[Fluff] Schöngeist [Henri de la Nuit]
Verfasst: Mo 10. Nov 2025, 19:58
Colette
Henri lauschte den zarten Klängen der Zither, die Colette so wunderschön spielte, als hätte sie nie etwas anderes in ihrem Leben getan. Was auch teilweise stimmte. Sie war nun viele viele Jahrzehnte an seiner Seite und jeden Morgen, bevor die Sonne aufging und er in seiner Zuflucht lag, darauf wartend, dass der Tag ihn in den Schlaf und die verdammten Albträume zog, spielte sie für ihn.
Es löste seine Anspannung davor, was der Tag in seinen Träumen bringen mochte, etwas, auch wenn die Musik nie den Schrecken vertrieb.
Colette…Henri betrachtete mit Liebe aber auch Wehmut ihr Gesicht. Sie hatte sich verändert. Nicht weil sie älter geworden war. Sondern weil sein Blut sie verdorben hatte.
Es stach in seinem Inneren. Das Wissen, dass er ihr dies angetan hatte. Dass er dasselbe getan hatte, wie ER…unbewusst, unwissend…doch das machte es nicht besser.
Es war eine Schuld, die ewig an ihm haften würde.
Colette hatte dieses Schicksal nie verdient gehabt. Doch es war nicht mehr zu ändern. Wenn er sie gehen ließe, würde sie sterben. Er war egoistisch und einsam und feige gewesen. Er hatte ihr Leben an seines gebunden ohne die Konsequenzen wirklich zu verstehen oder in Betracht gezogen zu haben.
Sie war so schön gewesen, als er sie das erste mal an der Seite eines reiches Jünglings gesehen hatte. Er hatte in diesem Moment gewusst, er musste ihr folgen, ihr nah sein, sie verstehen, ihr Leben sehen, erfahren wer sie war und Nacht um Nacht hatte er sodann an ihrem Hause gestanden, in Schweigen und Dunkelheit und ihrer Musik gelauscht, die aus ihrem Fenster gedrungen war.
Oh horchet hier, welch feiner Klang,
So lieblich zart und ohne G’sang
Wer spielt für mich in kalter Nacht,
die mich umwirbt mit ihrer Macht?
Bist du's schöne Helena,
entstiegen dem Hafen Troja,
zu locken heim die Burschen,
die deine Schönheit suchen.
So bin ich hier und harre,
in ergebungsvoller Starre,
deinem warmen Blicke,
auf dass er mich erquicke.
Sprach er die Worte erneut, die er dann in einer Nacht vor ihrem Fenster gesprochen hatte. Woraufhin sie ihr Spiel unterbrochen und zu ihm herab geblickt hatte.
In festem Glauben daran, dass er wieder erschien wie er einst gewesen war, hatte sie nicht sein totes Antlitz sehen müssen und ab da war er jede Nacht bei ihr gewesen, hatte sie umgarnt, bis sie ihm verfallen war.
Er hatte ihre Leidenschaft und Wärme genossen, auch wenn es ihn immer viel gekostet hatte. Dieses Leben in der Wärme war ihm verwehrt und doch hatte er es niemals loslassen können. Mehr noch nun als früher strebte er danach und nach den Menschen.
Zärtlich strich seine Hand über Colettes Wange. Ihre Haut war schlaff geworden und viele Falten zogen sich um ihre Augen und Nase, dabei hätte sie für immer schön sein können, wenn sie nicht von seinem Blut getrunken hätte, sondern des eines anderen. Doch andererseits wäre das doch nie geschehen und sie wäre längst gestorben. Zu Erde zerronnen. So war sie immer noch hier und dafür war Henri jede Nacht dankbar, doch es bekümmerte ihn dennoch, was er ihr angetan hatte und dass er sie nicht loslassen konnte.
War es grausam ihr gegenüber? Sicher. Konnte sie ihm verzeihen?
“Zürnst du mir?”
Sie schüttelte den Kopf. Sie schüttelte immer den Kopf. Ihr Blick war so lieblich, aber auch voller Mitleid. Es war nicht das erste Mal, dass er diese Frage stellte und natürlich sagte sie immer nein, doch es war auch sein Blut, dass ihr Liebe aufzwang, die möglicherweise nicht mehr echt war.
Unter der Last von Reue und Scham fiel Henri in den totengleichen Schlaf, nur dass sein Schlaf nie von Stille geprägt war. Wie der nachhallende Klang ihrer lieblichen Musik, verfolgten ihn auch seine Laster.
