Und dann ist da einfach nur Leere. Allumfassendes Nichts. Eine dumpfe Stille, die die Laute der Welt gierig Stück um Stück in sich hineinfrisst. Der Druck, der immer stärker auf den Ohren steigt. Der alles taub macht. Als sei man tief unter Wasser getaucht. Zu tief. Die Welt um einen dreht sich weiter. Unaufhaltsam. Schwindlig schnell. Ein Gewirr aus unzähligen Stimmen und schemenhaften Formen. Bewegungen, die mehr und mehr verschwimmen hinter einem grauen Schleier. Doch für mich. Für mich, bleibt sie einfach stehen. Ich spüre nichts. Nicht einmal das Richtschwert, das bedrohlich über mir baumelte.
Dunkle Asche erfüllte die Luft. Schlug sich auf meiner Haut nieder, wie feiner Morgentau. So leicht, dass sie vor meinen Augen tanzte, bevor sie langsam zu Boden rieselte. Mein Verstand versuchte verzweifelt zu verarbeiten, was geschehen war, doch meine Gedanken… sie bewegen sich wie in Zeitlupe. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen war, bevor meine Beine nachgaben. Ich kraftlos auf die Knie falle. Fassungslos auf die schwarzen Reste blickend, die so fein sind, dass schon der winzigste Windhauch sie hinwegfegen kann.
Ich fühle mich machtlos. Hoffnungslos. Allein. Und ich merke wie dieser Umstand mir die Tränen in meine Augenwinkel treibt. Doch ich kann nicht weinen. Nicht jetzt. Zu tief sitzt noch immer der Schock. Langsam beuge ich mich vor. Berühre zögerlich die Asche. Streiche liebevoll über sie, während mein Herz dabei in abertausende von feinsten Splittern zu zerbrechen droht. Ich will sie bewahren. Allesamt. Jeden Einzelnen davon. Festhalten. Mich. Ihn. Was davon noch übriggeblieben ist. Von dem was so nie hätte geschehen dürfen. Dem was weg ist. Verloren ging. Für immer und ewig.
[Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]
Moderator: Ilario
Re: [Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]
Die Hügel strahlten in dieser Nacht. Sie hatten es immer getan, seit dem ersten Moment, in dem ich genuesischen Boden betreten hatte. Doch diesmal war es anders. Kein sanftes, warmes Leuchten, das Hoffnung in sich trug. Nein. Dieses Licht war eine blutrote Wunde am Horizont, aufgerissen, klaffend, als hätte jemand das Tor zur Hölle mit roher Gewalt aus den Angeln gerissen und der Welt ihren tiefsten Albtraum offenbart.
Mein Blick verlor sich in der lodernden Glut. Angst und Schmerz, zwei alte Feinde, die mich in eiserner Umarmung hielten. Ich spürte ihre kalten Finger an meiner Kehle, doch sie fanden keinen Atem mehr, den sie mir rauben konnten. Stattdessen verzogen sich meine Lippen zu einer bitteren Linie, während sich das Feuer in meinen dunklen Augen spiegelte. Ich rümpfte die Nase und sog die Luft gegen meine eigene Natur tief ein. Lauschend, wartend, auf ein Echo, das nicht kam.
Hier im Norden spuckte man unseren Namen aus wie Gift. Assamiten. Meuchelmörder. Schatten ohne Ehre. Und doch fühlte ich in diesem Moment kaum mehr als tiefste Verachtung für all Jene, für die ein Leben nichts bedeutete. Ich wusste noch nicht, was dort oben wahrlich geschehen war und doch grub sich die Angst mit eiskalten Krallen in mein Innerstes. Eine stumme Bitte formte sich auf meinen Lippen. Ein lautloses Gebet an eine Gottheit, die mich womöglich längst vergessen hatte. Innerlich flehend, dass es nicht das sein würde, was meine blutende Seele befürchtete.
Mein Blick verlor sich in der lodernden Glut. Angst und Schmerz, zwei alte Feinde, die mich in eiserner Umarmung hielten. Ich spürte ihre kalten Finger an meiner Kehle, doch sie fanden keinen Atem mehr, den sie mir rauben konnten. Stattdessen verzogen sich meine Lippen zu einer bitteren Linie, während sich das Feuer in meinen dunklen Augen spiegelte. Ich rümpfte die Nase und sog die Luft gegen meine eigene Natur tief ein. Lauschend, wartend, auf ein Echo, das nicht kam.
