[1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Seresa, Toma Ianos Navodeanu

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Toma Ianos Navodeanu
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Sa 7. Mär 2020, 20:24

Für einen Moment schien es als würde Toma gar nicht darauf reagieren was sie sagte. Sie starrten sie an und wirkten dabei etwas abwesend.
Dann sahen sie ihr wieder genau in die Augen.
Heute waren ihre selbst braun.
„Das ist eine Frage, die tief geht. Eine Frage über die wir uns viele Gedanken gemacht haben und....es sicher gern darlegen, aber das ist gerade nicht der Ort all das zu diskutieren.“

„Zu einem anderen Moment, später wenn ihr ohnehin zu uns kommt, könnten wir uns damit auseinandersetzen.“

Sie kamen der Einladung auf das Pferd zu steigen nicht nach, stattdessen blieben sie neben ihr stehen und stupsten ihr plötzlich mit dem Finger ins Gesicht.
„Es ist erstaunlich.“ ...Immer wieder.
Dann verzogen sie etwas die Lippen. „Jahrelange Studien, Stunden an Arbeit und ihr....könnt es einfach mit einem Fingerschnipsen...“ Sie schnaubten.

„Hm...nun. Wir sind hier um mit euch kurz zu sprechen. Wir haben etwas anderes diesen Tag in die Tat umsetzen lassen, so ist es kein Verlust, dass ihr letzte Nacht nichts verwertbares finden konntet. Man muss mit dem arbeiten was man hat.

So seid ihr nun aber bereit erneut vorbei zuschauen? Es wird nicht mehr dringend nötig sein, aber vielleicht findet sich ja doch etwas.“
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Signora Achilla
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Signora Achilla » Sa 7. Mär 2020, 21:38

Die Signora - der Junge - hielt die Finger an, die ihm ins Gesicht stubsten, und duckte sich zur Seite weg. Ein paar Motten tanzten um seine Schultern und den lumpigen Mantel darum her. Er musste trotzdem lachen und es gelang einigermaßen passabel jungenhaft.
“‘s geht nicht an, dass Ihr mir die Masken runterreißt und die Kulisse durchleuchtet”, meinte er. “Und ja, ich will sehen, ob ich Euch diese Nacht vielleicht helfen kann. Der Preis wär’s allemal wert!”
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Sa 7. Mär 2020, 22:06

Die Motten...waren sie noch Teil von ihr oder nur in der Kleidung hängen geblieben? Fragten sie sich als die kleinen Tieren hervor flatterten.

„Die Kulisse...ist es ein Spiel für euch? Jemand anderes zu sein, anders auszusehen, nur ein Spaß? Warum...“ Grübelnd runzelten sie die Stirn.
„Warum wollt ihr eigentlich eine Änderung von uns, wenn ihr es doch selbst könntet? Fühlt es sich nicht echt an?“ fragten sie und hatten scheinbar schon wieder vergessen, dass sie doch gerade keine Zeit hatten. Aber die Neugier...sie konnten einfach nicht anders außer Fragen zu stellen.
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Signora Achilla » So 8. Mär 2020, 15:10

“Tah”, machte der Junge - die Signora. Es klang ein wenig tadelnd, aber dann zuckte sie mit den Schultern. “‘s ist so sehr ein Spiel und Schau wie alles andere Elend auch. Und die Leute? Die seh’n, was sie seh’n wollen, und denken, was sie eben draus machen wollen. Nichts ist wirklich wahr in dieser Welt, Herr.”
Sie hob die Hand, um ganz ähnlich wie er zuvor nach seinem Gesicht zu stubsen, auf die Stirn.
“Die Wahrheit flickt sich jeder selbst zusammen, wie alte Fischweiber die Netze wieder zusammenkriegen. Das Muster ist wohl gleich, aber der Rest… hu.” Der Junge blies seine Backen etwas auf und ließ die Luft wieder entweichen.
“Das ist, was ich mach’. Ich zeig’ den Leuten, was sie seh’n wollen. Nennt es Handwerk oder nennt es Kunst oder meinetwegen auch Narretei. Vielleicht ist’s von allem was.”

