[1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Fray Diego
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[1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Mi 11. Dez 2019, 22:59

Die zweite Nacht der Kämpfe ist noch nicht weiter fortgeschritten. Mitternacht ist noch weit entfernt als sich Fray Diego einen Weg durch die Straßen in Platealonga bahnt. Die Kämpfe scheinen übel gewühtet zu haben und noch immer liegen Tote in den Straßen und Eingängen. Auf seinem Weg durch die Gassen bleibt Fray Diego immer wieder stehen, beugt sich zu dem einen oder anderen Toten hinunter, schließt ihm die Augen und / oder spricht ein kurzes Gebet. Bei allen, Verletzten als auch Toten, versieht Fray Diego allen, denen er auf seinem Weg begegnet, mit der letzten Ölung , in der die offenen Augen schließt und sie anschließend mit Öl aus einem kleinen Tonkrug versiegelt.Ebenso bekreuzigt er die Ohren, die Nase, die Lippen, die Brust, das Herz und die Schultern, abschließend die Hände und Füße. Wer genauer zuhört, kann kleine Gebete wie “Ich salbe diese Hände mit geweihtem Öl, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, auf das getilgt werde, was sie durch unerlaubtes oder schändliches Tun angerichtet haben" vernehmen. Fray Diego nimmt sich hierbei Zeit, setzt seinen Weg aber kontinuierlich in Richtung des Mercato san Gioro fort.

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Iulia Cornelia
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » So 5. Jan 2020, 02:27

Er wurde verfolgt. Das konnte Fray Diego recht schnell feststellen, als er sich zu einem weiteren Opfer hinabgebeugt hatte. Zuerst war da nicht mehr gewesen, als ein dumpfes Gefühl beobachtet zu werden. Nichts Ungewöhnliches neigten Menschen im Allgemeinen doch dazu neugierig zu werden, wenn Fremde sich über Tote beugten und Zeit mit ihnen verbrachten. Vor allem, wenn sie allein und mitten in der Nacht unterwegs waren. Doch die meisten davon, wandten sich und ihren Blick danach ebenso schnell auch wieder ab und gingen ihren eigenen Geschäften nach. Vor allem wenn sie den Toten nicht kannten oder gar selbst allein unterwegs waren.

Das weibliche Wesen, das an einer der Häuserecken im Dunkeln stand, verhielt sich dahingehend jedoch gänzlich anders. Aufmerksam schien sie jede seiner Handlungen zu verfolgen, während sie sich an der Ecke festzuklammern schien. Auch wenn ihr Kopf durch ein Stück Stoff bedeckt war, so war sie offenkundig nicht die allerbeste Verfolgerin. Kurz beobachtete sie ihn noch, dann zog sie sich aus seinem Sichtfeld zurück, indem sie hinter der Häuserecke verschwand, nur um dort nach gefühlten drei Atemzügen erneut aufzutauchen und in Diegos Richtung zu sehen.

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Fray Diego
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » So 5. Jan 2020, 15:14

Das Gefühl beobachtet zu werden, wuchs in zunehmender Weise. Anders als bei Menschen, die immer wieder dabei standen und sein handeln beobachteten, wenn er ihren Angehörigen die letzte Ölung gab, war dies ein nahezu kindliches Verhalten. Ein neugieriger Blick hinter dem Rücken der Mutter hevor, ein vorsichtiges Schauen vom Arm des Vaters war ein Verhalten, dass ihm schon seit Jahren geläufig war. Es war immer ein Spiel mit der Gefahr gewesen. Nicht für ihn, sondern für die Kinder, deren Eltern immer versucht hatten, die neugierigen Blicke der Kinder von den Sterbenden oder kürzlich Verstorbenen abzuwenden und sie auf diese Weise zu beschützen.

Hier was es etwas anderes, wenn auch nur ein wenig. Hier befand er sich in einem Kampfgebiet, diese Menschen waren teilweise brutal verletzt, verstümmelt oder getötet worden. Bewusst lässt er die Beobachterin gewähren, wendet ihr teilweise den Rücken zu.
Erst als er sich von dem letzten Sterbenden erhebt, spricht er etwas lauter in die Richtung, aus welcher er beobachtet wird.

"Guten Abend, mein Kind. Treibt Euch die Angst oder die Neugierde aus eurem Haus auf die Straße ?"

