Überlieferung aus dem "Wind der Steine"
Verfasst: Fr 2. Mai 2025, 21:59
„Die Jagd kennt keinen Namen“
Wenn du gehst, geh im Schatten.
Wenn du lauschst, lausche dem Atem der Wurzeln.
Wenn du wartest, werde Stein.
Wenn du schlägst, sei Nebel.
So lehrte das Tier.
Es gab ein Dorf – aber der Ort war ohne Bedeutung.
Ein Nest zwischen Hügeln, wo das Licht müde wird, bevor es den Boden erreicht.
Es roch nach kalter Erde, nach altem Rauch, nach Schwäche.
Die Beute war dort.
Nicht gejagt aus Wut. Nicht aus Hunger allein.
Sondern weil die Zeit kam.
Weil das Tier rief.
Sie schliefen. Alle.
Weil sie glaubten, die Nacht sei leer.
Doch der Wind hatte sich gedreht.
Und mit ihm kam das Schweigen, das auf vier Pfoten geht.
Zuerst die Hunde.
Sie winselten, noch bevor die Schatten sich bewegten.
Ihre Schwänze lagen flach, ihre Kehlen eng.
Sie wussten, dass etwas kam, das nicht zu befehlen war.
Der Jäger wartete.
Nicht aus Gnade. Sondern weil die Jagd kein Getöse kennt.
Denn nur der Geduldige trifft mit einem Biss.
Die Tür war offen, wie so vieles, das glaubt, es sei sicher.
Ein Schritt. Dann der nächste.
Barfuß auf Erde, die sich erinnerte.
Keine Waffe. Keine Worte.
Im Innern war ein Körper.
Warm, ruhig, atmend.
Nicht das Ziel. Nur ein Geräusch in der Dunkelheit.
Der Jäger zog vorbei, lautlos wie Tau.
Der Schlaf blieb ungebrochen.
Die Beute war im Herzen des Ortes.
Altes Fleisch, doch fest.
Blut, das Wissen trug – Erinnerungen, die flackerten, wie Glut unter Asche.
Der Biss war leise.
Kein Aufschrei, kein Zittern.
Nur ein kleiner Laut, den kein Ohr hörte.
Das Trinken kam langsam.
Nicht gierig, sondern mit Ehrfurcht.
Denn was du nimmst, wenn keiner dir gibt,
das nimmst du richtig – oder du verlierst dich.
Kein Tropfen wurde verschwendet.
Kein Zorn verschüttet.
Nur ein Raubtier, das wusste, wie viel zu viel ist.
Dann: Rückzug.
Keine Feuer.
Keine Schreie.
Nur Dunkelheit, die einen Abdruck weniger warf als zuvor.
Der Wind trug das Flüstern fort:
Ein Schatten war gekommen.
Ein Schatten war gegangen.
Zurück blieb nur der Geruch.
Und das Wissen, dass das Tier nie weit ist.
Wenn du gehst, geh im Schatten.
Wenn du lauschst, lausche dem Atem der Wurzeln.
Wenn du wartest, werde Stein.
Wenn du schlägst, sei Nebel.
So lehrte das Tier.
Es gab ein Dorf – aber der Ort war ohne Bedeutung.
Ein Nest zwischen Hügeln, wo das Licht müde wird, bevor es den Boden erreicht.
Es roch nach kalter Erde, nach altem Rauch, nach Schwäche.
Die Beute war dort.
Nicht gejagt aus Wut. Nicht aus Hunger allein.
Sondern weil die Zeit kam.
Weil das Tier rief.
Sie schliefen. Alle.
Weil sie glaubten, die Nacht sei leer.
Doch der Wind hatte sich gedreht.
Und mit ihm kam das Schweigen, das auf vier Pfoten geht.
Zuerst die Hunde.
Sie winselten, noch bevor die Schatten sich bewegten.
Ihre Schwänze lagen flach, ihre Kehlen eng.
Sie wussten, dass etwas kam, das nicht zu befehlen war.
Der Jäger wartete.
Nicht aus Gnade. Sondern weil die Jagd kein Getöse kennt.
Denn nur der Geduldige trifft mit einem Biss.
Die Tür war offen, wie so vieles, das glaubt, es sei sicher.
Ein Schritt. Dann der nächste.
Barfuß auf Erde, die sich erinnerte.
Keine Waffe. Keine Worte.
Im Innern war ein Körper.
Warm, ruhig, atmend.
Nicht das Ziel. Nur ein Geräusch in der Dunkelheit.
Der Jäger zog vorbei, lautlos wie Tau.
Der Schlaf blieb ungebrochen.
Die Beute war im Herzen des Ortes.
Altes Fleisch, doch fest.
Blut, das Wissen trug – Erinnerungen, die flackerten, wie Glut unter Asche.
Der Biss war leise.
Kein Aufschrei, kein Zittern.
Nur ein kleiner Laut, den kein Ohr hörte.
Das Trinken kam langsam.
Nicht gierig, sondern mit Ehrfurcht.
Denn was du nimmst, wenn keiner dir gibt,
das nimmst du richtig – oder du verlierst dich.
Kein Tropfen wurde verschwendet.
Kein Zorn verschüttet.
Nur ein Raubtier, das wusste, wie viel zu viel ist.
Dann: Rückzug.
Keine Feuer.
Keine Schreie.
Nur Dunkelheit, die einen Abdruck weniger warf als zuvor.
Der Wind trug das Flüstern fort:
Ein Schatten war gekommen.
Ein Schatten war gegangen.
Zurück blieb nur der Geruch.
Und das Wissen, dass das Tier nie weit ist.