[1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Alain le Beau
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[1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Alain le Beau » Di 17. Dez 2019, 12:53

"...und sie sind furchtsam gewesen. Glaubt mir, eure Männer werden hier unten sterben. Und wer soll dann die Mauer verteidigen?" Die Stimme des Tzimisce dringt an Nicolós Ohr, als dieser sich Tiago nähert, dem Befehlshaber über die Verteidigung. "Ich bin kein Militär - alles andere als das - aber es ist besser, ihr beschießt sie von oben herab. Habt ihr Steine? Oder vielleicht kochendes Wasser?"

Einer von Alains Leibwächtern, der Franke mit dem fiesen Blick, räuspert sich. "Kochendes Öl wäre noch besser", sagt er leise. "Ich habe gute Erfahrungen... also, es brennt sich in die Haut ein." Der Jüngling sieht ihn kurz an, nickt dann. "Ja, warum eigentlich nicht. Sollen sie braten wie Fische in der Pfanne." Er blickt in die Dunkelheit von Staglieno, lässt seine Augen wehmütig über das Gasthaus schweifen. Seine Zunge fährt wie unbewusst über die trockenen Lippen.

"Nun. Ich denke, es ist zu gefährlich, die Häuser in Brand zu setzen - der Rauch würde die Sicht behindern." Da erblickt Alain den Salubri aus dem Augenwinkel. "Und natürlich können wir das Leben der Menschen nicht riskieren." Er nickt Tiago zu und eilt dann zu dem anderen Kainiten hin. "Ich bin so froh, dass ihr hier seid!" Es klingt ehrlich, überraschenderweise. Andererseits, vielleicht will Alain einfach nicht allein sterben. "Konntet ihr den Zimmermann erreichen?"
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Nicolo Trevisan
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Nicolo Trevisan » Di 17. Dez 2019, 16:07

"Allerdings. Er hat die meisten der Dorfbewohner alarmiert und sie begeben sich in die Stadt. Einige wollten nicht fliehen und haben beschlossen, mir zu helfen."

Dann blickt ihn Nicolò lange an. "Ihr schätzt mich falsch ein, werter Alain. Mir sind Menschen wichtig, aber ich durchaus fähig zu unterscheiden... Diese Normannen haben ihr Schicksal selbst gewählt - sie hätten nicht kämpfen müssen und wir verteidigen nur. Daher gilt meine Sorgen unseren Menschen .
Mein Vorschlag war daher, das Feld mich Pech zu tränken, um die Normannen zu irritieren oder zumindest zu verhindern, dass sie ausfächern. Aber es gibt nicht genug Pech hier..."
Nicolò wirkte abwesend und murmelte: "Vielleicht wäre es genug, damit man wenigstens kleine Abschnitte tränken könnte, das wäre zumindest etwas überraschend..."


Er ließ seinen Blick umherschweifen, inspizierte die Mauer und dachte nach.
"Einerseits stimme ich euch zu mit der Verteidigung der Mauer, andererseits... Wenn jemand aus Ravecca oder Broglio anrücken würde, wäre die Besetzung der Mauern eher ein Fehler. Aber auch ich bin kein Militär..."
Nicoló machte einen unglücklichen Gesichtsausdruck und schluckte merklich: "Aber wenigstens eine kleinere Einheit sollte das Tor bewachen, falls es zum äußersten kommt..."

Dann wandte er sich wieder ab und blickte auf das Lager, insbesondere auf ein spezielles Zelt.
"Wenn wir vor den Mauern verteidigen muss es umgesetzt werden. Sollte der Feind von Süden kommen, liegt es direkt im Kampfgebiet. Es sollte genau zwischen Staglieno und der Mauer auf der nördlichen Seite des Weges gesetzt werden. So bieten die Häuser von Staglieno wenigstens etwas Schutz und wir können mit wenigen Wachen, das Zelt verteidigen und trotzdem schnell Verletzte dorthin schaffen."

Er drehte sich zu Alain um:
"Was meint Ihr dazu?"

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Alain le Beau
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Alain le Beau » Di 17. Dez 2019, 16:48

Alain zuckt mit den Schultern. "Keine Ahnung. Ich vermute, wenn sie Verbündete in Raveccha oder Broglio haben, ist der Kampf vorbei, bevor er begonnen hat. Hoffen wir einfach, dass diese Verräter zu sehr damit beschäftigt sind, die Füße des sehr verehrten Lydiadas zu küssen." Er seufzt. "Wenn wir mehr Zeit hätten, dann könnten wir Fallen vorbereiten." Er schnippst mit den Fingern und eilt zu Tiago. "Keiner eurer Männer sollte im Wirtshaus etwas trinken", sagt er leise. "Gebt es den Normannen - insbesondere den Weinkeller. Vielleicht bekommen sie dann eine Magenverstimmung."