Hier im Norden spuckte man unseren Namen aus wie Gift. Assamiten. Meuchelmörder. Schatten ohne Ehre. Und doch fühlte ich in diesem Moment kaum mehr als tiefste Verachtung für all Jene, für die ein Leben nichts bedeutete. Ich wusste noch nicht, was dort oben wahrlich geschehen war und doch grub sich die Angst mit eiskalten Krallen in mein Innerstes. Eine stumme Bitte formte sich auf meinen Lippen. Ein lautloses Gebet an eine Gottheit, die mich womöglich längst vergessen hatte. Innerlich flehend, dass es nicht das sein würde, was meine blutende Seele befürchtete.
Re: [Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]
Schwarz war alles, was ich hinter meinen geschlossenen Augen noch sah. Tiefste, endlose Dunkelheit in dessen Ferne nur wage der schwache Corona Umriss einer Kerzenflamme zu erahnen gewesen war. Mein Haupt war gesenkt und meine Hände zum Schwur dargeboten. Kniend ausharrend dem was kommen sollte.
Er hatte einen geschliffenen Edelstein erhalten, doch er sah dessen Wert nicht.
Und so schwor ich einen Eid, der mit großer Gewissheit mein Ende bedeuten würde. Für meinen Clan, obwohl sich jede noch so kleine Faser in meinem Körper dagegen sträubte. Meine Lippen wiederholten stumpf die Worte, dir mir ein anderer auferlegt hatte. Ich empfand weder Freude noch Dankbarkeit dabei, als ich ablegte was mich ausmachte, wie einen abgetragenen Mantel.
Er hatte seinen Willen erhalten, doch mehr zählte für ihn nicht.
Ich war voller Hoffnung nach Genua gekommen und gewillt meinem Blut und dem Prinzen vollumfänglich zu dienen. Doch der eigentliche Prinz war fort und der, der nun auf dem Thron sitzen sollte, war blind und taub zugleich. Ein Führer mit einer Krone ohne Halt.
Er hatte den Thron erhalten, doch nicht die Herzen Jener berührt, die ihm folgen sollten.
Mein Blut benötigte einen Hafen, den ich ihnen bieten würde, auch wenn ich mich selbst dabei aufgeben musste. Ich ertrug es. Verweilte stumm mit aufrechtem Körper auf beiden Knien. Und wurde zu einer gänzlich nutzlosen Waffe in Händen, die mich nicht zu führen verstanden.
Er hatte einen Vasallen erhalten, doch eine Wesirin der Banu Haqim verloren.
Er hatte einen geschliffenen Edelstein erhalten, doch er sah dessen Wert nicht.
Und so schwor ich einen Eid, der mit großer Gewissheit mein Ende bedeuten würde. Für meinen Clan, obwohl sich jede noch so kleine Faser in meinem Körper dagegen sträubte. Meine Lippen wiederholten stumpf die Worte, dir mir ein anderer auferlegt hatte. Ich empfand weder Freude noch Dankbarkeit dabei, als ich ablegte was mich ausmachte, wie einen abgetragenen Mantel.
Er hatte seinen Willen erhalten, doch mehr zählte für ihn nicht.
Ich war voller Hoffnung nach Genua gekommen und gewillt meinem Blut und dem Prinzen vollumfänglich zu dienen. Doch der eigentliche Prinz war fort und der, der nun auf dem Thron sitzen sollte, war blind und taub zugleich. Ein Führer mit einer Krone ohne Halt.
Er hatte den Thron erhalten, doch nicht die Herzen Jener berührt, die ihm folgen sollten.
Mein Blut benötigte einen Hafen, den ich ihnen bieten würde, auch wenn ich mich selbst dabei aufgeben musste. Ich ertrug es. Verweilte stumm mit aufrechtem Körper auf beiden Knien. Und wurde zu einer gänzlich nutzlosen Waffe in Händen, die mich nicht zu führen verstanden.
Er hatte einen Vasallen erhalten, doch eine Wesirin der Banu Haqim verloren.
