[1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

[April '25]

Moderator: Ilario

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Dragan
Gangrel
Beiträge: 38
Registriert: Mo 28. Apr 2025, 16:57

Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Der Regen hatte begonnen. Zuerst als Hauch, dann in dichten Tropfen, die auf das Steinpflaster schlugen wie alte Münzen auf einen leeren Beutel. Dragan rührte sich nicht. Das Wasser rann über seinen Mantel, sammelte sich in den Falten, tropfte von den Kanten auf den Boden. Er hörte, was gesagt wurde. Mehr noch – er roch, wie es gemeint war. „Nördlich der Mauern.“ Das war alles, was er zuerst sagte. Kein Ja. Kein Nein. Seine Stimme kam langsam, als müsse sie durch etwas Dickes brechen – ein alter Instinkt, der Sprache nicht mehr für notwendig hielt. „Wald kennt viele Spuren. Manche Tiere tragen Zähne. Manche Messer.“ Ein kurzer Blick, dann wieder Stille. Als müsste er prüfen, ob das schon genug sei. „Wenn ich Zeichen sehe, die nicht zu Erde, Laub oder Tier gehören… geb ich Laut.“

Er ließ das Wort „melden“ aus. Und auch jeden Namen. Stattdessen wuchs ein kurzes, hartes Zucken an den Mundwinkeln – kein Lächeln, aber vielleicht der Schatten davon. „Wer draußen lagert, zu nah… zu lange… könnte selbst ein Jäger sein. Oder der Grund, warum andere verschwinden.“ Die Stimme war dunkler geworden. Die Worte schmal. Als schriebe er mit Asche auf feuchte Haut. „Ob das Genua hilft, weiß ich nicht. Aber Ordnung beginnt, wo der Wald still ist.“ Er warf einen Blick zu dem Teil des Gartens, auf den Vergonzo gezeigt hatte – nicht lang, nicht auffällig. Eher wie ein Tier, das sich den Rückweg merkt. Dann wieder zum Nosferatu. Keine Frage nach Ylva. Keine Erwähnung. Kein Zeichen, dass der Name ihm etwas sagte. Nur ein Raubtierblick, der prüfte, ob die Nacht nun ruhiger war – oder ob sie nur tiefer roch. Mehr kam nicht. Doch was blieb, war genug, um alles oder nichts daraus zu machen.
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Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 3558
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Vergonzo Faro »

Oder sie tragen beides...dachte der Nosferatu und ließ Dragan erst aus seinem Blick als dieser geendet hatte, ehe er dann den Kopf zum Nachthimmel hob, als würde er spüren wollen wie nah der Morgen war.
"Dann sei es so." schloss der Herold dann seine Pflichten ab und sah wieder zu Dragan.
"Solltet ihr heute Nacht oder in Zukunft Fragen haben, wendet euch ruhig an mich oder einen der anderen Amtsträger. Sollte heute Nacht keine weiteren Punkte zu besprechen sein, habt ihr eure Pflicht getan und könnt gehen." gab er seinem Gegenüber dann die vermeintliche Wahl.

Der Blick des Ancilla schien nun die Neugier eines Nosferatu anzunehmen, doch er blieb stumm.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.
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Dragan
Gangrel
Beiträge: 38
Registriert: Mo 28. Apr 2025, 16:57

Re: [1112] Straßenköter im Garten (Vergonzo)

Beitrag von Dragan »

Ein leiser Laut war zu hören – kaum mehr als das Knacken eines Gelenks, als Dragan den Nacken streckte, den Regen auf der Haut willkommen hieß wie einen alten Geruch. Seine Augen blieben auf dem Nosferatu, als würde er nicht sehen, sondern spüren, ob das Gegenüber noch Raum nahm. Dann neigte er den Kopf – nicht tief, nicht lang. Kein Dienergruß. Eher das Nicken eines Tieres, das erkennt, wann ein anderer den höheren Stein eingenommen hat. Ancilla. Herold. Der Regen machte keinen Unterschied. Aber Dragan war kein Narr.

Kein Wort folgte.

Er drehte sich um – nicht hastig, nicht demonstrativ. Die nackten Füße berührten den nassen Stein, doch hinterließen keine Spur. Das Wasser perlte von ihm ab wie von altem Leder. Und dort, wo andere Schlieren aus Schlamm oder Blut hinterließen, war nur stiller Stein. Er ging, wie er gekommen war: lautlos, langsam, ohne Eile. Nicht als ob er fliehen müsste. Nicht als ob er gehört werden wollte. Nur als ein Jäger, der die Lichtung verlässt, weil das Rudel seinen Blick nicht mehr wert ist. Kein Abschied. Kein Gruß. Nur Dunkelheit, die sich schloss, als wäre sie nie geöffnet worden.



Zusammenfassung: Der Gangrel Dragan erscheint mehrfach wortlos und barfuß im Elysium Genuas, bevor er schließlich vom Herold Vergonzo Faro empfangen wird. In einem knappen, aber respektvollen Austausch stellt sich Dragan vor und erfährt die Gesetze der Domäne: keine Jagd innerhalb der Stadtmauern, nur zwei Ghule erlaubt, fünf Jahre Zeit für die Anerkennung als Gast. Vergonzo bietet ihm eine Aufgabe an: Die Beobachtung der Wildnis nördlich Genuas zur Früherkennung von Fremden. Dragan hinterfragt die Legitimität der geltenden Ordnung, da kein Prinz existiert. Ohne das Angebot ausdrücklich abzulehnen, verlässt er nach kurzem, wortlosen Zeichen der Anerkennung des Herolds die Szene wieder.
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