[1126] Ein schmaler Pfad [Jacopo, Artemesia]
Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit
Re: [1126] Ein schmaler Pfad [Jacopo, Artemesia]
„Vielleicht habt Ihr recht.“
Er sah einen Moment in die Flammen.
„Der Sturm kündigt die Stille oft erst an. Und kein Mensch sucht Trost, solange ihm nichts fehlt.“
Sein Blick hob sich wieder.
„Aber ich glaube, wir unterscheiden uns in einem Punkt.“
Er nahm einen kleinen Holzspan auf.
„Der Schmerz öffnet vielleicht die Augen. Doch er zeigt dem Menschen nicht, welchen Weg er danach gehen soll.“
Der Span verschwand in der Glut.
„Eva griff nach der Frucht, weil sie mehr erkennen wollte. Christus trug das Kreuz, damit andere nicht unter ihrer Schuld zerbrechen mussten.“
Er schüttelte leicht den Kopf.
„Beide kannten Leid. Aber nur einer nahm es freiwillig auf sich – nicht weil Schmerz gut wäre, sondern weil Liebe größer sein sollte als der Schmerz.“
Für einen Moment schwieg er.
„Vielleicht irrt Ihr Euch nicht. Vielleicht braucht es manchmal Leid, damit wir zuhören.“
Ein schwaches Lächeln trat auf sein Gesicht.
„Ich hoffe nur, dass wir daraus Barmherzigkeit lernen und nicht den Glauben, Leid sei deshalb etwas Gutes.“
Re: [1126] Ein schmaler Pfad [Jacopo, Artemesia]
Artemisia lauschte seinen Worten mit einer unbewegten Ruhe, doch in ihren Augen blitzte ein Funke auf. Sie erhob sich nicht, sondern blieb in ihrer wachsamen Hocke, während sie den Kopf erneut leicht schräg stellte und ihren Körper in einer fast unmerklich wiegenden, rhythmischen Bewegung leicht auf und ab bewegte, wie ein Tier, das die Witterung prüft.
"Schmerz trennt uns nicht nur, Jacopo", erwiderte sie leise, und ihr Blick glitt kurz über die Gesichter der Sterblichen am Feuer. "Er bringt die Leute auch zusammen. Haben diese Menschen hier nicht alle Hunger? Erleiden sie nicht alle denselben Schmerz der Entbehrung auf den Straßen? Und doch ist es genau dieses gemeinsame Leid, das sie hier an diesem Feuer sammeln lässt, um ihr Brot zu teilen."
Sie hielt inne, und die wiegende Bewegung ihres Körpers kam langsam zum Stillstand. Ein matter, fast müder Schein legte sich auf ihre Züge, als sie die Hand leicht hob und eine abwinkende Geste machte. "Aber ich glaube, wir lassen dieses Thema am besten ruhen. Diskussionen über den Glauben und wie man ihn auslegt, gehen meistens nicht gut aus. Sie sorgen stets für Unmut und Unzufriedenheit unter den Menschen. Es wurden schon viel zu viele Kriege deswegen begonnen... so wie der im Heiligen Land in diesen Tagen."
Sie fixierte ihn wieder mit ihren dunklen, unblinkenden Augen. Ein Hauch von rauer, fast schon herausfordernder Neugier schwang in ihrer Stimme mit, als sie das Thema endgültig wechselte und ein feines Lächeln auf ihren Lippen aufblitzte. "Vielleicht sollten wir zu etwas anderem kommen. Bis auf Euren Namen weiß ich noch gar nichts von Euch. Jacopo, der Mann, der einem Mönch so gut zuhören kann. Jacopo, der Schöne, der so wunderbar mit Worten zaubern kann und ganz genau weiß, wie man im Feuer herumstochert. Wer seid Ihr wirklich?"
Sie neigte den Kopf ein Stück weiter zur Seite, und ihr Blick taxierte ihn von oben bis unten, ohne jede Scheu vor den Sterblichen um sie herum. "Und wo kommt Ihr her? So schöne Menschen sitzen normalerweise nicht im Wald und lauschen den Tieren, sondern in ihren teuren Häusern und blicken auf diese Menschen hier herab."
"Schmerz trennt uns nicht nur, Jacopo", erwiderte sie leise, und ihr Blick glitt kurz über die Gesichter der Sterblichen am Feuer. "Er bringt die Leute auch zusammen. Haben diese Menschen hier nicht alle Hunger? Erleiden sie nicht alle denselben Schmerz der Entbehrung auf den Straßen? Und doch ist es genau dieses gemeinsame Leid, das sie hier an diesem Feuer sammeln lässt, um ihr Brot zu teilen."
Sie hielt inne, und die wiegende Bewegung ihres Körpers kam langsam zum Stillstand. Ein matter, fast müder Schein legte sich auf ihre Züge, als sie die Hand leicht hob und eine abwinkende Geste machte. "Aber ich glaube, wir lassen dieses Thema am besten ruhen. Diskussionen über den Glauben und wie man ihn auslegt, gehen meistens nicht gut aus. Sie sorgen stets für Unmut und Unzufriedenheit unter den Menschen. Es wurden schon viel zu viele Kriege deswegen begonnen... so wie der im Heiligen Land in diesen Tagen."
Sie fixierte ihn wieder mit ihren dunklen, unblinkenden Augen. Ein Hauch von rauer, fast schon herausfordernder Neugier schwang in ihrer Stimme mit, als sie das Thema endgültig wechselte und ein feines Lächeln auf ihren Lippen aufblitzte. "Vielleicht sollten wir zu etwas anderem kommen. Bis auf Euren Namen weiß ich noch gar nichts von Euch. Jacopo, der Mann, der einem Mönch so gut zuhören kann. Jacopo, der Schöne, der so wunderbar mit Worten zaubern kann und ganz genau weiß, wie man im Feuer herumstochert. Wer seid Ihr wirklich?"
Sie neigte den Kopf ein Stück weiter zur Seite, und ihr Blick taxierte ihn von oben bis unten, ohne jede Scheu vor den Sterblichen um sie herum. "Und wo kommt Ihr her? So schöne Menschen sitzen normalerweise nicht im Wald und lauschen den Tieren, sondern in ihren teuren Häusern und blicken auf diese Menschen hier herab."