[1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

[April '25]

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Dragan
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[1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Die Nacht lag schwer über Ravecca. Kein Windhauch rührte sich, als die dunkle Silhouette des Mannes durch die Gassen glitt. Kein Atem zeichnete sich in der Kühle ab, kein Dampfen aus Nase oder Mund. Nur das dumpfe Schlurfen nackter Füße auf Stein verriet ihn, das rhythmische, schabende Schleifen von Hornnägeln über altes Pflaster. Er kam ohne Eile, aber auch ohne Zögern. Breit gebaut, vernarbt, ungepflegt. Das Haar lang und verfilzt, mit Bändern und Knochensplittern durchsetzt. Der Bart wirr, seine Kleidung ein schwerer Mantel aus grober Wolle über zerschlissene Häute. Nässe glänzte an seinen Schultern – Tau, Nebel oder Blut, es war schwer zu sagen. Tiere, die ihm unterwegs begegnet wären, wären geflohen. Menschen ebenfalls. Die Glocken der Kathedrale hatten längst Mitternacht verkündet. Es war jene tiefe Stunde, in der selbst die Dirnen und Beutelschneider sich in die Schatten zurückgezogen hatten. Doch Dragan schritt unbeirrt vorwärts. Als wäre die Nacht sein Reich, sein Verbündeter. Mit jedem Schritt schien er mehr Teil der Dunkelheit zu werden, wie ein Schatten, der Form angenommen hatte.
Wären die Fenster zur Straße nicht verhangen gewesen, hätten die schlafenden Bürger vielleicht gesehen, wie er an den flackernden Öllampen und vereinzelten Fackeln vorbeischlich - wie sein Körper für einen Moment keine Silhouette warf. Als verweigere sich selbst das spärliche Licht, seine Gestalt zu berühren.

Am Tor des Elysiums trat er vor die Wächter. Dunkle Helme blickten ihm entgegen, Klingen blitzten stumm im Schein der Fackeln, die in eisernen Haltern an der Mauer brannten. Dragan sprach nicht sofort. Stattdessen löste er mit knorrigen Fingern den schartigen Dolch aus einem Lederschlitz an der Hüfte. Das Eisen war alt, stumpf und schief. Er hielt es dem Wächter hin – nicht feierlich, sondern wie ein Mann, der einem anderen eine Last reicht. Ein kurzes Nicken, kaum merklich, mehr war es nicht. Er wusste, wo er war. Und was das hier bedeutete. Barfuß stapfte er über die steinernen Wege, an den geschnittenen Hecken und Blüten vorbei, deren Duft er nicht beachtete. Hier war Ordnung. Und Stille. Zwei Dinge, mit denen er wenig gemein hatte. Im Versammlungsraum blieb er stehen und sah sich um. Nicht wie ein Wartender sondern mehr wie ein Jäger der eine lohnende Beute sucht. Sein Blick fiel auf die Frau in Seide, die Fremde mit der anmutigen Haltung. Er wusste nicht, wie sie hieß, aber instinktiv bewegte er sich zu ihr. Sie war diejenige, die sprach. Er trat vor, der Körper bewegte sich mit jener raubtierhaften Trägheit, die mehr drohte, als sie zeigte. Als er sprach, war seine Stimme rau, tief, als kratze sie durch Asche und altes Leder. Die Sprache war Italienisch – doch der Akzent war fremd, schwer und schleppend, ein Zischen und Rollen aus dem Osten, der Hauch einer Steppe, eines dunklen Waldes.

„Sag Herold… Faro." Ein kurzes Innehalten. Dann wieder: „Dragan ist hier. Kommen. Will sprechen. Vorstellen. So wie es Brauch ist."