Sie machte eine Geste in die Nacht hinaus. “Die Leute woll’n nicht wissen, dass hier die Teufel und Dämonen in der Nacht lauern, die ihre Lebenskraft trinken, die Kinder stehlen, Gedanken verdrehen, jede erdenkliche Sünde bringen oder sogar so tun als könnten sie leben wie Heilige, wie Könige, wie halbe Götter.” Die Geste war eine theatralische, weit gefasst mit dem mottenzerfressenen Mantel. Die Stimme des Jungen passte dazu, ein wenig rauh, seltsam verletztlich hinter vorgespielter Härte. Er war eben noch nicht ganz ein Mann, hatte Pickel anstelle von Bartwuchs. Aber seine Augen? Die blickten hart wie Kieselsteine.
“Und mich? Mich schert’s nicht. Ich kann mit den Masken leben, nachtein, nachtaus. Warum auch nicht? ‘s ist einfach genug und eine wie ich, die kann nicht blank und bar unter die Leute gehen.”
Und hier lächelte der Junge listig und vielleicht auch etwas gierig und vorfreudig. “Doch ich würd’ gern, direkt und Haut an Haut. Ist das ehrlicher, hu? Ist das weniger ein Mummenschanz? Was kümmert’s mich? Auch ich hab’ ein Recht drauf, mal vor was vorgegaukelt zu kriegen, eh? Und wenn ich’s mir selber vormachen muss - was soll’s? Doch für den Moment, Herr, für den einen Moment will ich wissen, wie es wohl ist. Wie’s sich anfühlt, wie sich die Welt anfühlt.”
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mo 9. Mär 2020, 22:12

„Nichts ist wahr?"
fragten sie und schüttelten den Kopf, langsam, als sie darüber nachdachten.
"Nein. Es gibt vieles was wahr ist, man muss es nur finden. Das, was sich richtig anfühlt.“ erwiderten sie. „Auch unter jeder Maske gibt es das wahre Gesicht. Manchmal ist es nur noch nicht klar. Verschwommen oder gar verschmolzen mit der Maske und man fragt sich zu recht wer ist man selbst. Die Maske oder das Gesicht darunter oder beides oder keines von beiden. Doch irgendwas bleibt immer. Irgendwas steckt tief darunter, auch unter der Maske und dem Fleisch.“

Nun hatten sie sich doch zu diesem philosophischen Austausch hinreißen lassen.

"Glaubt ihr, dass jede Maske die ihr annehmt etwas in euch hinterlässt, oder dass es nur Verkleidung ist? Oder ist es andersherum und jede Maske ist bereits ein Teil von euch? Vorgebracht, verzerrt, überzogen um sie neu und anders wirken zu lassen?"

Toma wich nicht aus als sie mit ihrem Finger nach ihm stupste. Auch reagierten sie nicht wirklich darauf. Als wäre es gar nicht passiert.
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Signora Achilla » Do 12. Mär 2020, 10:25

“Ha.. schwer zu sagen, hu?” Der Junge wirkte jedoch nicht sonderlich traurig oder beschwert darüber. “Ich hab’s irgendwann so gesehen: Sie sind eine Gelegenheit, diese Masken. Für eine Weile zieh ich den Samtmantel des Edelmanns über, oder ich trag’ den dicken Wanst des reichen Kaufmanns. Hure, Bettler, Richter, Pfaffe, Soldat, Witwe, Matrone, alt, jung, alles.”
Er machte eine Geste als werfe er mit beiden Händen gleich eine ganze Handvoll Knöchel oder Würfel zum Lesen und für ein Glücksspiel.
“Jede Maske bringt einem was, eh? Die eine muss die Welt so sehen, der andere so, von oben oder unten oder drei Schritte seitwärts. Anders ist’s immer. Formt mich das? Wenn ich lang’ ein und dasselbe wär’, ai, ja. So wie’s auch meine Leute auf der Bühne formt, wenn einer immer der König ist und der andere immer der Grobian. Oder haben sie die Rollen so genommen, weil sie schon vorher genug davon in sich hatten? Ha. Wer weiß?”

Der Junge baumelte etwas mit den Beinen. “‘s ist ein Geschenk, eh? Man könnte alles von der Welt sehen. Und das ist auch, was ich gern versuch’. Von allem kosten, vom ganzen, bunten, hässlichen, schrecklichen, schönen, stinkenden, herrlichen Festmahl, das sich um uns ausbreitet. ‘s gibt welche, die suchen nur das Einfache, das Seichte, das Schöne. Nur Lust oder Völlerei oder Eitelkeiten. Aber das kann so schnell öde werden, eh? Und es ist nur ein ganz schmaler Winkel im gesamten Erdenrund.”

“Ich denk’, solche wie wir, wir haben die Stärke, dass wir mehr erfahren, erproben und sein können. Drum will ich die Masken als Gelegenheit sehen. Als Geschenk, auch wenn’s manchmal so elend bitter ist oder es mich schaudert und entsetzt oder entzückt oder entfesselt. Mit jeder einzelnen wachse ich ein Stück weit mehr.”

