Auf seine Nachricht hin hatte Bartolo eine Rückmeldung des Seneschalls erhalten. Fast hatte er sich gewünscht, dass der ihn einfach für unter seine Würde befunden und ignoriert hätte. Aber nun hatte er den Salat. Mascharana, ein Ort den er normalerweise mied wie der Teufel das Weihwasser. Zu allem Überfluss zitierte ihn der verehrte Ancilla auch noch ins Bischofskastell, sodass die Redewendung nicht mehr weit von der Realität war.
Bartolo trug seine bevorzugte Bekleidung: einen weiten, unförmigen Mantel, den er über seine quadratische, gebeugte Gestalt geworfen hatte. Aber da er heute damit rechnen musste, mit Bediensteten seines Gastgebers interagieren zu müssen, hatte er sich einige Bahnen Stoff zurechtgerissen und um den Kopf gebunden, sodass von seinem Gesicht lediglich die gelben Augen hervorschauten. Er musste aussehen wie ein Aussätziger, der einen Verband improvisiert hatte, denn die Stoffe hatten leicht unterschiedliche Farben. Noch wehte er mit dem nächtlichen Wind durch die Gassen des Viertels, gemieden von allen Augen, die um diese Uhrzeit noch geöffnet sein mochten. Er drückte sich in die tiefsten Schatten der Häuser und huschte nach und nach in Richtung des imposanten Bollwerks. Immerhin, verfehlen konnte er sein Ziel nicht.
Der Mond blitzte hinter einigen Schleierwolken hervor, wie ein fahles Auge, das ihm zu viel Aufmerksamkeit schenkte. An die bevorstehende Konfrontation erinnert, zog der Nosferatu an der Kapuze, so als könnte diese zu viel von ihm preisgeben. Schließlich arbeitete er sich die letzten Schritte bis zum Tor voran, erstarrte dann aber für einen Moment, statt anzuklopfen. Mehrfach tasteten seine Blicke die Umgebung ab, auf der Suche nach Beobachtern. Da waren keine. Nichts war zutun, außer an das vermaledeite Tor zu klopfen und auf sich aufmerksam zu machen. Seine Nase rümpfte sich. Er trat näher an die hölzerne Barriere, streckte die Hand aus, zögerte. Dann wandte er den Kopf nach oben, die Mauer entlang und spielte in Gedanken die Möglichkeit durch, einfach dort hinauf zu klettern. Einen tollen Eindruck würde das machen, der Seneschall wäre sicherlich begeistert. Wenn er nicht sowieso abrutschen und sich alle Knochen dabei brechen würde. Seine Zähne mahlten aufeinander. Dann gab er sich einen Ruck und klopfte mit der Faust dreimal kurz gegen das Tor. Sofort rückte er näher heran und blieb seitlich neben dem Guckloch, sodass er nicht sofort angestarrt werden konnte, wenn es sich öffnete. Denn den Schutz seiner Blutskräfte hatte er fallen gelassen. "Accipiter", so lautete die Losung. Er wiederholte sie in Gedanken, um sie sofort parat zu haben, wenn er danach gefragt würde.
[1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
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Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
Auf die genannte Losung hin öffnete sich die Ausfallpforte ein Stück und ein Gardist bat Bartolo einzutreten. Im Inneren des Torhauses verneigte sich der Mann soldatisch knapp und führte den merkwürdigen Gast seines Herrn, ohne neugierige Fragen oder auch nur Blicke, hindurch auf den Hof. Dort deutete der Mann zu einer Treppe, die auf den Wehrgang der Mauer führte. Oben auf jenem Wehrgang stand eine einsame Gestalt, deren schmale Silhouette sich vor dem Nachthimmel abzeichnete.
Der Bischofsgardist, der sich nach wie vor Mühe gab Bartolo nicht zu genau anzusehen, brummte leise: „Der verehrte Signore erwartet euch dort oben.“ Am Fuß der Treppe zurückbleibend, überließ er Bortolo allein den Aufstieg.
Der Bischofsgardist, der sich nach wie vor Mühe gab Bartolo nicht zu genau anzusehen, brummte leise: „Der verehrte Signore erwartet euch dort oben.“ Am Fuß der Treppe zurückbleibend, überließ er Bortolo allein den Aufstieg.