Seine Hände, groß und knochig, mit Narben übersät, die wie blasse Spinnennetze über die Haut liefen, hingen schlaff an seinen Seiten. Die Finger waren überlang, die Nägel dick und leicht gelblich, als hätten sie zu lange in dunkler Erde gegraben. Er neigte leicht den Kopf, berührte Stirn und Brust – grob, aber bewusst. Keine Geste des Glaubens, sondern der Tradition. Eine Bestätigung: Ich weiß, was hier gilt. Dann wandte er sich ab, stapfte hinaus, knirschend auf nackten Sohlen über den Marmor. Draußen setzte er sich auf den Rand der Fontana Rossa. Der Stein war kühl, doch es störte ihn nicht. In seinen Augen flackerte kein Unmut. Nur Warten. Und das unbewegte Schweigen eines Wesens, das das Atmen verlernt hatte. Die Stunden verstrichen. Dragan blieb regungslos, als wäre er selbst aus Stein gemeißelt. Nur gelegentlich wanderte sein Blick zum Horizont, wo die Nacht am tiefsten war. Würde die Dämmerung ihn hier überraschen, er wäre verschwunden, bevor der erste Sonnenstrahl die Mauern des Elysiums berühren könnte. Mit dem ersten Licht des Tages würde er wieder zu dem werden, was auch immer bei Tag in der Dunkelheit lauert. Nach Stunden verschwand er, lange bevor der Himmel sich zu verfärben begann. Kein Abschied, kein Geräusch. Als hätte sich ein Stück Nacht losgerissen und wäre fortgezogen.

Die kommenden Nächte kam der Barfüßige immer wieder. Zur gleichen Stunde. Wenn die Schatten am tiefsten und der Garten still war wie ein Grab. Aus den Gassen Raveccas schlich er sich heran, nicht wie ein Dieb – zu groß, zu schwer, zu ungeschliffen –, sondern wie ein Tier, das seinen Bau verlässt, weil es weiß, dass es muss. Sein Mantel, zäh und von Wetter, Dreck und Schlacht zermürbt, sog den Nebel der Gassen in sich auf wie eine alte Decke den Rauch einer Feuerstelle. Das Haar war nass vom Tau, das Kinn mit Straßendreck verkrustet. Eine Krähe flog vor ihm auf, als er sich dem schweren Tor näherte. Sie ließ einen Schrei zurück, der sich wie ein Spottlied über dem Elysium verlor. Wieder übergab er schweigend den Dolch – die Klinge schartig, alt wie eine Sünde. Er trat ein, barfuß auf dem polierten Stein, die schmutzigen Füße hinterließen matte Spuren. Doch er hielt sich an die Regeln. Im Garten verharrte er an verschiedenen Orten. Mal an der Fontana Rossa, das kantige Kinn auf die Faust gestützt, den Blick in das dunkle Wasser gesenkt, das manchmal wie Blut schimmerte. Mal saß er regungslos unter der Weide am Teich. Eines war in allen Nächten gleich - bevor die Sonne aufging, war er verschwunden.
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Vergonzo Faro
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Es dauerte einige Nächte da erhielt der Nosferatu die Nachricht von Dragan dankend teilte er Miriam das er in einer Handvoll Nächten Zeit hätte.

Zu besagter Zeit kam der alte Bucklige und hinkte auf den alten Wurzelstock gestützt in den Garten des Elysium.
Die gedrungen stämmige Gestalt, kaum eineinhalb Schritt lang, zeugte von Stärke, Ruhe und einer alten Umtriebigkeit die unter der entstellten Fassade brodelte. Die Bewegungen waren trotz des alten dicken Stoffes, welcher den unförmigen Körper verdeckte, fast lautlos und gezielt ausgeführt, als würde er diese Bewegungen schon seid Jahrhunderten gleich tun.
Neben dem Buckel, dem dicken grauen Überhang, der nach allem roch was Genua zu bieten hatte, war es das Gesicht,...die Fratze die auffallend abschreckend war. Die falsch platzierten Bestandteile, formten schiefe Mimiken die nicht ganz so leicht zu lesen waren, ein Gesicht das nicht mal eine Mutter lieben konnte.
Die hellblauen und klaren Augen allerdings hatten eine tiefe und Scharfsinnigkeit, welche die Umgebung instinktiv bis ins kleinste Detail wahr nahmen.