Re: [Fluff] Der Anfang vom Ende [Sara]
Nach jenem Schwur war es still geworden in mir. Nicht leer. Einfach nur still. Ich war ein gehorsames Werkzeug gewesen, das sich dem Willen seines neuen Herren unterworfen hatte. Das bereit war zu dienen. Und doch eines, welches über viele Jahre ungenutzt in der Ecke liegen gelassen werden sollte, nachdem es seinen ersten und offensichtlichen Nutzen erfüllt hatte. Was danach mit mir angefangen werden sollte, schien unklar. Mehr noch gänzlich ungewiss.
Ich war ersetzbar geworden, obwohl ich damals alles getan hatte, was von mir verlangt worden war. Wort für Wort. Ohne Zögern. Ohne Widerworte zu leisten. Nicht, weil ich davon überzeugt gewesen wäre. Und auch nicht, weil ich es zugesichert hatte zu tun. Vielmehr weil ich verstanden hatte, dass es meine Pflicht gewesen war. Ob ich sie selbst nun hasste oder liebte.
Die Veränderung in mir begann klein und unbemerkt. Und doch da. Stück für Stück an die Oberfläche drängend, wie ein keimendes Pflänzchen. Es war keine bewusste Entscheidung von mir gewesen, denn vielmehr ein natürlicher Ruf, dem ich gefolgt war, als Knochen und Asche die Erde bedeckten. Der Saal war voller Augen. Voller Stimmen. Voller Macht. Und doch war da Niemand, der sich wahrlich um das kümmerte, was zurückblieb. Niemand, der verstand, dass Ordnung nicht nur in Urteilen lag. Nicht in der Verteilung von Beute. Oder der Übergabe von Aufgaben.
Ich handelte nicht, weil ich wollte. Ich handelte, weil es getan werden musste. Weil es sonst Keiner tat. Weil ein Hof nicht im Chaos stehen bleiben darf, wenn Blut ewiglich vergossen wurde. Ich sah die Reste, die verstreut lagen wie ein stummer Vorwurf. Ich sah Jene, die sie vernichtet hatte. Ich sah die Ältesten, die es ignorierten, als wäre sie nicht mehr gewesen als ein weiterer verschwundener Tropfen im endlosen Meer der Nacht. Und ich wusste, so ich mich abwende, so ich nicht handle, würde dieser Hof befleckt bleiben. Nicht im Sichtbaren. Im Unsichtbaren.
Also holte ich ein Laken. Leise. Unscheinbar. Handelte, nicht um mich zu zeigen, sondern um zu dienen. Ich kniete. Offen. Verbarg nichts von dem was ich tat. Und erwartete noch weniger dafür. Ich bedeckte, was bedeckt werden musste. Nicht aus Gnade., sondern aus Pflicht. Und in diesem Moment begriff ich, was ich zuvor nicht benennen konnte. Ich war nicht mehr nur Gast in dieser Stadt. Keine ferne Beobachterin. Keine teilnahmslose Gesandte. Ich war zu einem Teil des Atems jener Domäne geworden.
Nicht, weil der Prinz mich dazu gemacht hatte. Nicht, weil ein Eid mich band. Sondern weil ich in jenem Augenblick gehandelt hatte, wie es nur Jemand tun konnte, der die Verantwortung spürte. Ich tat was Jemand tut, der sich der Ordnung der Domäne verpflichtet fühlt. Nicht aus Zwang, sondern aus innerer Notwendigkeit. Und als ich an meinen Platz zurückkehrte, lautlos, ohne Anspruch, ohne Blick, da war jener Funke entsprungen. Nicht für ihn. Nicht für seine Krone. Sondern für Genua selbst.
Es waren die ungeschriebenen Gesetze, die ich hütete, selbst wenn andere sie vergessen hatten. Ganz ohne, dass mich Jemand dazu zwang, sondern aus dem Verständnis der Notwenigkeit heraus. Und so formte sich der Gedanke tief in meinem Inneren. Unausgesprochen. Leise. Aber unerschütterlich wachsend mit jedem weiteren Jahr, das tatenlos verging. Dennoch traf es mich unvorbereitet.
