[1126] Ein Ja sei ein Ja [Sara, Jacopo]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Jacopo
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[1126] Ein Ja sei ein Ja [Sara, Jacopo]

Beitrag von Jacopo »

Der Winter hatte sich langsam aus den Tälern zurückgezogen.

Wo Wochen zuvor noch Schnee die höheren Wege bedeckt und kalter Wind zwischen den Bäumen gepfiffen hatte, zeigten sich nun die ersten Zeichen des kommenden Frühlings. Die Nächte wurden milder und das Leben kehrte langsam in das ligurische Hinterland zurück.

Jacopo hatte die dunklen Monate außerhalb der Mauern Genuas verbracht. Fern der großen Straßen, gemeinsam mit jenen wenigen, die seine Gesellschaft suchten und denen er wiederum vertraute. Es war ein einfaches Dasein gewesen. Feuerstellen, Jagdzüge, lange Gespräche in der Dunkelheit und Geschichten, die man sich erzählte, während die Welt um sie herum schlief.

Doch in dieser Nacht zog es ihn nicht wie üblich zu den kleinen Dörfern, den einsamen Gasthäusern oder den Wegen der Reisenden.

Sein Ziel lag hinter Mauern Genuas

Der Weg war ihm inzwischen vertrauter als bei seinem ersten Besuch. Er erinnerte sich an die Worte der Verborgenen, an die verborgene Pforte und an die Straßen, durch die sie ihn geführt hatte. Dennoch fühlte sich die Stadt noch immer fremd an.

Wie ein Lied, dessen Melodie man erkannt hatte, ohne ein Wort gehört zu haben.

Nachdem er seine Waffen abgelegt hatte, betrat Jacopo den Giardino della Rosa silenziosa.

Er blieb bei den Rosen stehen, deren tiefrote Blüten sich an den Holzbögen entlangrankten. Der Rest des Gartens wirkte geplant und geordnet, doch gerade diese Blumen schienen sich ein wenig von dieser Ordnung zu lösen.

Vielleicht war es genau das, was ihm an ihnen gefiel.

Er erinnerte sich an Worte aus der Schrift, die ihm einst ein Priester erzählt hatte.

Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.

Ein einfacher Satz.

Und doch einer, an dem so viele scheiterten.

Menschen wie Kainiten.

Denn ein gegebenes Wort war eine seltsame Sache. Es hatte kein Gewicht wie Gold und keine Schneide wie Stahl. Und dennoch konnten Worte Reiche begründen oder zerstören.

So wartete er zwischen den Rosen und lauschte, welche Stimmen die Nacht nach Genua tragen würde.
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Sara
Assamit
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Re: [1126] Ein Ja sei ein Ja [Sara, Jacopo]

Beitrag von Sara »

Das Geräusch des sich öffnenden Tors aus Mascharana her war leise gewesen. Ebenso leise wie die in einen wollenen dunklen Umhang gehüllte Gestalt, die hindurchgehuscht war und nun hinter diesem im inneren des Elysiums stand. Ihre gerade noch leicht gebückte Haltung, richtete sich auf, derweil dunkle Hände langsam auf Höhe der Schultern hervorgekrochen waren. Lange Finger hatten in ruhigen Bewegungen den Stoff gelöst, der ihr Äußeres zuvor vollständig vorborgen hatte, als sie sich unauffällig durch die Stadt bewegt hatte. Sie hatte wie so oft die breiten Straßen gemieden, und ebenso wachsam die Bewegungen von Sterblichem wie Unnatürlichem gleichermaßen beobachtet, ihre Spuren sorgfältig und gewissenhaft verwischend mit einer peniblen Genauigkeit, die ihr längst in Fleisch und Blut übergegangen war. Hier in den geschützten Hallen schienen jene Verkleidung und jenes Versteckspiel jedoch nicht länger von Nöten zu sein.

Ein schwarzer Haarschleier auf dem Haupt der außergewöhnlich schönen Frau kam zum Vorschein, als sie den Überwurf nach hinten geführt und sorgfältig auf ihren Schultern drapiert hatte, nachdem sie zuvor den Umhang gänzlich zurückgeschlagen und ihn kunstvoll auf hinter eben jene positioniert hatte. Darunter war ein Kleid im aktuellen genuesischen Schnitt zum Vorschein gekommen, welches schwarz wie die Nacht selbst war. Feine Zierbänder folgten entlang der Nähte, deren schwarzes Muster kaum mit dem Auge zu erfassen war. Dezenter goldener Schmuck an Hals und Ohren mit kleinen Steinen und Perlen betonten ihr Äußeres unaufdringlich weiter. Selbst ihre Fingernägel wirkten ebenso gepflegt und makellos wie ihre Kleidung. Die Schritte, mit welchen sie sich auf dem Weg bewegte, knirschten leise unter ihren in feinstem Leder gehüllten Füßen, während ihr Kleid dabei sanft wog. Ein zartes Lächeln lag auf ihrem weichen und warm wirkenden Gesicht, während sie sich dem Fremden auf dem Weg Schritt für Schritt weiter annäherte, dabei bereits ihn und dessen Bewegungen interessiert musternd.
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Jacopo
Toreador
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Re: [1126] Ein Ja sei ein Ja [Sara, Jacopo]