Der Blick viel auf die beinahe primitive wirkende Gestalt einer fremden Person. Vergonzo erkannte darin einen Kainiten der wohl sowohl Sturmwetter als auch ein Rudel Wölfe widerstehen könnte und wandte sich dem Fremden zu.
Während er auf ihn zu ging schnalzte er mit der Zunge und erhob seine eindringlich klingende, säuselnde Stimme, rau und heiser als hätte er in letzter Zeit zu viel gesprochen.
"Seid gegrüßt Fremder." es klang alles in allem freundlich und offen und eine Geste der offenen Hand lud den Fremden auf ein Gespräch ein.
"Wen habe ich hier vor mir." sprach er den Kopf schief legend als sich der netzartige Fokus auf Dragan legte um ihn eingehend zu mustern.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.
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Dragan
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Das Mondlicht war blass in dieser Nacht, nur ein fahler Schleier am Himmel – zu dünn, um zu wärmen, zu schwach, um zu führen. Doch es reichte, um das raue Profil des Mannes zu erahnen, der reglos auf dem Rand der Fontana Rossa saß. Seine nackten Füße ruhten auf dem kalten Stein wie Krallen auf morschem Holz. Die Hände über den Knien gefaltet, der Rücken leicht gekrümmt, die Schultern schwer wie von alter Last. Kein Zittern, kein Laut. Nur das unnachgiebige Warten eines Wesens, das weder Zeit kannte noch Eile.

Als die Schritte kamen – nicht laut, aber eigen, zu gleichmäßig für Zufall – hob Dragan den Kopf. Langsam. Die dunklen Augen, schmal unter dichtem Brauenwerk, ruhten auf der Gestalt, die sich näherte. Nicht forschend, nicht argwöhnisch. Wachsam. Wie ein Tier, das den Geruch eines anderen Raubtiers prüfte. Ohne Hast stand er auf. Keine Anspannung im Leib, keine unnötige Bewegung. Nur ein leiser Laut, als die Haut seiner Sohlen den feuchten Stein verließ. Ein Schritt, dann ein zweiter, wie der Beginn eines Tanzes, den er nicht mochte.

Er senkte den Kopf, nicht tief – aber deutlich genug, um den Brauch zu ehren. Nicht als Unterwerfung. Sondern als ein stilles Zeichen: Ich kenne das Spiel. Ich spiele, weil ich es will. Nicht weil ich muss. Die Stimme, die schließlich kam, war rau, schartig wie ein Knochenmesser, das zu oft in kaltes Fleisch geschnitzt hatte.

„Dragan. Vom Blut der Gangrel. Neugeborener. Kind von Korax. Dorn der Klippen. Ancilla.“

Dann Stille. Eine Pause, die nicht gefüllt werden wollte. Ein Schnauben, das kein Hohn war – eher ein Laut, wie ihn Wölfe von sich geben, wenn der Wind sich dreht.

„Manche nennen mich Blutfuchs.“

Kein Stolz in der Stimme. Kein Begehren nach Anerkennung. Nur ein Stück Name, das ihm geblieben war. Ein weiterer Moment Schweigen. Dann:

„Kam über Wasser, Sümpfe, Wälder. Nächte lang. Keine Straßen. Nur Geruch, Geräusch, Spuren im Schlamm.“

Seine Worte fielen wie Steine in einen Brunnen. Ohne Ausschweifung, ohne Zier. Kein Versuch, zu gefallen. Nur das, was notwendig war. Ein leises Ausatmen, kaum hörbar – vielleicht Gewohnheit, vielleicht ein Rest von Menschlichkeit, den der Körper nicht vergessen hatte.