Einsamkeit. Das Gefühl war einfach aufgetaucht wie aus dem Nichts. War plötzlich da und schien auch nicht ohne weiteres weggehen zu wollen. Ich konnte nicht genau ausmachen warum es mich gerade jetzt heimsuchte. Nicht einmal weshalb genau. Ob es am Wetter lag, dem Hass der Jenen entgegenschlug, die eine andere Hautfarbe hatten. Oder den unzähligen Meldungen vom Krieg. Wozu sollte ich das Chaos noch bekämpfen wollen, wo es sich doch unaufhörlich auszubreiten schien.
Die Welt schien kälter geworden zu sein, während Jene die Liebe predigten, Unzählige abschlachteten im Namen eines Herrn, der uns doch alle gleichermaßen seine Kinder nannte. Die Welt schien verrückt geworden zu sein. Diplomatie und gemeinsame Gespräche waren zu einer fernen Erinnerung in Zeiten geworden, in denen Jeder selbst sich der Nächste geworden war und bare Münze die Welt regierte. Wozu also wurde ich hier noch gebraucht.
Ich hatte meine Dienste angeboten. Ihrem höchst verehrten Fürsten, wie auch Jedem, der darauf zurückgreifen wollte. Ich hatte Gespräche angeboten. Vermittlung, Austausch, gegenseitiges Verständnis und Wachsen. Gar ihre Eide zu wahren. Doch Niemand war auf mich zugekommen. Und Jene, die verstanden weshalb meine Tätigkeit wichtig war, fürchteten sie zu nutzen. Oder lehnten sie in mancherlei Fällen bewusst ab, da Manipulation und politische Spielchen wichtiger geworden waren, als aufrecht zu dem zu stehen, was man war. Wofür man existierte. Wozu also war ich überhaupt noch da.
Doch in der weiter unbewusst unter der Oberfläche keimenden Erkenntnis lag kein Schmerz. Keine Bitterkeit. Nur aufkommende Klarheit und eine tiefe Gewissheit, trotz vieler Zweifel und Sorgen. Nun da zarte Knospen begannen sich aus der feuchten Erde zu schieben, weiß ich heute mehr denn je: Genua ist meine Heimat. Nicht, weil ich hier geboren wurde. Nicht, weil ich hier freigesprochen wurde. Nicht, weil ich hier gebunden wurde. Sondern weil ich hier gebraucht werde. Weil ich hier wirke. Weil ich hier, trotz allem was gegen mich zu sprechen scheint, dennoch, oder auch gerade deshalb, genau richtig bin.
Ich war ersetzbar geworden, obwohl ich damals alles getan hatte, was von mir verlangt worden war. Wort für Wort. Ohne Zögern. Ohne Widerworte zu leisten. Nicht, weil ich davon überzeugt gewesen wäre. Und auch nicht, weil ich es zugesichert hatte zu tun. Vielmehr weil ich verstanden hatte, dass es meine Pflicht gewesen war. Ob ich sie selbst nun hasste oder liebte.
Die Veränderung in mir begann klein und unbemerkt. Und doch da. Stück für Stück an die Oberfläche drängend, wie ein keimendes Pflänzchen. Es war keine bewusste Entscheidung von mir gewesen, denn vielmehr ein natürlicher Ruf, dem ich gefolgt war, als Knochen und Asche die Erde bedeckten. Der Saal war voller Augen. Voller Stimmen. Voller Macht. Und doch war da Niemand, der sich wahrlich um das kümmerte, was zurückblieb. Niemand, der verstand, dass Ordnung nicht nur in Urteilen lag. Nicht in der Verteilung von Beute. Oder der Übergabe von Aufgaben.
Ich handelte nicht, weil ich wollte. Ich handelte, weil es getan werden musste. Weil es sonst Keiner tat. Weil ein Hof nicht im Chaos stehen bleiben darf, wenn Blut ewiglich vergossen wurde. Ich sah die Reste, die verstreut lagen wie ein stummer Vorwurf. Ich sah Jene, die sie vernichtet hatte. Ich sah die Ältesten, die es ignorierten, als wäre sie nicht mehr gewesen als ein weiterer verschwundener Tropfen im endlosen Meer der Nacht. Und ich wusste, so ich mich abwende, so ich nicht handle, würde dieser Hof befleckt bleiben. Nicht im Sichtbaren. Im Unsichtbaren.
