[1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Ilario, Henri de la Nuit

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Giuseppe
Nosferatu
Beiträge: 964
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[1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Giuseppe »

Giuseppe hatte in Clavicula begonnen.
Wie so oft.
Er schlich durch die engen Gassen, prüfte Türen, lauschte hinter Fensterläden.
Doch kein Glück. Keine Beute. Keine Nahrung.

Er zog weiter.
Runter ans Meer.
Das kalte Wasser spülte Staub und Schmutz von seiner Haut.
Salz und Nachtluft, nichts weiter.

Dann ging er ins Haus der Heiler.
Er streifte den weißen Wollkittel über.
Strich die Salben auf. Thymian. Lavendel. Rosmarin.
Ein Hauch von Wohlgeruch, der seine Präsenz milderte.

Nun stand er im Giardino della Rosa Silenziosa.
Vor dem Fontana Rossa.
Das Wasser leuchtete blutrot im Mondlicht, gemalt von den Mosaiken im Becken.
Seine großen, dunklen, lidlosen Augen spiegelten sich darin.
Der kurze, schmale Körper wirkte noch kleiner vor den hohen Mauern des Gartens.

Er betrachtete den Brunnen.
Dachte nach.
Das Elysium – der goldene Käfig.
Schön. Gepflegt. Ruhig.
Doch er wusste es besser.
Hier wurden die Jungen eingelullt, an Glanz und Etikette gewöhnt.
Hier warteten die Fallen der Alten. Unsichtbar. Geduldig.
Ein Ort, der schmeichelte und zugleich verschlang.

Giuseppe legte die knochigen Finger auf den Steinrand.
Die glatte Kälte kroch in seine Haut.
Er sah sein Gesicht – ein Kobold, spitze Ohren, schiefe Zähne, zu viele davon. Das groteske Abbild eines Jungen, gezeichnet von der Nacht.
Er wusste, dass der Frieden hier nur ein Trugbild war.
Hinter den Mauern lauerten die Blicke, die Worte, die Regeln.
Jeder Schritt im falschen Moment, und der Käfig schnappte zu.

Er verharrte still.
Horchte.
Hinter den gepflegten Wegen, den roten Rosen, den Laternen – da war das Flüstern derer, die alles beobachteten.

Das Elysium schien zu lächeln.
Aber es war bissig.
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Augusta Blau
Toreador
Beiträge: 46
Registriert: Sa 19. Jul 2025, 17:47

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Augusta Blau »

Das Elysium, das Giardino della Rosa silenziosa, erhebt sich ganz nach Augustas Geschmack. Sie war neu hier und suchte ein Plätzchen, das ihr Frieden geben würde. Sie vermisste ihren Erzeuger Wilhelm schmerzlich. Überhaupt war hier so viel anders, dass sie froh war um die Bildung, die ihr Wilhelm damals zukommen ließ. Man konnte erkennen, dass sie des Lesens mächtig war oder immerhin so tat als sie vor den Tafeln stand und ihre Finger über die Buchstaben fuhren.

Zunächst genoss sie die tiefroten Rosen, die der Garten aufzuweisen hatte, sie berauschte sich am Lichte der Laternen… bis sie schlussendlich zu einem Brunnen gelangte in dessen Wasser sich nicht nur ihre schöne Silhouette widerspiegelte, sondern auch unweit von ihr das Ebenbild eines hässlichen kleinen Gnoms. Tatsächlich hatte sie gehofft, dass ihre Schritte sie eher zu jemand anderem führten. Keinem Nosferatu. Doch andererseits wusste sie, dass jene Kinder der Nacht Informationen besaßen von diesen sie welche gut gebrauchen konnte. Schließlich war sie neu hier! Weshalb sollte sie sich nicht neue Freunde machen? Auch für sie Ungewöhnliche…

Ihr dunkelgrünes Gewand aus edler Tuche, das über der Taille mit einem Ziergürtel zusammengehalten ward, saß an ihr herzallerliebst. Sie war schlankgewachsen und hübsch und starrte zunächst auf ihr Spiegelbild, das ihr sehr wohl gefiel, was ihm Zeit gab, sie wahrzunehmen. Ihren geflochtenen Zopf brachte sie sich in Form und strich sich über Haare und Kleid. Dann setzte sie ein Lächeln auf. Bereit für die Nacht.
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Elias Paterno
Salubri
Beiträge: 269
Registriert: Mo 31. Jul 2023, 10:03

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Elias Paterno »

Er war ein Stück durch das Labyrinth gewandert. Es half ihm beim Nachdenken. Die Bank im Inneren war meist frei, und so konnte er in Ruhe seine Gedanken schweigen lassen, während der Rosenduft des Gartens – bei günstigem Wind – ihn sanft an seine eigene Existenz erinnerte.

Sicher war eine Stunde verstrichen, als der hünenhafte Krieger den Garten verließ.