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Iulia Cornelia
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Mo 6. Jan 2020, 13:59

Ein Kind war das Mädchen, das in vorsichtigen Schritten da aus den Schatten auf ihn zukam, schon lange nicht mehr. Vielmehr schien sie die Schwelle zur jungen Frau bereits überschritten zu haben. Mit beiden Händen hielt sie den Henkel ihres Korbes fest umschlungen, als versuchte sie an ihm Halt und Sicherheit zu finden.

Auf seine Frage hin schüttelte sie leicht das von einem gewöhnlichen Umhang bedeckte Haupt und sprach in einer noch recht jungen und seltsam stockenden Stimme: „Ich bin auf der Suche nach Jemandem, der uns helfen kann.“ Ihre Körperhaltung spiegelte ihre Vorsicht vor dem seltsamen Fremden wieder, doch sie näherte sich ihm weiter und fragte: „Seid ihr ein Pater, guter Mann?“ Sie schwieg, während sie noch immer fünf oder sechs Schritte von ihm entfernt stehen blieb und ihn musterte.

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Mo 6. Jan 2020, 17:55

Fray Diego richtete sich auf und wartete geduldig, bis sie näher getreten war.

" In der Tat,das bin ich. Ihr seid auf der Suche nach Hilfe? " Fray Diegos Blick lag auf der jungen Frau, blickte ihr in die Augen und musterte sie einmal aufmerksam. " Was für einer Hilfe bedarft ihr, wenn ich fragen darf?"

Seine Stimme ist ruhig, führsorglich, nicht fordernd oder lauernd. " Wollt ihr Euch setzen oder habt ihr Angst an diesem Ort des Blutvergießens ?"

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Mi 8. Jan 2020, 17:56

Das Weiß ihrer Augen war Blut unterlaufen. Sie musste in den letzten Stunden viel geweint haben. Als er ihre Frage bejahte, schien ihr förmlich ein zentnerschwerer Stein vom Herzen zu fallen. „Gepriesen sei der Herr in seiner Güte.“, sprach sie, während sie sich sogleich zweifach bekreuzigte, bevor sie den Korb wieder fest umfasste.

Dann blickte sie sich in der unwirklichen Umgebung um, bevor sie den Kopf schüttelte und meinte: „Nein. Nein ich habe keine Angst. Aber Andrea…“ Ihre noch junge Stimme brach ab und sie wischte sich mit dem Ärmel ihrer einfachen Kleidung, die sie als Magd oder Hausmädchen zu erkennen gab, über ihre Augen. Nach einem unterdrücktem Schluchzten sprach sie weiter: „Diese gottlosen Bastarde haben…“ Weiter kam sie nicht, bevor ihre Stimme erneut den Geist aufgab. Mehr gehaucht als gesprochen fügte sie an: „Bitte, Pater, habt Erbarmen.“

Die letzten Schritte zu ihm waren von der jungen Frau schnell überwunden, bevor sie sich vor ihm in den Dreck und Schmutz der Straße auf die Knie warf und flehte: „Bitte, Pater, kommt mit mir mit und salbt ihn. Er muss wieder gesund werden. Wir besitzen nicht mehr viel, aber das will ich euch geben.“

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Mi 8. Jan 2020, 23:29

Fray Diego weicht einen Schritt zurück, als sie sich auf ihn zu bewegte. Als sie vor ihm kniet, bückt er sich schnell, um ihr aufzuhelfen, als sie dort so flehend auf dem Boden lag. " Aber, aber mein Kind. " Er greift mit seiner kalten Hand die ihre um ihr aufzuhelfen. Interessiert beobachtet er ihre Reaktion auf die eiskalte und leblose Berührung auf der Haut. " Selbstverständlich werde ich Euch gerne helfen. Bitte zeigt mir den Weg und ich werde tun, was in meiner von Gott gegebenen Macht steht, und wenn es nur ist, den letzten Gang, den wir alle alleine antreten müssen, zu erleichtern. "

Nachdem sie sich erhoben hat, deutet er in die Richtung, aus welcher sie gekommen ist. " Bitte geht voran un zeigt mir den Weg "

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Do 9. Jan 2020, 01:42

Der vermeintliche Priester konnte das Leben warm durch ihre von der Arbeit rau gewordenen Hände pulsieren spüren, als er nach ihr griff, um ihr aufzuhelfen. Sie zuckte nicht unter seiner kalten Berührung zusammen, sondern umschloss geradezu fest seine Hand. Das Mädchen wirkte gänzlich aufgelöst und schien wirklich froh zu sein, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihr in dieser schweren Zeit half.