Henri lauschte den zarten Klängen der Zither, die Colette so wunderschön spielte, als hätte sie nie etwas anderes in ihrem Leben getan. Was auch teilweise stimmte. Sie war nun viele viele Jahrzehnte an seiner Seite und jeden Morgen, bevor die Sonne aufging und er in seiner Zuflucht lag, darauf wartend, dass der Tag ihn in den Schlaf und die verdammten Albträume zog, spielte sie für ihn.
Es löste seine Anspannung davor, was der Tag in seinen Träumen bringen mochte, etwas, auch wenn die Musik nie den Schrecken vertrieb.
Colette…Henri betrachtete mit Liebe aber auch Wehmut ihr Gesicht. Sie hatte sich verändert. Nicht weil sie älter geworden war. Sondern weil sein Blut sie verdorben hatte.
Es stach in seinem Inneren. Das Wissen, dass er ihr dies angetan hatte. Dass er dasselbe getan hatte, wie ER…unbewusst, unwissend…doch das machte es nicht besser.
Es war eine Schuld, die ewig an ihm haften würde.
Colette hatte dieses Schicksal nie verdient gehabt. Doch es war nicht mehr zu ändern. Wenn er sie gehen ließe, würde sie sterben. Er war egoistisch und einsam und feige gewesen. Er hatte ihr Leben an seines gebunden ohne die Konsequenzen wirklich zu verstehen oder in Betracht gezogen zu haben.
Sie war so schön gewesen, als er sie das erste mal an der Seite eines reiches Jünglings gesehen hatte. Er hatte in diesem Moment gewusst, er musste ihr folgen, ihr nah sein, sie verstehen, ihr Leben sehen, erfahren wer sie war und Nacht um Nacht hatte er sodann an ihrem Hause gestanden, in Schweigen und Dunkelheit und ihrer Musik gelauscht, die aus ihrem Fenster gedrungen war.
Oh horchet hier, welch feiner Klang,
So lieblich zart und ohne G’sang
Wer spielt für mich in kalter Nacht,
die mich umwirbt mit ihrer Macht?
Bist du's schöne Helena,
entstiegen dem Hafen Troja,
zu locken heim die Burschen,
die deine Schönheit suchen.
So bin ich hier und harre,
in ergebungsvoller Starre,
deinem warmen Blicke,
auf dass er mich erquicke.
Sprach er die Worte erneut, die er dann in einer Nacht vor ihrem Fenster gesprochen hatte. Woraufhin sie ihr Spiel unterbrochen und zu ihm herab geblickt hatte.
In festem Glauben daran, dass er wieder erschien wie er einst gewesen war, hatte sie nicht sein totes Antlitz sehen müssen und ab da war er jede Nacht bei ihr gewesen, hatte sie umgarnt, bis sie ihm verfallen war.
Er hatte ihre Leidenschaft und Wärme genossen, auch wenn es ihn immer viel gekostet hatte. Dieses Leben in der Wärme war ihm verwehrt und doch hatte er es niemals loslassen können. Mehr noch nun als früher strebte er danach und nach den Menschen.
Zärtlich strich seine Hand über Colettes Wange. Ihre Haut war schlaff geworden und viele Falten zogen sich um ihre Augen und Nase, dabei hätte sie für immer schön sein können, wenn sie nicht von seinem Blut getrunken hätte, sondern des eines anderen. Doch andererseits wäre das doch nie geschehen und sie wäre längst gestorben. Zu Erde zerronnen. So war sie immer noch hier und dafür war Henri jede Nacht dankbar, doch es bekümmerte ihn dennoch, was er ihr angetan hatte und dass er sie nicht loslassen konnte.
War es grausam ihr gegenüber? Sicher. Konnte sie ihm verzeihen?
“Zürnst du mir?”
Sie schüttelte den Kopf. Sie schüttelte immer den Kopf. Ihr Blick war so lieblich, aber auch voller Mitleid. Es war nicht das erste Mal, dass er diese Frage stellte und natürlich sagte sie immer nein, doch es war auch sein Blut, dass ihr Liebe aufzwang, die möglicherweise nicht mehr echt war.
Unter der Last von Reue und Scham fiel Henri in den totengleichen Schlaf, nur dass sein Schlaf nie von Stille geprägt war. Wie der nachhallende Klang ihrer lieblichen Musik, verfolgten ihn auch seine Laster.