„Schickte Krähe mit Dolch. War wohl zu krumm. Oder flog zu laut.“

Ein schiefes Zucken in den Mundwinkeln – kein echtes Lächeln, aber nah genug. So wie der Wind manchmal durch ein Grab pfeift und klingt, als wolle er flüstern.

„Bin hier, weil es so gemacht wird. Nicht wegen Schönheit. Nicht wegen Höfen. Wegen Ordnung. Die jagt nicht, aber sie beißt, wenn man sie missachtet.“

Dann war da wieder nur der Blick. Offen. Klar. Nicht aggressiv. Aber ebenso wenig bittend. Ein Mann, der nichts suchte – außer vielleicht einen Platz, an dem man ihn in Ruhe ließ, solange er nichts fraß, was einem anderen gehörte.
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Vergonzo Faro
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Der Nosferatu schien nichts gegen die einfache und direkte Art des Gangrel zu haben.
Als Herold hatte er in letzter Zeit viel mit den jungen Neugeborenen zu tun gehabt und dennoch was es diese Abwechslung die Vergonzo immer wieder aufs neue unterhielt.

"Ich bin Vergonzo Faro, Erster Baumeister Genuas, Ancilla der Verborgenen, Herold dieser Domäne und zusammen mit den weiteren Ancilla, übernehmen wir zur Zeit die Aufgaben der Harpyie. Seid willkommen in Genua, Dragan, Neugeborener vom Blute der Gangrel, genannt Blutfuchs, Kind von Korax, Dorn der Klippen, Ancilla deines Blutes." er nickte knapp.

"Auch wenn ich es bereits ahne, bitte erklärt mir woher euer Beiname kommt und wieso ihr genau diesen habt, Blutfuchs. Danach würde ich euch über die Gepflogenheiten Genuas aufklären damit ihr wisst worauf ihr zu achten habt." Er würde sicher für die Fähigkeiten Dragans Verwendung finden.
Der Kopf legte sich schief und der alte Blick des Nosferatu fing sich neugierig und schwer in seinem Gegenüber.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.
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Dragan
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Dragan rührte sich nicht. Kein Flackern in den Augen, kein Zucken im Körper. Nur der Atem des Windes über nackter Erde, das leise Rascheln trockener Halme, die am Rand des Steins flüsterten. Die Nacht lag auf ihm wie ein schweres, raues Fell – feucht von Nebel, schwer von Erinnerungen. Der Mond ließ Schleier über seine Haut gleiten, wo Narben wie Rinde auf zähem Fleisch lagen. Kein Schmuck. Kein Zeichen. Nur das, was übrig bleibt, wenn Zeit und Zähne an einem nagen. Als Vergonzo sprach, drehte Dragan langsam den Kopf. Nicht wie ein Mensch, der reagiert – sondern wie etwas, das hört, bevor es versteht. Die Augen blieben ruhig. Wach. Leer, aber nicht blind.

„Blutfuchs.“

Das Wort kam, als hätte es sich verfangen. Irgendwo tief in der Kehle, in einer Stimme, die selten gebraucht wurde. Rau. Fremd. Nicht gemacht für Namen. „Kam von außen“, sagte er leise. „Ich hab ihn nicht gesucht. Ich hab ihn gehört.“ Die Worte hatten kein Ziel. Kein Glanz. Sie fielen wie Steine ins Wasser, ohne Wellen zu schlagen. „Manche Namen kleben wie Schlamm an den Fersen. Man trägt sie mit, ob man will oder nicht. Regen wäscht sie nicht fort.“ Dragan kratzte sich mit zwei Fingern am Kiefer, da, wo alte Wunden quer lagen wie Spuren in Lehm. Dann spuckte er auf den Boden – beiläufig, wie einer, der schon lange nicht mehr auf Zustimmung wartete.