Der Mond legte silberne Schleier über sein Antlitz und ließ die scharfen Linien seines Gesichts noch deutlicher hervortreten. Die hohe Stirn und die markanten Wangenknochen verrieten adlige Herkunft, doch es war die Ruhe in seinem Blick, die Ehrfurcht gebot. Seine Augen – hell, fast durchscheinend, eisblau und kalt – hatten etwas Durchdringendes, als könnten sie die Seelen der Lebenden durchmustern. Drei davon trug er: Das dritte prangte unbewegt auf seiner Stirn, wie ein stummes Siegel des Übernatürlichen.
Er bekreuzigte sich und stockte dann. Zwei weitere Kainiten waren in der Dunkelheit aufgetaucht. Die kleine Gestalt war unverkennbar Giuseppe, doch die Gestalt am Brunnen war neu. Ein neues Gesicht in Genua?
Er glättete seinen Wams und ging mit entspanntem Schritt auf die beiden zu.
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Giuseppe
Nosferatu
Beiträge: 964
Registriert: Do 8. Okt 2020, 12:52

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Giuseppe »

Der Gnom drehte sich der Schönen zu.
Seine Fresse zeigte eine asymmetrische Fratze die wohl ein Lächeln sein sollte.

Schon wieder ein neues Kainskind, die Geschehnisse nahmen Fahrt auf.

Er nickte der Fremden freundlich zu.

„Ich bin Giuseppe, Neugeborener der Verborgenen, Gast in Genua, Gast der Verborgenen zu Genua, Sohn des Faustus von Thurii, Ancilla der Verborgenen.“

Wieder dieses Monsterlächeln.
Sein Blick glitt hinüber zum Brunnen.

“Ist er nicht wunderschön?“

Aus den Augenwinkeln nahm er die hühnenhaften Gestalt von Elias wahr die durch den Garten schlenderte.

Noch war dieser etwas entfernt, so das Giuseppe die Vorstellung der Schönen abwarten konnte, bevor entschieden werden musste wie sich das Gespräch weiter entwickelte.

Falls es sich bei ihr um eine Neugeborene handelte, würde er den Salubri dazu bitten.

In jedem anderen Fall würde die Fremde entscheiden.
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Augusta Blau
Toreador
Beiträge: 46
Registriert: Sa 19. Jul 2025, 17:47

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Augusta Blau »

Blassblaue Augen schauten den Nosferatu an als Augusta direkt angesprochen wurde. Das Nicken, das er zurückerhielt, war angemessen und trotz ihres hübschen kleinen Schmollmundes antworte sie höflich:

„Guten Abend, Giuseppe. Mein Name ist Augusta, Neugeborene vom Clan der Rose, Kind von Wilhelm Blau.“, stellte sie sich vor. Ihre Stimme klang dabei wie eine helle Glocke als sie weitersprach:

„Dieses Spiel der Rottöne kann nur von einem begnadeten Künstler stammen, nicht wahr? Es ist wunderbar.“, schwärmte sie. Sie gab nicht zu heimlich ihr Spiegelbild betrachtet zu haben. Dafür zeigte die Toreador auch ihre Vorurteile nicht, die sie haben könnte.

Im Hintergrund erklangen Schritte. Sie wendete sich um. Im Gegensatz zu Giuseppe. Ob es bedeutete, dass die beiden sich wohl kannten? Sie wusste es nicht. Die entspannten Schritte des fremden Kainiten konnten wohl oder auch nicht darauf schließen lassen. Sie würde sich überraschen lassen und wartete ruhig ab, wobei auffiel, dass ihre Haltung kerzengerade war.
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Giuseppe
Nosferatu
Beiträge: 964
Registriert: Do 8. Okt 2020, 12:52

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Giuseppe »

Der Gnom lächelte ein seliges Haifischlächeln.

„Ja, ich frage mich, ob es möglich wäre, auf ähnliche Art, das Strahlen der Sonne zu imitieren, die wir alle nicht mehr sehen werden.“

Dann jedoch signalisierte er Elias mit einem freundlichen Nicken, dass er ihr Gespräch nicht störte.

Sobald der Riese näher trat, lächelte der nun noch viel kleiner wirkende Gnom diesen an. Nickte ihm respektvoll zu.

„Werter Elias, wenn ich vorstellen darf, die werte Augusta, Neugeborene vom Clan der Rose, Kind von Wilhelm Blau.“

Dann fand sein Blick die Toreador.

„Werte Augusta, der werte Elias Paterno,
Neugeborener des Clans Salubri,
Ehrenwerter Pilger auf dem Weg des Himmels,
Kind von Giacomo da Cotentin,
Kind von Robert Paterno dem Zweiten.“


Schließlich fand die freundlich verzogene Fratze des Nosferatu beide Gesprächspartner.

