[1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Fray Diego
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Mo 13. Jan 2020, 20:18

" Nun denn, wir werden die dann zu gegebener Zeit vor Ort besprechen können. Geht weiter voran." Fray Diego hatte eigentlich nur noch wenig Zeit, jedoch wollte er sich nicht von dieser hilfebedürftigen Person abwenden. Dies wäre der falsche Weg, das falsche Zeichen gewesen. Es ging hierbei nicht nur um die Stadt, sondern auch um seine Bewohner- und das hies um jeden einzelnen von Ihnen. Nichtsdestotrotz würde er die Zeit ein wenig im Auge behalten müssen.

Weiterhin eilte er der jungen Dame hinterher.

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Iulia Cornelia
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Fr 17. Jan 2020, 13:45

Doch bereits während sie weitergingen, erzählte die junge Frau wie sie zugesichert hatte: „Ich weiß nicht genau was mit Andrea geschehen ist.“ Ihre braunen Augen wanderten zu dem Pater, während sie sich wohl auch ohne Licht gut genug in den verwinkelten Gassen auskannte, um ihn sicher zu führen.

„Als ich heute Morgen zu ihm kam, war es bereits geschehen. Diese gottlosen Bastarde hatten ihn einfach niedergestochen.“, berichtete sie mit gedämpfter Stimme, die irgendwo zwischen Leid, Verzweiflung und Wut schwankte, bevor sie ergänzte: „Es war so schrecklich, Pater. Der ganze Fußboden war voller Blut und Andrea lag mehr tot als lebendig darin. Es dauerte gefühlte Stunden bis ich einen Quacksalber gefunden hatte und nur Gott allein weiß, wie lange Andrea in Schmerzen…“

Erneut brach ihre junge Stimme gänzlich ab und sie wischte sich mehrfach mit dem Ärmel über die Augen, während ihr ihr Körper zitterte. „Es ist alles so schrecklich, Pater.“, meinte sie mit kaum mehr als gehauchter Stimme, als sie schließlich mit gesenktem Kopf stehen geblieben war.

„Warum mutet der Herr uns nur so etwas zu, Pater? Wir wollten doch nur ein besseres Leben für uns. Wir wollten doch nur nicht länger Diener von gewissenlosen Capitanos sein. Von hohen Herren sein, die letztlich einen Fick auf uns und unsere Wünsche geben.“, beschwerte sich die junge Frau, bevor sie einen schweren, verzweifelten Seufzer ausstieß und sich erneut mit dem Ärmel über das Gesicht wischte.

„Wir wollten doch nur eine eigene, glückliche Familie sein.“, jammerte sie, während sie den Kopf schüttelte. Dann drückte sie deine Hand und sprach: „Aber nun habe ich euch gefunden und Andrea wird mit Gottes Hilfe wieder gesund werden.“ Ihre Stimme war von einem Moment auf den anderen in eine beinahe unvernünftige Hoffnung umgeschlagen, als sie trotz dem Schrecken, den sie erlebt hatte, fest daran zu glauben schien, dass durch die Salbung von einem fremden Pater, sich alles wieder zum Guten ändern würde.

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Fray Diego
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Fray Diego » Fr 17. Jan 2020, 15:08

" Die Zeit wird kommen, in welcher all diese Pein vorüber ist. Im Buch Gottes steht geschrieben: "Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen." Diego drückt ihre Hand fest.

Ruhe und Gelassenheit strömen aus seinen Worten wie aus einer Quelle als er sich währenddessen durch die Gassen führen lässt. Das Vertrauen, dass er weiss, was er tut und macht sind ihm deutlich anzumerken als er nach einer kurzen Strecke weiter spricht. " Sagt, mein Kind, diese Unholde kamen in der vergangenen Nacht, da ihr euren Liebsten in den Morgenstunden gefunden habt, nicht wahr ? Wieso habt ihr erst jetzt das Haus verlassen um nach Hilfe zu suchen? Haben sie auch Euch aufgelauert ?"