„Der Name kam. Nicht von mir.“

Er sah kurz zur Seite, dorthin, wo das Dunkel tiefer lag. Vielleicht sah er etwas. Vielleicht erinnerte er nur. „Ich war oft allein. Hab geschlafen, wo man nicht suchen würde. Hab genommen, was ich brauchte.“ Ein Achselzucken. Müde. Als wäre nichts davon neu. „Fuchs… weil weil ich schon da war, wenn sie erst zu riechen begannen. Und Blut… vielleicht, weil ich so aussah." Dragan zuuckte mit den Schultern. "Weil der Stall danach blutig war? Hab nie gefragt.“ Er sah Vergonzo an, ohne Trotz. Ohne Bitte. Nur als einer, der gelernt hat: Namen trägt man wie Narben – nicht aus Stolz, sondern weil sie nicht heilen. „Ein Name wie Wind. Mal laut, mal leise. Ich dreh mich selten um, wenn er ruft.“ Dann atmete er tief ein – nicht, weil er’s musste, sondern weil etwas in der Luft hing. Wie Gewitter. Wie Erwartung.

Ein leises Knacken, als er die Schultern leicht bewegte. Langsam. Ohne Eile. Dann tratt er zur Seite. Nacktfüßig. Die Sohlen dunkel von Erde, vom Moor vielleicht, von Schlamm aus einem anderen Ort. „Ich bin hier, weil euer Rudel ruft. Nicht meines. Aber laut genug.“ Ein kurzer Blick zu Vergonzo. Ohne Forderung. Ohne Scheu. Nur da. „Ich will wissen, was hier zählt. Wo eure Zähne ruhen. Ich achte, was ihr schützt. Solang ihr nicht verlangt, dass ich mich schneide, um euch zu passen.“ Er hob einen Finger, zeigte auf die gezogenen Linien, die Beete, das Geordnete ringsum. „Hier ist alles gezähmt. Mit Messer und Regel. Das frisst man nicht. Das meidet man. Ich versteh das. Aber ich… ich kenne Kreise. Spuren. Wildnis. Die Dinge, die sich nicht binden lassen.“ Die Hand sank wieder, als gehöre sie nicht ihm. „Ich bin kein Teil eurer Ordnung. Aber ich trete sie nicht. Solange sie nicht fordert, dass ich vergesse, was ich bin.“

Dann schwieg er. Und das Schweigen war kein Ende. Es war ein Zustand.
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Vergonzo Faro
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Einfach. Direkt. Simple. Und dennoch schwang eine primitive Poesie in vielen Gangrel.
Vergonzo nickte und murmelte ein zufriedenes Knurren. Er verstand Dragans Anliegen wohl besser als gedacht.
"Hört euch meine Informationen an und fragte dann, wenn euch was fehlen sollte das es eurer Meinung nach zu wissen gäbe.

Dies sind die hiesigen Regeln und Gesetzgebungen für die Gesellschaft der Nacht Genuas.

Euer Status ist gedulteter Gast, bis ihr die von mir in Funktion des Herolds gestellten Aufgabe erfüllt habt und vom zukünftigen Prinzen aufgenommen wurdet. Dazu später mehr.
Beginnen wir beim Jagen.
Es ist nur geschworenen Vasallen erlaubt innerhalb der Stadtmauern zu jagen. Kirchen sind als Jagdgrund nicht erlaubt.
Ebenso die festgelegten Domänen einzelner Ämtsträger, welche ein eigenes Jagdgebiet erhalten haben:
In Mascharana, westlich bis zu den Straßen an der Santa Maria, ist das Jagdgebiet des verehrten Ilario Contarini.
Burgus ist das Jagdgebiet des verehrten Benedetto und Borgo di Incrociati des verehrten Ferrucio Erminio.
Nach erfüllen eurer Aufgabe wird euch eventuell das Jagen innerhalb der Stadtmauer erlaubt.
Desweiteren gilt in folgenden Domänen innerhalb Genuas die zweite Tradition Kains,
Das Kloster San Marcellino wurde Benedetto zugesprochen und für Chiesa San Ambrosio in Domus wurde ein absolutes Zutrittsverbot ausgesprochen.

