[1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Iulia Cornelia
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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Iulia Cornelia » Sa 30. Nov 2019, 16:32

„Mir gefallen die Wünsche, die ihr beschreibt sehr.“, gab ich unverhohlen mit einem offenen Lächeln zu, bevor ich deutlich leiser meinte: „Spiegeln sie doch meine Eigenen auch recht gut wieder.“

Ruhig glitt mein Blick von meinem Gegenüber, bevor er kurz über die Räumlichkeit wanderte. „Allerdings fehlt mir derzeit noch immer ein Gefühl dafür, was in Genua überhaupt möglich sein wird und vor allem wie.“, erklärte ich ruhig, bevor meine Augen wieder zu der Maske fanden.

„Deshalb wollte ich die kommende Feierlichkeit abwarten, um mir im Vorfeld ein besseres Bild über die genuesische Gesellschaft machen zu können. Auch oder gerade von der Harpyie und der Hüterin. Schließlich wäre es keine gute Idee als Kind einfach mit einem noch unkonkreten Wunsch oder gar einer unausgereiften Überlegung auf eine Neugeborene zuzugehen und ihre Zeit zu stehlen. Geschweige denn die einer Ancilla.“, erläuterte ich meine Bedenken an dem Ganzen.

„Ich würde mich jedoch sehr freuen, so ich mich mit euch noch einmal nach dem Hof unterhalten dürfte, um zu sehen, welche Wünsche man wie zur Realität formen könnte.“, entgegnete ich höflich, während ich mein Haupt leicht neigte.

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Signora Achilla
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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Signora Achilla » Mo 2. Dez 2019, 15:15

“Halten wir’s so”, stimmte die Signora zu. Die Erinnerung an ihre eigene, erste Zeit in der Nacht ließ sie schaudern. Iulia, ihr gegenüber, war dagegen rein und schön, unangetastet, wohlgestalt.

“Wann seid Ihr in die Nacht gegangen?” fragte sie unvermittelt. “Gegangen oder gezogen worden, doch am Ende jedenfalls hier, auf dieser Seite der Dinge, die geschehen?”
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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Iulia Cornelia » Mo 2. Dez 2019, 19:26

Ich freute mich über ihre geäußerte Zustimmung und lächelte sanft auf ihre Fragen hin, als ich mit einem gewissen Stolz in der Stimme antwortete: „Ich hatte nie das Gefühl die Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre zählen zu müssen, seit mein Erzeuger entschieden hatte, mich meiner neuen Bestimmung zuzuführen. Der Übergang selbst kam für mich wohl überraschend, doch ich denke es wäre ohnehin kaum möglich gewesen, mich im Vorfeld auf dieses neue Dasein tatsächlich vorzubereiten.“ Mein Lächeln wurde breiter und ich zuckte mit den Schultern, bevor ich mit sanfter Stimme interessiert fragte: „Vermisst ihr euer einstiges Dasein? Die Zeit bevor ihr in die Nacht gegangen oder gezogen worden seid?“

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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Signora Achilla » Di 3. Dez 2019, 12:21

“Mhh… .” Ein langgezogener Laut, genießerisch, nachdenklich. Er endete etwas rauh, als hätte irgend etwas in der Kehle der Signora nachgegeben.

“Ich vermisse einiges. Sonnenschein auf warmer Haut. Ein Kuss, Mund an Mund.” Kurz gingen ihre behandschuhten Finger zu den harten Kanten ihrer Maske hinauf.
“Das Gefühl wie es ist, ein Neugeborenes in den Armen zu halten. Der Duft von frischem Brot, starkem Käse, süßen Wein… ‘s ist alles nicht mehr oder ‘s ist nicht mehr dasselbe, eh?”

Sie wiegte den Kopf ein wenig. “Doch dafür gibt es so viel neues, anderes. Das eine wurde eingetauscht gegen das andere und noch so viel mehr! Was können wir damit noch für uns eröffnen? Die Nacht hat erst begonnen, ihren Schleier zu lüften. So kann ich’s nicht mit ehrlichem Herzen bedauern, den Verlust von dem, was war. Ich hab’s ja erlebt und gekostet, was soll ich um darum trauern? Sollt ich’s nicht eher dankbar erinnern, all das, und dann mich dem widmen, was noch kommt?”