„Wir sprachen gerade über die Schönheit des Fontana Rossa. Seid ihr mit der Kunst der Mosaiklegerei vertraut, werte Augusta?“
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Giuliano
Brujah
Beiträge: 391
Registriert: Mi 28. Aug 2024, 20:37

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Giuliano »

Giuliano betrat das Giardino della Rosa Silenziosa beinahe lautlos, doch ein feiner Windhauch kündigte seine Ankunft an – salzig, wie der Atem des Meeres.

Breitschultrig, mit gemessenem, fast lässigem Schritt bewegte er sich über die Wege des Elysiums, als gehörte ihm dieser Ort – oder als wäre ihm gleichgültig, ob das so war. Seine dunkle Kleidung schmiegte sich an den kräftigen Körper wie die Nacht an den Horizont, doch es war sein Gesicht, das im Licht des Mondes und der flackernden Flammen hervorstach: lebendig, gesund, als zirkuliere noch Blut unter der Haut. Der seltene rosige Teint warf einen Schatten von Leben auf das Totenreich.

Sein Blick glitt über die Szenerie – der rote Brunnen, der groteske Nosferatu, die anmutige Toreador, der stille Salubri mit dem dritten Auge. Ein Hauch von Schalk zuckte um seine Mundwinkel, als würde ihn der Anblick in seiner ganzen Absurdität amüsieren. Er blieb ein paar Schritte entfernt stehen, nur kurz – wie ein Seemann, der die Strömung prüft, dann trat er näher.


"Die Nacht zum Gruße."

Mischte er sich ungefragt in das Gespräch.
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Giuseppe
Nosferatu
Beiträge: 964
Registriert: Do 8. Okt 2020, 12:52

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Giuseppe »

Diesmal grinste der kleine Nosferatu ein verschmitztes Monstergrinsen.

„Schön dich zu sehen, wohlwerter Giuliano.“

Dann drehte er sich zu der um den Brunnen versammelten Mannschaft.

„Wenn du mir gestattest“

Er deutete auf Elias:

„Der werte Elias Paterno,
Neugeborener des Clans Salubri,
Ehrenwerter Pilger auf dem Weg des Himmels,
Kind von Giacomo da Cotentin,
Kind von Robert Paterno dem Zweiten.“


Dann auf Augusta:

„Die werte Augusta, Neugeborene vom Clan der Rose, Kind von Wilhelm Blau.“

Schließlich wieder auf Giuliano:

„Die Damen und Herren, der wohlwerte Giuliano, Neugeborener vom Blut der Brujah und Kind von Salvador.“

Der Kleine musste grinsen, mit Giuliano würde in jedem Fall ein Gespräch zu Stande kommen.
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Augusta Blau
Toreador
Beiträge: 46
Registriert: Sa 19. Jul 2025, 17:47

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Augusta Blau »

Augusta begrüßte den Salubri angemessen, auch den Brujah, der in ihr Gespräch platzte, begrüßte sie auf aufmerksame Weise und erfreute sich daran jenen Guiseppe kennengelernt zu haben, der kleine hässliche Kerl lockte Kainiten an. Kontakte waren das, was Augusta gebrauchen konnte. Sie wandte sich an Guiseppe, erinnerte sich an seine Frage uns sprach:

„Das ist bloß die Meinung einer Laiin deren Künste andererorts liegen. Sollte dies mein neuer Zeitvertreib werden, so lasse ich es Euch wissen.“, scherzte die Schöne, deren Wangen, ähnlich wie die Guilianos, rosig durchblutet waren und sie musterte die beiden anderen Männer… den Hünen mit den drei Augen genauso zuvorkommend wie den breitschultrigen Vampir, wobei sie meinte:

„Es ist mir eine Freude!“
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Elias Paterno
Salubri
Beiträge: 269
Registriert: Mo 31. Jul 2023, 10:03

Re: [1115] Im goldenen Käfig [Giuseppe, Offen]

Beitrag von Elias Paterno »

Den hinzugekommenen Kainiten zunächst ignorierend wandte Elias zunächst das Wort an Augusta:

"Die Freude ist ganz meinerseits, werte Augusta! Wilkommen in Genua, einer der schnell wachsenden Handelsstädte Italiens.
Der Clan der Rose also? Ihr seid die Erste die mir als Vertreterin dieses Clans in Genua begegnet.
Man hört viel über euren Clan – über eure Nähe zur Kunst, zur Schönheit im Allgemeinen und im Besonderen.
Habt auch Ihr euch einer der vielen Formen der Kunst verschrieben? Oder führten euch andere Wege in diese Domäne?"


Mit einem leicht tadelnden Blick blickte er nun Giuliano an:

"Die Nacht zum Gruße wohlwerter Giuliano, verzeiht aber ich glaube dies ist unsere erste Begegnung - erlaubt mir daher mich euch vorzustellen:"

Mit geübter Haltung, der Bewegung eines Ritters an einem höfischen Altar gleich, vollführte Elias eine präzise und doch natürliche Verbeugung:

"Mein Name ist Elias Paterno,
Kind von Giacomo da Cotentin,
Sohn von Robert Paterno II.
aus der Blutlinie Saulots!"
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