Um als anerkannter Gast zu gelten habt ihr 5 Jahre Zeit folgende Dinge zu erledigen, um euch als nützlich für diese Domäne und der Gesellschaft zu zeigen und nicht als Schmarotzer der sich an der Herde der Genuas gütig tut:
Findet die Fürsprache eines Vasallen Genuas und Fürsprache eines Vasallen der See der Schatten. Dazu erhaltet ihr durch mich eine Aufgabe für die Domäne, über welche ich am Ende gerne mit euch sprechen möchte. Es wäre durchaus ratsam mich in gewissen Abständen über euren Fortschirtt zu informieren oder bei schwerwiegenden Problemen auf mich zu zu kommen.

Abstammend vom Blute der Tieres ist es euch erlaubt 2 Ghule zu haben, diese sind den Liktoren namentlich zu melden und es ist guter Ton und ratsam diese auch vorzuzeigen. Solltet ihr bereits mehr als 2 besitzen, wird der Überschuss entsorgt.

Dies hier ist der Giardino della Rosa silenziosa, das Elysium. Miriam habt ihr sicher kennengelernt, welche euch Aushänge vorlesen kann solltet ihr diese nicht lesen können. Ihr solltet euch, falls noch nicht geschehen, die Gesetze des Elysiums anschauen. Miriam ist die Ghulin vom verehrten Ilario Contarini welcher der Hüter dieses Ortes ist.

Daneben haben wir zwei Gasthäsuer. Das A Tarda Ora und die neu erstellte Villa di Fiori, letztere dient als anfängliches Obdach solltet ihr noch keine Zuflucht haben.

Kommen wir am Ende zu den hiesigen Amtsträgern um euch einen Überblick zu verschaffen.
Lydiadas, Seelord und Seneschall Genuas, Ahn vom Blute Lasombras,
Consigliere del padrone profondo, sanguigno cacciatore di Catania, Herr der Tiefen,
aus der Linie Ahriman min alzilals, Ahnherr des Clan Lasombra, Kind Lasombras, erster seines Blutes

Benedetto, Geißel Genuas,
Chronist der Domäne und Herr über San Marcellino,
Ancilla des Clans des Todes,
Kind von Angello di Sorento, Ancilla des Clan des Todes,
Kind von Gaius, Ahn des Clan des Todes

Ilario Contarini, Blutvogt und Hüter der genuesischen Elysien, Zeichner der Wege, Wandler auf der Via Regalis, Ancilla im Blut der Schatten,
Kind des Lucius Valerius Galba, Ahn der Schatten zu Venedig,
Kind des Magnus Sertorius Mamercus, Ahn im Blut der Schatten,
Kind des Eremiten, Ahn im Blut der Schatten

Ferrucio Erminio, Beichtvater und Hofgelehrter Genuas, Ancilla von Blute Malkavs
Kind des Romeo, messo dei ultimi giorni, Ancilla vom Blute Malkavs, derzeit abwesend

Drita,
Aspirantin der Via Mercator,
Ancilla vom Blute Lasombra,
Harpyie und Herold ex mandato principis,
Hüterin des Wortes,

Salvador, Liktor Genuas,
Neugeborener des Clan Brujah

Elodie, Neugeborene der Brujah, Litkorin Genuas."


Nachdem er all dies ruhig und langsam vorgertragen hatte, machte Vergonzo eine längere Pause um Dragan Zeit zu geben das Gesagte aufzunehmen.

