[1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

[Juli '25]

Moderator: Ilario

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Giuseppe
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[1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Giuseppe »

Die Gasse war still.
Nur der ferne Ruf der Möwen erinnerte daran, wie nah der Hafen war.

Giuseppe stand im Schatten eines Hauses.
Unsichtbar für die meisten.
Sein Blick ruhte auf der Tür.

Marco hockte auf dem Sims gegenüber.
Die Eule hatte ihn hergeführt.
Immer wieder war sie hier vorbeigeflogen.
Immer wieder hatte sie geschaut.
Beobachtet.

Ein neues Kainskind.
Nicht laut.
Nicht auffällig.
Aber regelmäßig hier.

Giuseppe blinzelte.
Die Luft roch nach Tinte, Staub und altem Holz.

Die Schreibstube war neu für ihn.
Eine Ecke, die er kannte –
aber nie betreten hatte.

Er wollte wissen, wer dort arbeitete.
Wer hier schrieb.
Wer das war,
den Marco entdeckt hatte.

Er schob sich leise näher.
Trat aus dem Schatten.
Kein Geräusch.
Nur der schwache Klang eines Kratzens auf Pergament.

Die Tür war nicht ganz geschlossen.
Ein Spalt.
Ein Blick hinein.

Giuseppe wartete.
Noch sagte er nichts.
Noch war er nur ein Schatten.
Doch nicht mehr lange.
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Pietro de Zara
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Pietro de Zara »

Die Feder fuhr in gleichmäßigen Strichen über das Pergament. Pietro saß regungslos, den Rücken leicht gekrümmt, die Kapuze seiner Kutte über das schmale Gesicht gezogen. Nur das leise Kratzen des Gänsekiels und das gelegentliche Tropfen der Tinte durchbrachen die Stille der Schreibstube.

Er roch das Wachs, den Staub, die trockene Haut seiner eigenen Hände. Und etwas anderes. Vielleicht bloß feuchte Steine. Vielleicht ... mehr.

Aber er reagierte nicht. Noch nicht.

Eine Bewegung im Augenwinkel – zu flüchtig, um sicher zu sein. Die Tür stand einen Spalt offen. Wahrscheinlich war sie nie ganz geschlossen gewesen. Ein Fehler? Oder Gewohnheit?

Pietro tunkte den Kiel neu in die Tinte, kratzte weiter. Doch seine Haltung hatte sich unmerklich verändert – ein Hauch gespannter.

Wieder dieser Eindruck. Als würde etwas an der Luft zerren, sie anders verteilen. Ein Schatten, der zu ruhig stand.

Er schrieb weiter, aber sein Blick wanderte nun kaum merklich in Richtung des Spalts. Nicht direkt – eher tastend. Kein Zeichen der Überraschung in seinem Gesicht. Eher ein langsames Erfassen. Die Feder kratzte weiter. Doch Pietro schrieb nun keine Buchstaben mehr – bloß Kurven. Platzhalter.

Er wartete nicht. Er testete.

Wer auch immer dort stand, wusste nun: Der Mönch war nicht blind. Doch noch sprach er ihn nicht an. Noch spielte er das Spiel der Geduld.

Die Schreibstube blieb hell, aber unbeweglich. Kein Laut, kein Ruf. Nur das Pergament, das sich langsam füllte – mit Zeichen, die keiner lesen sollte.
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Giuseppe
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Giuseppe »

Es war in diesem Moment, als sich die Tür öffnete.
Ein kleiner pickeliger Hafenjunge stand dort.

Betrachtete neugierig den Raum*.
Aufmerksame scharfe Augen nahmen jedes Detail auf.

War noch jemand anderes hier.

Er grinste, verbeugte sich, wie es ein Diener, es eben vor einem Herren tat.

„Werter Herr, ich komme im Auftrag des werten Herrn Giuseppe.
Er lässt erfragen, ob in dieser Stube nur geschrieben oder auch Übersetzungen getätigt werden.“


Er lächelte, zog ein kleines Säckel hervor.

„Und zu welchem Preis diese gefertigt würden.“

Neugierig betrachtete er den Fremden.
Der Mann wirkte krank.
Viel zu bleich.
Zu eingefallen für sein Alter.

Hatte er sein Ziel schon gefunden ?

*Nach anderen Anwesenden im Raum suchen = 4 Erfolge
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Pietro de Zara
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Pietro de Zara »

Pietro hatte die letzten Zeilen sorgsam zu Ende geführt, die Spitze seiner Feder noch in der Luft verharrend, als sich die Tür öffnete. Ein leises Knarzen und dann dieser unpassend fröhliche Tonfall in der Stimme des Boten, der so gar nicht zur Stille der Schreibstube passen wollte.

Langsam hob Pietro den Kopf.