Zurück bei Nicolo meint er: "Was meint ihr mit 'es'? Was muss umgesetzt werden?"
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Nicolo Trevisan » Di 17. Dez 2019, 17:01

Nicolò seufzte:
"Wenn wir mehr Zeit hätten..."

Dann schüttelte er den Kopf:
"Es nützt nichts..." Nicolò schwieg für eine Weile. Erst dann kam ihm in den Sinn, dass der Drache eine Frage hatte:
"Oh, ich meine natürlich das Zelt, in dem die Verwundeten behandelt werden sollen."

Dann faltete Nicolò die Hände auf seinen Rücken, ging ein paar Schritte auf und ab. Blieb wieder bei ihm stehen und sagte leise zu Alain:
"Warum sollte man sonst die Mauern nicht nutzen, es muss doch einen weiteren Grund geben, wozu sonst sind denn Mauern gut?"

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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Alain le Beau » Di 17. Dez 2019, 17:20

"Meine Rede", sagt Alain. "Tiago hatte die Idee, seine Krieger entlang der Straße zu verteilen, von Schützen aus den Häusern gedeckt. Es sind teilweise Rekruten, unerfahren. Diese Normannen haben die Garnison in Quinto zerlegt! Sie würden sie gegen die Mauer drängen und abschlachten."

Er verzieht das Gesicht. "Euer Zelt sollte jedenfalls nicht außerhalb der Mauern bleiben."
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Nicolo Trevisan » Di 17. Dez 2019, 20:01

Nicolo würde noch bleicher werden, wenn er es könnte und blickte Alain erschüttert an. "Wir müssen das verhindern. Ich werde nochmal mit ihm sprechen. Unsere Chancen scheinen so schon schlecht zustehen. Und Ihr habt recht, das Zelt muss hinter die Mauer."
Nicolo seufzt, strafft dann aber seine Schultern und wechselt einige Worte mit Tiago: "Die Verteidigung muss..."

Nach diesem Wortwechsel kehrte er zu Alain zurück mit noch entsetzterer Miene:
"Die Verteidigung muss wegen der Stadtwache vor den Mauern erfolgen. Es ist gut, dass ich die Dorfbewohner gewarnt habe, sonst hätte es zu noch mehr unnötigen Blutvergießen geführt, bei diesem Plan."

Dabei war er dem Tzimisce einem seltsamen Blick zu.
Schließlich wandte er den Blick von ihm ab und suchte die Mönche und Dorfbewohner, die ihm helfen sollten.

Bevor er jedoch auf sie zuging, sagte er noch leise zu Alain:
"Ich halte die Lage für Aussichtslos. Ihr müsst den Kriegsrat warnen. Sofort.
Ich werde hier bleiben und mich um die Verwundeten kümmern. Notfalls werde ich mich ergeben. Bitte teilt der höchstverehrten dies mit.“

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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Alain le Beau » Fr 20. Dez 2019, 13:43

Alain sieht zu seinen Leibwächtern. Dann wieder zu Nicoló. "Ihr habt Recht. Der Allesfresser konnte das Ausmaß der Feinde nicht voraussehen. Aber ich selbst kann nicht gehen. Diese Männer sind hier wegen mir. Wenn sie abgeschlachtet würden, dann..." Er kneift das Auge zusammen. Überlässt es dem Salubri, den Rest des Satzes zu bilden.

"Nein. Ich werde etwas anderes versuchen müssen. Hoffen wir, dass ich damit Erfolg habe. Schlimm genug, dass ich Beppo fortgesandt habe, um..." Er schüttelt den Kopf. "Es ist egal. Es muss ohne ihn gehen. Sergio, lauf zum Castelletto und erkläre den dort Anwesenden die Situation. Höchster Respekt. Oh, und komm so bald wie möglich zurück, aber halt dich vom Kampf fern. Triff mich bei San Donato." Der Leibwächter zögert, doch eine herrische Geste Alains scheucht ihn hinweg. "Ich sehe noch eine Möglichkeit", sagt der glatzköpfige Schönling leise. "Aber es ist riskant. Wahrscheinlich dumm."

Er nickt Nicoló zu. "Nun gut. Sergio ist auf dem Weg, ich hoffe, dass Beppo mich findet. Wenn er euch fragt: Ich bin in Broglio. Er soll an der Grenze des Viertels warten, am..." Alain schnaubt "...Elysium."
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Nicolo Trevisan » Fr 20. Dez 2019, 17:21

Nicolò blickte Alain mehrere Augenblicke mit fragenden und dann irritierten Gesichtsausdruck an:
"Ich habe das Gefühl, Ihr begeht eine Dummheit. Andererseits ist das tatsächlich vielleicht die einzige Möglichkeit die wir haben. Ich wünsche Euch gutes Gelingen und auch die nötige Portion Glück, die es wohl braucht."