"Sollte es Probleme geben die genannten Gebiete zu bestimmen, zeige ich euch ahnhand einer Karte wo sich was befindet. Was eure Aufgabe zur Aufnahme als vollwertigen Gast betrifft, so denke ich das man euch dort Einsetzen sollte, wo ihr am fähigsten seid. Draußen vor den Mauern in der Wildnis." wie er das Wort Wildnis aussprach schien er diesen Ort durchaus zu mögen.
"Ihr seid Jäger. Vermutlich ein sehr guter Jäger. Ein Aufgabe in diesem Bereich wäre sicher sinnvoll."
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Dragan verharrte, die Schultern reglos unter dem schweren Mantel. Über den gepflegten Beeten des Gartens lag der erste Duft von Regen. Eine Schnecke kroch unbehelligt über die steinerne Einfassung der Fontana Rossa, als hätte die Welt keine Eile. Als Vergonzo endete, ließ sich der Gangrel Zeit. Er bewegte sich nicht sofort. Er schmeckte die Worte wie Blut auf der Zunge – prüfend, nicht gierig. Schließlich hob er den Blick. Keine Regung im Gesicht, doch etwas in der Haltung verriet, dass das Gehörte mehr geweckt hatte als bloßes Zuhören.

„Fünf Jahre. Zwei Namen. Eine Aufgabe.“

Die Stimme kratzte wie Stein auf Leder. Schwer. Trocken. Ausgesprochen langsam. „Verstanden.“ Dann Stille. Eine Stille, in der selbst der Wind schien, als wolle er nicht stören. „Zwei Ghule. Kein Jagen hinter Mauern. Keine Kirchen. Kein Schritt über fremde Schwelle. Wird beachtet.“ Seine Augen ruhten nicht direkt auf dem Nosferatu. Stattdessen wanderten sie durch den Garten – über die künstliche Ordnung, die geschnittenen Büsche, das starre Licht der Laternen. Als spräche der Blick: Das hier ist nicht meine Wildnis. Aber ich verstehe ihre Regeln. „Wildnis. Vor den Mauern.“ Ein Hauch von Zustimmung lag in dem Wort. Wie ein Knochensplitter im Fell getragen – rau, aber vertraut.

Dann senkte er den Blick wieder, als würde der Stein zu seinen Füßen mehr Wahrheit enthalten als das, was gesagt wurde. Nach einem Moment, als sei es nur ein nachträglicher Gedanke, hob er den Kopf ein weiteres Mal – nicht viel, nur ein leiser Zug, wie das Anheben einer Fährte in der Luft. „Ihr sprecht von Vasallen.“ Ein schiefer Ton, kaum als Frage zu erkennen. Aber die Worte hatten Schärfe. „Doch kein Fürst. Kein Eid. Kein Urteil.“ Eine Pause. Die Nacht spannte sich. Der Duft von Regen wurde schwerer. „Wer gab euch das Recht, zu fordern? Wer bindet diese Namen an euer Wort?“ Er sagte es ruhig. Nicht anklagend. Nicht provozierend. Nur wie ein Jäger, der auf Spuren hinweist, die nicht zusammenpassen. „Ich jage, wenn ich darf. Ich diene, wenn es einen gibt.“ Der Blick wanderte wieder. Nicht zu Vergonzo, sondern zu einem Punkt in der Dunkelheit hinter ihm.
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Vergonzo Faro
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Vergonzo legte den Kopf schief und musterte Dragan unverhohlen, sein Blick fixierte Dragans Augen dann, auch wenn dieser seinen wandern ließ.
"Die Domäne Genua gehört zur See der Schatten und damit verbunden untersteht es wohl der höchstverehrten Teja, Ahnin des Clan Lasombra, Decano del Lago delle Ombre, Vescovo della notte, Gesicht des Ätna. Die ehemalige Princeps Aurore ist verstorben. Doch all ihre Entscheidungen erfolgten im Sinne der See. Eide an Sie sind so ebenso Eide an die See. Somit an die Lehnherrin Genuas. Aufrechterhaltung der Gesetze obliegt daher derzeit dem Seneschall und Seelord, sowie den Ancillae der Domäne bis die Thronfolge geregelt ist. Princeps Aurore verlieh mir das Amt des Herolds, doch ich fordere nicht, sondern ich überbringe. Die Domäne und das Gesetz fordert."