Erst als er von dem letzten Gang sprach, wurde ihr Gesicht geradezu panisch und kreidebleich. Sie schüttelte wild den Kopf, während sie sich bekreuzigte. „Gott bewahre! Pater! Nein! Andrea darf nicht sterben! Er ist doch alles was ich habe! Er hat versprochen mich zu seiner Frau zu machen! Er sagte, dass wir von hier wegziehen werden, sobald er genügend Geld hat. Weithinein ins Landesinnere. Weg vom Meer. Nur er und ich und…“, erklärte sie, bevor sie plötzlich abbrach und betreten zu Boden blickte, nur um ihn dann an der noch immer festumgriffenen Hand weiter in Richtung einer der unzähligen kleineren Wege zu führen, so er sich denn von ihr führen lassen würde.

Abseits der großen Straßen war Platealonga ein reines Gewirr von schmalen Häusergassen, die enganeinander gebaut waren. Jeder Zentimeter des Sestiere schien hier genutzt zu werden. Für Jemanden, der sich hier nicht auskannte, mochte es geradezu wie ein verdammtes Labyrinth wirken. Eines, in dem sich der Geruch von Abfall, Erbrochenem, Blut und sonstigen Körpersäften zu einer beißenden Mischung verband, und bei der sich wohl Niemand ernsthaft darüber gewundert hätte, so hier eine Leiche unter all dem Unrat verrotten wäre, den der Regen noch nicht zurück ins Meer gespült hatte.

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Do 9. Jan 2020, 16:18

Fray Diego nutzt die Gelegenheit, die Umgebung in sich aufzunehmen, während er ihr folgt. Es war nicht das erste mal gewesen, das man ihn auf eine solche Weise angesprochen und um Hilfe gebeten hatte, und seine Neugierde überwiegte bei Weitem jeden Gedanken an Vorsicht oder Unsicherheit.

" Was ist eurem Verlobten den angetan worden, meine Liebe?" fragte er sie , während er ihr durch die Gassen und Strassen folgte. Dann blieb er stehen und sagt: " Bevor wir nun weiter gehen, sagt mir bitte, was denn überhaupt passiert ist, denn dann muss ich eurem Verlobten nicht so viele Fragen stellen"

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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Fr 10. Jan 2020, 01:39

Die junge Frau war stehengeblieben, als sie Widerstand gemerkt hatte und hatte sich zu dem Geistlichen umgewandt. Aus scheuen rehbraunen Augen blickte sie ihn an, als er sie aufforderte ihre Geschichte zu erzählen.

„Hier?!“, fragte sie verwirrt und sah den Priester dabei völlig entgeistert an. „Pater, wisst ihr denn nicht wie gefährlich es hier ist?! Das ganze Sestieri scheint in der vergangenen Nacht verrückt geworden zu sein! Ganz so als wären Dämonen in sie gefahren!“ Schnell bekreuzigte die Gläubige sich, bevor sie den Kopf schüttelte. „Nur der Herr allein weiß, ob wir in dieser Nacht von einem Irrsinn, wie in der letzten Nacht verschont bleiben sollen.“

Der Henkel ihres Korbes war auf ihren Unterarm gerutscht, als sie auch mit der anderen Hand, die seine fest umgriff. „Bitte, Pater, ich beschwöre euch. Ich werde es euch auf dem Weg erzählen, doch nicht hier. Ich…“, bat das Mädchen den Geistlichen, bevor es absetzte und leiser gestand: „Ich fürchte mich hier in den Gassen und ich will Andrea nicht zu lange allein lassen. Er hat doch sonst Niemanden.“

Ihre Hände drückten sanft die seinen, als sie anfügte: „Und euch wird etwas Wärme auch gut tun, Pater. Ihr seid so kalt, ihr erfriert hier doch fast. Nicht, dass ihr euch noch den Tod holt. Bitte, Pater, es ist nicht mehr weit.“ Die junge Frau ließ die Hand mit dem Korb los und zeigte stattdessen in die Richtung, in die sie zuvor gegangen waren. Flehend lag ihr Blick auf dem Gläubigen.

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