Mit einem Schulterzucken gab die Signora ihre Ungewissheit dafür dann zu und machte eine Geste zu Iulia hin. “Wie ist’s mit Euch? Wenn es eine Sache gäbe, die Ihr von damals mit herüber nehmen könntet ins Jetzt, was wär’s?”
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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Iulia Cornelia » Mi 4. Dez 2019, 15:49

Ich folgte ihrer Aussage und nickte verstehend, bevor ich auf ihre Frage hin die Augen etwas schloss und meinen Blick schräg nach unten wandern lies. Ich dachte mit einem leisen grüblerischen Laut nach, bevor ich schließlich strahlend lächelte und den Blick wieder zu ihr wandte, als mir doch noch etwas eingefallen war, was ich tatsächlich vermisste, wenn auch aus anderen Gründen.

„Andere Nahrung zu mir nehmen zu können.“, meinte ich schließlich schlicht, aber nicht sonderlich traurig, schließlich war Blut für mich zu etwas geworden das deutlich besser war als alles was ich in meinem gesamten Leben je gekostet hatte. Meine Lippen waren bereits geöffnet, als ich ansetzte noch weitere Worte zur Erklärung zu sprechen, doch dann sah ich ihre schöne Maske, lächelte stattdessen, schloss meine Lippen und zuckte leicht mit den Schultern, bevor ich sie erneut öffnete und feststellte: „Aber das ist wohl die Kehrseite dessen, dass unser aller Vater dereinst von Gott verflucht worden war und sein Fluch somit auch unser Fluch ist.“

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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Signora Achilla » Do 5. Dez 2019, 12:52

“Ja…”, stimmte die Signora da zu, mit ein wenig Sehnsucht in der Stimme. “...vermissen kann man’s wohl, wenn man sich die Zeit gibt, darüber nachzusinnen.”

Sie legte die Hände ineinander, in einer Geste, die artig wirkte und umso weniger zu den folgenden Worten passen wollte: “Doch es ist nicht ganz verloren. Wir selber essen und trinken nicht mehr und es ist auch nicht dasselbe.. nicht mehr. Doch für die Menschen ist es das noch immer und von ihnen können wir kosten.”

Mit den Händen auf ihrem Bauch erklärte sie dann etwas näher: “Nehmt den Genuss von einer Leckerei: Süße Honigkuchen, noch warm vom Ofen und klebrig, mit gerösteten Nüssen… lasst es den Sterblichen präsentieren, so wunderbar wie es in Euren Gedanken geblieben ist. Lasst sie alles davon haben, was sie wollen und genau dann, kurz bevor sie es satt haben, dann kostet es von ihnen.” Delikat, um genau diesen einen Moment zu zeigen, legte sie die Finger aneinander.
“Wenn Ihr könnt, dann ohne jeden Hauch von Angst oder Unwohlsein. Nichts, was ihren Genuss trüben würde… .”
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Re: [1034] Unter der Maske [Achilla, Iulia]

Beitrag von Iulia Cornelia » Do 5. Dez 2019, 18:48

Ich verfolgte ihre zarten Gesten und ließ mich von den Bildern treiben, die sie in meinen Gedanken damit zauberte. Ein beinahe seliges Lächeln hatte sich dabei von mir unbemerkt auf meine Lippen gestohlen. „Das ist eine wirklich wunderschöne Vorstellung.“, meinte ich dann zu ihr, nachdem sie geendet hatte.

Ich ließ meine blaugrauen Augen auf ihre behandschuhten Hände sinken und dort verweilen, als ich leise sprach: „Es ist ein sehr sinnlicher Gedanke, den ihr da beschreibt.“ Mein Blick driftete zu jener Statue, die die Nosferatu noch vor wenigen Momenten berührt hatte, als ich sagte: „Nicht viele würden sich überhaupt solche Mühe machen. Darüber nachdenken, was Jemanden sättigen könnte, um ihn damit zu füttern. Doch ihr?!“

Ruhig ließ ich meine Augen erneut auf ihre schöne Maske wandern. Gerade kurz genug unterhalb ihrer Nasenspitze, dass der nötige Anstand und Respekt gewahrt blieb, als ich mit beinahe flüsternder Stimme feststellte: „Ihr wirkt wie Jemand der die Sinnlichkeit und die Leidenschaftlichkeit, die das Ganze mit sich bringt zu schätzen weiß. Es gar begehrt?“

Ich pausierte kurz, bevor ich sehr vorsichtig fragte: „Oder täuscht der Eindruck von Jemand derart grazilem wie euch?“

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