Sein Blick haftete einen Moment zu lang an dem Jungen. Er senkte den Blick auf das Säckel, das klimpernd den Übergang zwischen Höflichkeit und Geschäft markierte. „Übersetzungen“, wiederholte er leise, als würde er das Wort abwägen. „Je nachdem, wovon. Und aus welcher Sprache. Nicht jedes Pergament spricht dieselbe Wahrheit, wenn man es in eine andere Zunge legt.“

Er legte die Feder beiseite, faltete die Hände vor sich. Sein Körper bewegte sich kaum. Er suchte in dem Gesicht nach einem verräterischen Zucken, nach etwas, das verriet, wer „der werte Herr Giuseppe“ in Wahrheit war. „Der Preis,“ fuhr er fort, „richtet sich nach der Seltenheit der Worte, der länge des Textes und dem Wert des Schweigens, das man dazu kauft.“

Seine Stimme wurde dabei eine Spur weicher, fast freundlich – doch die Augen blieben kühl. Er deutete mit einer offenen Handbewegung auf den einzigen Stuhl in der Nähe.
„Setz dich. Sag mir, was der Herr Giuseppe übersetzen lassen will … und warum er nicht selbst hier ist.“

Während er sprach, neigte er den Kopf leicht, als wollte er dem Jungen ein stilles Zugeständnis machen.
Doch innerlich spannte er den Faden straff – jeder Satz, jede Reaktion des Burschen konnte ein Stück mehr von dem enthüllen, was Giuseppe hier wollte.
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Giuseppe
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Giuseppe »

Der Kleine nickte, betrachtete abschätzend die Situation.
Setzte sich dann.

"Vom Arabischen, ins Lateinische, werter Herr."

Die Frage nach dem Herrn Giuseppe überhörte er - schließlich war der ja hier.
Auch wenn der Andere es nicht wissen konnte.

"Der Umfang wäre ziemlich umfangreich.
Aber der werte Herr Giuseppe wäre bereit, dafür mit einer großen Gefälligkeit zu bezahlen."


Der Kleine lächelte.
Betrachtete den anderen genau.
Wenn er ein Kainskind war, würde er sicherlich verstehen*.

*Pietros Emotionen verstehen = 1 Erfolg.
*Erkennen ob Pietro ein Kainskind ist = 3 Erfolge.
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Pietro de Zara
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Pietro de Zara »

Pietro legte die Hände ruhig auf das Pergament vor sich, sein Gesicht blieb freundlich, doch sein Blick verriet keine Regung.

„Fürchte, da muss ich Euch enttäuschen, junger Freund,“ erwiderte er in gemessenem Ton. „Arabisch ist mir nicht gegeben – weder Schrift noch Sprache. Ich könnte es nicht einmal fehlerfrei laut vorlesen, geschweige denn übersetzen.“

Er ließ eine kleine Pause, als wolle er die Worte prüfen, bevor er fortfuhr: „Mein Handwerk ist das Lateinische, die Schrift der Kirche, der Verwaltung, der Gelehrten. Wenn Ihr eine Übertragung aus dem Arabischen verlangt, müsst Ihr Euch an jemand anderen wenden.“

Dann neigte er leicht den Kopf, beinahe wie ein Priester, der einen Ratsuchenden segnen wollte. „Aber wenn Herr Giuseppe ein Werk in unserer Sprache, im Lateinischen, gefasst haben will, so stehe ich dafür ein.“
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Giuseppe
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Giuseppe »

Der Kleine nickte.
Schien ob der Abfuhr nicht besonders pikiert.

"Schade", kommentierte er, "ich werde es dem werten Herrn Giuseppe ausrichten."

Dann verbeugte er sich.

"Wenn ihr verzeiht."

Würde dann, falls er nicht aufgehalten wurde, zur Türe hinaus und in der Nacht verschwinden.
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Pietro de Zara
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Re: [1115] Tinte, Blut und Fragen [Pietro, Giuseppe]

Beitrag von Pietro de Zara »

In einer stillen Gasse beobachtet Giuseppe mit seinem Gefährten Marco eine neue Schreibstube, in der der Mönch Pietro arbeitet. Um unauffällig vorzugehen betritt Giuseppe als kleiner pickeliger Hafenjungen den Raum. Er spricht Pietro mit einem geschäftlichen Anliegen an: eine Übersetzung vom Arabischen ins Lateinische gegen Bezahlung. Pietro bleibt ruhig und macht klar, dass er nur Latein beherrscht. Währenddessen versuchen beide, den anderen einzuschätzen und herauszufinden, ob er ein Kainskind ist. Da Pietro ablehnt, bleibt das Gespräch ohne Ergebnis, und Giuseppe verlässt die Schreibstube wieder.

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