Der Junge gab dem Mann ein zahnlückiges Lächeln. “Wahnwitz, hu? Aber das ist, wie ich meine kleine Ewigkeit zubringe, für nun jedenfalls. Und ich würd’s nicht tauschen wollen, nicht gegen Kronen, Schwerter oder Juwelen.”
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Do 19. Mär 2020, 16:26

Sie nickten. „Ja. Alles bringt eine Erfahrung. Neue Eindrücke. Was schrecklich und was schön ist, ist für jeden so anders, dass man es nie mit einem Wort beschreiben könnte. Wir verstehen sehr gut wovon ihr sprecht. Eine Erfahrung ist immer wichtig. Sie lehrt und prägt und formt. Auch wenn sie unangenehm ist. Doch daraus erwachsen wir alle, oder?“
Auch sie hatten das erst lernen müssen. Jede Erfahrung anzunehmen. Es nicht als Versagen und Ende zu begreifen.
„Niemand wandelt sich, der immer dieselben Sehnsüchte und Routinen sucht.“

Man musste nur aufpassen...wann verlor man sich vielleicht zu tief darin. Wurde was man darstellte, trug die Maske irgendwann für immer? Denn ja, etwas sickerte immer hindurch. Das hofften und befürchteten sie. Denn sie wollten nicht wieder den Menschen ähnlich sein. Sie mussten den Abstand wahren.

„Hm...wir verstehen euch besser als wir zu erst geglaubt hätten.“ sprachen sie weiter.

„Welche Erfahrung wäre es, nach der ihr euch sehnt, die ihr bisher nie haben konntet? Abgesehen davon ein echtes unentstelltes Aussehen wieder zu erfahren?“
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Signora Achilla » Mo 23. Mär 2020, 16:21

Der Junge starrte Toma nun für einen Moment mit aufgerissenen Augen und halb geöffnetem Mund an. Es sah merkwürdig aus… verzückt? Entrückt? Er musste blinzeln, sich ordnen, bevor er antworten konnte: “Alle…!” Es war ein halblauter Ausruf, nach dem sich die Signora erst wieder zügeln musste, um leiser fort zu fahren.
“Ich kenne ein paar kleine Ausschnitte von dem, was wohl möglich ist”, gestand der Junge. “Doch mit jeder Erfahrung tut sich doch der Verstand ein Stück weiter auf und man begreift mehr von dem, was alles sein kann! Jetzt gerade? Eine geliebte Königin unter Menschen wär’ ich gern… oder nein, ein gewaltiges Monstrum, wie ein Lindwurm! Ein Fisch im Wasser, ein Vogel am Himmel… nein. Die Hure Babylon aus der Bibel vielleicht, ha! Ein feister Mönch inmitten von einem ganzen Hort von Büchern, mit so viel Wissen umher, das einem schwindelig wird und dem Verstand, es alles zu entschlüsseln!”

Der Junge lachte plötzlich. “Doch ich denke, ich muss wohl mit mir selbst beginnen. Ich bin nicht mehr, wer ich einmal war. Fast erinnere ich mich nicht mehr. Wunderschön war ich einst, hatte einen Liebsten an jedem Finger. Sie brachten mir Geschenke und stahlen sich einen Kuss oder zwei. Was für eine Zeit…!”
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Do 26. Mär 2020, 14:09

Sie schmunzelten als sie ihre Wünsche hörte. So war die Nosferatu wohl. Ein wenig wie Alain, mehr Genuss, als Vision und doch auch nicht so fern von ihnen. Der Wunsch nach mehr und Erfahrung. Etwas zu lernen und neues zu begreifen. Auch wenn ihre Wünsche nach dem was sinnvoll war zu lernen wohl weit auseinander gingen.

„Eure Wünsche gleichen Träumen. Doch nie hat jemand etwas erreicht, ohne es zu versuchen. Mit eurer Fähigkeit könntet ihr sicher einiges erreichen. Doch eure Gestalt kann nur menschlich sein, nicht wahr?“
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Re: [1034] Abseits von Chaos und Tod [Achilla, Toma] [Quarta]

Beitrag von Signora Achilla » Fr 27. Mär 2020, 10:21

Darüber hatte sie noch nicht nachgedacht und so zuckte der Junge mit den Schultern. “Ich schätze wohl, es kommt drauf an, wer das Publikum ist?”, riet er aus dem Bauch heraus. Und damit kam eine andere Schlussfolgerung: “...und Sachen können nicht Publikum sein. Oder irgendein Getier… .” Er sah an sich herunter. Etwas an dem Gedanken machte ihn aufmerksam.
“...Tiere sind anders gemacht”, bemerkte er dann. “Sie sehen die Welt anders und sie wollen Dinge wie ...wie Kinder es tun. Sofort. Direkt. Sie haben Hunger, also fressen sie. Sie fürchten sich, also rennen sie.” Er rieb sich das noch bartlose Kinn. “Ein wenig wie es wohl ist, wenn uns der Hunger überkommt, die Rote Wut oder größte Furcht, eh? Dann ist kein Platz mehr für Tand und Masken. Tiere sind mehr wie das. ‘ch schätze, darum geht es nicht.”
Er schnippte einmal mit den Fingern.
“Drum ist das, was Ihr tut, eine andere Sache, ja? Ihr macht einfach eine andere Gestalt? Oder schlüpft in Körper wie andere Leut’ in Mäntel…? Wie könntet ihr machen, dass ich wär’ wie einst?”
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