Also holte ich ein Laken. Leise. Unscheinbar. Handelte, nicht um mich zu zeigen, sondern um zu dienen. Ich kniete. Offen. Verbarg nichts von dem was ich tat. Und erwartete noch weniger dafür. Ich bedeckte, was bedeckt werden musste. Nicht aus Gnade., sondern aus Pflicht. Und in diesem Moment begriff ich, was ich zuvor nicht benennen konnte. Ich war nicht mehr nur Gast in dieser Stadt. Keine ferne Beobachterin. Keine teilnahmslose Gesandte. Ich war zu einem Teil des Atems jener Domäne geworden.
Nicht, weil der Prinz mich dazu gemacht hatte. Nicht, weil ein Eid mich band. Sondern weil ich in jenem Augenblick gehandelt hatte, wie es nur Jemand tun konnte, der die Verantwortung spürte. Ich tat was Jemand tut, der sich der Ordnung der Domäne verpflichtet fühlt. Nicht aus Zwang, sondern aus innerer Notwendigkeit. Und als ich an meinen Platz zurückkehrte, lautlos, ohne Anspruch, ohne Blick, da war jener Funke entsprungen. Nicht für ihn. Nicht für seine Krone. Sondern für Genua selbst.
Es waren die ungeschriebenen Gesetze, die ich hütete, selbst wenn andere sie vergessen hatten. Ganz ohne, dass mich Jemand dazu zwang, sondern aus dem Verständnis der Notwenigkeit heraus. Und so formte sich der Gedanke tief in meinem Inneren. Unausgesprochen. Leise. Aber unerschütterlich wachsend mit jedem weiteren Jahr, das tatenlos verging. Dennoch traf es mich unvorbereitet.
Einsamkeit. Das Gefühl war einfach aufgetaucht wie aus dem Nichts. War plötzlich da und schien auch nicht ohne weiteres weggehen zu wollen. Ich konnte nicht genau ausmachen warum es mich gerade jetzt heimsuchte. Nicht einmal weshalb genau. Ob es am Wetter lag, dem Hass der Jenen entgegenschlug, die eine andere Hautfarbe hatten. Oder den unzähligen Meldungen vom Krieg. Wozu sollte ich das Chaos noch bekämpfen wollen, wo es sich doch unaufhörlich auszubreiten schien.
Die Welt schien kälter geworden zu sein, während Jene die Liebe predigten, Unzählige abschlachteten im Namen eines Herrn, der uns doch alle gleichermaßen seine Kinder nannte. Die Welt schien verrückt geworden zu sein. Diplomatie und gemeinsame Gespräche waren zu einer fernen Erinnerung in Zeiten geworden, in denen Jeder selbst sich der Nächste geworden war und bare Münze die Welt regierte. Wozu also wurde ich hier noch gebraucht.
Ich hatte meine Dienste angeboten. Ihrem höchst verehrten Fürsten, wie auch Jedem, der darauf zurückgreifen wollte. Ich hatte Gespräche angeboten. Vermittlung, Austausch, gegenseitiges Verständnis und Wachsen. Gar ihre Eide zu wahren. Doch Niemand war auf mich zugekommen. Und Jene, die verstanden weshalb meine Tätigkeit wichtig war, fürchteten sie zu nutzen. Oder lehnten sie in mancherlei Fällen bewusst ab, da Manipulation und politische Spielchen wichtiger geworden waren, als aufrecht zu dem zu stehen, was man war. Wofür man existierte. Wozu also war ich überhaupt noch da.
Doch in der weiter unbewusst unter der Oberfläche keimenden Erkenntnis lag kein Schmerz. Keine Bitterkeit. Nur aufkommende Klarheit und eine tiefe Gewissheit, trotz vieler Zweifel und Sorgen. Nun da zarte Knospen begannen sich aus der feuchten Erde zu schieben, weiß ich heute mehr denn je: Genua ist meine Heimat. Nicht, weil ich hier geboren wurde. Nicht, weil ich hier freigesprochen wurde. Nicht, weil ich hier gebunden wurde. Sondern weil ich hier gebraucht werde. Weil ich hier wirke. Weil ich hier, trotz allem was gegen mich zu sprechen scheint, dennoch, oder auch gerade deshalb, genau richtig bin.