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Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
Das Verhalten des Gardisten war sonderbar. Es schien eine recht eindeutige Sache zu sein, dass er einer der nächtlichen Herrschaften diente. Und große Zeit für Fragen oder Überlegungen blieb Bartolo ohnehin nicht. Draußen stehenbleiben konnte er jedenfalls nicht, wenn er den Seneschall nicht verärgern wollte. Also folgte er und schlüpfte ins Innere des Kastells. Die Blicke seines Führers mochten nicht neugierig sein, die des Verborgenen waren es dafür umso mehr. Noch nie hatte er diesen Ort von Innen gesehen und wann er das nächste Mal die Gelegenheit bekommen würde, konnte er nicht ahnen. Ein kleiner Teil von ihm spielte gar mit dem Gedanken, er könne womöglich diesen Ort nie wieder verlassen. Dieser Teil wurde lauter, als der Gardist ihm zu verstehen gab, dass der Ancilla dort oben auf dem Wehrgang seine Audienz geben würde. Na prima, dachte Bartolo, dann braucht er nur einen kleinen Schubs. Wie es sich wohl anfühlte, da hinunterzufallen? Na, er würde es schon irgendwie überstehen, wenn es nur das war.
Er blickte den Bischofsgardisten ein letztes Mal an, erwiderte jedoch nichts auf dessen Äußerung und machte sich daran, die Stufen zu seinem Gastgeber zu erklimmen. Seine Nase kräuselte sich. Es hatte etwas davon, sich freiwillig einem Feuer zu nähern. Und ebenso zwang er sich, seine Schritte nicht auffällig zu verlangsamen und dadurch Schwäche zu zeigen. Er war nun hier und er würde die Sache durchziehen.
Oben setzte er seine Füße extra ein klein wenig lauter auf, damit der Seneschall sein Kommen nicht verpassen konnte. Nun wurde es dafür noch schwieriger mit der Geschwindigkeit. Ängstlich wollte er nicht wirken, anstürmen wollte er aber auch nicht. War es irgendwie standesgemäß, besonders langsam heranzuschreiten wie bei einem feierlichen Aufmarsch? Hatte seine Erzeugerin ihm dazu etwas Explizites gesagt? Gott sei Dank war die nicht auch noch hier.
Er entschied sich, bis auf etwa zwei Meter heranzukommen. Hoffentlich bemerkte ihn Ilario schon vorher. Und dort verneigte er sich tief. Leider waren seine Beine ja im Verhältnis zu seinen Armen etwas kurz und seine Haltung nach vorn gebeugt und bodennah. Doch man sah, dass sein Hinterteil höher stehenblieb, während sein Kopf dem Wehrgang nahekam. Dann bemühte er sich, den Titel und Namen des Würdenträgers ordentlich zu nennen.
"Verehrter Seneschall Ilario Contarini. Danke für'de Einladung. Ich bin Bartolo, Neugebor'ner vonne Brut zu Genua. Vonne Verborg'nen."
Dann verstummte er vorerst.
Er blickte den Bischofsgardisten ein letztes Mal an, erwiderte jedoch nichts auf dessen Äußerung und machte sich daran, die Stufen zu seinem Gastgeber zu erklimmen. Seine Nase kräuselte sich. Es hatte etwas davon, sich freiwillig einem Feuer zu nähern. Und ebenso zwang er sich, seine Schritte nicht auffällig zu verlangsamen und dadurch Schwäche zu zeigen. Er war nun hier und er würde die Sache durchziehen.
Oben setzte er seine Füße extra ein klein wenig lauter auf, damit der Seneschall sein Kommen nicht verpassen konnte. Nun wurde es dafür noch schwieriger mit der Geschwindigkeit. Ängstlich wollte er nicht wirken, anstürmen wollte er aber auch nicht. War es irgendwie standesgemäß, besonders langsam heranzuschreiten wie bei einem feierlichen Aufmarsch? Hatte seine Erzeugerin ihm dazu etwas Explizites gesagt? Gott sei Dank war die nicht auch noch hier.