Auch wenn er vielleicht neugierig war, wieso jemand wie Dragan, welcher scheinbar wenig kompliziert lebte, sich so weit für Details und sich für die Herkunft der Regelungen interessierte, so schien Vergonzo dies nicht zu zeigen.
Sein Blick lag weiterhin auf Dragan, prüfend ob dieser noch weitere Fragen hatte.
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Der Gangrel rührte sich nicht. Kein Nicken. Kein Laut. Nur das rhythmische Zucken eines Fingers, der unbewusst über eine alte, vernarbte Stelle am Handrücken strich – ein Reflex, wie man ihn bei Tieren sieht, die Witterung aufnehmen.

„Verstanden.“

Das Wort fiel wie ein Stein in einen stillen Tümpel. Ohne Nachhall. Ohne Gewicht, das geteilt werden wollte. „Eure Antwort ist voll von Namen. Viele davon sagen mir nichts. Vielleicht spielt das keine Rolle.“ Sein Blick hob sich wieder. Keine Konfrontation. Kein Trotz. Nur der klare Blick eines Wesens, das gelernt hatte, Fragen nicht als Waffe, sondern als Werkzeug zu nutzen. Wie Zähne, die geprüft werden, bevor man zubeißt. „Ihr überbringt, sagt ihr. Dann sagt mir, was überbracht wird.“ Ein Moment Stille. „Was verlangt das Gesetz von mir?“

Die Worte waren nicht neugierig, nicht misstrauisch – nur sachlich. Als wolle er wissen, auf welches Holz der nächste Schritt treten würde. „Wenn ich die Aufgabe kenne, kann ich entscheiden, wie ich vorgehe. Oder ob ich gehe.“ Die Stimme war rau, aber ruhig. Keine Drohung. Nur eine Erinnerung: Dass alles, was gebunden werden soll, auch fliehen kann. Dragan ließ den Blick erneut schweifen – nicht, weil er dem Nosferatu auswich, sondern weil der Garten selbst mehr zu sagen schien als derjenige, der in seinem Zentrum stand. Ordnung. Kontrolle. Regeln. „Manches währt länger, wenn man es nicht festhält.“ Dann schwieg er wieder. Keine Aufforderung zur Eile. Aber auch kein Interesse an langen Reden mehr. Die Zeit des Zuhörens war vorbei. Nun wollte das Tier wissen, was von ihm erwartet wurde – bevor es entschied, ob es den Pfad weitergeht. Oder ob es ihn verlässt.
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Vergonzo Faro
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Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Der Nosferatu schien weder ein Problem mit der simplen und zielorientierten Art Dragans zu haben, noch damit das dieser sich nicht wie ein Städter oder einer der hohen Clans verhielt. Jeder wurde durch andere Dinge geformt und Vergonzo war der letzte der das nicht verstehen oder akzeptieren würde. Es schien ihm sogar zu liegen.
"Das Gesetz weist jeden geduldeten und anerkannten Gast an, sich an die Regeln und Vorgaben zu halten die ich so eben nannte. Dazu zählen auch die Gebote Kains. Mein Amt überträgt mir die Pflicht für euch eine geeignete Aufgabe zu wählen. Da ihr die Wildnis bei weitem besser lesen und fühlen könnt, als jemand andere der mir einfällt, abgesehen von eurer Clansschwester Ylva, würde es Genua und der Domäne am ehesten helfen, wenn ihr die Wald und Wildnisgebiete nördlich der Stadtmauer überwachen könntet. Ausschau halten nach Fremden die sich zu lange dort aufhalten. Vielleicht sprechen sie eine fremde Sprache und begeben sich nicht in die Nähe Genuas. Solltet ihr solche entdecken, könnt ihr dies bei mir oder dem verehrten Blutvogt melden, indem ihr Miriam bescheid gebt." er deutete zu dem Bereich der Aushänge, wo man Miriam recht einfach erreichen konnte. Fremde frühzeitig aufzuspüren und so zur Sicherheit Genuas beitragen, war in diesen Zeiten nicht zu unterschätzen.
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