[1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Epifania
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Epifania »

Epifania kam nicht umhin, die gleichmütige Maske zu bewundern, welche die Wesirin trug. Oder war es vielleicht keine Maske? War sie wahrlich innerlich so ausgeglichen, so ruhig, wie es ihr Antlitz vermuten ließ? Die Nosferatu konnte es nicht sagen - und das beunruhigte und beeindruckte sie zugleich, denn trotz ihrer Tendenz dazu, das eigene Wissen herunterzuspielen, hielt sie sich doch für eine recht gute Menschenkennerin.

"Oh, nun, äh..." stotterte sie, als ihr bewusst wurde, dass das Objekt ihrer Überlegungen gerade zu ihr gesprochen hatte. "Seht ihr, nun, es ist eine Sache, wenn die eigene Familie für einen spricht. Eine, mh, niedrige Hürde, nein? Der wohlwerte Vergonzo wäre sicherlich dazu bereit, aber... ich denke, vielleicht zeigt es, dass es mir ernst ist, wenn sich jemand für mich einsetzt, der eben nicht von meinem Blute ist."

Dann nickte sie. "Mein Clan, er fordert Gefallen und nutzt sie, sicherlich... aber das ist nicht das, was ich meine. Ich verstehe, dass jemand mir etwas schuldet - auch wenn ich selbst eher selten, nun, aber sei es drum. Unsere, mh, Gemeinschaft beruht darauf, dass Gefallen zurückzahlt werden. Das ist mir alles bewusst." Die Alte runzelte die Stirn. "Was ich nicht verstehe ist, warum jemand einen Gefallen von jemandem kauft, der, mh, vernichtet wurde. Wie es der verehrte Marcellus ja tut." Dann winkte sie ab. "Der Status, er wurde vom verehrten Vergonzo genannt, als dieser uns vom Besuch des Gefallenhändlers berichtete. Aber das war auch alles."
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Sara
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Sara »

Sara musterte die Nosferatu einige Momente schweigend, bevor sie meinte: „Nun, wie dem auch sei. Was die Gefallenhändler letztlich tun, ist nichts Ungewöhnliches. Schließlich sind nicht alle offenen Gefallen eines Verblichenen stets nur Schulden. Und manche lassen sich durchaus auch weiterverkaufen. So euch bisher Gefallenhändler nicht begegnet sind, deutet dies darauf hin, dass ihr wohl aus einer Gegend zu stammen scheint, in der diese weniger verbreitet sind?“
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Epifania
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Epifania »

"Ich habe zuvor in der Domäne Asti gelebt, mh, also, ihr wisst was ich meine. Sie ist deutlich kleiner als Genua. Außerdem war ich noch ein Kind unserer Art, ja, für die meiste Zeit. Meine Erzeugerin hat vielleicht etwas davon gehört. Aber wenn, dann hat sie nicht mit mir darüber gesprochen." Die Greisin spielte mit einer der dünnen Haarsträhnen, die neben ihrem Gesicht herunterhingen. "Ich verstehe was ihr meint, denke ich, mh, weil ich meine Gefallen ohnehin für den Clan einfordere... meinen Teil tue, ich selbst helfe lieber, weil es das Richtige ist... wenn es das Richtige ist."

Sie dachte nach. "Wisst ihr zufällig, wann der verehrte Marcellus das nächste Mal die Domäne Genua besuchen wird?"
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Sara
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Sara »

„Nein.“, entgegnete die Banu Haqim weich mit einer warmen Stimme, derweil sie dezent den Kopf schüttelte. „Doch so die Nosferatu in der Vergangenheit bereits Kontakt aufgenommen hatten, gibt es sicherlich interne Kontaktmöglichkeiten, auf welche ihr womöglich zurückgreifen könntet.“, fügte die Wesirin freundlich an.