Er entschied sich, bis auf etwa zwei Meter heranzukommen. Hoffentlich bemerkte ihn Ilario schon vorher. Und dort verneigte er sich tief. Leider waren seine Beine ja im Verhältnis zu seinen Armen etwas kurz und seine Haltung nach vorn gebeugt und bodennah. Doch man sah, dass sein Hinterteil höher stehenblieb, während sein Kopf dem Wehrgang nahekam. Dann bemühte er sich, den Titel und Namen des Würdenträgers ordentlich zu nennen.
"Verehrter Seneschall Ilario Contarini. Danke für'de Einladung. Ich bin Bartolo, Neugebor'ner vonne Brut zu Genua. Vonne Verborg'nen."
Dann verstummte er vorerst.
Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
Sich dem Nosferatu zuwendend, betrachtete Ilario diesen in seiner Verneigung einen Augenblick, ehe er nickte und ihm deutete sich zu aufzurichten. „Willkommen Bartolo von den Verborgenen, es freut mich euch wohlauf zu sehen. Sprecht frei heraus, was führt euch heute zu mir? In welcher Angelegenheit wollt ihr mit mir sprechen?“ Durchaus interessiert blickten die meergrauen Augen des Seneschalls offen in das entstellte Antlitz Bartolos, offenbar sorgten Dekaden der Beschäftigung mit dem Abgrund dafür, dass die äußere Erscheinungsform von Personen oder Dingen ihn nicht mehr schreckten.
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Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
Bartolo richtete sich wieder etwas auf und schaute zum Ancilla hinauf. Soweit so gut. Seine Nase flatterte ein wenig, als er in einer Gewohnheit die Luft einsog und schnupperte. Allerdings war es hier in dieser Situation wohl wenig hilfreich.
"Da wär'n zwe' Sachen. Ich fang ma' mit der nich' so guten an. Ich hab 'n Mann getroffen... 'n Kreuzzügler wahrscheinlich. Der war jedenfalls gerüstet und mit Schwert. Das war in Ravecca, dicht bei Mascharana. Wie ich den schon seh', is' mir ganz komisch. So'n Gefühl, dass was gefährlich is'. Aber ich we'ß nich' wieso. Und dann betet der was. Wie ich das hör', muss ich weg von dem, wie wenn's um mich rum brennen würd'. Der is' dann zu'de Kirche San Donato, dass ich dem nich' mehr folgen konnt'. Aber ich denk mir, das solltet'er wissen, verehrter Seneschall. Weil's für alle Kainiten gefährlich is'. Und außerdem denk ich mir, dass'er weg muss. Und hab mich gefragt, ob'er was von dem wisst oder von San Donato?"
Als er geendet hatte, senkte er den Kopf noch einmal, um seine Unterwürfigkeit deutlich zu machen. Wie würde Ilario diese Hiobsbotschaft aufnehmen?
"Da wär'n zwe' Sachen. Ich fang ma' mit der nich' so guten an. Ich hab 'n Mann getroffen... 'n Kreuzzügler wahrscheinlich. Der war jedenfalls gerüstet und mit Schwert. Das war in Ravecca, dicht bei Mascharana. Wie ich den schon seh', is' mir ganz komisch. So'n Gefühl, dass was gefährlich is'. Aber ich we'ß nich' wieso. Und dann betet der was. Wie ich das hör', muss ich weg von dem, wie wenn's um mich rum brennen würd'. Der is' dann zu'de Kirche San Donato, dass ich dem nich' mehr folgen konnt'. Aber ich denk mir, das solltet'er wissen, verehrter Seneschall. Weil's für alle Kainiten gefährlich is'. Und außerdem denk ich mir, dass'er weg muss. Und hab mich gefragt, ob'er was von dem wisst oder von San Donato?"
Als er geendet hatte, senkte er den Kopf noch einmal, um seine Unterwürfigkeit deutlich zu machen. Wie würde Ilario diese Hiobsbotschaft aufnehmen?
Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
„Dieser Mann, dieser Kreuzzügler, wisst ihr, ob er bereits im Heiligen Land war oder auf dem Weg dahin? Hält er sich dauerhaft in San Donato auf?“ Dabei rieb sich Ilario nachdenklich am Kinn. „Wenn es ein Kreuzritter auf dem Weg nach Jerusalem ist, ließe ihn vielleicht eine anonyme Spende, auf indirekte Art erfolgt, zügig aufbrechen. Sollte er jedoch hier bleiben… sollte sein Weg ins Himmelreich beschleunigt werden. Auch das am besten indirekt, durch Gift aus zweiter oder dritter Hand serviert oder abgebrühte Halunken, die ihn im Schlaf erledigen. Vielleicht wäre dies eine kollektive Angelegenheit der Liktoren zur Wahrung der Stille…“ Nun ließ der Lasombra Bartolo Raum, um seine eigenen Gedanken dazu zu äußern, während er seinerseits schon Pläne entwickelte mit dem Problem notfalls alleine umzugehen.
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Re: [1129] Eine Stimme für die Ungewaschenen [Ilario, Bartolo]
Einen Moment zögerte der Nosferatu, ehe er unzufrieden den Kopf schüttelte. "Nee, weiß ich leider nich'." aber auf die Lösungen, die dem Verstand des Ancilla entsprangen nickte er wiederum. "Is' gut." dem Kerl keinen Kainiten auf den Hals zu hetzen, war sicherlich ein schlauer Gedankengang. Die Sache konnte nur schiefgehen. Und wenn er aus freien Stücken weiterzog, war das Problem ebenfalls erledigt.
Abgebrühte Halunken - in den Gassen der Stadt gab es genügend herrenlose Hunde und Ratten, um die halbe Stadt auffressen zu lassen. Aber der vermeintliche Kreuzzügler hatte nicht eben schwach auf der Brust gewirkt. Die würden ihn kaum einschüchtern, eher umgekehrt. Man brauchte zweibeinige Halunken.
"Ich guck mich bei San Donato nochma' um und frag paar Leute. Der wohlwerte Elias war selber beim Kreuzzug, vielleicht hat der was mitgekriegt oder kennt den Kerl. Mit'n wohlwerten Gaspard hab ich schon kurz gequatscht, der hilft mit." Zumindest der Salubrikrieger war vermutlich die letzte Adresse, an die man sich für die sich etwaig anschließenden, hinterlistigen Mordpläne wenden konnte. Beim Lasombra war er sich nicht so sicher. Hierzu setzte sich seine Fantasie aber selbst in Gang und auch er rieb sich am Kinn.
"Hm... So'n Schwert is' wertvoll und was der vielleicht noch so hat. Könnt och manche Banden heiß machen, wenn man den durch die richtige Gasse lockt. Aber erstma' gucken. Sollen'wa euch berichten, wenn'wa mehr wissen, verehrter Seneschall? Und dem verehrten Blutvogt noch Bescheid sagen?"
Wiederum war seine Position nach unten gebeugt und er bemühte sich, möglichst höflich zu sprechen. Doch mit verdrehtem Kopf schaute er Ilario an, um dessen Reaktionen zu betrachten.
Abgebrühte Halunken - in den Gassen der Stadt gab es genügend herrenlose Hunde und Ratten, um die halbe Stadt auffressen zu lassen. Aber der vermeintliche Kreuzzügler hatte nicht eben schwach auf der Brust gewirkt. Die würden ihn kaum einschüchtern, eher umgekehrt. Man brauchte zweibeinige Halunken.
"Ich guck mich bei San Donato nochma' um und frag paar Leute. Der wohlwerte Elias war selber beim Kreuzzug, vielleicht hat der was mitgekriegt oder kennt den Kerl. Mit'n wohlwerten Gaspard hab ich schon kurz gequatscht, der hilft mit." Zumindest der Salubrikrieger war vermutlich die letzte Adresse, an die man sich für die sich etwaig anschließenden, hinterlistigen Mordpläne wenden konnte. Beim Lasombra war er sich nicht so sicher. Hierzu setzte sich seine Fantasie aber selbst in Gang und auch er rieb sich am Kinn.
"Hm... So'n Schwert is' wertvoll und was der vielleicht noch so hat. Könnt och manche Banden heiß machen, wenn man den durch die richtige Gasse lockt. Aber erstma' gucken. Sollen'wa euch berichten, wenn'wa mehr wissen, verehrter Seneschall? Und dem verehrten Blutvogt noch Bescheid sagen?"
Wiederum war seine Position nach unten gebeugt und er bemühte sich, möglichst höflich zu sprechen. Doch mit verdrehtem Kopf schaute er Ilario an, um dessen Reaktionen zu betrachten.