich danach Galeno zu:
"Ich weiß, dass Ihr nicht der Via Hummanitas folgt, dennoch würde es mich interessieren, wie Eure Ansichten darüber sind. Bisher war es uns nicht vergönnt, länger über unsere Wege auszutauschen."

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Avelina di Braida
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Re: [1033] Treffen Gleichgesinnter [Galeno, Nicolò, Avelina]

Beitrag von Avelina di Braida » Do 7. Nov 2019, 13:57

Sophia, die eben noch mit den Kelchen in der Tür stand, verschwand für einen Moment, während die beiden Frauen die Nebenwirkungen des Kusses sichtlich genossen. Louisa schien mit sich und der Welt zufrieden, und schloss mit einem Lächeln die Augen, wobei sie sich in die Kissen zurück sinken ließ. Melisande hingegen seufzte leise, und sah sich mit schweren Lidern um, als Nicolo von ihr abließ. Sie lächelte ihm leicht verlegen zu und wechselte dann, etwas wackelig im ersten Moment, die Kline und schmiegte sich an Avelina, die den Arm um sie legte, und im allgemeinen scheinbar wenig Berührungsängte hatte. Als die blonde Frau ihren Kopf an die Schulter der Padrona legte, strich diese ihr übers Haar, und flüsterte leise ein paar Worte, wobei sie ihr einen Kuss auf die Wange gab. Sie machte für den Moment keinerlei Anstalten die Frauen wieder fort zu schicken, ließ ihnen wohl die Zeit sich ein wenig zu erholen.

Dann glitt ihre Aufmerksamkeit wieder zu ihren Gästen, ohne dabei die Liebkosungen einzustellen, als wäre es das natürlichste der Welt, und sie sah Nicolo einen Moment nachdenklich an.
„Eure Vision klingt interessant, vielleicht möchtet ihr mehr darüber erzählen? Aber zunächst zu unserem Weg...“ kurz blickte sie noch einmal zu Galeno, und zurück zu Nicolo, als würde sie sich fragen, ob es ihm tatsächlich recht war so offen vor jemandem, der die Wege der Menschlichkeit schon lange verlassen hatte, zu sprechen.
„Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass gerade in Genua nur sehr wenige unserem Weg folgen. Dementsprechend sucht man eher vergeblich nach jenem hohen Ansehen. Sicher gibt es jene, die unseren Weg... nun... respektieren. Aber es gibt in dieser Stadt auch jene die sich ganz ungeniert und öffentlich zur Via Peccati bekennen, oder die ihre tyrannische Art ganz offen zur Schau stellen. Ich weiß nicht wie lange ihr bereits hier weilt, doch wo an anderen Orten ein gewisser Zusammenhalt der Clans herrschen mag, so sind es hier dank der anderen politischen Struktur wohl eher die Wege, die uns verbinden. Und umso mehr Kainiten auf dem eigenen Weg wandeln, umso stärker ist jene Gemeinschaft.“
Sie schloss kurz die Augen und schien nachdenklich, bevor sie wieder aufblickte und Nicolo ernst ansah.
„Ich möchte nicht ausschließen, dass es dieserorts als Schwäche erscheinen könnte der Via Humanitas zu folgen. Wir haben unsere Grenzen, die gerade in unserer Situation strenger sind, als die manch anderer Wege. Unsere Stärke liegt in jener Gemeinschaft, weshalb es mich glücklich stimmt, dass ihr euren Weg hier her gefunden habt.“
"Die Natur lehrt Miteinander. Ohne Dornen wären die Rosen hilflos, ohne Rosen die Dornen trostlos…" KarlHeinz Karius (*1935)

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Galeno
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Re: [1033] Treffen Gleichgesinnter [Galeno, Nicolò, Avelina]

Beitrag von Galeno » So 10. Nov 2019, 16:16

Galeno horchte den beiden zu und entgegnete Avelinas Blick, der auf ihn bezogen war mit einem Grübeln in der Mine. Und da ihn Nicolo eben so fragte, mischte er sich dann ebenso mit ein.

"Zu allererst, werte Avelina... Ihr meint, dass euer Weg mehr Grenzen hat, als so manch anderer... Nun, im Bezug auf gewisse menschliche Dinge mag das zutreffen, aber ihr verkennt dabei, dass sich diese Grenzen auf andere Dinge verschieben. Jeder Weg und jeder Unterpfad hat seine ganz persönlichen Sünden und somit seine Grenzen, die man einhalten muss, ansonsten fällt man. Sie haben sich nur in andere Richtungen verschoben und bei einigen wird man diesen erst gewahr, wenn man selbst auf jenem Weg oder Pfad wandelt.
Und keiner ist einfach...ich spreche aus Erfahrung, wandle ich nun schon auf meinem dritten... Doch man sucht sich eben auch jenen, der zur eigenen Moral am besten passt. Trotzdem..die eigene Moral ist oftmals fern der Realität, die um einen herum geschieht und dies bei allen Wegen..."

Er räusperte sich.
"Die Menschlichkeit ist in manchen Kreisen nicht sonderlich ratsam, bietet keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Aber auch dies bedeutet nicht, dass man gänzlich alles abstreift, was einmal dazu gehörte. Die wenigsten Pfade verbieten Dinge, die man als menschlich bezeichnet. Zumindest von denen, die ich kenne. Jedoch liegt es dabei an jedem Kainiten selbst, ob er diese in seinem Weg auch noch zulässt, oder sich ihnen komplett oder teilweise abwendet. Vieles mag auch mit der Erziehung und Erfahrungen im alten Leben und dem neuen zusammen hängen. Wir alle wurden zum Beispiel auch durch unsere Erzeuger geprägt, unsere Lehrzeit als Kinder und selbst jetzt noch."

Er blickte zu Avelina und wurde ernster.
"Ihr vermittelt mir mit euren Blicken immer wieder das Gefühl, als würdet ihr mir auf Grund meines andersartigen Weges misstrauen, was allein heute Abend wieder deutlich merklich war. Dabei habe ich in der Vergangenheit sicherlich mehrmals gezeigt, dass ich euren Weg akzeptiere, respektiere und vor allem euch in keinster Weise davon abbringen will, nein, euch sogar davor jeweils zu schützen versucht habe.
Ich habe im Grunde meinen Teil hier erfüllt...das, was ich erldigen wollte, ist erledigt und ich sollte vermutlich lieber gehen, euch beide alleine lassen...
Doch fürs nächste Mal...sagt deutlich und ehrlich, dass ich gehen soll...alles andere ist unhöflich und greift mich oder gar meinen Weg an..."

Und er wandt sich an Nicolo, ehe er aufstand und sich zum Gehen bereit machte.

"Mein Weg beschreibt den Umgang mit Wissen und ist doch einer jener, der auch aufs Herrschen ausgelegt ist. Doch auch hier liegt es im eigenen Ermessen, wie man dies umsetzen will und wofür. Ich muss nicht umbedingt Menschen schützen. Ich muss nicht unbedingt freundlich sein oder Rücksicht auf andere Wege nehmen. Jedoch will ich das so...ich will meinen Weg gehen und trotzdem Gutes damit erreichen. Jedoch ja.. ein Menschenleben zählt für mich dabei weniger, als das eines ganzen Gemeinschaft... In diesem Punkt klaffen eure Wege oder Pfade und der meinige, oder besser gesagt..meine Ansichten... weit auseinander."
Das zu lernen, was Gott uns durch die Not lehren will, ist wichtiger, als aus ihr herauszukommen.

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