„Was dagegen Asti anbelangt, so weiß ich noch nicht wirklich viel über die Domäne, war Genua bisher der nördlichste Punkt, den ich bereisen durfte.“, erklärte Sara mit einem entschuldigenden Lächeln und sich öffnenden Handflächen, bevor sie ergänzte: „Also nein, ich weiß leider nicht, was ihr damit gemeint hattet.“
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Epifania
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Epifania »

"Es klang nicht so als ob meine Familie Kontakt aufgenommen hätte", erwiderte Epifania, wobei sie nachdenklich zur Decke des Raumes sah. "Aber nun, es wird ja wieder einen Aushang hier geben, sollte er Genua ein weiteres Mal besuchen. Vielleicht habe ich bis dahin ja etwas zum, mh, verkaufen. Wer weiß..." Ihr Blick wanderte wieder zu der Banu Haqim. "Was ich damit... oh, nein, ich meinte, ich habe in Asti nicht 'gelebt', also... da wir ja nicht wirklich leben, wie es die Sterblichen tun, chn-chn-chn..." Sie kicherte ein kleines, leicht melancholisches Kichern.

"Im Übrigen...", fügte die Alte dann ernster hinzu, "...kann ich aufgrund des Krieges einen Besuch dort zu dieser Zeit nicht empfehlen. Obgleich, mh, jemand mit euren Fähigkeiten als Vermittlerin dort dringend benötigt würde."
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Sara
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Sara »

Ein zartes Lächeln umspielte die Lippen der Wesirin, bevor sie feststellte: „Ihr schmeichelt mir. Aber ja, ich schätze, es wird dann womöglich einen entsprechenden Aushang geben.“ Ihre braunen Augen fielen sanft aus das Aushangbrett, bevor sie zurück zu der Nosderatu fanden. „Und ja, ich hörte von dem Konflikt zwischen Mailand und den Tedeschi, der den Norden prägt.“, bestätigte Sara mit einem kleinen Nicken und nachdenklichem Blick. „Eine vermutlich nicht einfache Situation. Auch für Asti selbst.“, ergänzte die Banu Haqim, bevor sie sich freundlich wohlwollend erkundigte: „Wie ist es für euch, dort nicht länger zu sein? Vermisst ihr die Domäne?“
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Epifania
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Epifania »

"Die Domäne, mh, nein, nein..." Epifania wiegte langsam den Kopf hin und her. "Das Herz wählt das Haus, wie die Leute sagen. Aber ich vermisse einige der Menschen. Sofia, die Bäckersfrau, oh, wie nett ein Plausch mit ihr war. Und sie hatte immer etwas Süßes für meinen kleinen Cocco. Oder der alte Petro, er wusste so viel über die Pflanzen des Feldes, er konnte sogar mich noch etwas lehren, chn-chn-chn..." Wieder dieses Kichern. Gutmütig, voll von Erinnerungen. Die Alte wirkte ein wenig versunken in der Vergangenheit.

"Und natürlich die Kinderlein. Man mag gar nicht glauben, wie schnell sie heranwachsen. Gerade noch sind sie Dreikäsehoch, ja, dann stehen junge Männer und Frauen dort, bereit, ihr Glück in der Welt zu machen." Es lag Wärme in ihrer Stimme. Ob ihr Interesse an den Kindern sich darauf beschränkte oder ob es düsterere Formen annahm, blieb zunächst offen. Das uralt wirkende Monstrum weckte zwangsweise diese Assoziationen, ob man sich ihnen nun hingab oder sie nur intellektuell-distanziert analysierte.
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Sara
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Sara »