Er faltete die Hände zusammen und blickte Alain noch mal eindringlich, abe aufrichtig an:
"Seht zu, dass Ihr da Heil herauskommt, es wäre zu Schade, wenn ich Euch umsonst geheilt hätte."
Bei diesen Worten zwinkerte er kurz und sagte schließlich:
"Falls wir uns noch in dieser Nacht sehen, findet Ihr mich im Kloster oder aber im Zelt, jedenfalls da wo auch immer die Verwundeten sein werden."

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Alain le Beau
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von Alain le Beau » Sa 21. Dez 2019, 17:36

Der Tzimisce ringt sich ein schmerzhaftes Grinsen ab. "Ich werde mein Bestes tun, euch nicht noch einmal zu belästigen, wohlwerter Nicoló. Möge euch Erfolg bei euren Heilungen beschieden sein." Er schaut zu Tiago. "Haltet ihn davon ab, irgendwelche Dummheiten zu begehen, ja? Sonst habe ich mir meinen Kopf umsonst versengt."

Er nickt dem Salubri zu, dann wendet er sich ab und eilt auf die Stadttore zu. Sein letzter verbliebener Leibwächter hat Mühe, mit dem Jüngling Schritt zu halten.
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La Cronista
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Re: [1034] Vor den Mauern [Alain, Nicoló] [Seconda]

Beitrag von La Cronista » So 29. Dez 2019, 14:41

Sie hatten beratschlagt und verhandelt. Waren bestürzt und verzweifelt. Wütend ob der Hilflosigkeit, doch durften sie nicht weichen.

Die Bewohner waren geflohen, die Versorgung der medizinischen Hilfe eingerichtet, Schützen platziert und mit Brandpfeilen ausgestattet und ein Geschenk zurückgelassen. Der Spähtrupp war zurück und berichtete sorgenreiches. Boten wurden nochmal ausgeschickt.

Schließlich standen sie bereit an der Straße, in den Wiesen und Feldern vor dem Dorf, rechter Hand die Mauer, die Stadt die sie schützen sollten und die ihnen aber keine Sicherheit bot.
Dutzende an jungen Männern, die ausgebildet wurden für den Kampf, doch zu kurz, viel zu kurz...mochten sie nun denken.

Die Luft war erfüllt vom Gestank des Rauches aus Clavicula, wo die Feuer weniger geworden, aber offenbar noch nicht gänzlich gelöscht waren. Eine unheimliche Stille hatte sich über die Männer und das Dorf in ihrem Rücken gelegt. Alle standen bereit, angespannt in Erwartung der herannahenden Armee.

Hier und da konnte man das Zittern der verkrampften Hände sehen, die die Waffen hielten. Versucht sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen, hielten die jungen Söldner ihren Blick in die Dunkelheit gerichtet und in der Ferne konnte man Lichter sich nähern sehen. Fackeln in mehreren Reihen…

Der Feind musste sich nicht verstecken. Ihnen drohte keine Gefahr.
Die Verteidiger blieben jedoch in der Dunkelheit. Wartend.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die fremden Soldaten so nah waren, dass man ihre Schritte hören konnte, das Rasseln der Kettenrüstungen und klappern der Waffen. Es schien eine Ewigkeit bis sie nah genug waren, dass der Kampf entflammte.

Es war das Surren eines Bolzens, der durch die Nacht glitt, der den Startschuß gab. Das erste Blut vergoß. Dann stürmten sie vor. Eine Welle an Stahl und Kraft, die die Verteidiger auf ihre Speere spießte, mit ihren Schwertern durchbohrte. Doch sie waren nicht sofort hinweggespült. Sie kämpften gegen die brausende See des Schattens mit allem was sie hatten.
Metall traf Metall. Metall traf leder. Metall traf Fleisch.
Schreie gellten durch die Nacht.

Verletzte fielen in den Dreck, unter die Füße ihrer Kameraden und den Feinden. Knochen brachen und Leben vergingen wo sie nicht herausgezogen werden konnten oder sich selbst noch retten.

Helfer zogen die Verletzten heraus, trugen sie zum Lazarett.

Es war ein Mann mit einer tiefen Bauchwunde, der als erstes an dem kleinen Zelt des Heilers ankam. Blut quoll zwischen seinen Fingern, die er auf die Wunde gepresst hatte hervor. Es schien kaum möglich ihn noch zu retten.

Sogleich folgte ein weiterer, gestützt von einem Bauern. Humpelnd und wimmernd. Ein Teil eines Armes fehlte. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, das Gesicht war blaß.
Der Schrecken, die Angst, der Schmerz war ihm ins Gesicht geschrieben.

“Hilfe bitte...Ich möchte nicht sterben...” keuchte er und klammerte sich an Nicolo.

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