Beitrag von Jacopo »

Jacopo hatte den Winter fern der Städte verbracht, und das war seiner Kleidung anzusehen. Sie war sauber und gepflegt, aber ganz dem Leben im Hinterland angepasst. Über einem einfachen Leinenhemd trug er einen knielangen Waffenrock aus dunkelgrüner Wolle, darüber einen wettergegerbten Mantel in gedecktem Braun, dessen Kapuze nun lose auf seinen Schultern ruhte. Ein breiter Ledergürtel hielt die schlichte Gewandung zusammen; daran hing nichts mehr außer einem kleinen Beutel, denn Speer, Schild und Jagdmesser hatte er, den Gepflogenheiten des Elysiums folgend, bereits am Eingang abgelegt. Hohe Lederstiefel, von langen Märschen gezeichnet, und ein Paar einfache Handschuhe vervollständigten das Bild eines Mannes, der eher zu Pferd oder zu Fuß unterwegs war als in den Hallen der Mächtigen.

Eine Weile hatte er schweigend zwischen den Rosen gestanden und den Blick über den stillen Garten schweifen lassen. Schließlich beschloss er, den kleinen See aufzusuchen, dessen ruhige Wasserfläche er zwischen den Bäumen hatte schimmern sehen. Vielleicht, so dachte er, würde sich dort jemand finden, der weniger beschäftigt war als die Würdenträger im Haupthaus.

Gerade setzte er sich in Bewegung, als das leise Geräusch eines sich öffnenden Tores seine Aufmerksamkeit weckte.

Unwillkürlich wandte er den Kopf.

Eine Gestalt glitt lautlos durch den Zugang von Mascharana. Für den Bruchteil eines Augenblicks zuckte Jacopo zusammen. Er war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass ihn ihre Ankunft völlig unvorbereitet traf.

Er blieb stehen.

Mit ruhigem Interesse beobachtete er, wie die Fremde ihren Umhang zurückschlug und darunter eine Erscheinung zum Vorschein kam, die ebenso vollkommen wirkte, wie die Rosen um sie herum. Der schwarze Stoff ihres Gewandes, die sorgfältig gewählten Schmuckstücke und jede einzelne ihrer Bewegungen verrieten eine Selbstverständlichkeit höfischer Eleganz, wie Jacopo sie nur selten zu Gesicht bekam.

Unwillkürlich strich er mit einer Hand über seinen schlichten Mantel und musste bei dem Gedanken leicht lächeln.

Er wirkte neben ihr wohl eher wie ein Jäger, der sich zufällig in einen Fürstengarten verirrt hatte.

Dennoch hielt er ihrem Blick stand, neigte respektvoll den Kopf und wartete ab, ob die Fremde ihren Weg fortsetzen oder das Gespräch mit ihm suchen würde.
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Sara
Assamit
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Re: [1126] Ein Ja sei ein Ja [Sara, Jacopo]

Beitrag von Sara »

Braune Augen waren flüchtig über den Neuangekommenen von oben nach unten und wieder zurückgestrichen, als sie diesem immer nähergekommen, jedoch letztlich in gewissem Abstand stehengeblieben war. Abschätzend, aber nicht abschätzig und zu sanft, als dass es einer intensiven Musterung geglichen hätte. Ihr Lächeln war verblieben, was ihrem Gesicht einen weiterhin freundlichen Ausdruck verliehen hatte. „Der Friede sei mit euch.“, wünschte sie an den Fremden gerichtet mit einer angenehm warmen Stimme, die es einem leicht machte, ihr gerne zuhören zu wollen. Entgegen ihrer dunklen Haut war die Sprache die sie sprach gezeichnet von dem Zungenschlag, welcher in Genua vorherrschen mochte. „Ich glaube, wir hatten bisher nicht das Vergnügen.“, meinte sie, bevor sie ihre rechte Hand flach auf ihre Brust ablegte und sprach: „Mein Name ist Sara, Neugeborene der Banu Haqim.“ Die Wesirin machte eine kurze Pause, die nahelegte, dass sie nicht bewusst etwas verheimlichte oder vergaß, denn viel mehr dass es hier nichts mehr zu ergänzen gab. „Ich habe euch hier noch nie gesehen.“, stellte Sara fest, bevor sie sich höflich erkundigte: „Wie darf ich euch nennen?“ Ihre Hand löste sich zart von der Stelle an der einst ihr Herz geschlagen hatte und deutete nunmehr einladend sanft in Richtung des Fremden.
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