Sara hatte höflich zugehört und genickt, ob den Erinnerungen, auf welche hin sie entgegnete: „Ja, die Zeit vergeht oftmals schneller, als es uns bewusst ist und es ist schön, so man sich an Vergangenes noch erinnern kann.“ Ob sie selbst noch solche hatte, war schwer zu sagen, denn sie äußerte sich dahin gehend nicht. Stattdessen waren ihre braunen Augen dezent über die Dunkelheit der Nacht geschweift, welche sich außerhalb der Casa befand. „Ich fürchte, ich werde mich in Kürze wieder aufmachen müssen, auch wenn ich das erneute Wiedersehen mit euch sehr genossen habe. Gibt es von eurer Seite noch etwas, was ich für euch in dieser Nacht tun kann, bevor ich aufbrechen werde?“, erkundigte die Banu Haqim sich entspannt, ohne erkennbare Eile in ihren Worten oder Gesten.
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Epifania
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Epifania »

"Nein, nein", sagte die Nosferatu rasch. "Ich wollte euch keineswegs aufhalten, wohlwerte Eidwahrerin. Im Gegenteil, ihr wahr sehr großzügig, mir eure Zeit und eure Worte zu schenken, mh, sehr großzügig." Sie erhob sich rasch und wandte sich der Banu Haqim zu, senkte pflichtschuldig den Kopf (durchaus angemessen tief, etwas verkrampft vielleicht). Dann schien sie darauf zu warten, dass die dunkle Amtsträgerin sie entlassen würde, auf welche Weise das auch immer geschehen mochte. Ihre rechte Klaue hielt die linke umfangen und der lange Fingernagel bohrte sich in das untote Fleisch, die Augen hielt sie scheu gesenkt.
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Sara
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Re: [1026] Wiedersehen mit der Wesirin [Sara, Epifania]

Beitrag von Sara »

Saras Haupt hatte sich leicht fragend zur Seite geneigt, als die Nosferatu derart plötzlich aufgesprungen war, während sich ihre glatte Stirn in sanfte Fältchen gelegt hatte, die Stehende nachdenklich musternd, dabei selbst jedoch keine Anstalten machend, sich zu erheben. Stattdessen ruhten ihre braunen Augen milde auf ihrem Gegenüber, als sie mit weicher Stimme versicherte: „Ihr seid überaus bemüht, das weiß ich anzuerkennen.“ Die Wesirin schwieg für einen Moment, in dem sie ihre Worte wirken ließ.

Erst dann stellte sie fest: „Doch ich frage mich, fühlt ihr euch auch wohl damit?!“ Erneut ließ die Banu Haqim einen Augenblick der Stille einkehren, bevor sie sich in einer geschmeidigen Bewegung langsam erhob, die Sitzgelegenheit dabei leicht anhebend, so dass sie nicht über den Boden schabte. Jeder Handgriff schien tausende und abertausende Male eingeübt und bis zur Perfektion getrieben worden zu sein, so dass sie mühelos leicht wirkten. Unaufgeregt fanden ihre braunen Hände vor ihrem Körper zusammen, während ihre braunen Augen ihr Gegenüber noch einmal sanft betrachteten.

„Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, werte Epifania. Es hat mich gefreut euch wiederzusehen.“, bekräftigte Sara, nachdem sich ihr Gesicht geglättet hatte und ihr Haupt sich erneut geradegerichtet hatte. „Möge der Friede alle Zeit mit euch sein.“, wünschte sie abschließend mit einem kurzen, aber nicht unhöflichen Nicken, bevor sie sich abwandte und anschickte, die Casa zu verlassen. Im Gehen schenkte sie auch Mariam ein dezentes Zeichen ihrer Anerkennung, bevor sich die Banu Haqim in die Dunkelheit aufmachte.

Ohne Eile, aber mit jener steten Wachsamkeit, welche sie bereits bei ihrer Ankunft gezeigt hatte, verließ Sara nur wenig später das Elysium. Verborgen unter ihrem Umhang, der ihr Äußeres vollständig verbarg. Sorgsam darauf achtend ihre Spuren zu verwischen, nach Verfolgern, sterblicher als auch unsterblicher Art achtend und diese abschüttelnd, sowohl innerhalb wie auch außerhalb der Stadt, bis die Nacht sie schließlich gänzlich verschluckt hatte.
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