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Iulia Cornelia
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Re: [1034] Die erste letzte Ölung [Fray Diego, offen] [Seconda]

Beitrag von Iulia Cornelia » Sa 18. Jan 2020, 17:39

Sie schüttelte den Kopf, bevor sie meinte: „Nein, Pater. Sie haben mir nicht aufgelauert. Tatsächlich habe ich niemanden gesehen, als ich hier ankam, noch als ich ging.“ Die junge Frau zögerte kurz und unangenehm berührt, als sie ausweichend antwortete: „Ich weiß auch nicht, wann sie gekommen waren. Ich…“ Sie brach kurz ab, bevor sie erklärte: „Ich hatte bereits am Morgen verzweifelt nach einem Medicus gesucht und nur einen alten, schmierigen Quacksalber gefunden. Er hat…“ Wieder verstummte das Mädchen, das kaum eine Frau war, während sie die Hand des Paters losließ, um mit rotwerdenden Wangen den Kopf von ihm abzuwenden und zu murmeln: „Er hat einen horrenden Preis verlangt, Pater. Für die Behandlung und die Kräuter. Aber wir hatten doch kaum mehr, als das was ich für den Einkauf auf dem Markt von meinen Herren erhalten hatte. Aber was sollte ich denn sonst tun? Der Rest war von diesen gottlosen Bastarden gestohlen worden und...“

Ein leises Schluchzen war zu hören, als ihre Stimme versagte und sie sich selbst umarmte, um sich Schutz und Halt zu geben in der Dunkelheit der Nacht. „Er… er… hat Andrea schließlich versorgt und ich… ich hatte den Boden dann Stunden lang geschruppt…“, erklärte sie, bevor sie einen hörbaren Kloß im Hals herunterschluckte und anfügte: „Ich hatte ihm dann etwas zu essen gekocht. Suppe. Und sein Fieber gesenkt mit kühlen Lappen. Aber es dauerte Stunden, bis er in den Schlaf gefunden hat trotz der Schmerzen. Und dann war es Nacht. Und ich… ich konnte die Stadt ja nicht mehr verlassen. Und überhaupt, ich kann ihn ja nicht einfach so allein zurücklassen. Er… er sah von Stunde zu Stunde immer schlechter aus. Ich… ich konnte nicht mehr für ihn tun, egal wieviel ich gebetet habe. Deshalb habe ich mich aufgemacht als er schlief und jemanden wie euch gesucht, Pater. Andrea darf einfach nicht sterben! Nicht nachdem was wir alles dafür getan und geopfert haben! Das alles darf nicht umsonst gewesen sein, Pater!“

Ihr Blick ging zu dem Pater zurück und in ihren Augen waren Tränen der Wut und der Verzweiflung, die sie sich bei Seite wischte, bevor sie sich straffte und die Holztür in ein Hinterzimmer einer Spelunke aufschob, vor der sie stehengeblieben waren. „Aber bitte, Pater, kommt doch herein. Ich will ihn nicht zu lange allein lassen.“, sprach sie, während sie selbst durch die Tür trat und sie dem Geistlichen aufhielt. So der Pater eintrat, fand er sich in einer kleinen Kammer wieder. In einer kleinen Kochstelle brannte ein niederes Feuer, das den Raum in ein gedämpftes Licht tauchte. Im Raum klebte noch der wage Geruch von altem Blut, den wohl nur ein Monster der Nacht tatsächlich wahrnehmen konnte, während sich darin sichtbar ein zerbrochener Tisch, ein Hocker, sowie eine Truhe, auf der eine Schale stand, sowie einige Kübel befanden.

Auf einem Lager, das in seiner Breite kaum mehr als einer Person Platz zum Schlafen bot, lag ein einzelner Mann. Die Decke war hoch bis zum Hals gezogen und von der Stirn perlten Schweißperlen, während er sich stöhnend hin und herdrehte. Der Lappen, der zuvor seine Stirn bedeckt hatte, lag daneben und als die Frau es sah, eilte sie zu ihm, um sich neben seinen Kopf niederzuknien, das Tuch zu befeuchten und seine Stirn abzutupfen, während sie in einer warmen Stimme zu ihm sprach: „Ich bin wieder da, Liebster. Alles wird wieder gut werden. Du bist nicht mehr allein. Sieh, ich habe einen Pater gefunden. Er wird dich salben. Du wirst wieder gesund werden! Du wirst es schon sehen! Alles wird wieder gut werden!“ Mit einer bittenden, beinahe flehenden Geste, winkte sie den Pater herbei, so dieser noch nicht von sich selbst gefolgt war.

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